Review: DAS GIBT ÄRGER (OT: This Means War)

Story

Die beiden CIA-Agenten FDR und Tuck gehören nicht nur zu den besten Männern der Agency, sie sind auch unzertrennliche Freunde. Als sie es bei einem Auftrag in Hongkong jedoch versäumen, den international gesuchten Kriminellen Heinrich zu stellen und während des Zugriffsversuches dessen jüngeren Bruder töten, werden FDR und Tuck zurück in Los Angeles in den ungeliebten, stinklangweiligen Innendienst versetzt. So bleibt wenigstens Zeit, sich mal über das Liebesleben Gedanken zu machen, auf Dauer reicht eine zünftige Bromanze eben nicht aus. Dem flirttechnisch eingerosteten Tuck fällt der Umgang mit der Frauenwelt dabei viel schwerer, als dem charmanten Womanizer FDR, drum bietet sich ein Online Dating Service an, um wieder ein bißchen warm zu laufen. Dort stößt Tuck auf die Produkttesterin und Langzeit-Single Lauren. Ein erstes Treffen, schnell sind die beiden einander sympathisch – blöd nur, dass Lauren anschließend ausgerechnet zufällig auf FDR trifft, der es schließlich selbst zu einem Date mit der hübschen Blondine bringt. Die kann es kaum fassen, plötzlich gleich zwei attraktiven Kerlen begegnet zu sein – die Top-Spione wiederum können es kaum fassen, als sie feststellen, dass sie mit der selben Frau ausgehen. Zum Schutz der Freundschaft wird ein Gentlemen’s Agreement getroffen, doch die beiden lassen es sich schon bald nicht mehr nehmen, allerlei HighTech-Equipment und Ressourcen zu mobilisieren, um den anderen auszustechen und Lauren zu erobern…

Der Film



Die Urgewalt aus Warrior gegen den Katastrophenverhinderer aus Unstoppable, Bane vs. Capt’n Kirk, Spy vs. Spy, Tom Hardy vs. Chris Pine – booyah! Dazu Reese Witherspoon, die in ihrer all-American girl legally Blondheit sicher nix für jedermanns Geschmack ist, aber doch ein zumutbareres Begierdeobjekt abgibt, als die Kolleginnen Sarah Jessica Parker oder Katherine Heigl es aktuell auf die Leinwand bekommen – boo(na)yah! Drei Namen, viel Trivial- und Nerdgequatsche und viel Potenzial um vieles und viel mehr richtig zu machen als die Genrekonkurrenz der prämissenähnlichen Action-RomComs vom verheerenden Killers über den kaum besseren The Bounty Hunter bis hin zum ordentlichen Knight and Day. Potenzial besitzen und Potenzial nutzen sind nun leider zwei verschiedene paar Strümpfe und wenn Zweifel an This Means War bestanden, so trugen diese ein kryptisches Namenskürzel als Synonym: McG. Booooonay, brüllen da die Fanboys auf, immerhin ist der Rotschopf aus Michigan neben Brett Ratner und Friedberg/Seltzer einer DER Kandidaten, wenn bei Umfragen nach Regisseuren gesucht wird, denen man die Arbeitserlaubnis entziehen sollte. Seine ausgeflippten style is everything-Abenteuer um Charlie’s Angels sind ihm dabei sogar noch zu verzeihen, Terminator Salvation ist es, der Joseph McGinty Nichol hart am Ruf gekratzt hat. Aber McG-Bashing ist blöd und nicht Ziel dieser Besprechung, zumal das Problem bei der Regie höchstens darin zu suchen ist, dass der in allen Bereichen zu biedere This Means War ein paar mehr durchgeballerte visuelle Spielereien und verrückte Ideen à la Charlie’s Angels hätte vertragen können, um entweder so schlecht zu werden, dass man’s gesehen haben muss, oder eben anspruchslos gut zu unterhalten. Stattdessen bewahrheitet sich mal wieder: langweiliger Durchschnitt ist der wahre Feind…

