OVERDRIVE: Kritik zur Autoklau-Abgaswolke mit Scott Eastwood und Ana de Armas (Blu-ray)

Die Story

Die Halbbrüder Andrew und Garrett Foster haben wenig gemeinsam, in einer Sache herrscht jedoch Einigkeit bei den ungleichen Geschwistern: die Leidenschaft für Autos, vor allem für seltene klassische Karossen und Sammlerstücke. Außerdem teilen sie die Begabung, eben solche Luxusschüsseln zu stehlen. Nach Raubzügen in allen möglichen Ländern hat es die Fosters gemeinsam mit Andrews Freundin Stephanie im Süden Frankreichs nach Marseille verschlagen, wo ihnen der spektakuläre Raub eines millionenschweren Bugatti glückt. Dessen Besitzer allerdings ist der mächtige Gangsterboss Jacomo Morier und der lässt die Brüder nicht einfach so davonkommen. Damit er die beiden am Leben lässt gewährt er den Fosters eine Woche Zeit, um einen wertvollen Ferrari aus dem Besitz des deutschen Gangsterkonkurrenten Max Klemp zu entwenden. Der ist noch eine Spur verrückter und skrupelloser als Morier und so müssen Andrew und Garrett in kürzester Zeit ein Team auf die Beine stellen, mit dem der Coup gelingen kann. Als sich dann auch noch Moriers zwielichtiger Cousin und Interpol in die Sache einmischen wird das Unternehmen zusehends schwieriger…

Die Filmkritik

Im Leben eines jeden coolen Typen kommt früher oder später der Tag, an dem wir uns eingestehen müssen: wir sind alle nicht Clint Eastwood. Was die politischen Ansichten des Trump-Supporters im Klappstuhldialog angeht ist das sicherlich gut so. Betreffs seiner ab den 1950/60ern prägenden und mit Filmen wie Sergio Leones Dollar-Trilogie oder den „Dirty Harry“s zementierten Leinwand-Persona ist der grumpy cool-Faktor Eastwoods hingegen ernüchternd unerreichbar. Einer, der auch überhaupt nicht Clint Eastwood ist: sein Spross Scott Eastwood. Warum das nicht nur für ihn schade ist? Weil er‘s so unfassbar krampfhaft versucht! Zumindest im Totalschaden „Overdrive“ von TV-Regisseur Antonio Negret (hat unter anderem Folgen von „Arrow“, „Lethal Weapon“, „The Flash“ und „Legends of Tomorrow“ gedreht). In diesem auf französischem Boden entstandenen Standstreifen von einem Film versucht sich der Eastwood-Nachwuchs als moderner Asphalt-Cowboy mit der charakteristischen, verkniffenen Minimalmimik seines Dads…
Gaia Weiss, Freddie Thorp, Ana de Armas und Scott Eastwood in OVERDRIVE
…und hätte die Auglider wenigstens fürs Studium des Scripts mal auseinander kriegen sollen. Dann wäre Eastwood eventuell aufgefallen, auf was für eine monumental miese Marseille-Mauschelei mit Anleihen bei „The Fast & the Furious“, „The Italian Job“ oder den „Ocean‘s“-Raubzügen er sich hier einlässt. „Overdrive“ ist ein kümmerlicher Versuch, vor allem dem „Fast“-Franchise nachzueifern, weniger den immer abgedrehteren Absurd-Ablegern seit Teil fünf, sondern mehr dem street level-Thrill der ersten paar Teile. Das ist gar kein verkehrter Gedanke, hat in seinem Zutatenmix aber die Haltbarkeit einer Stoßstange während einer Stock Car Crash Challenge, bei der drei übereinander gestapelte Minions Lenkrad und Gaspedal bedienen. Der Film hat keinen Dunst, ob er in Richtung tougher car heist-Thriller oder smoother „Ocean‘s“-Karossenklon abbiegen will und schlingert mit Dialogen aus der Klischee-Lotterie und ohne vernünftige Handlungsbrücken von einer schlecht arrangierten Szene in die nächste.

Establishing Shots aus der französischen Südküsten-Garage zeigen das schmucke Marseille, das immer wieder daran anschließende Location-Hopping und die wechselnden Sets sind dann oft so hektisch und unharmonisch aneinandergereiht, als wären die Drehgenehmigungen mit beigelieferter, runtertickender Eieruhr verteilt worden. Eastwood und sein Movie-Bro Freddie Thorp werden mittels eines unlogisch-risikoreichen und fürchterlich unpraktikablen Lastwagen-Stunts mit Autoentführung eingeführt und blubbern vom Aussteigen und einem „Früher“, obwohl sie und Cutie-Girlfriend Ana de Armas alle aussehen, als hätten sie erst vorletzte Woche den letzten Milchzahn verloren. Die Brüder-Dynamik zwischen dem Hibbelkasper, der sich um Kopf und Kragen brabbelt, und dem Eisklotz, der mit kühlem Kalkül die Kastanien aus dem Feuer holen muss (und ja, die Metaphern sind hier bewusst abgeschmackt gewählt!), ist altbekannt, Eastwood und Thorp kommen darin aber kein bisschen sympathisch oder auch nur lebendig rüber.
Bikinibodys - Gaia Weiss und Ana de Armas hot in OVERDRIVE
Eastwoods stone face könnte man in jedem einzelnen Frame für das Cover der DVD screenshotten und es wäre immer der selbe ausdruckslose Modelblick, mit dem man Lederjacken und Jeanshosen bewerben, als Figur aber keinen Film tragen kann. Die Foster-Brüder werden als die ultimativen, superversierten been there done that Car-Klau-Cleverlies verkauft, Eastwood und Thorp wirken aber kaum kompetent genug, um Spielzeugboliden von einer Carrerabahn zu stibitzen. Und da in „Overdrive“ keine Szene aus dem Inneren eines Wagens ohne Green Screen-Hintergrund auskommt und die Schauspieler hier keinen Meter tatsächlich gefahren zu sein scheinen, wär‘s auch kein Wunder, wenn keiner von denen überhaupt ‘n Führerschein hat. Paul Walker, für den Eastwood schon mehr oder weniger als kleingehaltener Ersatz im mauen „Fast & Furios 8“ einsprang, war ein echter Racing-Crack und auch Vin Diesel und den anderen Dauerdüsern nimmt man ihre Fahrerskills und die Verehrung für die Nobelschüsseln ab, wenn‘s hingegen in „Overdrive“ um Autos geht wirken alle wie Ornithologen, die im Puff von Vögeln schwärmen.

