Stars im Portrait: JOHN TRAVOLTA

Portrait

Life goes up and life goes down, some fly high and others drown, life goes up and life goes down, some are kings fearing the clowns, ‘cause life goes up and life goes down and what’s soon be gone was once renown. Ja, Hollywood hat seine Könige und Clowns, die, die es vom einen zum anderen geschafft haben und umgekehrt – und Hollywood hat seinen John Travolta. Manchmal fast schon tragische Witzfigur mit Hang zum Overacten, dann wieder mit majestätisch cooler Präsenz und Lässigkeit, seine Ups and Downs reichen von den Toren des Olymps bis zum Vorhof der Hölle und manchmal noch darüber hinaus. Vier Dekaden zwischen schlanken Tanzschritten und Speckrollen, Popularität und Sektenzugehörigkeit, BoxOffice-Höhenflug und –Frontalabsturz, vier Dekaden zwischen damn good und holy shit… Filming „John Travoltas reaction to this”, take one, cameras rollin‘ and… ACTION! »Jesus fuckin’ Christ…«, Travolta completely freaks out, screaming his lounges out and throws his body around. »…fuck, that’s such a fuckin‘ pathetic speech. Like it, like it, fuckin’ like it…« CUT! Failed, sorry John.

Als jüngstes von sechs Geschwistern wuchs John Joseph Travolta in Englewood, New Jersey, in einer irisch-katholischen Nachbarschaft auf, der Vater, Salvatore Travolta, ein ehemaliger semiprofessioneller Footballspieler und Reifenhändler, seine Mutter, Helen, nach der eigenen (nicht besonders beeindruckenden) Schauspielkarriere als Lehrerin am Schultheater der High School tätig. Travolta, der in seiner Kindheit vom Fliegen und eben der Schauspielerei schwärmte, bekam von seiner Mutter ersten Schauspielunterricht und Rollen in den lokalen Theateraufführungen, außerdem nahm er Tanz- und Gesangsstunden und bekam seinen ersten professionellen Job auf der Bühne bei dem Musical Bye Bye Birdie. Im selben Alter brach Travolta, mit dem Einverständnis seiner Eltern, die Schule ab und zog nach New York zu seiner Schwester Margaret. Neben Rollen in Commercials und auf der Bühne ging er mit Grease auf Tour und trat 1974 in Over Here! am Broadway auf.



Nach dem nächsten Umzug, diesmal nach Los Angeles, bekam John Travolta seine erste auffällige Rolle in einem Spielfilm in Brian De Palmas Horrorfilm Carrie (1976), eine der populärsten Stephen King-Verfilmungen. Außerdem spielte er von 1975 – ’79 in 78 Episoden der Sitcom Welcome Back, Kotter. Am Set des TV-Films The Boy in the Plastic Bubble (1976) verliebte sich Travolta in die achtzehn Jahre ältere Diana Hyland, die nur ein Jahr später an Krebs starb. Neben dieser persönlichen Tragödie explodierte Travoltas Starruhm jedoch geradezu, durch seinen Oscar-nominierten Auftritt im Tanzfilm Saturday Night Fever (1977) wurde er zum umjubelten Teenieschwarm und mit seinen gekonnten Einlagen auf der Tanzfläche zur Musik der Bee Gees zum personifizierten Höhepunkt der Discowelle. Die Kinoumsetzung des Musicals Grease (1978) mit Travoltas schmalzgelockter Performance ist bis heute sein erfolgreichster Film und untermauerte seinen Status als Sexsymbol und angesagtester Star der Traumfabrik.

