OLYMPUS HAS FALLEN: Kritik zum White House-Actioner mit Gerard Butler

Die Story

Der ehemalige US Army Ranger Mike Banning ist mittlerweile Secret Service-Mann mit Leib und Seele, steht als Beschützer des US-Präsidenten Benjamin Asher mit unbrechbarer Entschlossenheit im Dienste von Vaterland und Staatsoberhaupt. Doch ein tragischer Unfall, bei dem die First Lady ums Leben kommt, ändert alles: wenngleich unschuldig und im Sinne seiner obersten Pflicht gehandelt fällt Banning in Ungnade und wird aus dem engsten Kreis des Präsidenten entfernt. Achtzehn Monate später sitzt und versauert er in Blickrichtung des Weißen Hauses in den Büros des Finanzministerium. Bis das Unfassbare geschieht. Während eines Treffens zwischen Asher und dem Premierminister Südkoreas greift eine nordkoreanische Terrorgruppe das wichtigste Gebäude der Vereinigten Staaten an, erstürmt den Regierungssitz und hält Asher mit seinem Gefolge als Geiseln. Inmitten des infernalischen Angriffs der Nordkoreaner gelingt es Banning, ins Weiße Haus einzudringen und sich seine Insiderkenntnisse zum Vorteil zu machen. Der einsame Kämpfer wird zur letzten Hoffnung, nicht nur für den Präsidenten, sondern die gesamte Welt…

Die Filmkritik


Irgendwo gibt es ihn bestimmt, den Kartenverkäufer im Kino, der nach einem Ticket für „Olympus Is Down“ oder „White House Fallen“ gefragt wurde. Man kann aber auch durcheinanderkommen, wenn gleich zwei Filme im Jahr 2013 „Die Hard with a President“ spielen, das Weiße Haus von direktem Terror erschüttern lassen und einsame Helden gegen Übermächte ins Feld schicken. Roland Emmerichs „White House Down“ hatte das Pech des späteren Starttermins, bis dahin hatte Antoine Fuquas halb so teurer „Olympus Has Fallen“ bereits sauber abgeräumt und das Feld abgegrast – obwohl er zumindest effektemäßig wie die Mockbuster-Verwurstung der neuesten Sindelfingersause daherkommt. Und natürlich wie einer dieser unzähligen „Stirb langsam“-Klone, die nach dem Über-Actioner von 1988 aus allen Feldern schossen. Mit „John Rambo“, den „Expendables“ und den zumindest kommerziell eher wenig erfolgreichen Stallone/Schwarzenegger-Solos der letzten Jahre erlebt die wohl beliebteste (und zum Teil verklärteste) Phase des US-Actionkinos ihr Comeback und so kehrt folgerichtig auch eine DER Mechaniken des Genres zurück.

Fuquas „Olympus Has Fallen“ ist der »stramm gestanden!«-Ruf, das schallende ♫O say can you see…♫ unter den „Stirb langsam“-Epigonen, der US-Präsident ist der beste Mensch der Welt, ein Job beim Secret Service das geilste überhaupt und alle anderen Länder, in diesem Fall speziell Nord- und Südkorea, sind ohne die regulierende Hand der USA eine außenpolitische Bedrohung und innerpolitisch verloren, sobald sich selbst überlassen. Flaggen-Allergiker und Propaganda-Pessimisten können vom Start weg den Mittelfinger in erhobener Position fixieren, denn schon der Titelschriftzug wird mit wehender US-Flagge und Marschtrommeln unterlegt, auf’s feisteste wird der american pride zelebriert und die Mitglieder der GOP und NRA dürften in „Olympus Has Fallen“ ihr neues Feiertagsprogramm gefunden haben. Flammende Reden, geschwollene Brüste und aufrechte Recken evozieren außerdem eine ausgiebige 9/11-Trauerbewältigung, die den plötzlichen und zunächst lähmenden Akt des Terrors in einer einzigen Nacht wieder ausmerzt und sämtliche Werte wieder gerade rückt. ♫…by the dawn’s early light…♫


Doch mal einen Schritt davon abgerückt, wie politisch fragwürdig das ist und die Diskussion weggelenkt von glühendem Patriotismus vs. wütendem Antiamerikanismus: abseits dessen ist „Olympus Has Fallen“ kein besonders guter Actionfilm. Der Husarenritt, mit dem die Nordkoreaner Washington D.C. und das Weiße Haus stürmen, leidet an CGS (Computer Generated Seuche), die nach Bulgarien outgesourcten Effect Shots wollen viel, können nur leider nix. So ziemlich jedes Vehikel stammt aus Steinzeitrechnern, nicht nur Kampfjets und Black Hawks, sondern selbst die in der Eröffnung durch einen Schneesturm brausenden präsidialen Limousinen sind per groben Mausklicks und Paint-Programm aus dem vorletzten Jahrzehnt gefertigt. Das hätte für Cutscenes auf der PlayStation 1 gereicht, mit Sonys Nummer 4 vor der Tür darf man allerdings auch von einem 2013er Blockbuster mehr als matschig texturierte Fluggeräte und grausig schlechtes Compositing erwarten. Beim CG(Sche)I(ß) hört’s jedoch nicht auf: Retter in der Not Mike Banning greift häufig auf Nah- und Messer- statt Knarrenkampf zurück, dies aber so mies choreographiert, dass die Fights nach Lichttest und nicht finaler Aufnahme aussehen. Gegner, die nach Kopfschüssen aus kurzer Distanz gemütlich ihrer angeordneten Position entgegen sacken, Tritte und Schläge, die überoffensichtlich nicht voll durchgezogen werden, ein Held, der nichtmal hinsehen muss und trotzdem den präzisen Headshot oder präkognitive Killmoves setzt… Schlampig, DAS geht auch für nur 70 Millionen besser.

