PACIFIC RIM: GESCHICHTEN AUS DEM JAHR NULL

Story

Am 10. August 2013 erhebt sich eine kataklysmische Bedrohung aus den Tiefen des Pazifik: ein gigantisches Monster gelangt durch einen Dimensionsspalt auf die Erde und legt San Francisco in Schutt und Asche, ehe das Kaiju nach einem verzweifelten und hoffnungslosen Kampf durch einen Atomschlag vernichtet wird. Zehn Jahre später befindet sich die Menschheit im Krieg mit den grotesken Monstren und stellt ihnen schlag- und waffenkräftige Mechs entgegen, die sogenannten Jaeger, die von zwei Piloten via neuronaler Brücke gesteuert werden. Mit Hilfe der mechanischen Ungetüme scheint es tatsächlich Hoffnung im Kampf gegen die Kaiju zu geben…

Der Comic

Das ist der ungefähre Rahmen, in dem sich Guillermo del Toros Pacific Rim und das hier zu besprechende Comicprequel Pacific Rim: Geschichten aus dem Jahr Null abspielen. Nach einem enthusiastischen Vorwort von Autor Travis Beacham (über den Reiz riesiger Metall- und Alienviecher, die Erschaffung einer Welt und die Arbeit mit Regisseur del Toro) setzt das Buch im Jahr 2024 an und folgt der Reporterin Naomi Sokolov, die für einen Artikel über das Pan Pacific Defense Corps unter der Überschrift »Why we fight« recherchiert. In Flashbacks werden die Geschichten einiger Charaktere aus dem Film rund um den K-Day (dem ersten Auftauches eines Kaiju) und dessen Folgen erzählt, vom Widerstand über die Entwicklung des Jaeger-Programms bis hin zu den Gefechten der Mechs gegen die Monster.



Im Mittelpunkt von Pacific Rim: Geschichten aus dem Jahr Null stehen dabei weniger brachiale Fights, Action und Vernichtung, wie das Cover sie noch vermuten lässt, sondern überwiegend die menschlichen Schicksale vor dem Hintergrund der Alieninvasion: so verliert Tendo Choi (im Film gespielt von Clifton Collins Jr.) seinen Großvater während der Kaiju-Attacke auf San Francisco, als der alte Mann mit dem giftigen blauen Blut des axtköpfigen „Trespasser“ in Berührung kommt. Später wird der Fährenarbeiter Choi zum Chief Technology Officer des PPDC.

Das Konzept der Geschichten aus dem Jahr Null ist einfach. Die Bindung zu den Charakteren wird durch den Übertrag nachvollziehbarer (man könnte auch sagen altbekannter) Probleme und Schicksalsschläge auf die menschheitsbedrohende Monstervernichtung erzeugt. Der Verlust Angehöriger, Soap-taugliche Dreiecksgeschichten wie die des Jaeger-Konstrukteurs Dr. Jasper Schoenfeld, seiner ehemaligen Studentin Caitlin Lightcap und dem Piloten Sergio D’Onofrio oder der Becket-Brüder Yancy und Raleigh, die beide auf das junge Jaeger-Groupie Naomi Sokolov abfahren. Die Fäden zwischen den Figuren sind engmaschig, Beacham knüpft oft mehr als nur eine einzige Verbindung, was sein Werk und die unterschiedlichen Geschichten einerseits kompakt, andererseits aber auch zum Teil etwas überkonstruiert wirken lässt und möglichst viel Story auf möglichst wenig Raum auffächern will.

PPDC-Marshall Stacker Pentecost (im Film gespielt von Idris Elba) etwa verliert nicht nur seine Schwester, die heldenhafte Kampfpilotin Luna, während der ersten Kaiju-Attacke. Mit ihrer Partnerin Tamsin Sevier bildet er außerdem später ein Jaeger-Duo, ehe der Kernreaktor der Maschine sie an Krebs erkranken lässt, Stacker sich aus den Kampfkolossen zurückzieht und die junge Mako Mori adoptiert, die beim Angriff des Kaiju Onibaba auf Tokio ihre Familie verliert. Und ihrerseits später (im Film) gemeinsam mit Raleigh die Steuerung des altgedienten Gipsy Danger übernehmen wird.



Die Qualität der einzelnen Interview-/Flashback-Episoden schwankt, was deren Emotionalität und Tiefgang angeht, irgendwo zwischen berührend und eher belanglos, letzteres trifft vor allem auf den kurzen, teenierüpelhaften Auftritt der Raleigh-Brüder zu, während der erwähnte Part um Schoenfeld und Lightcap eine durchaus gelungene Einführung der Idee einer neuralen Verbindung zwischen zwei Jaeger-Piloten ist, bei der Schoenfeld seine eigenen Gefühle opfert, um der Menschheit eine Hoffnung zu schenken.

Pacific Rim: Geschichten aus dem Jahr Null lässt sich gut runterlesen, bietet einige spektakuläre Panels (San Francisco Battle, Anflug auf die Jaeger-Akademie, Gipsy Danger vs. Verociter, Ausblick auf die Kaiju-Wall), tut aber gut daran, sich nicht auf Actionsequenzen zu verlassen, sondern sich mehr auf die kleineren persönlichen Ebenen zu begeben. Eine nette Dreingabe zum Film, wobei das Künstlerquintett Sean Chen, Yvel Guichet, Pericles Junior, Chris Batista und Geoff Shaw hier und da für ein paar merkliche gestalterische Brüche sorgt, so ähneln die Raleigh-Brüder mitten in ihrer Story plötzlich noch weniger Charlie Hunnam und Diego Klattenhoff, sondern sehen mehr wie ein junger Timothy Spall aus. Was den 112 Seiten fehlt ist ein Gefühl für das Ausmaß der Bedrohung, eine globalere Perspektive auf die Kaiju-Apokalypse. Aber dafür dürfte dann ja der Film sorgen.

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