R.I.P.D.: Kritik zur Action-Komödie mit Ryan Reynolds und Jeff Bridges

Story

Der Bostoner Cop Nick Walker ist eigentlich ein ehrlicher und engagierter Detective, konnte gemeinsam mit seinem Partner Bobby Hayes aber nicht wiederstehen, als die beiden bei einer Drogenrazzia einige Goldbruchteile sicherstellen konnten. Statt in der Asservatenkammer landet das Edelmetall in den Taschen der beiden, um den schmalen Verdienst ein bißchen aufzubessern und Nick ein sorgenfreieres Leben mit seiner Frau Julia zu ermöglichen. Doch als Nick von Gewissensbissen geplagt wird und das Gold wieder rausrücken will nutzt Bobby das Chaos einer Lagerhausstürmung, um seinen Partner und Freund heimtückisch zu erschießen. Der Tod jedoch hält eine Überraschung für Nick bereit: er wird für den Dienst beim Rest In Peace Departement rekrutiert und dem Ex-US-Marshal Roy Pulsipher als Partner zugewiesen, um zurück in Boston die sogenannten Deados zu ergreifen. Unter diesen von der Schwelle zum Jenseits wiedergekehrten Geistern und Monstren in Menschengestalt braut sich gerade etwas zusammen und Nick und Roy finden schnell heraus, dass sowohl das gestohlene Gold, wie auch Bobby dabei eine gewaltige Rolle spielen…

Der Film

Here come the dead in black düüdüdüdü Totenreich defenders♫ oder ♫If there’s something strange – in your neighborhood… Who ya gonna call? DEADBUSTERS!♫ Nee, auch wenn Jeff Bridges und T Bone Burnett sich da was namens ♫The Better Man♫ zusammengereimt haben: einen catchy Theme Song mit Chartstürmergarantie hat die Comicadaption „R.I.P.D.“ nicht spendiert bekommen. Dabei wär’s, siehe oben, so simpel gewesen, sich ganz nach Masche des Films selbst einen aneinander zu flicken. Genützt hätte das dem Auswurf des kürzelaffinen „R.E.D.“-Regisseur Robert Schwentke natürlich gar nichts, nichtmal wenn man Musiklegenden aus dem Jenseits zur Besingung des Rest In Peace Departements hätte gewinnen können. Lange vor Kinostart eilten „R.I.P.D.“ die Hiobsbotschaften eines nahenden Megaflops voraus und sämtliche Prophezeiungen erweisen sich als wahres Wort angesichts dieser unwitzigen Retortenproduktion, dieses Wühltischkinos, das sich bei sämtlichen Plot- und Ideensonderangeboten bedient und jeden Funkenschlag von Kreativität in einem eiskalten Schwall von allgegenwärtiger Lustlosigkeit ertränkt.

Gesichtsmuskelbewegungsmuffel Ryan Reynolds, die Creature Design-Abteilung, die Set-Bauer, die Special Effects-Menschen an ihren Rechnern, alle scheinen sie gar nicht richtig Bock auf „R.I.P.D.“ gehabt zu haben. »Jaaha, wissen wir, das war alles schonmal da und wir haben nichts eigenes oder besseres hingekriegt…« scheint hier jeder Designaspekt, jeder miese CG-Shot, jeder versteinerte Glotzblick des Hauptdarstellers angenervt aufzustöhnen. Ob das eine dreiste Zumutung oder ein fies vorgereckter Stinkefinger in Richtung der Sehgewohnheiten eines Blockbusterpublikums ist bleibt egal, der spaßige Vollquatsch, der irgendwo in der Prämisse von „R.I.P.D.“ versteckt liegt, bahnt sich seinen Weg jedenfalls nicht durch so viel Gleichmut. Halb so teuer produzieren, die Totenmonster mit MakeUp und Prothesen statt Mouseklicks realisieren, ein R-Rating drauf und einen richtig schön zynischen Cracker draus machen, dann hätte „R.I.P.D.“ bekannte Formeln und Muster vielleicht durch ein paar Alleinstellungsmerkmale ergänzen und aufbrechen können – aber so stimmt ja zwischen dem bloßen Nachgestelle diverser Vorbilder mal überhaupt nichts!



