MACHETE KILLS: Kritik zu Robert Rodriguez’ Mexploitation-Sequel mit Danny Trejo (Blu-ray)

Story

Dem unbeugsamen Mexikaner Machete wird mal wieder schwer zugesetzt: während eines Einsatzes an der Seite seiner Geliebten, der Bundesagentin Sartana Rivera, wird diese kaltblütig erschossen und Machete selbst im Anschluss von einem korrupten und rassistischen Sheriff aufgeknüpft. Doch ein unerwarteter Anruf bewahrt den toughen Hombre vor’m Galgentod, als der Präsident der Vereinigten Staaten persönlich Machete um Hilfe bittet. Er soll den schizophren-psychopathischen Kartellboss Marcos Mendez töten, der im Kampf für die Befreiung eines mittlerweile per Mauer von den USA getrennten Mexikos mit dem Abschuss einer Rakete auf Washington D.C. droht. Mit Hilfe der aufreizenden Miss San Antonio und nachdem er sich durch die Reihen der männerhassenden Puffmutter Desdemona und ihrer schießwütigen Lustmädchen geschlagen hat gelingt es Machete, Mendez aufzuspüren. Der hat sich den Startmechanismus seiner Vernichtungswaffe jedoch direkt ans Herz montieren lassen, so dass die Rakete losgeht, sollte Mendez getötet werden. Machete schnappt sich den persönlichkeitsgespaltenen Schurken, um ihn nach Amerika zu schaffen, wo die Vorrichtung entschärft werden kann. Doch für seinen und Mendez’ Kopf winkt plötzlich ein gewaltiger Lohn und neben der rachsüchtigen Desdemona und allerlei geldversessenen Gringos hat Machete plötzlich auch den gestaltwandlerischen Auftragskiller El Cameleón an den Fersen…

Der Film



Es ist mal wieder an der Zeit, Danny Trejo zu huldigen. Die liebenswürdige mexikanische Hackmettfresse (und das ist wirklich lieb gemeint) wird nämlich nicht nur nach Meinung seines Cousins Robert Rodriguez noch nicht genug gewürdigt, so dass der Texaner und „El Mariachi“-Macher dem ewigen Nebendarsteller Trejo die Paraderolle des Isador Cortez schrieb, besser bekannt als Machete. Erstmal nur als Randfigur in den vier kiddie-freakigen „Spy Kids“-Filmen, dann im Fake Trailer im Anhang des „Grindhouse“-Projekts zu sehen und dadurch schließlich einen solchen Popularitätsschub erntend, dass Rodriguez’ Vision für Trejo endlich wahr wurde: »This guy should be like the Mexican Jean-Claude Van Damme or Charles Bronson, putting out a movie every year and his name should be Machete.« Das Solo für „Machete“ erschien 2010 und an dieser Stelle und als Überleitung zur „Machete Kills“-Kritik zitiere ich mich mal selbst: »[…]prall gefüllt mit abgedrehten Actioneinlagen und ultrabrutalen Fun-Metzeleien, ein Baum, vollgehängt mit bis zum Bersten mit Blut gefüllten Piñatas, auf die der Film nahezu ohne Unterlass eindrischt. Das konnte man erwarten. Aber so ist „Machete“ nicht, denn der Film spart die Phasen nicht aus, in denen er minutenlang an den bunten Pappmaché-Figuren vorbeihaut, bis hin und wieder ein Treffer gelandet wird.«

Neben spaßigen Gastauftritten und seiner recht unspektakulär in Szene gesetzten Titelfigur bot „Machete“ ungeahnt viel Story und viel Leerlauf; das zumindest ist nun in „Machete Kills“ komplett anders: das Mexquel ist um Meilen abgedrehter (und das vor allem durchgehend), als noch sein Vorgänger, und obwohl Rodriguez damit meinen Hauptkritikpunkt köpft ist ihm nicht automatisch der bessere Film gelungen. Zwischen der Hommage ans Schundkino der 1960/70er und dem uninspirierten Willen, eine Art modernen Trash zu erschaffen (ein Terminus, in dem selbst schon das Problem steckt!), fällt „Machete Kills“ in ein Sammelbecken verrückter Ideen, in dem sich so viele gefräßige Haie und bissige Piranhas tummeln, dass von diesen Ideen nur noch Schnipsel übrig bleiben, die Scriptmensch Kyle Ward und Rodriguez zu einem Film zusammenfritzeln. Hier durchgeknallte Killerbräute mit Minigun-BH, da ein Shapeshifter als pedantischer Auftragsmörder, hier ein blutiger Kill Move mit den Rotorblättern eines Hubschraubers, da ein vielweibernder Waffenlobbyisten-US-Präsident. Figuren mit Haftung an der Erdumlaufbahn gibt’s gar keine mehr und die uninteressanteste Erscheinung im „Machete“-Universum bleibt damit folgerichtig: Machete selbst.



