PLANET DER AFFEN: SURVIVAL – Kritik zum Abschluss der Prequel-Trilogie mit Andy Serkis & Woody Harrelson

Die Story

Fünfzehn Jahre sind vergangen, seit sich ein ursprünglich als Heilmittel gegen Alzheimer gezüchteter Virus für die Menschheit als tödlich erwies und ein Großteil der Erdbevölkerung dahingerafft wurde, während Affen durch das Mittel eine erhöhte Intelligenz und den Anspruch auf eine eigene Zivilisation entwickelten. Nach einigen eskalierenden Konflikten und einem kriegerischen Zwischenfall, ausgelöst von dem menschenhassenden Bonobo Koba, befindet sich der um Frieden zwischen den Spezies bemühte Anführer der Affen Caesar mit seinem Gefolge in einem abgelegenen Versteck, um das Überleben seiner Art zu sichern. Doch der Krieg holt Caesar ein, als der gnadenlose und scheinbar dem Irrsinn nahe Colonel McCullough mit seiner „Alpha-Omega“-Einheit ihr Lager ausfindig macht. Die Affen erleiden schreckliche Verluste und während Caesar den Übriggebliebenen den Rückzug in ein weit entferntes und vor dem Zugriff der Menschen sicheres Landstück befiehlt treibt ihn selbst der Rachedurst auf die Spur des Colonels. Die letzte Auseinandersetzung im Krieg zwischen Mensch und Affe steht bevor – und nur eine der beiden Spezies kann am Ende über den Planeten herrschen…

Die Filmkritik

Caesar und seine Affen-Gefolgschaft in PLANET DER AFFEN SURVIVAL
Prequels stecken von Natur aus in einem Dilemma: die meisten will und braucht keiner. Es ist überwiegend glasklar, auf welchen Status Quo ihrer chronologischen Nachfolger die Vorgeschichten hinauszulaufen haben und daraus lässt sich schwer Spannung ziehen und, noch schwerwiegender: zu viel Beleuchtung killt das Geheimnisvolle, das Mysterium um Geschichten und Figuren. Darth Vader wird als Schurke der Ur-„Star Wars“-Trilogie nicht faszinierender, wenn man ihn in den Prequels als Pausbackenpröppel Podrennen fahren sieht oder als bockiger Teen über Sand rumjammern hört, es nimmt dem „Alien“ sein unerklärliches Grauen, wenn in „Prometheus“ und „Alien: Covenant“ seine Herkunft erforscht und blödklärt wird und die ganzen Slasher-Helden will auch keiner im Wickelalter sehen. Narrative Präfixe brauchen schon einen Kniff, eine Perspektive, um trotz des Zulaufens auf ihre Unausweichlichkeiten einen Mehrwert zu bieten. Auftritt die „Planet der Affen“-Prequel-Trilogie. Die überraschte mit ihrem „Rise of the Planet of the Apes“ 2011 alle, macht für Franchise-Unkundige zwar das Twist-Ende und damit ein Stück der allegorischen Wucht des Originals von 1968 kaputt, aber die Nummer mit der Freiheitsstatue kennt doch nach über vierzig Jahren und zig Referenzen eigentlich eh jeder.

