Review: DER PLAN (OT: The Adjustment Bureau)

DER PLAN (OT: The Adjustment Bureau) Filmkritik
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Die Romane, Kurzgeschichten und Erzählungen des Chicagoer Autoren Philip K. Dick zählen zu den Klassikern der SciFi- und generell der amerikanischen modernen Literatur. Und sind eine der größten Genre-Inspirationsquellen der Filmindustrie. Das etwa 120 Kurzgeschichten und 40 Romane umfassende Werk Dicks ist dabei konkret erst zu einem Bruchteil abgearbeitet, seine Ideen stecken allerdings weit verwurzelt in den Meilensteinen, wie in den Randnotizen des Science Fiction-Films. Meister wie Ridley Scott, Paul Verhoeven oder Steven Spielberg bedienten sich bei Dick und seinen Visionen dystopischer Gesellschaften, totalitärer Systeme und des freien Willens, der seine Bedeutung sucht und sich einen Weg bahnt. Neben all time favorites wie Blade Runner (1982) und Total Recall (1990) waren wohlgemerkt auch eher vergessenswerte Umsetzungen/Ideenborger wie John Woos Paycheck (2003) oder Next (2007) dabei. The Adjustment Bureau, nach der Kurzgeschichte Adjustment Team, gelangt nun weder in den Stand der meisterlichen, noch der kläglichen Dick-Verfilmungen, sondern bezieht im guten Mittelfeld Position.

Story

Mit volksnaher Offenheit hat der Kongressabgeordnete David Norris eine steile politische Karriere hingelegt und kandidiert nun aussichtsreich für den Senat des Staates New York. Doch ein jugendsündiges Foto seines blanken Hinterteils ist dem Wählervolk dann doch zu unorthodox und David verliert die sicher geglaubte Wahl überdeutlich. Am Abend der Niederlage lernt er jedoch auch die bezaubernd-unkonventionelle Elise kennen und die beiden verlieben sich auf den ersten Blick ineinander. Obwohl sie sich kurz darauf bereits wieder aus den Augen verlieren inspiriert die flüchtige Zufallsbekanntschaft David zu einer Rede, die ihm all die verlorene Beliebtheit auf einen Schlag zurückbringt. Unverhofft trifft er einige Monate später erneut auf Elise – und bringt damit schier unbegreifliche Dinge in Gang…

Der Film



The Adjustment Bureau, viel pragmatisch-sinnhafter als zunächst vermutet in Der Plan eingedeutscht, unterscheidet sich in einer Sache ziemlich deutlich von bisherigen Dick-inspirierten Verfilmungen. Statt weiter futuristischer Panoramen, der Skizzierung einer neuen uto-/dystopischen Gesellschaft, oder auch nur dem Storytriebwerk einer bahnbrechenden zukünftigen Technologie ist George Nolfis Film nicht nur der Hier und Jetzt-Zeit zuzuordnen, sondern außerdem mehr Mystery-Thriller denn Science Fiction, vor allem aber: eine Romanze. Mann und Frau begegnen sich, es funkt und knistert, es genügen Sekunden und in den Augen des anderen erkennt man die Bestimmung, mit diesem Menschen zusammen sein zu müssen. Gut, in gewisser Weise ist auch das irgendwie Science und für manche wohl sogar Fiction und als Triebfeder eines Plots mag die Liebe und alles was damit an abgedroschenem Kitsch in Verbindung steht für einige schwieriger zu akzeptieren sein, als vorherseherische Kriminalitätsbekämpfung, Replikantenverfolgung und implantierbare Erinnerungen.

The Adjustment Bureau setzt aber voraus, dass es ihn gibt, diesen einen Moment, in dem zwei Menschen zueinander und zu dieser herz- und nicht verstandbestimmten Gewissheit finden, zusammen zu gehören. Ist es Zufall? Schicksal? Und was wäre, und da setzt sich die Prämisse des Films in Gang, was wäre also, wenn es einen höheren Plan gäbe, der voraussagt, dass zwei Menschen zusammengehören? Oder… das sie es entgegen ihrer Gefühle eben NICHT tun? Je unvorbereiteter man den Film angeht, desto dicker ist der Schleier, den The Adjustment Bureau zunächst vor sich hält und wie nicht selten bei derartigen Storys, in denen ein Blick hinter den Vorhang der Welt geworfen wird, funktioniert sie am besten, solange Geheimnisse aufgebaut und angedeutet, statt gelüftet werden. Das etwas hinter der Geschichte des charismatischen Jungpolitikers David Norris wartet ist klar, um diese Tatsache windet sich The Adjustment Bureau mit seiner gediegen-oldschooligen Stimmung nicht herum, ebensowenig wie darum, dass mehr hinter den hut- und anzutragenden Männern steckt, die Norris genau zu beobachten und jeden seiner Schritte zu überwachen scheinen. Oder sie bestimmen…

