Review: ABRAHAM LINCOLN: VAMPIRE HUNTER

ABRAHAM LINCOLN: VAMPIRE HUNTER Filmkritik
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Story

Im Jahre 1818: im Kindesalter muss Abraham Lincoln mit ansehen, wie seine Mutter nach einer Auseinandersetzung mit dem Plantagenbesitzer Jack Barts von diesem auf unerklärliche Weise getötet wird. Ein Jahrzehnt später ist Lincoln noch immer von Trauer und Wut geleitet und fasst den Plan, Barts zu erschießen. Doch der Mörder überwältigt Lincoln mit schier übermenschlichen Kräften, ehe der mysteriöse Henry Sturgess rettend eingreift – und Lincoln über die unfassbare Wahrheit aufklärt: Barts ist ein Vampir, einer von unzähligen Blutsaugern, die unerkannt über Amerika verteilt leben und die Sklaverei zu ihren Zwecken nutzen, indem sie ihren Durst an den Leibeigenen stillen. Von New Orleans aus schmieden der Obervampir Adam und seine Schwester Vadoma die Pläne der Spitzzähne, die eine Nation für sich selbst fordern. Abraham Lincoln indes wird von Sturgess zum Vampirkiller ausgebildet und zieht mit einer mächtigen, silberüberzogenen Holzfälleraxt des Nachts gegen die Untoten zu Felde. Entgegen Sturgess‘ Rat knüpft er aber auch Bande zur schönen Mary Todd und beginnt sich politisch zu engagieren. Als Anwalt geht er auf anderen Ebenen gegen die Sklaverei vor und wird später, die Axt ist längst beiseite gelegt, zum Präsidenten der Vereinigten Staaten und versucht so weiterhin, die Vampire von der Macht fern zu halten. Doch als schließlich zwischen den Nord- und den vampirverseuchten Südstaaten ein Krieg ausbricht gerät Lincoln zunehmend in Konflikte…

Der Film

Vorsicht, eindeutige Doppeldeutigkeit voraus: Filmtitel schreien nicht nur in der Pornobranche »nimm mich, aber nicht ernst!«. Trash-Gurken wie Attack of the Killer Tomatoes und Rat Pfink a Boo Boo oder die ganzen Creature Feature-Peinlichkeiten der Jungs von The Asylum, zum Beispiel Mega Shark Versus Giant Octopus und 2-Headed Shark Attack, und deren Mockbuster-Varianten wie die Iron Sky-Nachmache Nazis at the Center of the Earth – da weeste, wat de krisst. Bei dererlei kreativen Ergüssen scheint der Weg nicht weit zu einem Film mit dem Titel Abraham Lincoln: Vampire Hunter. In der Asylum-Version übrigens Abraham Lincoln vs. Zombies. Dagegen klingt Steven Spielbergs zwölffach Oscar-nominiertes BioPic, schlicht mit Lincoln betitelt, natürlich denkbar bieder. Abraham Lincoln: Vampire Hunter, da erwartet man ein Festival der Absurditäten, eine entfesselte Geschichtsverwurstung ohne Anspruch auf irgendwas. Doch Autor Seth Grahame-Smith, Regisseur Timur Bekmambetov und Produzent Tim Burton meinen’s ernster, als man’s glauben mag. Klar, Bekmambetov verkaufte in der Comicadapion Wanted auch einen „Webstuhl des Schicksals“ ohne Wimpernzucken – aber der 16. Präsident der Vereinigten Staaten, der des Nachts mit wirbelnder Axt Vamire zerpflückt?



Ja, doch, das ist hier ziemlich ernst gemeint und wird auch so angegangen. Grahame-Smith, der zuvor Jane Austens Literaturklassiker Pride and Prejudice um ein and Zombies erweiterte oder auch das Big Book of Porn verfasste, schrieb Abraham Lincoln: Vampire Hunter als biografischen Action-Horror, als Sammlung geheimer Aufzeichnungen einer der bedeutendsten Personen der US-Geschichte und, so irre das auch klingt, als Verknüpfung verbürgter historischer Ereignisse mit übernatürlichen Eingriffen eines geheimen Blutsaugerbundes. Und so kreuzt dann auch Bekmambetovs Abraham Lincoln: Vampire Hunter völlig quer drehende, overstylte und brutal auf cool gedrehte Sequenzen mit solchen, die auch ohne großen Bruch in Spielbergs Award-Favoriten geschnitten werden könnten, fängt an wie Batman Begins, wird in der Mitte fast Polit-, Bürgerkriegs- und Charakterdrama, ehe ein furioser Mad Max 2-Schlussakt die schräge Prämisse nochmal voll auskostet. Formell, das deuten die Verweise wohl schon an, hat Abraham Lincoln: Vampire Hunter nichts neues und wenig eigenes zu bieten, klingt zu Anfang beinahe wortgenau wie Christopher Nolans Dark Knight-Auftakt, mit Lehren rund um Rache und Schuld und deren Kanalisierung, den Trainingsmontagen und so weiter.