Bei der Knight and Day-Kritik hat es sich bewährt und so soll auch This Means War in seinen drei entscheidenden Teilaspekten besprochen werden.
Die Action:
Damit startet This Means War ohne langes Vorgezappel, in der Introsequenz sieht der Arbeitsalltag der beiden Kumpel-Spione FDR und Tuck ähnlich dem der Engel von Charlie aus: bestens gedresst und gestylt flottsprüchig an einem exotischen Schauplatz unterwegs, statt Martial Arts-Wirbel und wilden wirework-Einlagen gibt’s handfeste Haue und vermehrten Schusswaffeneinsatz, dazu blitzlichtgewittriger Schnitt und auch der Gewaltgrad ist wie schon in McG’s Serienadaptionen nicht ohne, zwar nicht exorbitant oder wirklich blutig, aber auch die Engel boten bei aller Überstilisierung besonders im Sequel mehr als zartes Püppigezanke. Die ganze Szene ist mit ihrem german Schurken, den Hechtsprüngen und Ballereien und einem typschen Bösewichtsmoment (»warum steht der da rum und schießt nicht einfach!?«) überhaupt nicht ernst zu nehmen und wirkt in ihrer ganzen Attitüde wie eine Folge Alarm für Cobra 11, nur ohne Autos und Autobahn. Wo allerdings das deutsche Qualitätsfernsehen kaum Verschnaufpausen und plausible Storyentwicklung bietet lehnt sich This Means War nach dem bleihaltigen Auftakt erst mal gaaaanz weit zurück. Über eine halbe Stunde vergeht, bis zum nächsten Mal die Kugeln fliegen, bis dahin bestimmen Gefühle und Sprüche den Flugverkehr. Actionfilme muss man ja selten wegen zu wenig Action kritisieren, This Means War aber schon. Der geht so sehr in RomCom mit Spy-Touch über, dass jede weitere Einlage mit Knarre und Prügel zu sehr gemusst, zu wenig gewollt und im Kontext irgendwie nicht richtig gekonnt wirkt, von der Festsetzung eines Hintermannes im Fall Heinrich bis hin zum unfassbar unspektakulären car chase-Showdown. Das ist zwar nicht unkonsequent, da auch FDR und Tuck über ihr Werben um Lauren jedes Interesse am Bösewicht verlieren, aber den hätte der Film dann einfach anders nutzen oder komplett weglassen und seine Actionmomente voll und ganz aus Szenen wie dem Paintballausflug ziehen sollen (zu dem später mehr).



Die Komödie:
Lange bewegt sich hier erstmal nichts. Viel von seinem Humor versucht This Means War über gnadenlos aufgebrauchte Klischees zu generieren. Mit Chelsea Handler als Trish stellt der Film der vergleichsweise zugeknöpften Lauren ihr vulgäres Gegenstück an die Seite, eine laute unverblümte Frechschnauze, wie sie mehr RomCom-Standartmechanik kaum sein könnte. Late-Night-Show-Moderateuse Handler macht das nicht schlecht, kommt aber dennoch nie mit irgendwas, irgendeiner Aktion oder irgendeinem unzüchtigen Spruch über dieses pure Klischeebedienen hinaus. Solange es zwischen FDR und Tuck eher brüderlich kuschelig zugeht bietet sich auch hier nicht viel gelungene Comedy an, erst als der Kleinkrieg der Spione seinen Anfang nimmt schöpft This Means War langsam so ein paar Tropfen Lachwasser ab, was seinen Höhepunkt in der bereits erwähnten Paintballszene findet, in der Tuck Lauren seine gefährliche Seite zeigen will und dabei haufenweise Kids und aufgebrachte Erwachsene per Farbpatrone und –granate niedermetzelt und überdeutlich zeigt, in welche Richtung This Means War hätte zielen sollen: die Special Skills der Top-Spione möglichst alltägliche Situationen infiltrieren und auseinander nehmen lassen. Das macht der Film neben dem Farbkugelmassaker aber viel zu selten und wenn es so richtig ans Eingemachte zwischen FDR und Tuck geht viel zu brav: der eine schickt eine Drohne hinter dem anderen her und bekommt dafür beim eigenen Date einen Betäubungspfeil in den Hals geschossen bevor’s zum Beischlaf kommt. Lahm.

