Review: BATTLESHIP

BATTLESHIP Filmkritik
KLICKEN ►mehr zum Film

Story

Im Jahr 2005 entdeckt die NASA einen extrasolaren Planeten mit erdähnlichen Bedingungen. Enthusiastisch und in der Hoffnung, mit einer außerirdischen Rasse Kontakt zu knüpfen, wird von einer Kommunikationsanlage auf Hawaii aus ein starkes Signal via Satellit in Richtung des Planeten geleitet. Etwa zur selben Zeit hat es Slacker Alex Hopper mit weit irdischeren Mächten zu tun: der Versuch, eine ultraheiße Blondine zu beeindrucken, endet im Taserfeuer der Cops und sein älterer Bruder, angesehener Commanding Officer bei der US Navy, hat endgültig die Nase voll davon, dass Alex sein Leben gedankenlos wegschmeißt. Sieben Jahre später hat er nicht nur die Blondine von einst, die Physiotherapeutin Sam, an seiner Seite, sondern Alex ist mittlerweile auch Lieutenant der Navy und Tactical Action Officer an Bord der USS John Paul Jones. In allen Bereichen hochveranlagt stehen Alex zum Missfallen seines Bruders und Sams Vaters, dem hochrangigen Admiral Terrance Shane, nach wie vor sein Mangel an Verantwortungsbewusstsein und seine Undiszipliniertheit im Weg. Nach einem weiteren Zwischenfall während des RIMPAC, einer internationalen Flottenübung, soll er nach dem abschließenden Manöver auf hoher See der Navy verwiesen werden. Doch als sich Schlachtschiffe und Flugzeugträger aufmachen entdeckt die NASA fünf sich der Erde nähernde Objekte, von denen eines abschmiert und die übrigen vier im Pazifik landen – und den anrückenden Kriegsschiffen alsbald nur zu deutlich offenbaren, dass sie nicht in friedlicher Absicht erschienen sind…

Der Film



DAS ist also die Story, die Peter Berg und den Autoren Jon & Erich Hoeber zum Spieleklassiker Schiffe versenken einfällt. Die NASA, der Weltraum, ferne Planeten und eine feindliche Alienrasse, die noch undefinierter, planloser und fehlschlagsgebeutelter losschlägt, als es die Extraterrestren in War of the Worlds, Independence Day, Signs, Skyline, Battle Los Angeles oder den Avengers taten, die immerhin Dinge wie ihr schwaches Immunsystem, Wasserallergie und die Anwesenheit von Superhelden und Göttern verrafften. Holy cow, was mag den Battleship-Machern dann wohl in geselliger Pokerrunde oder beim Kniffeln einfallen… Aber gut, irgendwas muss man natürlich aus dem Konzept eines mit Zettel und Stift austragbaren Duells zweier sich gegenüber sitzender Spieler machen, die sich Buchstaben- und Ziffernkombinationen von A bis J und 1 bis 10 zuwerfen, um vor’m anderen dessen auf diesem Raster verteilte Schiffsflotte zu versenken… WENN man schon überhaupt meint, daraus ein Konzept für einen Blockbuster ableiten zu müssen. Die Bay-Versatzstücke sind dabei nicht nur unübersehbar, Berg treibt sie gar auf eine Spitze, die der Explosionsfetischist nichtmal mit seinen Transformers-Spektakeln erklomm. Geballer, KABOOOMS!, Uniformen, Hochglanzshots von militärischem Gerät, direkt aus der aktuellen Playwarfare-Ausgabe übernommen und eine Gefechts- und Patriotenpropaganda, die selbst einen blumenkranzgeschmückten Pazifisten noch dazu bringt, sich „Motherland“ auf den Unterarm tätowieren zu lassen, um danach den nächststeheneden Geschützturm zu erklimmen.

