PARANOIA: Kritik zum Smartphone-Thrillerchen mit Liam Hemsworth & Amber Heard

Story

Der ehrgeizige und hochbegabte Telekommunikationstüftler Adam Cassidy hat sich vor allem ein Lebensziel gesetzt: nicht in ähnlichen Armutsverhältnissen versinken, in denen sich sein inszwischen pflegebedürftiger Vater nach Jahrzehnten als einfacher Wachmann mittlerweile wiederfindet. Sein Job als low-level-Entwickler in der Firma des Smartphone-Genies Nicholas Wyatt ist allerdings noch nicht das, was er sich als Zukunftsperspektive vorgestellt hat: Adam möchte selbst zu den hohen Konzerntieren gehören, die bisher lediglich von seinen Entwicklungen profitieren. Als er und einige Kollegen die Gelegenheit bekommen, Wyatt persönlich einige geschäftsträchtige Ideen vorzustellen, scheint die Aufstiegschance gekommen. Doch der unbeeindruckte Boss lässt Adam nicht nur abblitzen, er setzt ihn und seine Technikkumpel gleich auf die Straße. Aus Frust und Trotz macht die Gruppe anschließend Party auf Firmenkosten und am nächsten Tag findet Adam sich in einer unerwarteten und gefährlichen Zwickmühle wieder. Den immerhin fünfstelligen Finanzbetrug will Wyatt ihm nur dann durchgehen lassen, wenn Adam sich in die Firma von Wyatts größtem Konkurrenten und einstigen Partner Jock Goddard einschleusen lässt, um dessen Pläne für eine angeblich revolutionäre Smartphone-Technologie zu ergattern. Für Adam beginnt ein gefährliches Spiel als Bauer inmitten eines skruppellosen und perfiden Spiels um Macht, Innovation und Multimillionendollargeschäfte…

Der Film



Ließen sich Werk und Schaffen eines Regisseurs mit nur einem einzigen Adjektiv beschreiben, würde dieses für Robert Luketic ganz klar »banal« lauten. Der in Australien geborene Italo-Kroate klingt herkunftsmäßig schön bunt, macht aber Filme, so grau und egal wie ein einzelnes Gesteinskorn in einer Betonwand. Meist RomComs wie „The Ugly Truth“ und den schrecklichen „Killers“, zwischendurch mit „21“ mal ein Blackjack-Drama über schummelzockende MIT-Studenten, bei dem dann sogar eine ganz interessante Grundidee in der uninspirierten Matschepampe ertrinkt, die Luketic da zusammen delegiert. Regieführung als fortschreitender Downgradingprozess. Und nun der Wirtschafts-Thriller „Paranoia – Riskantes Spiel“, der mit zwei knackigen Jung- und zwei knurrköpfigen Altstars daherkommt, sich mit seiner Thematik um Konzernspionage, Finanzkrise und sich auf Kosten des kleinen Mannes bereichernden Bossen ganz nah am Puls der Zeit wähnt, doch siehe da: auch das Ding strotzt statt schlauer Einfälle, kluger Kommentare und patenter Umsetzung einfach nur vor Banalität.

Dieser Wirtschaftskrieg um’s bessere Smartphone wirkt trotz seiner Konkretisierung so gegenstandslos, wie das Gespräch zweier „Generation Social Media“-Kiddies im Vergleich über die Vorzüge dieser oder jener neuen Viehzucht- und Farm-App. Was „Paranoia“ auch an Spannungsmomenten (und das sind nicht viele) und Thriller-Klischees (das sind dafür mehr als reichlich) auffährt, der Film bewegt sich nie von dem ersten Eindruck weg, dass seine Story nicht zweckmäßig, nicht milieugebunden komprimiert, sondern scheißegal ist. Zickenzoff zwischen zähneknirschenden Betriebssystemzauseln, bei dem nicht mehr auf dem Spiel steht, als die Frage, wer denn nun den pseudosozialisierenderen Telekommunikationsgegenstand zur Entprivatisierung eines fortschrittswilligen Abhängigkeitsverhältniskunden auf den Markt schmeißt. Da plustern sich die CEO-Gockel Harrison Ford und Gary Oldman zu einem »mimimimi«-Konflikt auf, bärbeißen sich einen über Akkulaufzeiten und GPS-Tracker ab und könnten dabei kaum noch unglaubwürdiger wirken, wenn sie ein Wählscheibentelefon um den Hals trügen.