Das heraushebende Merkmal von „Rise…“, dem Sequel „Dawn of the Planet of the Apes“ (2014) und nochmals verstärkt dem diesjährigen Trilogie-Abschluss „War for the Planet of the Apes“ ist die Fokussierung auf den Schimpansen Caesar und seinen Weg vom Laboräffchen zum Aufständler zum Anführer. Über den Verlauf der Reihe keinen menschlichen Protagonisten in den Mittelpunkt zu stellen, sondern die Eroberung der Erde aus Primatenperspektive und mehr und mehr als Scheitern des Homo Sapiens an sich selbst zu inszenieren, während die ohne ihre Zustimmung zu gesteigerter Intelligenz, Loslösungsdrang und zivilisatorischer Neuausrichtung gekommenen Affen nur ihr Recht auf eine (Ko)Existenz wahrnehmen und wahren wollen – das ist genau der Kniff, den es brauchte, um eine Vorgeschichte vom Planeten der Affen interessant zu gestalten und aus einem ungewollten Ableger eine dem Meinungskonsens nach besten Blockbuster-Trilogien der letzten Jahrzehnte zu machen. Bisschen hoch gehängt, aber mit „War for the Planet of the Apes“ liefert Regisseur Matt Reeves immerhin fürs Jahr 2017 einen der Top 5-Blockbuster. Das Finale für Caesar ist ein eindringlicher, teils bedrückend schwerer, (beinahe) kompromisslos düsterer und emotional packender Gang in den zivilisatorischen Abgrund, aus dem es nur für eine Spezies einen Rückweg geben wird.
Überläufer Donkey und Woody Harrelson als Colonel McCulloughin PLANET DER AFFEN SURVIVAL
Und auch wenn seit über vierzig Jahren klar ist, dass dies die haarigere der beiden ist: „War for the Planet of the Apes“ ist von der Aufblende an von einer mitreißend-dichten Ereignisdynamik, deren Eskalationsstufen weniger bemüht und konstruiert als im direkten Vorgänger wirken, da der Film wieder intimer, persönlicher und wieder näher an Caesar und seiner Reise ist. Nachdem er selbige zuvor mit James Franco, Jason Clarke und Gary Oldman teilen musste verzichten Reeves und Co-Autor Mark Bomback nun endgültig auf einen menschlichen Sympathieträger auf Affenversteherseite. Die Rückführung der unsrigen zu urinstiktgetriebener Rudelbildung und gewaltverhafteter Verteidigung von materieller und seelischer Habe ist vollzogen, die Ziele sind nicht Reaktivierung und Rekreation, sondern Behauptung und Verbleib in einer Nahrungskette im Umbruch. Mit Woody Harrelsons kahlrasiertem Colonel lässt Reeves den Menschen an sich als wahnhafte Verzerrung seines hierarchischen Ringens um die Erdherrschaft ausklingen; eine Figur, die bewusst Vergleiche zu Marlon Brandos Walter E. Kurtz evoziert und Caesar nach verlorenem Kampf gegen den ultimativen Endgegner der Menschheit entgegen tritt: dem Verlust des eigenen Verstandes.

Nach den Coming-of-ape- und on-the-edge-of-war-Storys von „Rise…“ und „Dawn…“ ist „War for…“ eine bittere Rache- und struggle-to-survive-Geschichte (weshalb der deutsche Titel „Planet der Affen: Survival“ diesmal fast mehr Sinn hat als der tendenziell fehlleitende Originaltitel). Im Anschluss an eine getrommelte Fox-Intro-Fanfare spielt jede Note des Scores die Melodie von Leid, Entbehrung und drohendem Verderben, akustisch und visuell greifen Komponist Michael Giacchino, Kameramann Michael Seresin und Reeves Western-Motive auf, wenn Caesar mit einer kleinen treuen Affenschar gen verschneiten Norden zieht, um die Spur des Colonels aufzunehmen, der ein Massaker an den seinen verübt hat. Der Film löst sich nicht vom deutlichsten Schwachpunkt der gesamten Trilogie, der sehr schlichten Dramaturgie mit ihren Umstandsmomenten, doch da „War for the Planet of the Apes“ den Rahmen wieder enger um Caesar legt, knüpft Reeves nach dem dünnen Exemplarimus aus seinem „Dawn of…“ nun an Rupert Wyatts emotional sichereren und komplexeren „Rise of…“ an, mengt dem Weg des Schimpansenhäuptlings Erlösersymbolik von Jesus bis Moses bei, ohne sich in blindgläubigen Gesten zu verlieren.
Karin Konoval als Maurice und Amiah Miller als stumme Nova in PLANET DER AFFEN SURVIVAL
Für einen $150 Millionen-Blockbuster mit Sommer-Kinostart ist „War for the Planet of the Apes“ so hart und unerbittlich wie man‘s sich nur vorstellen kann. Spätestens wenn sich die Handlung in ein brutales Gefangenenlager verschiebt und die Affen gedemütigt, geschlagen, gefoltert und gekreuzigt werden und Reeves‘ Anleihen sich an Kriegs- und Anti-Kriegs-Dramen orientieren ist der Film kein seichtes Unterhaltungsstückchen zur Alltagsflucht, sondern ein zermürbender und politrelevanter Downer, der sich seine Szenen, Momente und Gesten verdient, in denen aus all dem Grauen und der Unabwendbarkeit seiner Konflikte ein Schimmer von Trost und Hoffnung keimt. Wie in den Vorgängern steckt die Kohle nicht in Spektakel, Bombast und CGI-Wüsten, sondern in aufwendigen Sets und den weiter perfektionierten Nuancen des Performance Capturings. Auf die Technik und Andy Serkis wurde schon jedes Loblied gesungen, aber die britische Bewegungsmodell-Koryphäe und die Animationskünstler haben sich einmal mehr jede Strophe verdient. Die Effektarbeit fügt sich nahtlos ein, keine Sekunde, in der die Illusion auf der Kippe stehen würde, keine Regung, in der Caesar nicht in seiner technischen Umsetzung UND der darstellerisch brillanten Leistung Serkis‘ überzeugen würde.

