NON-STOP: Kritik zum Flugzeug-Thriller mit Liam Neeson & Julianne Moore (DVD)

Story

Der US-Air Marshal Bill Marks sitzt im Nachtflug von New York City nach London, als ihn über das bordinterne Netzwerk eine besorgniserregende Nachricht erreicht: ein Unbekannter an Bord der vollbesetzten Maschine droht mit dem Tod eines Passagiers, sollten nicht innerhalb von zwanzig Minuten 150 Millionen auf ein Konto überwiesen werden. Werden seine Forderungen nicht erfüllt beginnt die Frist von vorne und ein weiteres Menschenleben steht auf dem Spiel. Marks nimmt die Drohung ernst und kann tatsächlich einen Verdächtigen stellen, jedoch nicht verhindern, dass sich nach Ablauf der zwanzig Minuten eine Leiche im Flugzeug befindet. Die Uhr tickt weiter und Marks unternimmt alles, um den nächsten Mord zu verhindern, doch dabei gerät er zunehmend selbst ins Visier, als er den unwissenden Fluggästen grobe investigative Maßnahmen aufzwingt. Und auch vom Boden ist keine Unterstützung zu erwarten, denn plötzlich ist es Marks, der als Entführer der Maschine dargestellt wird. In der sich zunehmend ausbreitenden Unruhe versucht der Marshal verzweifelt, den Täter aufzuspüren….

Die Filmkritik

An arschtretende alte Säcke hat man sich gewöhnt, Stallone und Konsorten hauen ihre „Expendables“ raus, der einstmals ewige Nebendarsteller Danny Trejo bekommt siebzigjährig mit „Machete“ und „Bad Ass“ gleich zwei eigene Franchises und auch Kevin Costner („3 Days to Kill“) und demnächst Sean Penn („The Gunman“) sowie Pierce Brosnan („The November Man“) verweigern sich dem Verschleiß. Mit am härtesten zieht die Kiste allerdings Liam Neeson durch, der sich 2008 mit „Taken“ über Nacht vom oscarnominierten Charakterdarsteller zum Actionrecken neu erfand, damals schlanke sechsundfünfzig Lenze zählend. Nach dem tragischen Tod seiner Frau Natasha Richardson leistet Neeson Akkordarbeit und haut so drei bis vier Filme pro Jahr raus, darunter Actioner wie „The A-Team“, „Unknown“, „Taken 2“ oder zuletzt den Flugzeug-Thriller „Non-Stop“. Wie gewohnt stellt der Film des spanischen Regieexports Jaume Collet-Serra Neeson als entschlossen-knurrigen „Experten auf seinem Gebiet“ dar und macht sich das Schauspieltalent des Iren zu Nutze, um ein paar gängige charakterliche Abgründe und Seelensorgen beizumengen.

„Non-Stop“ könnte man also wegstempeln als einen Neeson-Film unter vielen Neeson-Filmen, halt diesmal mit dem beliebten, reduzierten Flugzeug-Setting im Stile von „Skyjacked“, „Passenger 57“ oder „Flightplan“. Collet-Serras zweite Zusammenarbeit mit Neeson nach „Unknown“ zählt aber klar zu den sehenswertesten Soli für Liam, ist eine Stunde lang bockspannend und dicht inszeniert. Die einfache Prämisse läuft schnell nadelspitz zu und der Echtzeit-Thrill entwickelt so viel Sogkraft wie ein Loch im Flugzeugrumpf. Das Spielchen zwischen wacker-problembeladenem Air Marshal und dem unbekannten Attentäter ist wie in einem Aquarium voller Red Herrings aufgezogen, der Film benutzt so plakativ wie geschickt die Vorurteile gegenüber optischen Eindrücken und gewissen Rand-/Gesinnungsgruppen, um eine Vielzahl an falschen Verdächtigen zu positionieren: der rauschebärtige Turbanträger, der bullige Glatzkopf, der schwarze Slanggangsta, der schmalzhaarige Yuppie – oder ist der psychisch angeschlagene Marshal Marks bloß Trugbildern auf der Spur und am Ende selbst der eigentliche Täter?

