PHANTOM: Kritik zum submarinen Sowjet-Thriller mit Ed Harris

Story

1968: der alternde und gesundheitlich angeschlagene sowjetische Kapitän Demi Zubov wird von seinem Vorgesetzten Markov zu einer letzten, streng geheimen Mission überredet. Mit Demis Crew an Bord seines nahezu ausrangierten U-Bootes gehen auch einige Männer des KGB, deren Pläne sich erst während der Fahrt offenbaren: unter Führung eines gewissen Bruni testen die Extremisten ein hochentwickeltes System zur Täuschung feindlicher Schiffe, deren Sonar durch ein verfälschtes Signal in die Irre geführt wird. Das System, genannt „Phantom“, immitiert dabei die Signatur unterschiedlichster Schiffstypen, womit das sowjetische U-Boot dem Feind seine Herkunft verschleiern kann. Doch im Zuge dieser Möglichkeiten verfolgt Bruni noch weit radikalere Pläne und hat es auf das nukleare Waffenarsenal abgesehen – um unter dem Deckmantel der Identität eines anderen Landes die USA anzugreifen und den Dritten Weltkrieg zu initiieren…

Der Film

Das Sub-Genre des submarinen U-Boot-Films hat im Grunde ausgedient. Blake Edwards‘ Komödie „Operation Petticoat“, John McTiernans Tom Clancy-Adaption „The Hunt for Red October“, vielleicht noch Tony Scotts „Crimson Tide“, vor allem aber Wolfgang Petersens (je nach Fassung) zweieinhalb- bis fast fünfstündiges, mehrere Seemeilen voraus eilendes Referenzwerk „Das Boot“ scheinen doch längst alles ausgelotet zu haben, was Unterseemissionen filmisch hergeben. Mit „K-19: The Widowmaker“, „U-571“, „Phantom Below“ oder der Steven Seagal-Gurke „Submerged“ taucht da zwar immer mal wieder ein neuer Beitrag auf, nur laufen die alle eher unter »Schwamm drüber…«. Obige Story um KGB-Fanatiker und Atomraketen war es nun Regisseur/Autor Todd Robinson wert, sich mit seiner Crew auf Tauchgang zu begeben. Sein „Phantom“ basiert lose auf Ereignissen, beziehungsweise Hypothesen rund um die letzte Fahrt der K-129, ein sowjetisches U-Boot der Pazifik-Flotte, dessen Verschwinden 1968 und spätere Bergung Rätsel aufgab und von Autor Kenneth Sewell in seinem investigativen Buch „Red Star Rogue—The Untold Story of a Soviet Submarine’s Nuclear Strike Attempt on the U.S.“ zu einer apokalyptsichen Schreckensmission erklärt wurde.



In der Theorie klingt das ganz aufregend, zwei Interessengruppen unter Wasser eingepfercht, kein Entkommen möglich, inmitten des Kaltes Krieges das Schicksal der gesamten Welt bloß die Eingabe einiger Scharfmachecodes entfernt… Das Fazit zur Praxis lautet dann aber doch nur wieder: »Schwamm drüber…«. „Phantom“ wird im Grunde nur von sehr ansprechenden Schauspielleistungen knapp über Wasser gehalten, Ed Harris („The Rock“) bietet in der Hauptrolle als nicht beugungswilliger Kapitän den Anker des Films, der sich am Zuschauerinteresse festkrallt, William Fichtner („Lone Ranger“, „Elysium“) als loyalen 1. Offizier mal nicht in der Schurkenrolle zu erleben ist ebenfalls ganz fein, und auch der mit „Californication“ zu neuem TV-Ruhm gekommene David Duchovny macht sich gut in der Rolle des verbissenen und über die Leichen der eigenen Landsleute gehenden KGB-Agenten. Der Dreh mit Digitalkameras in einem echten sowjetischen Jagd-U-Boot erzeugt die nötige Untersee-Authentizität…

…zumindest IM Boot, schaltet Robinson nämlich mal auf Außenaufnahme macht sich gerade in Gefechts- und Risiko-Situationen die semi-tolle Tricktechnik der $18 Millionen-Produktion bemerkbar, weshalb auch stets hastig wieder ins Innere gewechselt wird. Das kostet „Phantom“ schonmal die ersten Punkte, denn schlecht getimtes Wegblenden und Umschneiden ist für Szenen mit Torpedobeschuss und so weiter regelrechtes Gift, der Wechsel von Innen- zu Außen- zurück zu Innenaufnahme erzeugt viel zu selten das Gefühl von konsekutiver Komposition zwischen »Befehl von drinnen« und »Aktion nach/Reaktion auf Außen« etc. Robinsons Heimathafen ist also der interior shot, doch auch hier beseitigt ein Originalschauplatz nicht automatisch alles, was da an dramaturgischer Fehlfunktion in „Phantom“ steckt. Eng umschlungen sind die Männer von Stahl und nautischer Gerätschaft, lasch umspült sie hingegen das staksig-unbeholfene Script, das mit einer Unmenge an Seemannsbegriffen um sich wirft (die Harris und Fichtner überzeugend runterrattern), nur kein Gespür für’s Setting und keinen Sinn für Spannung entwickelt.



