Kurz-Reviews: LIMITLESS & SOURCE CODE

LIMITLESS Filmkritik
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Story

Der Schriftsteller Eddie Morra ist nicht gerade auf der Siegerstraße unterwegs: zwar hat er einen Buchvertrag in der Tasche, aber noch nicht eine Seite geschrieben, seine erste Ehe wurde nach ein paar Minuten wieder geschieden, seine aktuelle Freundin Lindy hat gerade mit dem lottrigen Loser Schluss gemacht. In seinem heruntergekommenen Zustand hat Eddie auch nicht wirklich Bock darauf, seinem Ex-Schwager Vernon zu begegnen. Der allerdings meint, die Lösung für Eddies Probleme parat zu haben: eine neue synthetische Wunderdroge namens NZT-48. Die steht angeblich kurz vor der Markteinführung und soll den Zugriff auf das volle Leistungsvermögen des Gehirns ermöglichen. Und tatsächlich: Eddies Intelligenz, Erinnerungsvermögen und Konzentrationsfähigkeit steigern sich ins unermessliche, sein Buch vollendet er in wenigen Tagen, Sprachen und Instrumente lernt er nebenbei und selbst auf tief im Unterbewusstsein abgespeicherte Informationen kann er nun zugreifen. Dermaßen aufgeputscht startet Eddie einen rasanten Aufstieg als Börsenspekulant und dringt bis in höchste Geschäftskreise vor. Doch Nebenwirkungen bleiben nicht aus: hält er seinen NZT-48-Konsum nicht konstant hoch kommt es zu abrupten schweren Krankheitssymptomen, die andere Abhängige, von denen Eddie erfährt, bis in den Tod treiben. Doch damit nicht genug: auch der kaltblütige Russe, mit dem er sich eingelassen hat, will plötzlich mehr als nur Geld von Eddie und dann ist da noch ein seltsamer Mann, der ihn verfolgt…

Der Film

Na siehste, Bradley Cooper, da geht doch noch deutlich mehr, als immer nur verkatert durch Touristenhochburgen zu stolpern: im Superdrogenmegaflash durch New York monetarisieren, blackouten, bumsen und töten zum Beispiel! Neil Burgers Limitless gibt dem Beau damit natürlich reichlich mehr an die Hand, als die Hangover-Trips. Statt zotiger Klemmödie gibt’s hier einen ekstatischen Mix aus klassischer rise and fall-Story, wildem Drogen-Drama und teils ordentlich gewalttätigem Paranoia-Thriller, der zum Schluss zudem noch zungeschnalzend jeden moralischen Zeigefinger absäbelt, der sich da zwischendurch zu erheben droht. Ganz ohne die Fehler und Klischees, die Filme solcher Genres machen, dröhnt sich Limitless nicht ins Ziel: die subjektive Fokussierung auf den Ich-Erzähler lässt daneben nur fragmentarische Charaktere zu und das voranpeitschende visuelle Konzept lenkt von ein paar kleineren Storylücken ab, was aber überhaupt nichts am fast schon schelmisch-dreckigen Vergnügen trübt, das Coopers up and down tour de drug selbst in ihren harten Momenten bereitet. Ein bißchen bösartiger in Richtung Konsumgeilheit, Aufputsch-Allüren und Konzern-Großkotzigkeit hätte Burger vielleicht hier und da noch werden können, aber für das unmittelbare Erlebnis des Films ist es auch schon wieder gut und richtig, wie wenig Ambition zum kritischen Hinterfragen vorhanden ist. »A tablet a day and I was limitless. What would you do?« Das kann und darf sich jeder selbst überlegen, ohne dass die Antwort vom Film breit ausdiskutiert wird. So taugt Limitless natürlich nicht als Werbefilm für don’t do drugs-Kampagnen, sehr wohl aber zu einem reizüberbordenden passiv-Trip, den man sich nach dem Abspann-Entzug gerne gleich nochmal reinschmeißt.

Wertung

Fazit: 8,5/10

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SOURCE CODE Filmkritik
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Story

Colter Stevens ist Helikopterpilot der US-Army und leistet Dienst in Afghanistan – bis er plötzlich und ohne Erinnerung, wie er dorthin gelangt ist, in einem Nahverkehrszug Richtung Chicago aufwacht, ihm gegenüber eine fremde Frau, die ihn als Sean anspricht. Noch ehe Stevens irgendetwas herausfinden kann explodiert im Zug eine Bombe und reißt alle Fahrgäste in den Tod. Doch der Soldat findet sich wiederum plötzlich in einer eigenartigen Vorrichtung wieder, über einen Monitor mit einer Frau verbunden, die sich als Air-Force-Captain Colleen Goodwin identifiziert. Nur bruchstückhaft offenbart sie dem desorientierten Stevens, was vor sich geht: mittels eines Programms, dem Source Code, ist es möglich, für die letzten acht Erinnerungsminuten in den Körper eines Toten zu schlüpfen und dessen letzte Momente nachzuleben. Auf diese Weise soll Stevens die Bombe und den Attentäter ausfindig machen, die den Zug gesprengt haben. Da es sich um einen alternativen und in seiner Konsequenz unveränderlichen Zeitstrang handelt kann Stevens das Ereignis zwar nicht verhindern, jedoch weitere geplante Anschläge vereiteln. Wieder und wieder taucht er in den Körper des Zuggastes Sean Fentress, wieder und wieder scheitern seine Versuche. Doch je näher Stevens dem Attentäter schließlich kommt, desto weniger ist er zu akzeptieren bereit, dass er den Zug nicht retten kann…