But the higher they fly, the harder they fall, das sollte kaum ein anderer so deutlich zu spüren bekommen wie John Travolta in den folgenden Jahren. Moment by Moment (1978), die Geschichte eines Landstreichers und seiner Liebe zu einer reichen älteren Frau, gespielt von Lily Tomlin, floppte ein halbes Jahr nach dem Release von Grease heftig. Mit der Country-Version von Saturday Night Fever, Urban Cowboys (1980), ging die Erfolgskurve noch einmal kurzfristig nach oben. Doch sowohl Brian De Palmas Thriller Blow Out (1981), das strangely enough von Sylvester Stallone geschriebene und inszenierte Saturday Night Fever-Sequel Staying Alive, die Fantasy-Komödie Two of a Kind (beide 1983) und besonders das Aerobic(!)-Drama Perfect (1985) nebst Jamie Lee Curtis gerieten zu künstlerisch wie kommerziell desaströsen Fehlschlägen. Auch in Anbetracht dessen, was Travolta stattdessen hätte spielen können: so wurden ihm die Hauptrollen für Terrence Malicks In der Glut des Südens (1978), Paul Schraders American Gigolo (1980), sowie Taylor Hackfords Ein Offizier und Gentleman (1982) angeboten, die allesamt an Richard Gere gingen, der vor allem mit den beiden letztgenannten Travolta zusätzlich vom Sexsymbolthron schmiss.



Mit selbst abgefeuerter Munition vom Himmel geschossen lag John Travoltas Karriere am Boden. Nach der Komödie The Experts (1989), in der er gemeinsam mit seiner späteren Frau Kelly Preston zu sehen ist, schien endgültig alles aus zu sein. Der Film spielte in den USA lächerliche $169,203 ein und in dieser Zeit war einiges in Sicht, aber auf keinen Fall ein Comeback Travoltas. Doch natürlich fiel genau das dann umso beeindruckender aus. Ein mit der Stimme von Bruce Willis quatschendes Baby führte zurück zum Erfolg, Kuck mal, wer da spricht (1989) wurde zum Überraschungshit des Jahres und lag mit einem weltweiten Einspiel von fast dreihundert Millionen nur hinter den Überkrachern Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, Batman und Zurück in die Zukunft II. But, who would have guessed, Travolta messed up again. Vierzehn Monate nach dem ersten Teil kam, von der selben Crew und mit identischem Cast, Kuck mal, wer da spricht 2 (1990) in die Kinos, diesmal mit einem Haufen sprechender Babys, dafür mit kaum einem Viertel des Erfolges. Dass es Travolta nach dem noch katastrophaleren Flop von Shout (1991) sogar noch mit einem dritten Teil versuchte, in dem dann sogar die Köter sprechen, könnte man unter bemitleidenswert verbuchen, wenn das Ergebnis nicht so armselig wäre. Kuck’ mal, wer da jetzt spricht! (1993) spielte in den USA elendige zehn Millionen ein und Travoltas Karriere war, mal wieder, tot, lag nicht bloß am Boden, sondern meterweit darunter begraben.

Ganz ähnlich erging es zu jener Zeit dem einstigen Actionstar Bruce Willis, der sich mit der Softsexgurke Color of Night (1994) gerade endgültig bis auf die Arschbacken blamiert hatte. Wie genau nun Regieextravagant Quentin Tarantino auf die Idee kam, diese beiden Absturzsynonyme für seinen das Kino umwälzenden Kulthit Pulp Fiction (1994) zu besetzen, lässt sich nur schwer erraten, sicher ist aber, dass er vor allem John Travolta ein, mal wieder, beispielloses Comeback verschaffte, samt Oscar-Nominierung und Fanverehrung. Dem Kult folgte eine konstante Reihe von Hits, wie Barry Sonnenfelds Showbiz-Satire Get Shorty (1995), sein Auftritt als Fiesling in John Woos Broken Arrow, der für seine Bezüge zu Scientology-Lehren kritisierte Phenomenon, sowie Travolta als Lotter-Engel in Nora Ephrons Michael (alle 1996). Einen weiteren Höhepunkt erreichte Travolta neben Nicolas Cage in John Woos Face/Off (1997), einem der besten Actionfilme der ‘90er.