Die ersten zwanzig Minuten, in denen nur erahnbar ist, dass etwas rund um das Leben des David Norris vor sich geht, sind wahrscheinlich die besten des Films. Edel und in kühlen Blautönen gefilmt hechtet The Adjustment Bureau anfangs durch den politischen Alltag Norris‘, Reden wollen gehalten, Hände geschüttelt und besonders die jungen Wähler begeistert werden, die auch prompt dem smarten Mann aus den Straßen von Brooklyn, einem der ihren, zujubeln. Fernsehauftritt bei Jon Stewart, immer wieder staunende Schilderungen seines außergewöhnlichen Werdegangs, überragende Umfragewerte und nur der Zweifel der Gegenseite, Norris könne zu jung für höhere Aufgaben sein. Autor und Regiedebütant George Nolfi und seinem Hauptdarsteller Matt Damon gelingt es während dieser flotten Montage, die Figur Norris glaubwürdig und, in doppelter Hinsicht, publikumswirksam genug zu inszenieren, um ihm mit Interesse durch die späteren Ereignisse des Films zu folgen, die sich hier erstmal nur durch ein paar kryptische Dialoge zwischen den geheimnisvollen Anzugträgern andeuten.



Norris und Damon setzen vorteilhafterweise nicht nur auf den schieren »aaaaaah«-Effekt eines sympathischen und mitreißenden Politikers, dem in der echten Welt des Rezipienten das Analogon fehlt: Damons Zahnpastagrinsen passt zwar wunderbar zur Rolle, doch sein Charakter nutzt es ebenso lediglich als Instrument, wie der Schauspieler. Stark und wirksam sind die kurzen Szenen, die Norris vor seinen gefeierten Reden zeigen, in denen er von einer Einsamkeit ausgezerrt dasteht und den Moment herbeisehnt, sprechen zu dürfen, begeistern zu können, unter vielen zu sein. Nolfi weiß, wie wichtig für den Fortlauf seines Films die Identifikation oder mindestens die emotionale Bereitschaft zur Anteilnahme am Leben der Hauptfigur ist und Damon und Norris erfüllen diese Anforderung ebenso, wie die plötzlich und während seines schwersten Rückschlag in Norris’ Leben tretende Emily Blunt, die (nicht die einzige Parallele) ähnlich wie Kate Winslet in Eternal Sunshine of the Spotless Mind mit ihrer Unverkrampftheit jedes bißchen Gefühls- oder sonstige Regung in ihre Richtung mühelos nachempfindbar macht.

Was er für seinen Romanzen-Teil zu erfüllen hat leistet The Adjustment Bureau also, übererfüllt es im ersten Moment sogar, da er die beiden Hauptfiguren nicht nur für sich genommen und in ihrer gegenseitigen Anziehung begreifbar macht, sondern durch die anfängliche Koketterie mit dem Übernatürlichen auch eine Spur an Unvorhersehbarkeit beimengt, die der reinen Romanze von Haus aus fehlt. Der Weg zum zu erwartenden Happy End ist kein vorgezeichneter – und das war selten so wörtlich zu nehmen: als es einem der mysteriösen Hutträger nicht gelingt, Norris auf seinem Weg zur Arbeit rechtzeitig mit Kaffee zu überschütten, kommt dem Politiker etwas vor die Augen, dass weder er noch sonst jemand hätte sehen dürfen. Notgedrungen geben sich ihm unglaubliche Mächte zu erkennen, eine bürokratisch strukturierte Instanz, die ihm offenbart, dass jeder Mensch einem von einer höheren Gewalt festgelegten Plan zu folgen hat, den Norris im Begriff ist zu durchkreuzen und weitreichende Ereignisse in falsche Richtungen zu lenken, sollte er sich weiterhin mit Elise treffen. Was ist Norris also wichtige? Die ihm zugedachte Bestimmung, oder seine Liebe zu Elise? Auf was ist er bereit zu verzichten und wie weit ist er zu gehen bereit, um für seinen freien Willen zu kämpfen?