Der Film

…und minütlich grüßt der Gyllenhaal: Source Code lebt vom Grundgedanken seines spannenden Konzepts, holt nahezu das Maximum aus seinem Wissensvorsprung gegenüber dem Zuschauer heraus und bindet damit an das Schicksal seiner ebenso ahnungslosen und nur häppchenweise klarer sehenden Hauptfigur – zumindest eine Dreiviertelstunde lang. Danach unterhält Duncan Jones‘ zweiter Spielfilm zwar immer noch und auch bis zum Schluss, aber in seinem fatalistischen Zwang, unbedingt ein Happy End herbei führen zu müssen, macht er es sich zu einfach und schwer zugleich: darauf zu setzen, dass ein möglicherweise von der Idee des Films fasziniertes Publikum, das sich bis dahin auf einen knackigen SciFi-Thriller-Plot eingelassen hat, plötzlich umschwenkt auf ein ganz und gar konservatives guy tries to save the girl-Romanzenschema und dann am Ende damit zufrieden ist – nun, das ist eine gewagte Annahme. Denn ganz abgesehen davon, dass das ziemlich hermaphroditäre Sehgewohnheiten vorraussetzen würde: in Source Code ist bei allem wissenschaftlichen Krimskrams über alternative Zeitlinien, die Hirnaktivität von Toten usw. die unrealistischste Annahme jene, dass sich jemand in die knautschknuffige Michelle Monaghan verliebt, nachdem er mit ihr immer und immer wieder die selben acht Minuten verbracht hat. Aber genauso kommt’s und drum wird der Terrorplot irgendwann ziemlich nebenher weggedüdelt, drum sind und bleiben Post-9/11-Paranoia und moralisch-ethische Konflikte nur Stichwörter und drum werden finale Erklärungen entweder verweigert oder absurd formuliert. Trotzdem ist’s ‘n netter Film, denn Möglichkeiten zu verschwenden heißt immerhin, überhaupt Möglichkeiten zu haben. Source Code ist nicht ganz so arg vorhersehbar (wenn auch nicht lange genug um seine Unvorhersehbarkeit bemüht) wie die fünffach teurere Blockbusterkonkurrenz, gemessen am verhältnismäßig schmalen Budget gut getrickst, von Jake Gyllenhaal und Vera Farmiga sehenswert gespielt und mindestens dann schon recht intelligent, wenn man sich vorher Transformers 3 angesehen hat.

Wertung

Fazit: 6,5/10

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16 Kommentare

  1. Bei mir war es genau anders herum: “Source Code” hat mir richtig gut gefallen. Vor allem der Anfang war grandios. Okay: Zum Ende hin war ein wenig die Spannung raus, aber ich fühlte mich gut unterhalten.
    “Limitless” hingegen fand ich “nur” befriedigend… also 6-7 Punkte. Irgendwie hatte ich ständig das Gefühl in so einem schlechten B-Movie zu sein. Nicht falsch verstehen: Der Film hat seine starken Momente. Es ist ein wenig wie ein fetter Burger, der vor einem steht: Von außen superlecker und dann beisst man rein… und irgendwas stimmt nicht. Aber er ist auch nicht so schlecht, dass man ihn ausspucken möchte. Er ist einfach nur nicht so gut, wie er hätte sein können.

    1. Mir war bei “Source Code” einfach ZU schnell die Spannung raus und das Ganze wurd dann eben arg konventionell. Gut unterhalten hat ‘a mich freilich auch.
      Hm, der Gedanke an ein B-Movie, und dann noch ‘n schlechtes, wär mir bei “Limitless” nun nicht gekommen. Es sei denn, und das liegt bei deiner anschließenden Metapher ja nahe, bei dir steht B für Burger 😉 In dem Fall war “Limitless” allerdings so’n richtiges Deluxe-Teil 🙂

    2. Bin bei Souce Code auch zum Teil enttäuscht worden. Der Film fängt gut an, aber nach dem zweiten Sprung durch den “Code” flacht der ganze Film wieder ab….

  2. Ganz ausgereizt hat “Limitless” sein Potential zwar meiner Meinung nach nicht, schon des konventionellen Aufbaus und Schlusses wegen. Trotzdem, überraschend okay, hätte aber auch besser sein können. “Source Code” habe ich noch nicht gesehen, besser als “Moon” sollte er dann aber doch bitte sein, denn der war enttäuschend.

    1. “Moon” ist ja so’n Ding: da sagen die einen toll, “Source Code” dagegen enttäuschend, die anderen finden beide doof oder umgekehrt… Ich kann wie gesagt nur “Source Code” beurteilen und der ist ok. “Limitless”, ja… Klar verdeckt das Visuelle da auch ein bißchen das Konventionelle, ist schon ziemlich striktes rise and fall-Prinzip. Passt aber und ich mag das ja sowieso 🙂

  3. Ich sah mir nach einer Besprechung von “The Illusionist” Burger’s “The Lucky Ones” (2008) an und habe folglich erwartet, dass auch “Limitless” ein guter Film würde. Freue mich schon auf eine Sichtung. 🙂

    1. Zu recht! Und ich freue mich in umgekehrter Reihenfolge, hab “The Illusionist” seit Monaten ungesehen im Regal stehen und nun einen Grund mehr, den endlich mal in den Player zu tun.

    2. Wenn du aber ein gnadenloser Nolan-Fan bist, könnte dich “The Illusionist” enttäuschen: Da herrscht ja ein regelrechter Krieg, wer das alleinige Recht habe, einen Magierfilm zu drehen. Schade: Man kann sowohl “The Prestige” als auch den Burger mögen.

    3. Bin ganz sicher kein “gnadenloser” Nolan-Fan. Es darf auch gerne zwei oder fünf oder dreiundachtzig GUTE Filme zum selben (bzw. in seinen Grundzügen ähnlichen) Thema geben 😉

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