Review: DER ZOOWÄRTER

Körperfülle ist für Komödianten ein beliebtes Gimmick. Ob bereits zu Stummfilm- und Schwarz/Weiß-Zeiten Oliver Hardy als Teil des Duos Dick und Doof, oder in moderneren Zeiten John Goodman, Matt Lucas, Seth Rogen, Markus Maria Profitlich, Jonah Hill, Dan Fogler, Zach Galifianakis, Damen wie Roseanne Barr, Rosie O’Donnell oder Cindy aus Marzahn – da basiert viel des Witzes allein schon auf der überproportionalen Erscheinung. In heutigen US-Komödien sind die Dicken meist die schrägen Nebenfiguren, die auf Frauen plump bis abschreckend wirken, dennoch erschreckend offensiv oder aber duckend selbstbewusstseinsfrei mit sich und der Ungelenkigkeit ihres Umfangs umgehen, öfter mal nicht ganz helle Stoner und/oder soziale Versager sind und nicht selten allein schon durch das Entblößen ihrer überquellenden Körperteile für Lacher sorgen sollen. Ziemlich einseitiges Rollenbild, aus dem sich mit Kiloverlust zu befreien versucht wird, wie zuletzt bei Rogen und Hill beobachtet. Einer der beliebtesten Pfundskerle und zu seinen Glanzzeiten in der langlebigen Sitcom King of Queens auch nicht auf die obigen Symptome beschränkt ist Kevin James. Die Figur des beleibten Kurierfahrers Doug Heffernan wird wohl auf ewig die Paraderolle des New Yorkers bleiben, auch weil sie Dicken-Klischees zwar bediente, aber nicht bloßstellte und darauf reduziert war. Der Weg von James vom Fernsehschirm auf die Leinwand war nach neun Staffeln King of Queens und dem Serienende im Jahr 2007 ein reibungsloser – die Qualität der anschließenden Filmrollen allerdings ein ganz anderes Thema. Trotz so infantilen Guts wie Der Kaufhaus Cop und Kindsköpfe erreicht James den diesbezüglichen Tiefpunkt nun mit Der Zoowärter

Story

Griffin Keyes ist ein engagierter und liebevoller Zoowärter, von seinem Job vollstens erfüllt und immer bereit, noch ein bißchen mehr für seine Vierbeiner zu tun und damit entsprechend beliebt bei Löwe, Giraffe und co. Eigentlich könnte Griffin rundum zufrieden sein. Eigentlich. Denn eine Sache lässt ihn nicht los: vor einigen Jahren hat ihm bei einem ultraromantischen Strandausflug und während des Heiratsantrags seine Angebetete Stephanie den Laufpass gegeben. Ihre Begründung: Griffin ist halt nur ein Zoowärter. Als die beiden sich auf der Verlobungsfeier seines Bruders wiedersehen flammen überraschenderweise nicht nur in Griffin alte Gefühle auf, auch Stephanie steht einem zweiten Versuch nicht so ganz abgeneigt gegenüber – vorausgesetzt, Griffin ist zu einer beruflichen Veränderung/-besserung bereit. Ein Job im Autohaus seines Bruders wartet bereits auf ihn. Doch der mögliche Abgang ihres liebsten Menschen macht die Tiere des Zoos hellhörig und so offenbaren sie Griffin ihr größtes Geheimnis: sie können sprechen! Und stehen ihm in der Folge mit tierischem Rat und Tat zur Seite. Was natürlich mehr für Chaos sorgt, als dass Griffins Chancen bei Stephanie steigen…

Der Film



Es liegt nicht am Schauspieler Kevin James, dass Der Zoowärter ein solch schlechter Film ist. James macht was er kann und was ihn bekannt und beliebt gemacht hat und eventuell genügt das, um Der Zoowärter das Prädikat »für Fans empfehlenswert« anzuheften. Doch soviel Sympathievorsprung ihm King of Queens auch eingebracht haben mag, James ist eben trotzdem nicht freizusprechen. Schließlich steht er als einer von zig Autoren und Produzenten eben doch im direkten Zusammenhang mit der Qualität seines Films. James ist keiner, der keine besseren Rollen kriegt, sondern einer, der mit bedauerlicher Eigenverantwortung selbst dafür zuständig ist. Wenig hilfreich ist dabei, zum Kreis der Buddys Adam Sandlers zu gehören, der als Voice Actor und Produzent ebenfalls seine Finger im Spiel des Zoowärters hat und der ja selbst auch für nix anderes steht, als durchkalkulierte Comedyware, die nach den ewig gleichen Mechanismen immer wieder jenes Klientel bedient, das halt irgendwann mal Fan davon geworden ist. Der Zoowärter fällt nun in das Schema jener what if- und family entertainment–Komödien, wie sie Bedtime Stories oder Der Kaufhaus Cop waren – genauso innovationsresistent, genauso berechenbar.