Da muss der Film schon idiotischerweise bei eingaragierten Statussymbol-Edelschlitten die Motoren aufbrummen lassen, sobald die Kamera draufhält, um irgendwie rüberzubringen, dass voll die Milieu-Credibility abgeht. Und weil dazu auch heiße Feger gehören legen Ana de Armas und Gaia Weiss, die als Taschendiebluder zur Gruppe stößt, einen knackigen, aber auch völlig zusammenhanglosen Bikiniauftritt am Strand hin, nur um einen Bikiniauftritt am Strand hinzulegen. Beim Versuch, seine Vorbilder nachzustellen, rauscht „Overdrive“ mit Vollgas in alle Einbahnstraßen der Einfältigkeit und bohrt jeden Aspekt in die Mauer: eine „wir müssen ein Team zusammenstellen“-Montage wird ohne (E)Sprit reingeklatscht und zeigt einen dicken Sprengstoffexperten und vier miesgelaunte Fahrer-Franzosen, die danach bis zum Finale nicht mehr im Film auftauchen, dazu gibt‘s zwei Interpolnasen und zwei Cartoon-Gangsterbosse im »ich hab den längeren…ähhh…schöneren Wagen!«-Wettstreit.
Der ungerührte Scott Eastwood und Clemens Schick in OVERDRIVE
Sinn oder wenigstens die Etablierung einer internen Logik hat nichts in „Overdrive“ und das kleine Einmaleins seines Crime-Plots ist so klein wie es dämlich ist: da stecken mehr idiotische Handlungsschritte von sämtlichen Figuren drin, als Autos zum Feierabend auf der Autobahn unterwegs sind, während gleichzeitig der Zugverkehr lahm liegt und alle ins Kino zum neuen „Star Wars“ wollen. Wer wen hintergeht und dafür dies oder das unternimmt ist irgendwann komplett unübersichtlich, aber nicht, weil es so schrecklich schlau wäre, sondern weil das Script auf einem absolut kindlichen Verständnis von Gangster- und Gaunerwelten basiert – also gar keinem. Unzählige Zufälle und Unvorhersehbarkeiten will einem „Overdrive“ zum Showdown als den großen Masterplan der Foster-Brüder andrehen und es kommt bei solchen Heist-Storys zuhauf vor, dass nicht jedes kleinste Detail unhinterfragbar plausibel erscheint, doch hier navigiert ganz klar der unbeholfene Schlingerkurs eines Drehbuchs und nicht die Geistesgegenwart oder die Intuition der Hauptfiguren. Wenn die am Ende sogar Mehrfachmord und sadistisch-psychopathische Tendenzen bei geheimen Kooperationspartnern hinnehmen, nur um blöde Twist rauszuhauen, haste eh den filmischen Rechtsüberholer: einen rücksichtslosen blöden Arsch, der verstandslos zum Ziel will.

Wertung & Fazit

Action: 0.5/5

Stunt-Arbeit und praktische Effekte SIND immerhin Stunt-Arbeit und praktische Effekte, aber die Action ist trotzdem lahm, unsinnig und schlecht geschnitten.

Spannung: 0/5

Gähnend langweiliger Plot von der Stange, bei dem zwar jederzeit jeder jeden zu verraten bereit scheint, aber das nur, weil das Drehbuch so planlos und willkürlich ist und die Moral seiner Figuren nicht versteht.

Anspruch: 0/5

Nope. Belanglose Null-Konflikte.

Humor: 0/5

Fehlanzeige, die versuchten Gangs versacken im Leerlauf.

Darsteller: 0.5/5

Scott Eastwood hat das Charisma eines Eierkartons, Freddie Thorp spielt lebendiger, aber nicht besser, Ana de Armas und Gaia Weiss sind lediglich schmückendes Beiwerk, die Schurken Simon Abkarian und Clemens Schick nichtmal uncharismatisch, aber banal-klischee’ige Soziopathen.

Regie: 0.5/5

Schwach abgeguckt, schwächer ausgeführt.

Film: 0.5/10

Wenn ein Rohrkrepierer Sex mit einem Kolbenfresser hat und aus irgendeinem Grund daraus ein Film entsteht, so heißt dieser „Overdrive“. Ganz mieses Abkupfer-Kino mit blassen Darstellern und einer Story voller idiotischer Umwege.

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