Die Romanze:
Da passt alles, die Blicke, die Gesten, die Worte, die Liebesschwüre: FDR und Tuck sind ein tolles Paar. Was Reese Witherspoon dazwischen zu suchen hat? Eine Emanzipationsphantasie ausleben. Der Film dreht im Grund die Hollywood-typischen Geschlechterrollen um. Hätten Nora Ephron oder Nancy Meyers This Means War inszeniert würde der von zwei bildhübschen, aber zunächst etwas unscheinbaren Bibliothekarinnen handeln, die sich in den selben, die Situation ausnutzenden Kerl verlieben, der seinen Chauvinismus zu überwinden und die Liebe leben lernt. Einfach ins Gegenteil der Frau verkehrt, die sich den besseren Kerl castet, was abschließend im Sexvergleich entschieden werden soll und dann was von »aufgeschlossen!« und »Feminismus!« zu schreien ist leider genauso uninspiriert und steht der eigentlichen (guy) love in This Means War nur im Weg rum. Zwischen Tom Hardy und Chris Pine zischelts gewaltig und wenn der Film ein paar Eier mehr besessen hätte, dann wäre eines der auf der DVD enthaltenen alternativen Enden das tatsächliche Ende geworden. »Tuck?« »Yeah, man?« »I love you, man.« »I love you too.« Und alles hätte seelig geseufzt. Stattdessen ist’s wieder nur bieder, was This Means War letztlich als Auflösung anbietet, schön amerikanisch gezuckerte family values-Moral, wie der gesamte Film ohne Mut serviert. Richtig romantisch wird’s zwischen Witherspoon und/oder Hardy/Pine auch deshalb nicht, weil der von den Spionen bemühte Überwachungsapparat in seinem Stalkertum eher aufdringlich, unangenehm und verängstigend wirkt, als das durch Wärmekameras beobachete Bilder und mit Abhöranlagen verfolgte Gespräche was für’s Herz wären.



Wenn man von This Means War allerdings nicht erwartet oder sich schnell damit abzufinden bereit ist, dass der nicht mehr, nichts anderes und nichts originelleres als die brachenübliche Action-RomCom bietet, wenn es einen nicht stört, dass alles nicht so richtig in die Pötte kommt und in Allgemeingebräuchlichkeiten des Genres vor sich hin schmort, DANN kann man den Film sicher als von sympathischen Darstellern getragenes Kurzweil durchwinken oder vielleicht sogar als höchst überkanditelte Anmahnung des US Patriot Acts und des Wahns des im Internetzeitalter üblich gewordenen background checks von Date- und Flirtpartnern aufnehmen. Aber auch diese Deutung gelangt schließlich nur dort an, wo es bei This Means War alles anfängt und aufhört: nicht genutztes Potenzial. Hardy, Pine und Witherspoon spielen’s nett und sogar für Til Schweiger findet sich eine Rolle, die den german export und Mangelmimiker nicht überfordert. Schurke Heinrich bekommt kaum die Minute an Screentime voll, guckt böse und damit hat es sich. Ein bad guy vom Schlage eines Christopher Walken… nee, überhaupt mehr Christopher Walken hätte dem Film gut getan: Unerwartetes, Abgedrehtes, unvorhergesehen Überbetontes, eine Tanzeinlage aus dem Nichts, absonderlich-spezieller Humor… Verdammt, soviele Worte gemacht und dabei hätte der folgende Satz gereicht: This Means War hat nicht genug Christopher Walken!

Wertung & Fazit

Action: 2/5
Dünn in Menge und Ausführung, abgesehen von der Paintballszene und vielleicht noch der Eröffnung macht sich keine Actioneinlage durch irgendetwas wirklich besonders bemerkbar.
Spannung: 0,5/5
Gnadenlos überflüssiger Subplot um den angepissten bad guy, und wer die Witherspoon letztlich abschleppt ist auch eher egal.
Anspruch: 0/5
Nö.
Humor: 1/5
Viel zu selten mal richtig witzig.
Darsteller: 3,5/5
Tom Hardy zeigt, dass er auch locker kann, Chris Pine kann das sowieso und Reese Witherspoon ist schon netter anzusehen und besser zu ertragen, als so manche ihrer Blondschopfkolleginnen. Dennoch alles nix Großartiges.
Regie: 2/5
McG will’s oder darf’s lange nicht so abgedreht treiben, wie mit seinen Charlie’s Angels-Filmen – aber genau das fehlt This Means War, mehrere Umdrehungen ungebändigter Überdrehtheit.
Fazit: 4,5/10
Da wäre mehr mal ausnahmsweise mehr gewesen: This Means War ist als RomCom zu steif und als Actionfilm zu unspektakulär und dabei hätten sich so viele Ansätze geboten, um richtig schön aufzudrehen, wie in (ja, ich weiß, ihr habt’s kapiert…) der Paintballszene. Und das es für das eigentliche Traumpaar des Films kein echtes Happy End gibt ist auch schade…

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6 Kommentare

    1. Ich weiß auch nicht, vielleicht was von beidem? Ich schäme mich auch ganz doll, denn ich erinnere mich daran herzhaft im Kino gelacht zu haben. Nur Til Schweiger hat den guten Eindruck, den ich von diesem Film hatte, stark getrübt. Mmmh… vielleicht war die Cola verunreinigt, die ich mit im Kino hatte. 😉

  1. Genau ins Schwarze getroffen. Hab nach dem Trailer sogar die beste Komödie des Jahres erwischt. Deswegen schaue ich sie auch so selten.

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