Dazu kommen Figuren, die genregemäß nicht Dostojewski, sondern dem Klischeekatalog entsprungen sein dürfen, das dann aber wenigstens mit Format ausfüllen müssen. Der nette Schotte Gerard Butler gibt das Braveheart vom Secret Service und bleibt mit 08/15-Seelenknacks und Krankenschwesterehefrau so blass wie ein Kalkstein, Aaron Eckhart ist als Präsident sowohl politisch wie auch menschlich komplett profilfrei, die Szenen mit Sohnemann Finley Jacobsen und Kurzzeit-First Lady Ashley Judd wirken steif und lassen kein Mitfiebern um irgendjemandes Schicksal zu. Bad Guy Rick Yune, der mit Diamantenfresse und Sportwagen schon gegen James Bond und die „Fast & Furious“-Gang antrat, düsterparolt sich durch den White House Bunker und erreicht keine Fingernagellänge der Schurkenklasse eines Alan Rickman. Und was „Olympus Has Fallen“ mit Melissa Leo und ihrer Verteidigungsministerin abzieht dürfte wohl die herunterwürdigendste Vorstellung einer Oscar-Preisträgerin seit Halle Berry im „Catwoman“-Kostüm sein.


In Zeitlupe und zu dramatischer Musik vom Dach des erstümten Weißen Hauses wehende US-Flaggen, pathosgeschwängerte Dialoge zwischen zusammengepressten Kiefern hervorgedrückt, zweifelhafte Massenmenschschlachtung auf kollateraler und Schurkenseite, zweckheiligend-unreflektiertes Gefolter und am Ende der mit Hand auf dem Herzen vorgetragene ♫…proof through the night that our flag was still there♫: „Olympus Has Fallen“ macht gewaltig viel Krach und nur selten Spaß. Gänzlich ironiefrei werden reaktionäre Helden- und Schurkenbilder entworfen und für eine Geisteshaltung errichtet, die vom Gartenzaun bis zur mit Shotgun dahinter verschanzten Haustür reicht. Einige gute Ansätze fetter home invasion-Action werden von den unzumutbaren Compuertricks zernagelt, das 1:1-Nachstellen diverser „Stirb langsam“-Plotpoints ist fast noch das Beste an „Olympus Has Fallen“, weil es zumindest an einen viel besseren Actioner erinnert. Beirren lässt sich das Autoren-Duo Katrin Benedikt und Creighton Rothenberger indes nicht und arbeitet nach ihrem Script zu „The Expendables 3“ bereits am Sequel „London Has Fallen“. Da herrscht dann zwar auf den Straßen Linksverkehr, ideologisch aber sicher weiterhin die andere Richtung…

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Viel und knackhart, aber selbst in den besten Momenten höchstens solide. Ansonsten von miesem CG-Getrickse und schlechtem Kampfgetümmel ruiniert.
Spannung: 1/5
Spätestens, wenn szenisch genau „Stirb langsam“ nachgebaut wird, ist das Ding bis in kleinste Detailfragen vorhersehbar.
Anspruch: 0/5
Nope.
Humor: 0/5
Nordkoreanische Invasoren erobern Washington mit Tricktechnik aus Osteuropa. Ironischer wird’s nicht. Butlers Handvoll Oneliner taugen allesamt nichts.
Darsteller: 2/5
Kaum zu Glauben, wer hier alles seinen Namen unter die Vertragspapiere gemalt hat. Kaum zu glauben, wie wenig dabei rumkommt.
Regie: 2/5
Antoine Fuqua kann mehr.
Fazit: 3,5/10
„Olympus Has Fallen“ – down the Wertungsskala: Rekonstruktion des guten alten 80er-Actioners und kontemporäres Terror-Trauma-Bewältigungskino, das die Ansprüche an einen guten Genrevertreter aber viel zu selten erfüllt. CGI-verseuchter Krawall, miese Kampfchoreo, blasse Hauptfigur. Die Unverzeihlichkeiten des Actionfilms.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Meinungen aus der Blogosphäre

Die Blogbusters (4/10)
Die Drei Muscheln (1/10)
Filmherum (4/5)
Medienjournal (7/10)

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4 Kommentare

  1. Da bin ich ja irgendwie froh, dass ich doch nur “White House Down” gesehen habe. Der war wenigstens auch ein bisschen komisch und im Endeffekt beste Roland-Emmerich-Unterhaltung!

    1. Den hole ich dann im Januar zum Heimkinostart nach. Mal schauen, ob’s bei Emmerich besser klappt, aber ein bißchen was zum Lachen wäre schonmal nicht verkehrt bei dem Thema 😉

    2. Ich habe gehört, “White House Down” sei auf seine Emmerich-Weise so ultra-dumm, dass er wohl sehr unterhaltsam ist. Also kann das durchaus was werden.

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