Stars im Portrait: PETER JACKSON

Portrait

Als im Jahr 1997 der in Fankreisen zwar kultig verehrte, aber der breiten Masse relativ unbekannte Neuseeländer Peter Jackson die Vorbereitungen zur Verfilmung der Der Herr der Ringe-Trilogie aufnahm, ahnte wohl niemand, dass er vier Jahre später mit Die Gefährten einen Meilenstein der Filmgeschichte abliefern würde. Nachdem 2003 Die Rückkehr des Königs das Mammutwerk abschloss, welches insgesamt 17 Oscars (bei 30 Nominierungen) erhielt und ein Gesamteinspiel von beinahe 3 Mrd. erzielte, hatte sich Jackson vom belächelten ‘Splatter-Marke-Eigenbau’-Regisseur zum gefeierten und prämierten Visionär gewandelt, für den heute kein Stoff zu ‘groß’ erscheint.

Jacksons erste Arbeit in Spielfilmlänge Bad Taste machte 1987 zumindest die neuseeländische Öffentlichkeit auf ihn aufmerksam. Der schräge Splatter/Science Fiction-Mix wurde bei verschiedenen Festivals ausgezeichnet und enthält trotz seiner Grobschlächtigkeit bereits viele Elemente, die sich in mehr oder weniger prägnanter Form bis in Jacksons heutiges Werk durchgesetzt haben. Es folgten die überkanditelte und kontrovers diskutierte Muppets-Parodie Meet the Feebles (1989), in der es hinter den Kulissen einer Puppen-Show um nichts als Sex, Drogen und Intrigen geht. Spätestens mit Braindead (1992), einem der Standart-Werke des Splatter-Genres, gelang es Jackson auch international ein Ausrufezeichen zu setzen. In Deutschland ist die ungekürzte Fassung übrigens auf dem Index.

Hatte er mit Der Zombie-Rasenmähermann (dt. Untertitel zur Videoveröffentlichung von Braindead) quasi das Optimum in Sachen Splatter erreicht, lieferte der Neuseeländer 1994 mit Heavenly Creatures einen stilistischen Bruch, der heute dennoch absolut nachvollziehbar erscheint. Heavenly Creatures mit Kate Winslet und Melanie Lynskey ist ein sensibles Drama, getragen von starker bildsprachlicher Poesie und war nominiert für den Oscar in der Kategorie ‘Bestes Original Drehbuch’. Jackson erweiterte somit sein Repertoire konsequent um Elemente wie Charakterzeichnung, visuelle Doppelbödigkeit und dramaturgischen Tiefgang.



Mit The Frighteners (1996) gelang Jackson ein Brückenschlag zwischen dem visuellen Stil seines Frühwerks und seiner Mainstream-orientierten Arbeit. Der Geister-Horror-Komödien-Krimi mit Michael J. Fox in seiner letzten großen Filmrolle bedeutete den kommerziell bis dahin größten Erfolg in Jacksons Karriere und öffnete ihm genug Türen in Hollywood, um letztlich das Projekt Der Herr der Ringe angehen zu können.

Bei der Realisierung des Remakes zum Klassiker King Kong (2005) widmete sich Jackson nach Abschluss der Jahrhundert-Trilogie einer Herzensangelegenheit, hatte doch vor allem der gigantische Primat seine Filmleidenschaft geweckt. Bis hierhin finden sich in Szenen wie dem ‘Insekten-Kampf’ oder der Darstellung der Eingeborenen Referenzen an seine frühen Filme.

Insgesamt hat sich Peter Jacksons Karriere auf eine (in Bezug auf die Ursprünge) nicht unübliche Weise entwickelt. Eines seiner Vorbilder, Sam Raimi, hat nach ersten und gefeierten Schritten im Fun-Horror-Genre (Tanz der Teufel 1-3) einen ganz ähnlichen Weg ins kommerziell erfolgreiche, doch den eigenen Wurzeln treuen Filmemachen (Spider-Man 1-3) hinter sich. Jackson jedoch hat dabei noch eine viel ausgeprägtere stilistische Unverwechselbarkeit geschaffen, mit der er einen digitalen Affen im Kampf mit Dinosauriern ebenso wie ein stilles Drama in der gleichen Intensität zu inszenieren versteht. Seine Filme, ob kontrovers oder hochgelobt, sind eskapistische Höhepunkte, denen man Jacksons tiefe Leidenschaft, Hingabe und scheinbar grenzenlosen Enthusiasmus jederzeit anmerkt.

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