MORTDECAI: Kritik zur schrulligen Gauner-Komödie mit Johnny Depp (Blu-ray)

MORTDECAI: Kritik zur schrulligen Gauner-Komödie mit Johnny Depp (Blu-ray)

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Story

Der britische Lord Charlie Mortdecai ist Aristokrat durch und durch, noch dazu ein Gauner und Schlawiner im Bereich des legalen, halblegalen und illegalen Kunsthandels, bei dem er sich für keine kleine Betrügerei zu schade ist. Und außerdem steht Mortdecai kurz vor der Pleite. Noch schlimmer ist nur noch, dass sich die Missstimmung zwischen ihm und seiner reizenden Frau und großen Liebe Johanna zu einer handfesten Krise verfestigt, als sie so gar nichts mit seinem neuen Gesichtsschmuck anfangen kann, einem vorzüglichen Moustache. Als schließlich auch noch Inspector Martland vom MI5 auftaucht, der seit jeher ein Auge auf Johanna geworfen hat, verabschiedet sich Mortdecais Stimmung endgültig in niedere Gefilde. Immerhin hat Martland aber einen eventuellen Ausweg aus der Finanzmisere bei sich: den Händen einer ermordeten Restaurateurin wurde ein sagenumwobenes Gemälde des spanischen Künstlers Goya entwendet, auf dessen Rückseite sich die Kontodaten des NS-Propagandaminister Goebbels befinden soll. An die versucht der gefürchtete Terrorist Emil Strago zu gelangen. Mortdecais Aufgabe: vor Strago in den Besitz des verschwundenen Gemäldes gelangen. Nur gut, dass der Snob sich dabei stets auf seinen treuen Diener Jock verlassen kann, der sich in allerlei anstehenden Scharmützeln mit russischen und asiatischen Schlägern, mannstollen Frauenzimmern und anderen Handlangern als schlagkräftige Unterstützung erweist…

Der Film

Seinem Nachnamen machte Johnny Depp zuletzt alle Ehre: seit ihm der affektierte Käpt’n Jack Sparrow in „Pirates of the Caribbean“ die Pforten des Mainstream aufstieß ist der einstige Offbeat- und Indie-Liebling endgültig mit auffälligen Kostümen, Maskeraden und Manierismen verschmolzen und obwohl dieses zur Routine gewordene Absonderkum nach vier Flüchen der Karibik, „Alice in Wonderland“, „Dark Shadows“ oder „Lone Ranger“ eigentlich keiner mehr sehen will lässt der Depp unbeirrt nicht ab von den egozentrischen Typen in auffälligen Aufmachungen. Wie hart den Johnny inzwischen Desinteresse und Überdruss treffen verdeutlichten letztes Jahr der schnarchige Cyber-Thriller „Transcendence“, in dem der Star diesmal nur mit Brille verkleidet eine der gelangweiltesten Performances seiner Karriere abspulte, und vor allem in diesem Frühjahr die schrullige Krimi-Komödie „Mortdecai“.
Gwyneth Paltrow und Johnny Depp in MORTDECAI
Die Adaption von Kyril Bonfigliolis Figur des pikaresken Kunstgauners und ihres Abenteuers „Don’t Point that Thing at Me“ spielte weltweit nur die Hälfte ihres $60 Millionen-Budgets ein und ist besonders mit den popligen $7 Milliönchen an der US-Kasse einer der größten Flops in Depps Karriere. Statt zweitem Franchise-Bein neben „Pirates of the Caribbean“ (die durch „Something Nasty in the Woodshed“ und „After You with the Pistol“ komplettierte Mortdecai-Trilogie hätte noch genug Stoff geboten) kriegt der Depp es grün auf weiß: keiner int’ressiert sich mehr für seinen Scheiß. Angesiedelt irgendwo zwischen Blake Edwards, Wes Anderson und Guy Ritchie ist der verschrobene „Mortdecai“ nicht unbedingt ein richtiggehend schlechter Film und wenigstens die prominente Besetzung zeigt sich in blendender Verfassung…

…nur will der Funke einfach nicht überspringen: „Mortdecai“ ist phasenweise schon ganz drollig, mit ein paar netten visuellen Spielereien, wie der modernisierten Variante der „Indiana Jones“-Flugreisemontage, und einer Stampede aus Situationskomik, bei der einen zumindest ein paar Hufe in die Lachmuskeln treffen. Doch dann ist Depps snobistische Sketch-Show wiederum zu betulich auf der einen und zu plump-anzüglich auf der anderen Seite, die Reißbrettschrägheit von „Mortdecai“ zieht so vorbei, ohne dass der Film einen wirklich mitnehmen würde, Gags und Situationen wiederholen sich und wiederholen sich und wiederholen sich und… und der unschlüssig vorgetragene Plot um das verschwundene Goya-Gemälde ist so austauschbar wie überfrachtet mit langweiligen Nebenschauplätzen und Konservenabsurditäten.
Paul Bettany und Johnny Depp in MORTDECAI
Das Schauspiel der Starriege, ihr Mit- und Gegeneinander ist aber immerhin bunt und lebhaft, das kann man dem Film nicht absprechen. Depp zeigt, dass er solche exzentrischen Rollen nach wie vor und auch mit Schwerpunkt auf komödiantischem Timing mit Leichtigkeit meistern und ausfüllen kann, wenn er denn will – und unabhängig davon, ob man’s als Zuschauer grundsätzlich noch sehen mag. Genau wie Depps verrückter Hutmacher, sein vampiresquer Barnabas Collins und der indianische Vogelkopfschmuckträger Tonto hat der dandyhafte Mortdecai das Skelett Jack Sparrows unter seinem extravaganten Äußeren, doch der etepetete-vornehme Stiesel fährt eine Unfähigkeitenpalette und weltmännisch gemeinte Ignoranz auf, dass daraus schon ein weiteres Unikum in Depps Vita und kein Wiederkäuer entsteht.