Danny Trejo grummelt wie gehabt einsilbig und onelinernd durch den Film (»Machete tut dies nicht«, »Machete macht das nicht«, aber immerhin schreibt er jetzt SMS) und der Mythos, der die Figur angeblich umweht, wirkt noch aufgesetzter und mehr wie ein privater Gefallen von allen Beteiligten für den netten Danny, der so oft den anderen die große Bühne überlassen hat. Trejo schnetzelt und murrt sich durch alles, was der schöpferische Ausfluss von Ward und Rodriguez ihm so vorsetzt, meist ohne eine Miene zu verziehen, meist ohne so cool und bad ass zu wirken, wie „Machete Kills“ es sich wünschen würde. Die Bulldozer-Dynamik des mittlerweile volle siebzig Lenze zählenden Kultstars sorgt für schnell runtergeratterte Fights, in denen an sowas wie Choreographie überhaupt nicht zu denken ist und obwohl ein Grindhouse-Abklatsch nicht „The Raid“ sein muss will die Stimmungskanone dabei nicht anspringen, auch nicht bei den konzeptgetrimmt-mies getricksten Sondereinlagen. Die bockt Rodriguez vom Hubschrauber-Zerhacke-Kill bis zur von-innen-nach-außen-kehr-Kanone mit viel zu viel schlechtem CGI auf, diese Vertrashung neuzeitlicher Effektstandarts geht in „Machete Kills“ voll nach hinten los, wo sind die anatomisch wild wirbelnden Stuntpuppen und das gute alte Kunstblut hin?!

Echte Kritikpunkte sind bei „Machete Kills“ teils schwierig anzubringen, da er sich überall da, wo man andere Filme durch den Fleischwolf drehen würde, mit einem »…aber ich bin absichtlich so schlecht« rausreden kann, nur erzeugt eine bewusst-radikale Verschlechterung von gesetzten Qualitäts- und Niveaumaßstäben eben kein automatisch charmantes Vergnügen, das liegt beim B-Movie in künstlerischer Findigkeit angesichts finanzieller Kompromisse oder hauptsächlich am schadenfrohen »die können’s nicht besser«, was sich durch dutzendfach ironisierten Zweck-Dilettantismus nicht beliebig reproduzieren lässt. Genau darin wirkt „Machete Kills“ mit seinen Reißbrettabgedrehtheiten aber zu bemüht und auf Dauerfeuer eingestellt. „Machete“ war langweilig, „Machete Kills“ ist ermüdend. Umso mehr, je abgespacter die Show wird. Und mit einem präkognitiven Schurken, einer Klonarmee, dem anvisierten Ende der Welt und einer Raumstation ist noch lange nicht Schluss, wie der vorangestellte Trailer zu „Machete Kills Again… In Space“ ankündigt… Und Rodriguez klaut, unverhohlen. Bei sich selbst (unter anderem bei „From Dusk till Dawn“), bei „Star Wars“, „Austin Powers“, „Kill Bill“, dem Bond-Film „Moonraker“, Trash- und Exploitation-Kracher werden zuhauf zitiert – auch daraus kann man wieder keinen direkten Kritikpunkt ziehen, das ausgiebige referenzieren gehört natürlich zum Fun-Faktor. Doch der eine In-joke und der eine Popkulturverweis mehr ist immer auch das eine bißchen „Machete“-Identität weniger, denn wo sind denn zwischen all dem noch die referenzwürdigen „Machete“-Momente wie etwa die Bike-Gun?