Die überoffensichtliche Parallele „Men in Black“, der Opener aus „Van Helsing“ samt eines ganz ähnliches Fettmonsters, ein zusammenbrechendes Parkhaus, das wie die Previsualization aus Emmerichs „2012“ aussieht, am Ende die „Ghostbusters“ und ein unheilbringender Strahl gen Himmel geschossen – das alles und noch viel mehr ist nicht freudig zitiert, sondern teils frame by frame via copy’n’paste in die magere Handlung von „R.I.P.D.“ eingefügt. Das eigene Konzept hingegen bleibt darüber den gesamten Film lang sträflichst unerklärt und teils vollkommen widersinnig und unschlüssig. Da machen sich Nick und Roy auf die Jagd nach einem Deado, enttarnen diesen mittels indischer Gewürze, das die Toten aus ihrer Menschenhaut „platzen“ und zu Monstrositäten wächsen lässt, und der daraus entstehende Dickwanst entkommt in die Öffentlichkeit, richtet Chaos an und sorgt für aufgebrachte Fernsehnachrichten… und nicht nur hat das R.I.P.D. keine Routine für den Umgang mit solchen Situationen, nein, die aufgebrachte Direktorin Proctor zürnt auch noch ob der angeblichen Erstmaligkeit eines solchen Fehlschlags! Das kann ja wohl nicht angehen, dass in Jahrhunderten der Totenbekämpfung NIEMALS ZUVOR auch nur einer davon von den Lebenden entdeckt wurde! Wo ist die Blitzdings-Alternative des R.I.P.D.?!? Abgesehen davon: wenn die speziellen Leuchtekugeln der (un)toten Cops nur Deados „töten“, lebenden Menschen aber nichts anhaben können – warum die Deados dann überhaupt erst enttarnen und das Risiko eingehen statt einfach zu schießen?!? Passiert doch nichts, wenn’s dann doch kein Toter ist…

Gerade mal das spärlichste an Infos würgt sich „R.I.P.D.“ ab, der Rest ist Schulterzucken und Scheißegalhaltung: »Wenn’s uns nicht interessiert wird’s wohl auch sonst niemanden kümmern…« So wäre es an Ryan Reynolds gewesen, wenigstens etwas Reaktion auf das zu zeigen, was um ihn herum vorgeht, doch Entsetzen während seines Sturzes in den Tod, Verblüffung über die R.I.P.D.-Zentrale und die dort rumlungernden Gestalten, Trauer und Wut beim Anblick seiner eigenen Beerdigung und so weiter – egal was, man sucht es alles vergebens im Gesicht des 2010er sexiest man alive. Dieses erstarrte Füllfenster zwischen Haaransatz und Kinnstoppeln scheint in jeder Einstellung nur auf den »CUT!«-Ruf zu warten, der es endlich von der Anstrengung und Anforderung erlöst, hier einen Menschen mit Regungen darstellen zu müssen. Nach „Green Lantern“ haftet Reynolds nun also ein zweites Comicdebakel in voller Verantwortung an, das auch ein nervend-kauderwelschender Jeff Bridges nicht aufpolieren kann. Klar ist er allein seiner Erscheinung wegen die schillerndere Figur, dennoch reicht’s für den Dude und Oscar-Preisträger für nicht mehr als saublöde Sprüche. Ansonsten machen Cowboyhut, Ingo Lenßen-Gedächtnisbart und schnarrender Akzent noch keinen Charakter.