In der Abhängigkeit seiner Figuren von ihrer Umwelt, von Reaktionen und Gegenaktionen funktioniert Depps Mortdecai hervorstechend gut mit dem stoisch ergebenen Schlichtgemüt Paul Bettany, der seinem Herren selbst im gröbsten Eigenverschulden ohne zu zögern zur Seite springt, dessen friendly fire einfängt und sogar einen Finger opfern würde, um ihn vor Repressalien zu bewahren – sind ja noch neun andere da. Bettany („Avengers: Age of Ultron“) ist mindestens der heimliche Star des Films und obwohl ebenso Ewan McGregor zwischen der versuchten 007-Coolness und poetisch-beschwingten Töffeligkeit seines MI5-Agenten und auch Gwyneth Paltrow in elegant-abgestoßener Grazie voll drin sind im Ping Pong-Spiel mit Depps Gepflogenheiten würde „Mortdecai“ ohne die Dynamik mit Bettany ordentlich vor die Wand klatschen.
Johnny Depp und Olivia Munns Brust in MORTDECAI
Der Spaß der Stars, ihr kleines Geschlingel und Gedingel untereinander macht den Film aber auch bloß erträglicher und hin und wieder vergnüglich, nicht im Ganzen besser: zum Beispiel ist die Beziehung zwischen den Mortdecais Depp und Paltrow klassisches Screwball-Gezicke, aber aus dünner Luft zusammen gesponnen, da fehlen inszenatorisches Geschick und im Grunde ein Vorgänger, um mit den Figuren etwas anfangen und Johannas Handeln einordnen zu können. „Jurassic Park“- und „Schlimmdiana Jones and the Kingdom of the Flying Fridge“-Autor David Koepp reicht als Regisseur längst nicht an die Krösusse seiner Zunft heran; die noch viel verschrobeneren Werke Wes Andersons (ausgerechnet dessen jüngstem Streich „Grand Budapest Hotel“ ist „Mortdecai“ in bestimmten Storyverläufen und bei der Attitüde der Hauptfigur gar nicht so unähnlich) sind geistreicher und wirken viel weniger gewollt im Bemühen um besonderes Gebaren, der sophisticated slapstick eines Blake Edwards hatte mehr Charme und während die Eröffnung von „Mortdecai“ nicht nur in der ethischen Konstellation an den Opener von „Indiana Jones and the Temple of Doom“ erinnert, ist Koepp auch von einem seiner Meister, Steven Spielberg, so weit entfernt, wie Johnny Depp mittlerweile vom Popularitätsgipfel.

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
Mit Slapstick angereicherte Verfolgungsjagden und Kämpfe, kein Schwerpunkt des Films und auch nix dolles dabei.
Spannung: 1/5
Hat einige Hänger, an sich aber ein ordentliches Tempo. Der Plot ist aber nur umständlich voran geführte Nebensache und ob Mortdecai nun Pleite macht oder nicht ist völlig wurscht.
Anspruch: 0/5
Nay.
Humor: 1/5
Hält eigentlich durchgehend so eine gewisse Grundamüsanz, mit Ausreißern nach unten und oben. Die Gestelltheit der Schrägheiten hemmt das Vergnügen daran aber deutlich.
Darsteller: 3,5/5
Die haben Spaß an der Sache und halten den Film auf einem erträglichen Maß, ohne das eine der Figuren über den Selbstzweck ihrer Manierismen und gestellten Eigenschaften herauskäme.
Regie: 2/5
Koepps Schaffen ist arg durhwachsen, der Mann pendelt stets im Fahrstuhl zwischen erster und dritter Liga. Hier reicht’s mal wieder nicht für die höchste Spielklasse.
Fazit: 4/10
Gut aufgelegte Darsteller in aufgesetzt schrägen Rollen in einem seltsamen Film, der es einem schwer macht, überhaupt irgendeine Einstellung dazu zu entwickeln. Nicht gut, nicht schlecht, plempert halt so vorbei.

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2 Kommentare

    1. Schade, genau. Irgendwie steckt da ja schon so ein ganz verschrobenes Vergnügen drin, aber wie geschrieben: es zündet halt nicht richtig…

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