Das ist sicher fragwürdiger, als es Spaß machen sollte und gerade aus Sicht eines Europäers schnell ob dieses verhassten US-Attributs des waffen- und kriegsgeilen Vaterlandstolzes verflucht und zur Hölle gejagt. Witzigerweise kommen trotz dieses klaren Zuschnitts auf ein stars’n’stripes-geprägtes Publikum nur ein Fünftel der Gesamteinnamhmen des Films in Höhe von runden $300 Millionen aus den United States of Armory – vielleicht, weil Battleship für den wahren Fahnenstrammsteher schon wieder ZU lächerlich ist, zu sehr darum bettelt, nicht ernst genommen zu werden, bloß um einen dann hinterrücks dental zu attackieren mit seiner dennoch unverhohlen ernst gemeinten call to arms- und join the navy-Werbung. Aber: wenn gerade mal die Lust zu Empörung und Streiterei fehlt oder auch nur der Antrieb zum ausgiebigen Kopfschütteln – DANN KANN man gehörig viel Spaß mit Battleship haben, der sich in jedem seiner Schritte so herrlich dämlich und offensichtlich selbst entlarvt. Allein der Auftaktmonolog, mit dem ein NASA-Wissenschaftler anderen NASA-Wissenschaftlern erklärt, dass ein Planet nur erdähnlich beschaffen sein kann, wenn er weder zu weit weg, noch zu nah dran an der Sonne seines Solarsystems positioniert ist, weil es andernfalls zu kalt oder zu heiß wäre. Oh. My. God. Who would have guessed. Diese zusätzlich grafisch dargestellte Erläuterung macht alles klar, was Battleship will. Mit seiner »I’m not taking myself too seriously and it’s YOUR problem alone if you do«-Methodik präventiv jeder Kritik vorbeugen. Der Film will so unbedingt jeden wissen lassen, dass ihm klar ist, wie dumm er ist, damit ein Kritisieren dessen, was er anzubieten hat, auf den Äußerer zurückfällt und er fröhlich weiter seine Flugblättchen mit angeheftetem Bewerbungsformular verteilen kann. Fast schon clever. Und irre lustig, wenn man erstmal dahinter gestiegen ist.



Battleship braucht eine überlange, butterfahtesque Einleitung mit viel mehr character establishment, als die Truppe von Paradefiguren des militärthematischen Actionfilms es nötig hat. Der Taugenichts, der sich zum Helden mausert, der gewissenhafte Bruder, der zum Auslöserzweck dieses Wandels den ersten Akt nicht überlebt, die couragierte Busenblondine, das knochenharte gun chick, der beinamputierte combat veteran, der seinen Lebenswillen wiederfindet, der leicht hysterische Plapperlappen (thank god, dass Ewen Bremner keine Zeit hatte…), der asiatische Sensei, mit dem’s zu Anfang noch Streit gab und der am Ende, wenn alle »we’re so damn different«‘s überwunden sind der neue Bruder ist, und so weiter. Dafür gehen über dreißig Minuten und Drehbuchseiten mit Dialogen in Seenot drauf, ehe der Film seine kleinen roten und weißen Penöppel überall dahin gesetzt hat, wo die Versenkungsschlacht fortan ausgetragen wird. Ab hier und bis dahin passieren bereits tausend Sachen, die den Fortgang von Battleship verhindern würden, täten sie nur irgendeiner Form von Sinn und Konsequenz folgen: bei der Ankunft der Aliens kracht ausgerechnet ihr Kommunikationsschiff gegen einen Satelliten, der später zu oberst zu verhindernde Plan der feindseeligen Besucher, die Anlage auf Hawaii für die eigenen Zwecke umzumodeln, kommt also überhaupt nur zustande, weil einer ihrer Piloten gerade nicht bei der Sache war. Miesestes. Plot development. Ever. Dann besteht eine der gerade mal zwei (!) Angriffsvariationen der hochentwickelten Rasse aus dem Verschießen wilder Langolier-Flummis, die sich durch Stahl und Beton fräsen und offensichtlich nicht wie die Geschütze ihrer Schiffe genauestens ausnavigiert und -gerichtet werden müssen, um Treffer zu landen und verheerenden Schaden anzurichten – würden sie diese unaufhaltsamen verfressenen Bälle also gleich gegen das Schlachtschifftrio einsetzen, das ihnen anfangs gegenüber steht, statt mühseelig weitläufig daneben gehende Granaten zu verballern… Tja, der Film könnte recht flott vorbei sein. Und warum verschonen die Aliens immer wieder freigabefreundlich baseballspielende Kinder und unbewaffnete Wissenschaftsidioten, reißen dann aber eine Brücke mit Autos drauf ein, in denen genauso Kinder und Wehrlose sitzen und warum überhaupt diese lahme Moral, wenn als ihre einzige Motivation ohnehin die Vernichtung des gesamten Planeten ausgegeben wird…?

Oh, aber jetzt haben wir’s hier schon so weit, der Kriker macht sich gerade selbst zur Witzfigur, weil er Logikfehler in einem Film anprangert, der voll selber weiß, das’a total bekloppt is, ey! Ok, ein ergeben geseufztes »Sorry, Battleship« meinerseits. Denn auch wenn die Aliens nur mit fünf Schiffen gekommen sind, nur zwei Angriffsmuster beherrschen und trotz ihres erdähnlichen Heimatplaneten von der Evolution mit sonnenempfindlichen Echsenaugen über’s Ohr gehauen wurden – es macht halt doch irgendwie Spaß, obwohl und weil es so unverschämt dumm ist. Die Actionszenen bolzen wie ungestüme Kinder, die mit Tennisbällen ihre LEGO-Bauten einschmeißen, JEDEM Klischee wird gehuldigt (nette Idee für ein Gesellschaftsspiel: in einer aussichtslos scheinden Szene die Pause-Taste drücken und vorhersagen, wie’s weitergeht) und dann gibt’s zum finalen Akt hin noch einen der absurdesten Tonbrüche aller Zeiten, wenn die wie Geister auf ihrem ausrangierten Museumsschlachtschiff hausenden Ü80-Veteranen ins Geschehen eingreifen und dazu AC/DCs Rummel-Rock ertönt. Unfassbare Szene, ein Must See 2012. Das Hohelied, das Battleship nun nicht mehr nur auf die aktuelle Generation seines bewaffneten Stolzes anstimmt, bekommt dadurch natürlich einen noch schwerer herunter zu würgenden Beigeschmack. Dem Kriegsgeschädigten bleibt keine andere Erfüllung, als der Krieg. Wie unterschiedlich das doch gemeint sein kann, man vergleiche mit Kathryn Bigelows The Hurt Locker