Diese Präjudizien und Fragen reizt „Non-Stop“ aus bis nichts mehr geht und das Wahrscheinlichkeits-Prinzip (die offensichtlichste Person ist nie so tatverdächtig wie die unwahrscheinlichste…) zu ächzen beginnt. Denn gezwungenermaßen bringt dieses es mit sich, dass Filme, die danach funktionieren, nicht um Zufälle, Konstruiertheit und irgendwann nicht mehr um Plausibilitätsmängel herum kommen, um jenes Prinzip aufrecht erhalten zu können und schließlich aufzulösen. Dem entstehenden Druck hält „Non-Stop“ schlussendlich nicht Stand, das anfangs trotz aller Handlungseile geduldig aufgebaute Setting ist weniger involvierend, wenn es zunehmend in Hetze und Aufgeregtheit verfällt, ein paar der kleineren Twists verdunkeln den Ereignisverlauf, statt ihn zu erhellen und die große Schlusswendung ist »gnaaaarff…« und bekommt von Neeson einen allzu treffenden Oneliner verpasst. Der Plan des Flugzeugterroristen scheint retrospektiv weder sinnvoll, noch überhaupt durchführbar und die prall gefüllte Spannungsblase platzt laut, hinterlässt aber nur heiße Luft und ein paar Matschspränkler, die die diversen Ungereimtheiten und unmöglich einkalkulierbaren Zufallsbegebenheiten nur notdürftig bedecken.

Als kurzweiliger und zumindest die nötigste Zeit lang packender Spannungsreißer ist „Non-Stop“ dennoch absolut okay. Liam Neeson ist einnehmend und souverän wie meistens, ohne dass ihm die simpel gestrickte Rolle sonderlich viel abverlangen würde. Neben ihm bekommt Julianne Moore die meiste Screentime und für die rothaarige Edel-Actrice lässt sich das genau wortgleiche Urteil fällen. Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong’o („12 Years a Slave“) bangt wie Stewardessenkollegin Michelle Dockery ums Wohl des Fliegers, genau wie Bruce Waynes Papa Linus Roache („Batman Begins“) und im Grunde alle weiteren Darsteller ist das nur Funktionswerk, rund um Neesons Suche arrangiert. Die Nahkampfszenen auf wirklich allerengstem Raum kommen besser rüber, als die meisten aufgeblähten Explosions- und CGI-Orgien und Neeson beweist seine Skills. Visuelle Gimmicks wie das eingeblendete Kurznachrichtenduell zwischen dem Marshal und dem Tunichtgut sowie ein paar nette Kameratricksereien peppen den Film auf, dafür ist die computergenerierte Effektarbeit am Ende für die Tonne.

Wertung & Fazit

Action: 2.5/5

Setzt mehr auf Spannung und Suspense, die eingepferchten Nahkampfduelle sind aber hart und knackig.

Spannung: 4/5

Eine einfache Ausgangslage, aus der über eine Stunde lang das Maximum an Spannung heraus gekitzelt wird, ehe das Gebilde zu bröckeln beginnt.

Anspruch: 0.5/5

Entlarvt sich am Ende selbst als viel weniger clever durchdacht, als es zunächst den Eindruck macht. Ein Held mit tragischer Familiengeschichte und Suchtproblematik ist natürlich ein alter Hut.

Humor: 0/5

Kein Kriterium.

Darsteller: 3.5/5

Souveräne Vorstellung von Liam Neeson, dem genau wie den übrigen Darstellern nur ein Bruchteil seines Könnens abverlangt wird.

Regie: 3/5

Zu Anfang richtig stark und dann ist es eher das Skript, das Collet-Serra hängen lässt.

Film: 6.5/10

Nach der Bruchlandung „Taken 2“ ist „Non-Stop“ wieder ein grundsolider Liam Neeson-Thriller, der sauspannend losgeht und der mit der Auflösung nicht halten kann, was er verspricht.

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4 Kommentare

  1. Den fand ich echt erstaunlich langweilig. hat mich keine Minute wirklich gefesselt. Mir hat so ein bisschen gefehlt, dass man einfach mehr der Passagiere kennenlernt, um so dann selber mitraten zu können, wer denn vielleicht der Täter ist. Diese Konzentration nur auf Neeson stand meinem Vergnügen bei diesem Film echt im Weg… und die Auflösung war wirklich… naja, reden wir nicht drüber.

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