So verwaschen Ward und Rodriguez die meisten ihrer Einfälle nochmal zusätzlich und auch der Story dient es nicht, wenn ihr ständig ein Pulli mit Fanmotiv übergestreift wird. Kollege Tarantino nutzt dafür immerhin Motive, die einen nicht sofort als bloße Referenz anschreien, während Rodriguez einfach Bilder nachdreht. Neben einer Vielzahl knapp bekleideter Frauenpower-hot chicks von Amber Heard (Machete Fills 😉 ) über Sofía Vergara bis Alexa Vega und Michelle Rodriguez macht so richtig Laune eigentlich nur der Gestaltwandler El Cameleón, hinter der Idee steckt in der Umsetzung ein gewisser Elan, der die Figur wiederum um einiges interessanter macht, als Titelheld Machete, und die zudem Raum für gleich vier ganz unterschiedliche und im Charakter doch gleichermaßen vereinte Gastauftritte liefert. Wie die Nuttenbrut der Vergara wird aber auch das Chamäleon vergeudet, gleich mehrere Plotstränge bis zur Begegnung mit dem Hauptschurken wirken wie nachträglich reingepflanzte Laufzeitstrecker des Mittelteils. „Machete Kills“ geht zwischendurch richtig doll auf die cojones und wenn eine Huldigung an Danny Trejo so aussieht, dass er der langweiligste Part seines eigenen Films ist, dann kann’s das damit jetzt auch gewesen sein, bitte.

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Machete kracht mehr als im ersten Teil, aber das Spektakel zündet nur ganz selten und verlegt seinen vermeintlichen Höhepunkt auf eine Fortsetzung, die es möglicherweise nie geben wird.
Spannung: 1/5
Machete lahmt nicht mehr, sondern macht richig Tempo, spannend wird es trotzdem nicht, dafür ist der Plot zu plump und überhaupt.
Anspruch: 0/5
Machete ansprucht weiterhin nicht und diesmal sogar noch deutlich weniger.
Humor: 1/5
Machete guckt grummelig und obwohl das Ding viel wilder als der Vorgänger ist macht’s trotzdem nicht automatisch auch mehr Spaß.
Darsteller: 3/5
Machete spielt nicht, Danny Trejo auch nicht. Präsenz macht’s aus und das trifft so auch auf den Rest des illustren Casts zu. Die Formel geht aber durchaus nochmal auf.
Regie: 1,5/5
Machetes Inszenierung rumpelt ganz gewaltig. Rodriguez will weder die Huldigung an den old school Trash gelingen, noch die Schöpfung eines new age Trash.
Fazit: 3/10
This is Machete. Viel abgedrehter als der erste Teil, aber eine Mischung aus beiden wär’s eher gewesen, denn je bekloppter und abgehobener „Machete Kills“ wird, desto bemühter und zu sehr cool gewollt wirkt er dabei. Und nach wie vor stemmt die Titelfigur ihren eigenen Film nicht und ist in einem Sammelbecken der Absurdität die langweiligste Figur. Aber immerhin: viiiiiele heiße Chicas an seiner Seite 😉

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Liken/Teilen

3 Kommentare

  1. Ich habe den doppelt bewertet: Einmal mit Hirn und einmal ohne. Bei der Bewertung mit Hirn komme ich, glaube ich, auf die gleiche Punktzahl wie du. Ohne Hirn hat der mir aber schon auch sehr viel Spaß gemacht. Es war wirklich sehr over-the-top und einfach nur noch komplett gaga… aber irgendwie fand ich es auch echt sympathisch, dass hier wirklich nichts mehr ernst genommen wurde…

  2. Na da gehen unsere Meinungen ja mal wieder gehörig auseinander, wobei ich ja auch schon “Machete” ziemlich großartig fand. Eigentlich kann ich deine Kritikpunkte natürlich auch nachvollziehen, doch hat mir der Film trotz seines gelebten und gewollten Dilettantismus noch ziemlich gut gefallen, wobei wir uns ja immerhin einig sind, dass eigentlich interessante Figuren wie El/La Cameleón gnadenlos verheizt worden sind und für den “Plot” keine Bewandtnis haben.

    1. Mir war das diesmal einfach too much. Auch wenn’s ganz seltsam ist, auf der anderen Seite hat der mich irgendwie besser unterhalten als der erste Teil und trotzdem macht diese totale Abgedrehtheit und dieser Referenzwahnsinn den viel unrunderen und bemühteren Film draus. Komische Reihe…

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.