Zwischen ihre Firmenfronten gerät der Fönwellen-Aufstrebling Liam Hemsworth, der dieses Männermodel-Oxymoron tumber Nachdenklichkeit im Gesicht spazieren trägt, ob er nun seinen Dad versorgt, Powerpoint-Präsentationen hält, Spionageakte betreibt oder Amber Heard knattert. Hemsworth‘ Adam ist eine unsympathische Hauptfigur ohne den geringsten Meter an Fallhöhe, der sich und seiner spießer-nerdigen Tüftelgang den ganzen Mist höchstselbst einbrockt, indem er dämlich genug ist, nach seinem Rauswurf Party auf Firmenkosten zu machen, statt die Kohle wenigstens für die Krankenversorgungskosten seines Vaters zu nutzen, was ihm immerhin ein nachvollziehbares Motiv böte, wo eben dieses sich drei Szenen zuvor so präsentiertellergerecht anbahnt. Den in Gang gebrachten Hauptteil des Plots um Adams Wirschaftsspionageaktivitäten filmt Luketic gewohnt auf Style getrimmt und banalst runter, für den Bengel aus Brooklyn braucht es nur ein bißchen Psychogewäsch von Wyatts firmeneigener Psychoanalytikerin und einen schmucken Anzug, schon ergattert er mühelos einen hochrangigen Job in der Entwicklungszentrale des Konkurrenten, wo natürlich One Night Stand Amber Heard als Marketingchefin ihren Familienkomplex wegschuftet und die rettende Idee für das kommende Top-Produkt nicht nur in 72 Stunden ausgeheckt, sondern in unter zwei Minuten dem Boss präsentiert und somit dessen Vertrauen erschlichen ist. Sorry, aber das ist doch alles kompletter Bullshit.

Den kurbelt Luketic auf einem stets gleichbleibenden Level der Höhepunktarmut runter, will Spannung aus altbackenen »schafft er es, die Daten rechtzeitig runterzuladen«-Situationen schüren und ansonsten markiert nur der Knopfdruck-Score von Junkie XL mit Klavier- oder Tech-Tönen, ob es nun gerade emotional-persönlich oder thriller’ig-aufreibend zugeht. Die Love Story zwischen Hemsworth und Heard ist öde-unmotiviert, da funkt’s nicht mehr als zwischen Ziergetier im Goldfischglas; die direkten Aufeinandertreffen von Ford und Oldman geraten irgendwie launig, aber dennoch nicht sehr ergiebig, da ihr einstiges Partner- und Freundschaftsverhältnis bloß über die üblichen Genrefloskeln ausgedrückt wird. Nebenfiguren wie Julian McMahon als gelackter Schläger, der komplett verschenkte Josh Holloway als Wirtschaftsermittler, Lucas Till als Handy-Geek oder Richard Dreyfuss, der Adams Pflegefall-Paps spielt, bleiben reine Staffage, die zu Nutzen und Einsatz kommen, wie es die Story gerade braucht, um in ihren Szenen und Auftritten zu überbrücken, dass im Grunde gar nichts passiert.



Als Zeitportrait der Finanzkrise und ungerechter Vermögensverteilungen bietet „Paranoia“ bloß populistische Plattitüden, für eine klassische rise and fall-Story versagt vor allem die Hauptfigur, die nicht genügend Chuzpe, diese gewisse (a)soziale Dreistigkeit mitbringt, um seinen Weg fasziniert und mit dem steten Wunsch seines Scheiterns zu verfolgen. Mit dem Duell Ford/Oldman verstehen Script und Luketic nichts anzufangen, da treffen Deckard und Stansfield aufeinander, Han Solo und Jean-Baptiste Emanuel Zorg, Jack Ryan und Jim Gordon, Indiana Jones und Sirius Black – und dann kritteln und kratzen da bloß zwei eitle OS-Diven aneinanderrum und haben nichtmal groß erkennbaren Genuss daran. Die titelgebende „Paranoia“ plumpst unbeholfen mit wenig Unbehagen einflößendem big brother-Stuss und Bildfiltern durch das lächerliche Machtspielchen der Konzernkönige und ihres Knappen, letzterer macht sich dafür bei jeder Ge- und Ungelegenheit nackig und nass und verstärkt so noch den Eindruck, dass da Fotografien eines Unterwäsche- und Haarpflegemodels statt eines tatsächlichen Schauspielers in den Film geschnitten wurden. Vom Charismabaum hat sich Liam Hemsworth‘ Bruder Chris alias „Thor“ jedenfalls die dickeren Früchte gepflückt. Amber Heard ist immerhin ganz hübsch, aber die macht im Moment auch nicht umsonst mehr Schlagzeilen als Johnny Depp-Verlobte, denn durch ihre Leinwandpräsenz…

Wertung & Fazit

Action: 1/5
Kaum der Rede wert…
Spannung: 0,5/5
Kein Kriterium… Nee, halt, Moment mal, natürlich ein Kriterium! Wird vom Film nur nicht wie eines behandelt. Die Story und die Charaktere sind komplett Wurscht, die auf Spannung zielenden Szenen lächerlich altbacken und einfallslos.
Anspruch: 0/5
Viele logikresistente und daherkonstruierte Handlungen und Handlungsabläufe.
Humor: 0/5
Höchstens mal unfreiwillig komisch.
Darsteller: 2/5
Harrison Ford und Gary Oldman können sich auch nicht immer drauf verlassen, dass sie Harrison Ford und Gary Oldman sind. Josh Holloway und Richard Dreyfuss werden vergeudet, Liam Hemsworth und Amber Heard bleiben so blass wie der Film selbst.
Regie: 1,5/5
Nächste Etappe auf Robert Luketic’ Marathonlauf der Banalitäten. Stylisch, aber komplett höhepunktsfrei gefilmt.
Fazit: 3/10
Ein Film wie Harrison Fords Frisur im selbigen: kurzgeraspelter Plot, runzlige Spannungsdramaturgie, graue Charaktere.

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