Wie gesagt trägt der Schauspieler Kevin James keine Hauptschuld. Der noch ganz nette Auftakt des Films führt den herzensguten Zoowärter Griffin Keyes erwartbar sympathisch ein, die unerwartete Abfuhr von seiner Freundin Stephanie vor traumhaft romantischer Kulisse sorgt für die entsprechende »ohhhhh, the poor guy…«-Stimmung. Aber das war’s dann auch. Vordergründig geht es dem Film und geht es Griffin in der Folge darum, Stephanie einige Jahre später wiederzugewinnen. Das es dazu nicht kommen wird ist so vorhersehbar wie nur was. Dafür ist Stephanie, ohne viel Wiedererkennungswert, aber mit vielen Zähnen gespielt von Leslie Bibb, eine viel zu oberflächliche und überhaupt nicht mögenswerte Ziege. Und dafür ist Griffins Kollegin, die Zootierärztin Kate, sehr viel charmanter verkörpert von Rosario Dawson, die eindeutig passendere Wahl, was Griffin natürlich erst gen abgeschmacktem Showdown merkt. Bis es soweit ist schleppt sich Der Zoowärter durch die obligatorischsten Szenarien von Annäherung und Verbocken, von Selbstzweifeln und neuem Mut. Dazu gibt’s eine Reihe nutzfreier und kaum mehr als angerissener Nebenplots, die zum Teil in den ersten fünf Minuten angedeutet und in den letzten fünf Minuten abgeschlossen werden, ohne zwischendurch irgendeine Rolle zu spielen. Der von Donnie Wahlberg gespielte fiese Zoowärter-Kollege Shane steht dafür beispielhaft, ebenso Kates Jobangebot aus Nairobi.



Richtig schlimm wird’s aber erst, wenn die Tiere zu sprechen anfangen. Vierbeiner sind ja eigentlich immer für Showstealer-Auftritte gut und ein ganzer Zoobestand müsste logischerweise wenigstens für Kurzweil und Amüsement sorgen und vergessen machen können, wie vorhersehbar und fad der Film um sie herum ist. Dazu eine Reihe hörenswerter Sprecher wie Nick Nolte, Sylvester Stallone, Cher, Jon Favreau und Maya Rudolph – nur ist alles, was die Tiere so von sich geben, ob bei ihren Treffen und Kabbeleien untereinander oder gegenüber Griffin, kompletter Schwachsinn. Ob die beiden ständig uneinigen Bären, der vorlaute Kapuzineraffe oder das streitende Löwenpaar – mit geschlossenen Augen könnte man denken, dass sich da die Autobot-Zwillinge Skids und Mudflap aus Transformers: Revenge of the Fallen, Jar Jar Binks und irgendein einander überdrüssiges Rentnerpärchen versammelt hätten, solch einen Nervpegel nimmt das an, wenn die Viecher zusammenkommen und losschnattern. Auch die Effektarbeit ist nicht immer sonderlich gut, von Lippensynchronität ist besonders in der deutschen Fassung wenig zu sehen. Vom inhaltlichen ganz zu schweigen: die Ratschläge der Tiere sind dämlich, aber nicht witzig, verlieren sich schnell auf pipi-kaka-Niveau und das Griffin sich auch noch an das Doofgesülze hält und zum Beispiel in einem Restaurant tatsächlich sein Revier markiert, um Stephanie mit seinem Duft zu verführen… ohne Worte (und definitiv nicht für Eltern und ihre Kinder zu empfehlen, die gerade in gewissen Phasen der Sauberkeitserziehung stecken).