Nemesis Harrelson mit seinem Kurtz-Immitat, dem kultisch verehrten Colonel McCullough, nagt in Szenen wie der oberkörperfreien Glatzenrasur in sackkalter Gebirgsplateaukulisse oder bei seiner gefechtsbemalten ersten Begegnung mit Caesar manchmal an den Rändern der karikaturesken Überzeichnung, ist als Leader eines Faschistenparolen brüllenden Squads in seiner manisch-rationalen Präsenz aber dennoch glaubhaft. Der klarste und verabscheuenswerteste Antagonist seit Tom Feltons Tierquäler im Trilogie-Auftakt bekommt aber rechtzeitig seinen Gänsehaut-Monolog, der die persönliche Tragik aus McCullough schält und dazu noch eine Verbindung zum Uraffenfilm aus den 60ern knüpft. Neben den Kontrahenten Serkis und Harrelson und einigen wiederkehrenden Primaten führt „War for the Planet of the Apes“ mit dem kahlen Zoo-Affen Bad Ape, performt von Steve Zahn, aber auch den ersten sort of-Comic Relief der Serie ein, um die finstere Stimmung des Films wenigstens an ein paar Stellen aufzuhellen. Das fügt sich nicht so ganz harmonisch ein, doch auch der Bad Ape ist hinter der zappeligen und leicht dusseligen Fassade eine gebrochene Figur.
Caesar und der Colonel begegnen sich in PLANET DER AFFEN SURVIVAL
„War for the Planet of the Apes“ ist nach dem guten Auftakt und dem absackenden Mittelteil ein ganz starker, aufwühlender und subtextreicher Abschluss für eine alles in allem gelungene Trilogie. Neben Gollum aus dem „Herrn der Ringe“ ist Caesar fraglos das bisher ambitionierteste CGI-/Performance Capture-Geschöpf, ein echter Charakter mit einer über drei Filme sehr gut gesponnenen Geschichte voller innerer und äußerer Konflikte, die in allen drei Teilen vor der Effektshow stehen. Das ist selten im modernen Blockbuster-Zirkus und eine umso schätzenswertere Angelegenheit sind die „Apes“-Prequels. Ohne die leider ebenfalls für die Reihe stilbildenden Atze Schröder-»ja nee, is klar…«-Momente kommt auch das Finale nicht aus, wenn der [kleiner SPOILER voraus, zum Lesen markieren] Fluchtplan der Affen an einer Stelle von der Reizbarkeit und unüberlegten Kurzschlussreaktion (oder deutlicher: umnachteten Blödheit) eines wachhabenden Soldaten abhängt [SPOILER Ende], aber die Wucht der Story und die Figurenzeichnung sind prägend genug, um darüber hinweg zu sehen.

Wertung & Fazit

Action: 3/5

Zwischen dem intensiven Auftakt und einem knallenden Ende legt der Film mehr Wert auf Figuren- und Atmosphäre-Aufbau, statt große Knalleffekte zu bieten. Gut so!

Spannung: 3/5

Der düsterste und intensivste Film der Reihe.

Anspruch: 2.5/5

Kommt, wie die ganze Reihe, nicht ohne günstige Plotzufälle und Zusammengereimtheiten aus, dennoch von hohem allegorischen Wert und mit starker Charakterentwicklung.

Humor: 0/5

Steve Zahns Bad Ape serviert ein paar Gags, aber die gesamte Stimmung des Films ist dermaßen drückend und düster, dass der Relief verpuuft.

Darsteller: 5/5

Bisher nur Andy Serkis gelobt, aber das gesamte Affen-Ensemble macht natürlich einen hervorragenden und wegen des „alles aus’m Computer!“-Vorurteils unterschätzen Job.

Regie: 4.5/5

Reeves knüpft an die emotionale Komplexität und die Storytelling-Effizienz von Rupert Wyatt an, mengt erdrückende Düsternis und Hoffnungsschimmer geschickt an.

Film: 8.5/10

Mitgelitten, mitgefiebert, mitgeheult. Emotionale Begriffe, die treffen, was „War for the Planet of the Apes“ nach „Dawn…“ wiedergefunden hat: seinen emotionalen Kern. Die Affen-Prequels hobeln ihr dramaturgisches Holz zwar meist sehr grob und wählen sehr klassische Narrationsmuster und -vorbilder, aber der Trilogie-Abschluss ist trotzdem verdammt gelungenes, unglaublich düsteres Blockbusterkino. Bester Teil der Reihe.

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