Und sowieso, Geschichten um von Vergeltungsdurst Getriebene und deren Ablauf glänzen eh nicht durch ihren Variantenreichtum, sondern ihre Umsetzung. Aber auch darin findet Abraham Lincoln: Vampire Hunter nicht gerade seine Paradedisziplin, besitzt nur wenig Sinn für Plot- und Charakterentwicklung und hoppelt in einer Plötzlichkeit durch und an Ereignissen vorbei, als müsse der Film ständig eilends noch irgendwo ganz anders hin, ohne einen dorthin mitzunehmen. Was zu einem teils haarsträubenden Szenenablauf führt, wenn auf eine komplett ausrastende Vampirjagd inmitten einer durchdrehenden Pferdeherde ein (von seiner Vorhersehbarkeit ent-)dramatisierter Twist mit emotionsgeladenem Flashback folgt und kurz darauf wiederum der gerade noch Anwaltsambitionen hegende Lincoln schon vom Volk für seine Antisklavereihaltung auf großen politischen Veranstaltungen gefeiert wird. Abraham Lincoln: Vampire Hunter fließt nicht, der macht abrupte Sprünge, zwischen Henry Sturgess‘ »no feelings, trust no one«-Advice, Lincolns Kennenlernen seiner designierten Zukünftigen Mary Todd und seinem fall in love passt kein subtiler Ton, Lincolns Zweifel sind gering geäußert und dann verstummt. Polit- macht man ebenso wie Liebeskarriere ähnlich vom Fleck weg und steil, vom lose erkannten Potenzial des Redners Lincoln bis zum Einzug ins Weiße Haus sind’s bloß ein paar Wimpernschläge. Nur ein einziger Wimpernschlag ist hingegen nötig, um die Enttarnung eines vermeintlichen Verräters unter den Getreuen des Präsidenten zu entlarven.



Das ist mehr Storybouncing denn –telling, was der Ernsthaftigkeit und Humorfreiheit, mit der Abraham Lincoln: Vampire Hunter von seinem Blutsaugerkillerpräsidenten berichtet, eigentlich sogar noch heftigeren Wind entgegenbläst, als jede verzerrte Vampirfratze. Ironie ist auch nicht immer das Weihwasser filmgewordenen Kasperletheaters, hätte hier aber nicht geschadet und sich durch Lincolns Off-Kommentar angeboten, der jedoch schwer und bitter bleibt. Dennoch macht Abraham Lincoln: Vampire Hunter Spaß, wenn schon nicht in seiner polithistorischen Deutung der Ereignisse, so doch zumindest immer dann, wenn’s den Vampiren so richtig an den Saft geht. Lincoln lässt die Axt wirbeln, was meistens nicht besonders zweckdienlich, aber cool ausschaut. Das R-Rating macht sich bezahlt, alles andere als kindgerecht wirbelt Abe durch die Reihen der Untoten, trennt Köpfe und Gliedmaßen ab, dass das schwarze Blut nur so sprudelt. Seine anfängliche Unsicherheit und kräfteverhältnismäßige Unterlegenheit nutzt Abraham Lincoln: Vampire Hunter wiederum nicht für humoristische Einlagen, sondern ausschließlich zum Push von Grusel- und Gefahrensituationen, wenn sich Lincoln beispielsweise wie Schlachtvieh kopfüber gehängt in einem Keller voller ausgebluteter Menschenleiber wiederfindet und ihm ein ähnliches Schicksal droht.