Danach nahm das große Schwanken seinen Lauf. John Travolta trat in einigen künstlerisch ambitionierten Projekten auf, wie dem medienkritischen Mad City (1997) mit Dustin Hoffman, der Politdramödie Primary Colors, Terrence Malicks stargespicktem Kriegsdrama Der schmale Grat und Steven Zaillians Justiz-Drama Zivilprozess (alle 1998). Simon Wests Hochglanzmilitärthriller The General’s Daughter (1999) wurde zumindest in den USA zum 100 Millionen-Hit. Mit gelobten bis routinierten Leistungen in ebensolchen Filmen schien sich Travolta endlich als solide Verlässlichkeit etabliert zu haben – ABER DANN… Travolta nahm sich ein Buch des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard, investierte Millionen seines Privatvermögens und das Geld deutscher Filmfinanziers und verbrach Battlefield Earth (2000), eines der kommerziell größten Desaster der Filmgeschichte. Ein Machwerk von solch schreiender Dümmlichkeit und handwerklicher Stümperhaftigkeit, dass selbst eingefleischten Trash-Liebhabern die Freude daran vergeht. Nach acht Goldenen Himbeeren für Battlefield Earth und dem zweiten Totalflop Lucky Numbers (2000) lag, wieder einmal, alles in Trümmern.

Aber: selbst nach diesen unverkraftbar erscheinenden Fehltritten und Enttäuschungen hielt sich John Travolta im Geschäft. Passwort: Swordfish mit Hugh Jackman, der Thriller Tödliches Vertrauen (beide 2001), John McTiernans Basic (2003), die Comicverfilmung The Punisher mit Thomas Jane und das Feuerwehr-Drama Ladder 49 mit Joaquin Phoenix (beide 2004) liefen zwar nicht sonderlich gut und zeigten einen Travolta, der sich meist dem Niveau seiner Filme anpasste und vor allem seine Schurkenrollen mit derbem Overacting überzog, aber was soll man sagen, sie zeigten Travolta. Für A Love Song for Bobby Long (2004) gab es neben Scarlett Johansson auch mal wieder Kritikerlob, dem Get Shorty-Sequel Be Cool (2005) war dies hingegen nicht vergönnt. Den Film noir-Thriller Lonely Hearts (2006) beachtete niemand, die harmlos-verklemmte Biker-Komödie Wild Hogs und das Remake des Musicals Hairspray (beide 2007) mit Travolta im Fatsuit und Frauenkleidern sprengten noch einmal deutlich die 200 Millionen-Grenze des weltweiten BoxOffice. Ein weiteres Remake, Tony Scotts Die Entführung der U-Bahn Pelham 123, brachte Travolta eine weitere nur durch das Outfit variierte Rolle als cholerischer Bösewicht, die Komödie Old Dogs (beide 2009) mit Robin Williams geriet nicht weniger lasch.



Oh man, what a ride. Natürlich würde sich bei John Travolta die Metapher anbieten, dass das Leben wie eine Achterbahnfahrt sei. Angesichts so manchen Werkes und einiger Auftritte Travoltas, vornehmlich solcher in extravaganter Aufmachung mit schrägen Frisuren und Accessoires, kommt man sich eher wie in der Geisterbahn vor. Allerdings muss man es ihm lassen: der Mann hat berufliche und private Tiefschläge, wie den Tod seines Sohnes 2009, weggesteckt wie kaum ein anderer, hat nicht wenige falsche Entscheidungen getroffen, aber er ist noch da. Sicher, Travolta kann schlechte Filme nicht aufwerten, vielmehr passt er sich ihnen auf meist nervtötende Weise an, er ist ein Darsteller, der absolut auf einen Regisseur angewiesen ist, der seine Coolness und Präsenz einzusetzen weiß und in ihm die Lust wecken kann, über das bloße Abspulen der Routine hinauszugehen, dann kann man an Travolta Vergnügen haben wie in Pierre Morels From Paris with Love (2010). Dann kann man einen Typen sehen, der nicht jede Facette des Schauspielens, aber der die Leinwand mit unnachahmlicher Lässigkeit beherrscht. Filming „John Travoltas reaction to this”, take two, cameras rollin‘ and… ACTION! »Jesus Christ…«, Travolta leans back, lights up a cigarette. »…what a fuckin‘ pathetic speech. Like it…« CUT! Nailed, thanks John.

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