The Adjustment Bureau reizt keine dieser Ideen und Fragen bis ans Optimum aus, dafür werden zu viele Dinge über die Hüter des Plans verraten und dennoch nicht genügend erklärt, um ihre seit Anbeginn der Menschheit währende Tätigkeit über die Behauptung hinaus plausibel zu machen. An unzähligen Stellen des Films würden die Absichten und Vorgehensweisen der justierenden Behörde keiner logischen Hinterfragung standhalten und mit ihrem ominösen Vorgesetzen und ihren Büchern, die den Plan in wirrer Linien- und Symbolführung abbilden, wird’s teils arg sakral und Webstuhl des Schicksals-Wanted-mäßig. Aber: die Idee an sich bleibt dennoch für ein paar Gedankenspiele und vor allem für einen spannenden Film gut. Der bleibt The Adjustment Bureau nämlich bis zum etwas unzufriedenstellenden Schluss, hörenswert und subtil untermalt von Thomas Newmans Score, makellos gefilmt von John Toll, gut gespielt von Matt Damon, Emily Blunt und den auf der Unveränderlichkeit des Plans beharrenden Anthony Mackie, John Slattery und Terence Stamp, von George Nolfi sauber und mit dem Mut zur Spektakelfreiheit inszeniert. Weniger allgewillmeinkürlich und unweit gedacht als diese Aufzählung seiner Vorzüge sind letztlich auch die Gedankenspiele, Ränkereien und die Auflösung von The Adjustment Bureau nicht – eine Sichtung kann man sich trotzdem ohne Widerstand zu erwarten auf den Plan schreiben.

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
Ist nicht das zuvorderst bediente Element des Films. Trotzdem gut dosiert vorgetragen.
Spannung: 3,5/5
Mit der halbgaren Auflösung verpufft das zuvor Aufgebaute ein wenig, bis dahin aber hält der Film Stimmung und Spannung.
Anspruch: 1/5
Die Ansätze zur Auseinandersetzung mit Themen wie Fremd- und Selbstbestimmung, Schicksal, Fügung, Zufall und freier Wille werden ein wenig von Willkür und Logikmangel untergraben, sind aber zumindest vorhanden.
Humor: 0/5
Hat seine lockeren Momente und kleineren Schmunzler, mehr aber nicht.
Darsteller: 4/5
Kein ganz großes Schauspielkino, aber die Darsteller erfüllen allesamt, was die zu bedienenden Elemente des Films abverlangen.
Regie: 3/5
Ein bißchen muss man George Nolfi das unbedingte Bemühen absprechen, seine Ideen wirklich sinnvoll umzusetzen und zu Ende zu denken. Dennoch: schön und angenehm an der Norm moderner Blockbuster vorbei inszeniert.
Fazit: 7/10
Verspricht in den ersten zwanzig Minuten viel – und hält zumindest das Meiste. Ganz interessanter what if-Thriller, der beim Logik-TÜV zwar kläglich versagen würde, beim Entertainment-Pendant aber mit guter Endnote abschneidet.

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8 Kommentare

  1. Ja, genauso habe ich den Film auch empfunden. Ich hatte auch einfach das Gefühl, dass man sich wirklich gar nichts getraut hat. Und das in Zeiten von “Inception” und Co. Da hätte man ohne Sorgen, Philip K. Dick gerechter werden können.

    1. Mh, an Matrix hätte ich da jetzt nicht denken müssen, dafür ist der Film doch zu “anders”. Fand ihn auch angenehm vom Mainstream abweichend inszeniert, hatte im Kino die Freude. Sicher kein Meilenstein, aber eben einfach nett und unterhaltsam. Die Kritik – da muss ich SeeMeFilms Recht geben – ist aber wie immer tadellos! Meine war “damals” auch nicht annähernd so umfangreich!^^

      @SeeMeFilms: von mir ebenfalls viel Spaß bei dem Streifen!

    2. Matrix ist natürlich ganz anders gewichtet, aber die Themen rund um den freien Willen, die Entdeckung eines beherrschenden Systems hinter der für selbstbestimmt gehaltenen Welt, eine bürokratische Behörde (Agenten) zur Einhaltung der Regeln – ein paar grobe Ähnlichkeiten gibt’s da sicherlich.
      Und danke für’s Lob 😉

    3. Natürlich, thematische Ähnlichkeiten gibt es sicherlich einige, er wäre mir nur nicht unbedingt als erstes in den Sinn gekommen.

      Und fürs Lob: immer gerne 😉

    1. Matrix, Momo, Eternal Sunshine of the Spotless Mind – da ist einiges im Spüler gelandet. Aber war ok. Nett und harmlos ist nicht immer verkehrt 😉

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