DEN jump the shark-Moment (und das trotz eines weiteren grauenhaften Ken Jeong-Auftritts und eines Thomas Gottschalk-Cameos[!]) liefert Der Zoowärter allerdings, als Griffin den depressiven Gorilla Bernie zu einer aufmunternden Tour durch die Stadt mitnimmt und der beglückte Primat mit einer Blondine im Arm endet. Also beim Tanzen. Family friendly, you know? Trotzdem eine grottendämliche Sequenz, die jede Möglichkeit liegen lässt, sich einigermaßen intelligent mit einem Thema wie Tiermisshandlung auseinanderzusetzen. Überhaupt, die Botschaften: Griffin erliegt irgendwann der Versuchung, verlässt den Zoo und wird zum affigen Businesstypen, fühlt sich so aber natürlich nicht lange wohl. »Sei so, wie du bist, denn wenn du versuchst, jemand anderes zu sein, wirst du nicht glücklich«, »home is where the heart is«,… – alles gut und richtig, aber alles schon aufrichtiger, ehrlicher, weniger platt und trotzdem eingängiger gesehen. Statt für jeden bietet Der Zoowärter so recht also für niemanden etwas, die Love Story ist plump-vorhersehbar, da gibt’s nichts zu bangen, zu schmachten und zu hoffen, die quasselnden Tiere sind ab der Hälfte nur noch eine (weiterhin nervige, aber das könnten zumindest die Kleinsten anders sehen) Randerscheinung, die Sympathie für Kevin James und seine Figur verliert sich rasch in der Fügsamkeit, mit der sie in die typische Darstellung des Dicken mit Körperkontrollmangel übergeht, der ungelenk überall gegen-, drauf- und drunterklatsch und sich nach geringster körperlicher Belastung schon über Herzrasen und Schweißausbrüche beklagt.



»Throw poop at her«, empfiehlt Kapuzineraffe Donald zwischendurch. Ein Rat, den selbst Griffin nicht annehmen mag, der aber ungefähr ausdrückt, wie sich Der Zoowärter anfühlt. Als würde man anderthalb Stunden lang von Affen mit Kacke beschmissen. Mehrere Tierschutzorganisationen riefen zum US-Kinostart des Films zum Boykott auf, fußend auf mehrere Jahre altem Videomaterial, auf dem der im Film zu sehende Elefant gequält wird, und dem plötzlichen Tod einer Giraffe während des Drehs. Während ein unangemessener Umgang mit den tierischen Darstellern aber vehement abgestritten wurde und wenn überhaupt sowieso nur vermutet werden kann, liefert der Film an sich doch genügend Gründe, um ihn zu meiden. Die Prämisse ist ohnehin schon blöd, wird aber auch noch in eine dermaßen einfallslose Abfolge weder witziger, noch romantischer Szenen gestopft, dass am Ende nichts bleibt, dass sich zu sehen oder zu erzählen gelohnt hätte. Vielleicht sollte Kevin James mal über einen Berufswechsel nachdenken und sich als tatsächlicher Kurierfahrer versuchen, müsste ja nicht unbedingt in Queens sein. Aber garantiert würde er damit mehr Menschen beglücken, als mit seinen immer armseligeren Filmversuchen…

Wertung & Fazit

Action: 1/5
Joa, Kevin James liefert ein paar Einlagen, bei denen es zwischendurch mal ordentlich scheppert.
Spannung: 0/5
Nach wenigen Minuten bis ins letzte Detail vorhersehbar.
Anspruch: 0/5
Fehlanzeige.
Humor: 0,5/5
Ein paar ganz wenige Schmunzler deuten sich an.
Darsteller: 1,5/5
Unterfordert, sowohl jene vor der Kamera, als auch das namhafte Ensemble der Sprecher.
Regie: 1/5
Ein Regisseur muss ausbaden, was fünf Drehbuchautoren verbockt haben. Aber Frank Coraci setzt auch keine Impulse gegen die Dürftigkeit des Scripts.
Fazit: 0,5/10
Auf-Nummer-sicher-Entertainment der kalkuliertesten, banalsten und überflüssigsten Sorte. Für Klein und Groß zu dumm und mit Botschaften, die dutzende anderer Filme schöner und eingänglicher transportieren.

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2 Kommentare

  1. Dass der Film nicht sonderlich gut ist, hatte ich schon irgendwie vermutet. (Außerhalb von King of Queens geht Kevin James ja immer ein wenig unter.) Aber das er so unterirdisch ist… hätte man sich eigentlich auch denken können: Ein Typ, der mit Tieren spricht, das war schon bei Eddie Murphy nur halbwegs zu ertragen.

    1. Das Schlimme bei James ist ja, dass der sich solche Gurken auch noch selbst (co-)schreibt und produziert. Das hier ist einfach so ein Film, für den rein gar nix spricht. “Solide” könnte man den durchaus wohlwollend nennen, aber nach Wohlwollen war mir nach zehn, zwölf Minuten nicht mehr. Und stimmt, sprechende Tiere und Eddie Murphy, das war auch ‘ne miese Mischung…

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