Und Wiederholung und Wiederholung und Wiederholung macht keinen guten Joke: „R.I.P.D.“ reitet neben der Nummer mit den sexy Blondine/kleiner Chinsese-Avataren der (un)toten Cops immer wieder auf Roys unwürdigem Ableben mit anschließender Verstümmelung durch Kojoten herum und versucht allen Ernstes Gags über nekrophile Umkehrsodomie. Neben furzenden und wanstwakelnden Deados mit das niveauärmste am Film. Der setzt ansonsten auf einen stümperigen Songeinsatz, wie man ihn aus den miserablen Friedberg/Seltzer-Spoofs kennt (Marvin Gayes schummeriges ♫Let’s Get It On♫ klingt gefühlte drei Dutzend mal an, wenn Marisa Millers Glocken läuten…) und nach gesehen-vergessen-Prinzip abgehandelte Action, inmitten derer Kevin Bacon einen der unaufregendsten Schurken seit wasweißichwann gibt, für den selbstverständlich auch noch eines DER überstrapaziertesten Schurkenklischees der jüngsten Zeit genutzt wird, die „villain getting caught on purpose“-Routine (siehe „The Dark Knight“, „The Avengers“, „Star Trek Into Darkness“,…). Einsames Highlight unter den Schauspielern und des gesamten Filmes: die tough/roughe Mary-Louise Parker als Dienststellenleiterin. Die hat Spaß und macht Spaß, ohne dabei völlig überdrehen zu müssen. Ansonsten, um mit dem wahrscheinlich erwartbarsten aller Wortspiele zu schließen: R.I.P., R.I.P.D.

Wertung & Fazit

Action: 1/5
Öde Ballereien mit mies designten Props und ansonsten ganz viel, das man fast bis ins Detail szenengleich schon in anderen Filmen gesehen hat und das zum Teil da schon nicht gut war (die „Van Helsing“-Nummer…).
Spannung: 0/5
Bleibt tot.
Anspruch: 0/5
Ganz tief unten eingebuddelt.
Humor: 0,5/5
Im O-Ton kann allerhöchstens Jeff Bridges’ breiter Akzent ein paar Szenen lang ganz amüsant sein, aber doofe Dialoge bleiben doofe Dialoge, egal ob man sie mit lustiger Stimme oder bierernst aufsagt. Ansonsten zündet das Gag-Konzept des Films mit dem alter Hase vs. Neuling-Ding überhaupt nicht…
Darsteller: 1,5/5
Ryan Reynolds sollte mal den Begriff „acting“ googeln und sich dann mal hinterfragen, was er da stattdessen in seinen Filmen macht. Auch Jeff Bridges und Kevin Bacon bekleckern sich hier nicht mit Ruhm und nur die kecke Mary-Louise Parker ist überhaupt zu gebrauchen.
Regie: 1/5
Laut seinem Wikipedia-Eintrag wohnt der Stuttgarter Robert Schwentke ja mittlerweile in Los Angeles. Aber wenn’s SO mit der Karriere weitergeht wird es wohl bald wieder eine Mietswohung im Ländle sein.
Fazit: 1/10
Was für eine müde und lustlos hingeschnodderte Veranstaltung… Ungeheuerlich doofer Film, der statt bewussten Spiels mit seinen Klischees und der Quatschköpfigkeit seiner Prämisse alles einfach nur kopiert und den Unterschied nicht kennt zwischen „sich selbst nicht zu wichtig nehmen“ und „alles scheißegal“-Haltung.

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2 Kommentare

  1. Den Vergleich mit “Men In Black” hatte ich auch schon beim ersten Trailer im Kopf… und da war’s auch schon fast vorbei für mich. Obwohl mich Jeff Bridges ja an dem Film schon noch gereizt hatte… naja… einer für die Tonne so wie es aussieht 😉

    1. Definitiv. So viel Leid ist nichtmal Bridges wert, zumal der hier auch bisweilen kaum erträglich ist. Hätte ich auch nicht gedacht, sowas mal über den Dude schreiben zu müssen…

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