Bis zur Übernahme des U-Bootes durch das KGB-Konglomerat um Duchovny und der darauf folgenden klareren narrativen Struktur springt „Phantom“ durch eine seltsame Szenenfolge, der immer ein paar Zwischenminuten hin- und überleitend von der einen Situation zur nächsten zu fehlen scheinen. Lange versucht Robinson, die wahren Intentionen der OSNAZ-Radikalen im Konkreten im Dunkeln zu lassen, ohne zu verschleiern, dass da grundsätzlich Böses im Busch ist. Dennoch entsteht selbst in den Momenten der Zuspitzung keine wirkliche Tension, etwa wenn Duchovnys Bruni zum ersten Mal die Befehlskette durchbricht und Harris‘ Zubov sein Kommando aufoktroyiert und der das ohne große Widergewalt über sich, sein Boot und die Crew ergehen lässt. Robinson versenkt Aufbau und Auflösung solcher Szenen, genau wie die anfangs unklare Genese der zuckenden Wahnvorstellungen Zubovs, die nicht wissen, ob sie Mystery-Element oder visualisiertes seelisches Unheil oder was auch immer in den Film bringen sollen. Angestrebte Begriffe wie Psychogramm und Psychokrieg wechselwirken nicht mit plumpen jump scare-Versuchen und der bloßen Gegenüberstellung von allgemeinplatzmäßigem Extremistengebelle und routinierter Vernunft, vielmehr ächzt darunter die Dramatik, selbst wenn dann plötzlich der nahende Weltuntergang ausgerufen wird.

Da das »ob« schlicht aufgrund historischer Tatsachen keine Rolle spielen kann (es ist schließlich 1968 nicht der Dritte Weltkrieg ausgebrochen, Fakt, Punkt.) muss Robinson den Mittel- und Schlussakt seiner Hypothesenverfilmung am »wie« orientieren: wie kam’s dazu, das nüscht passiert ist? Auch hier baut „Phantom“ Spannung eher ab als auf und bemüht einige so typische wie settingbedingt unpassende Thriller-Einerleis. Da merkt der Atomraketentechniker in dem Moment, als er den Mechnismus des Sprengsatzes im Abschussrohr manipulieren soll, dass er Klaustrophobiker ist. Klaustrophobiker. In einem U-Boot. Und das zum bloßen abgedroschenen Drehbuchzwecke, eine andere Figur mit den Erforderlichkeiten vertraut machen zu müssen, passenderweise jemanden, der im Gegensatz zum klaustrophobischen Techniker vorher schonmal im Film zu sehen war und um dessen Leben man eventuell mehr bangt. Ein Storytellingrechenweg, der uneleganter und ergebnisloser kaum verlaufen kann. Und wenn der passionierte Kunstflieger Robinson dann am Ende auch noch einen Shyamalan aus dem Hut zieht wird’s inszenatorisch wahrlich lächerlich und auf überflüssige Gimmicks beschränkt. Vorrangig bleibt es somit am starken Ed Harris, die Tauchfahrt seines Regisseurs in Oberflächennähe zu heben. Wären hier irgendwelche B- bis C-Darsteller am Werk hätte „Phantom“ schall- und knalllos auf dem Meeresboden geendet.

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
Mehrt sich gegen Ende, kämpft aber mit den Mängeln billig produzierter Tricktechnik und fehlender inszenatorischer Alternativen, diese zu kaschieren.
Spannung: 1,5/5
Der große Spannungsbogen um die WWIII-Bedrohung scheitert, sofern Grundschulwissen vorhanden ist. Kleine Spannungsspitzen werden unsauber angesetzt und weit vor Erreichen des Gipfels gekappt.
Anspruch: 1/5
Nicht zu sagen, wieviel Tatsache hinter der Hyphosese steckt. Zumindest der Schausplatz ist authentisch, da halt ein echtes sowjetisches U-Boot.
Humor: 0/5
Kein Kriterium.
Darsteller: 4/5
Ed Harris outet sich im MakingOf als Buddy von Regisseur/Autor Todd Robinson und erweist sich mit einer starken Leistung als (gemessen an Robinsons Gegenleistung) unverhältnismäßig guter Freund. Auch William Fichtner und mit ein paar Abstrichen David Duchovny spielen ansehnlich.
Regie: 2/5
Todd Robinson hat bisher nicht so wahnsinnig dolle Sachen gemacht und auch sein „Phantom“ qualifiziert ihn nicht für höhere Regie-Ehren. Wenig Gespür für Spannungs- und Szenenaufbau.
Fazit: 4/10
Als Cold War-Sachbuch-Hypothese mag die Story eines einzelnes U-Boots auf Weltvernichtungsmission interessant sein, als Film ist es unschlüssig und dramaturgisch mangelhaft. Lediglich die guten Schauspieler retten den submarinen Thriller vor den Abgründen und Untiefen der B-Movie-Masse.

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