Die bereits angerissenen richtig großen Actionmomente serviert Bekmambetov dann auf die Art, mit der er sich einen Namen gemacht hat: freaky, hyperstilisiert, effektüberbordend und nicht zuletzt mit einigen visuellen Einfällen versehen, die mühelos herausragen. Während der Jagd zwischen, neben und auf der wildgewordenen Pferdeschar packt sich Fiesovampir Jack Barts schonmal einen der Gäule und wirft das bedauernswerte Roß auf Lincoln, ehe es zu Fuß über die Rücken der Tiere weitergeht. Das ist tricktechnisch gar nicht mal herausragend gut gemacht, aber in solcher Rasanz vorgetragen, dass die Sequenz insgesamt doch überzeugt und genau wie viele der teils wunderschönen establishing shots des Amerikas im frühen bis mittleren 19. Jahrhundert von einem gewissen Touch visueller Verfremdung mit satter Farbgestaltung zum Leben und Atmen gebracht wird. Mit einem relativ schmalen Budget von nicht mal $70 Millionen lässt sich überdies attestieren, dass Abraham Lincoln: Vampire Hunter weit teurer und aufwendiger aussieht (ganz ohne düstere Fantasyelemente und frei von Action kostete Spielbergs Lincoln nur $4 Millionen weniger), halsbrecherische Kamerafahrten von Landkarten direkt in Schauplätze des tobenden Bürgerkriegs hinein etwa sorgen allein schon für Spektakel und Bekmambetov beweist sein Auge für den außergewöhnlichen Shot, Cinematographer Caleb Deschanel konnte seine Linse unter anderem bei Roland Emmerichs Historienepos The Patriot schulen und schaft zusammen mit der reichhaltigen Ausstattung und den Kostümen ein scharfes und nie in Zweifel zu ziehendes Stimmungsbild der Lincoln-Ära.



Dazu trägt der noch relativ unbekannte Benjamin Walker seinen Teil bei, liefert freilich keine Performance vom Schlage eines Daniel Day-Lewis, gibt aber dennoch einen gebrauchsfähigen Lincoln, der der voran geschubsten Handlung genügt. Einzig das Alters-MakeUp gilt es zu bemängeln, mit aufgemalten Falten und angeklebtem Bart gefällt Walker längst nicht so, wie er es reingesichtig zu Anfang tut. Welch Coup wär‘ es gewesen, für den gealterten Lincoln Spielbergs ursprüngliche Wunschbesetzung Liam Neeson zu verpflichten, dessen jüngeres Selbst Walker in der Komödie Kinsey gab und dem Iren in vielen Momenten von Abraham Lincoln: Vampire Hunter verblüffend gleicht. Walker macht dennoch einen guten Job, zumal die Rolle tatsächlich einiges an Facetten fordert und der Dreißigjährige sowohl als behänder Vampirschlächter, wie auch als staatsmännischer Redner und trauernder Vater gefordert ist. Als sinistrer Lehrmeister Henry Sturgess und Lincolns engster Freund aus Kindheitstagen William Johnson liefern Dominic Cooper und Anthony Mackie soliden Dienst, genau wie Mary Elizabeth Winstead als Mary Todd. Rufus Sewell und Marton Csokas bringen als Obervampir Adam und Hassobjekt Jack Barts die nötige Ausstrahlung mit, bleiben aber stark am Genrestandart ähnlicher Schurkenanlegung haften.

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Weniger, als die Prämisse vermuten lässt, dafür geht’s aber ordentlich ab, wenn der Film dann zu Schlacht- und Verfolgungseinlagen ansetzt.
Spannung: 1/5
Besonders dem Mitteilteil fehlt so etwas der rechte Drive, erst recht wenn man sich mit Lincolns Werdegang auskennt. Insgesamt läuft vieles nach bekannten Mustern.
Anspruch: 0,5/5
Ein ordentliches Stück weit von dem halsbrecherischen Blödsinn entfernt, den man anhand des Titels erwarten könnte, in Teilen sogar ein beeindruckend akkurates Portrait des berühmten Präsidenten. Dann aber natürlich auch wieder überkandidelter Quatsch.
Humor: 0,5/5
Verdient sich den halben Punkt einzig aufgrund der schieren Absurdität des Settings und der Actionszenen. Ansonsten wird die Story vom vampirejagenden Lincoln aber so ernst erzählt, als stünde sie tatsächlich so in den Geschichtsbüchern.
Darsteller: 3/5
Ein netter Hauptdarsteller und namhafter Support. Alles solide.
Regie: 3/5
Bekmambetov zelebriert neben Zack Snyder wohl den zur Zeit stylischsten Actionirrsinn. Dazwischen fabriziert die zweite US-Regiearbeit des Russen auch einigen Leerlauf und zeigt wenig Gespür für Handlungsbalance.
Fazit: 6/10
Schon okay, insgesamt. Flirrende, blutige Fights und einige spektakuläre Action Pieces und das ganze umbunden mit einer überraschend ernst präsentierten Geschichtsum- und -zudeutung. Kann man sich mal ansehen.

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