♫In the navy, Can’t you see we need a hand, In the navy, Come on, protect the motherland, In the navy♫… Die einzig spannende Frage in Battleship ist die, wann sich die Besetzung denn endlich an Deck ihrer Schlachtschiffe aufstellt und den alten Village People-Smasher schmettert, der einem trotz allem Kanonen- und Explosionslärms während des gesamten Films nie aus dem Ohr will. Enttäuschend, dass es dann nie dazu kommt, würde es dieser (bedauernswerterweise wohl unfreiwilligen und anders intendierten) Persiflage auf den military glory-Gestus des US-Actionfilms unter Michael Bay und co. doch endgültig die verdiente Medal of Honor and Stupidity anheften. Und wozu ist R’n’B-Diva Rihanna in diesem so gnadenlos selbstbewusst auf Propagandadoofheit gebürsteten Dauerdonnerhall, dem kein einziger Geistesblitz vorausgeht, wenn ihr Sangestalent einzig für ein bißchen beunruhigtes Gesäusel vor’m Erstkontak mit der Alienflotte eingesetzt wird?! Nicht gerade wenig, das es hinzunehmen gilt, will man Battleship nicht aus dem Player reißen und die Disc in kleine Teile brechen. Viel auszublenden, oder noch besser: richtig einzuordnen, ehe sich Peter Bergs Marine Mayhem ohne Magenschmerzen und Gehrinzellenkrampf genießen lässt und dann eine Effektschlacht mit Schauwerten auf und abseits der See (Brooklyn Decker natürlich…) bietet, mit übertriebener Zeitlupenpornographie und einer unverkennbaren Geschwisterliebe zu den Transformers-Filmen. Wer denen keine Pro-Argumente abgewinnen konnte wird hier erst Recht keine finden…

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Zu Anfang nicht sooo viel und irgendwann nur noch. Ohne Kontext nett anzusehen, tricktechnisch einwandfrei, auf die Dauer und aufgrund der Variationsarmut aber ermüdend.
Spannung: 0,5/5
Die dem Spiel ähnliche Sequenz mit den Tsunamibojen könnte Spannung erzeugen, doch die entsteht bei der allgemeinen Vorhersehbarkeit und dem Klischeeabgeklapper nun mal nicht.
Anspruch: 0/5
Als ob…
Humor: 3,5/5
Die harten Oneliner und sonstige Sprüche sind’s nicht, es ist einfach die ungebremste Lächerlichkeit des Geschehens, die hier für den Witz sorgt.
Darsteller: 2/5
Zwei studioerschütternde Megaflops gab’s 2012, in beiden war Taylor Kitsch der Star. Die Verantwortung liegt aber zumindest nicht hauptsächlich beim Kanadier.
Regie: 1,5/5
Hohl, propagandistisch, klischeebeladen, mit vermutlich nur geheucheltem Augenzwinkern und ausgiebigem Blick für walzende Actionszenen mit Zeitlupeneinschüben. Bay light also.
Fazit: 3,5/10
Nach bewährtem Expendables-Schema: mit Hirn aus 6/10, mit Hirn an 1/10, macht in der Abrechnung 3,5/10.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Liken/Teilen

2 Kommentare

  1. Och, nö. Das brauche ich ja wirklich nicht. Ich mochte als Kind ja nicht einmal das Spiel Schiffe Versenken sonderlich gerne. Und Rihanna ist schon schlimm genug anzuhören, da brauche ich sie nicht noch in einem Film. Und gibt sich hier nicht auch noch Liam Neeson die Ehre? Hat der eigentlich mittlerweile alle Immobilien von Nic Cage aufgekauft und muss jetzt jede Rolle annehmen, um seine Schulden abzubezahlen?

    1. Neeson mag ich immer noch ein bißchen in Schutz nehmen: wäre ich Schauspieler und würde so tragisch meine Frau verlieren würde ich wahrscheinlich auch in jeden noch so bekloppten Film flüchten, um mir Ablenkung zu verschaffen…

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code