Review: DIE UNFASSBAREN (OT: Now You See Me)

Story

Durch vier Tarotkarten und eine Adresse darauf finden Straßenmagier J. Daniel Atlas, der Mentalist Merritt McKinney, die Entfesslungskünstlerin Henley Reeves und der fingerfertige Trickbetrüger Jack Wilder zusammen und ein Jahr später haben es die bis dahin kaum beachteten Einzelkünstler zu einem riesigen Showact in Las Vegas gebracht. Gesponsort vom Versicherungsmagnaten Arthur Tressler treten sie als „The Four Horsemen“ auf und ihre magische Vorführung mündet in einen unglaublichen Trick: live in der Show „rauben“ die Magier eine Bank in Paris aus und verschenken ganze drei Millionen an ihr Publikum. Natürlich ruft ein derartiger, unerklärlicher Coup das FBI auf den Plan und widerwillig nimmt der Agent Dylan Rhodes gemeinsam mit der französischen Interpol-Abgesandten Alma Dray die Ermittlungen auf. Doch als das Magierquartett Rhodes gnadenlos vorführt und wieder auf freien Fuß kommt ist der Ehrgeiz des Agents geweckt. Nicht aber sein Durchblick. Rhodes wendet sich an Thaddeus Bradley, quasi ein abtrünniger unter den Magiern, der mittlerweile ein Vermögen damit anhäuft, die Tricks und Kniffe seiner Kollegen zu entlarven und damit Karrieren zu beenden. Tatsächlich durchschaut Thaddeus auch die „Four Horsemen“, die allerdings planen bereits den zweiten Akt ihres riesigen Coups…

Der Film



Ocean’s Eleven meets The Prestige meets Inception? Wer sich jemals gefragt hat, wie wohl eine Mischung aus Steven Soderberghs Heist-Charmer und den Nolan’schen Magier-/Traum-Thrillern ausschaut, dem schien Louis Leterriers Die Unfassbaren – Now You See Me genau das vorführen zu wollen. Aber wie das so ist bei Filmen mit Schein und Trug in den Hauptrollen täuschten die Prämisse und die Trailer der $75 Millionen-Produktion, Die Unfassbaren sind zwar nah dran an gewissen Assoziationen zu erstgenannten Werken, machen in einem Jahr voller Pre- und Sequels, Remakes und Reboots und Literaturadaptionen aber ein doch relativ eigenes Ding. „Relativ“ weil: Leterriers erste Regiearbeit seit der zerfetzten Clash of the Titans-Neumache wählt dann doch eher andere oder einfach noch mehr Vorbilder, ist perspektivisch anders beschwerpunktet. Mit der Gruppe von Magiern und ihrem unterschiedlichen Tagewerk legt Die Unfassbaren noch vor der Titeleinblendung einen flotten Einstieg hin, doch der in ihrer Nähe auftauchende Kapuzenmann/-frau/-werweiß, die Tarotkarten und das staunend aufgenommene Trockeneis/Lasershow-Spektakel am Ort ihrer Zusammenkunft botschaften deutlichst voraus, dass da etwa Größeres im Hintergrund abläuft.

Die erste Erwartungsbahn kreuzen Die Unfassbaren gleich nach dem Zeitsprung um ein Jahr nach vorne und mit ihrer ersten großen Show in Las Vegas. Denkt man zunächst, man würde dem hyperarroganten Jesse Eisenberg, seiner „lief da mal was?“-Ex-Assistentin Isla Fisher, dem gedankenmanipulierenden Woody Harrelson und Schlitzohr Dave Franco folgen, distanziert sich der Film sogleich wieder von ihnen. Viele Szenen außerhalb ihrer Bühnen oder flüchtend vor dem FBI bekommen die Horsemen nach dem räuberischen Premierenauftritt und dem anschließenden Verhör nicht mehr, keine Love Story-Reanimation zwischen Eisenberg und Fisher, kein Konflikt entsteht, als Franco weggebügelt wird, nachdem er kurz anmerkt, mal über seine Rolle in der Show reden zu wollen. Die unmittelbaren Motive des magischen Quartetts sind nur ein Täuschungsmanöver, wie letztlich sie selbst nur ein Gimmick des Films sind, der mehr und mehr die Perspektive des hinterher hechelnden Agent Dylan Rhodes einnimmt. Das ist im Grunde der geschickteste Kniff des Scripts von Ed Solomon, Boaz Yakin und Edward Ricourt, die übergeordneten Ziele der Horsemen bleiben unklar, ihre Außendarstellung als Robin Hood-mäßige Wohltäter ist Teil des Tricks und unter ihnen findet sich ohnehin kein wirklicher Sympathieträger, womit es Die Unfassbaren gelingt, die Frage nach dem „warum?“ längstmöglich interessanter zu halten, als jene nach dem „wie?“. Hierzu trägt Morgan Freemans Figur bei, der Zauberentlarver wird als Antagonist eingeführt und der Beantwortung des „wie?“ fällt etwas eigentlich unerwünschtes, entehrendes und gar berechnend bösartiges zu.



Im Wettstreit um Vorsprung und Wissen und auch ein Stück weit Glaube bleibt der heillos überforderte Mark Ruffalo die sympathischste Figur, seine enthusiastischen Reden, wenn er sich den Magiern gegenüber im Vorteil wähnt, geraten geradezu mitleiderregend, erst recht, wenn er dann doch wieder von den ausgebufften Tricksern gegen die Wand gefahren wird. Von seinem absolut ungewissen und unwissenden Standpunkt aus konstruiert Die Unfassbaren seine Handlung. Höhepunkte der drei Akte sind die Shows der Horsemen in Vegas, New Orleans und New York City, die werden von einer frei fliegenden Kamera als tosendes Event in ständiger Bewegung eingefangen, lassen jenseits der Megamonetensausen allerdings ein paar Augenöffner vermissen, etwas verblüffendes, etwas magisches, womit der Film ein Fragezeichen zumindest andeuten könnte, ob da „echte“ Zauberei im Spiel oder alles nur aufregender und perfekt choreographierter Budenzauber ist. Lediglich Isla Fishers Flug in einer riesigen Seifenblase birgt mal einen Moment der Faszination und nicht sofort offensichtlichen technischen Erklärung. Zwischen den Shows verstreut der Film viel Puder zur Tarnung und pustet es an anderen Stellen weg, Ruffalo und die charmante Mélanie Laurent kehren in seinem Streben nach Rationalität und dem leicht kindlichen Glauben an Unerklärbarkeiten ihrerseits die Mulder/Scully-Dynamik um; die in gemeinsamen Dark Knight-Zeiten noch so herzlichen Michael Caine und Morgan Freeman gehen sich indes im Duell der Altstars ans Leder.

Ein paar knackige Actionszenen dürfen zwischendurch nicht fehlen, eine Verfolgungsjagd zu Fuß, ein Jackie Chan-mäßiger Fight zwischen dem finger- und kartenfertigen Dave Franco und abgehetzten Gesetzesvertretern mit anschließender Fluchtraserei, das alles hält den Unterhaltungswert von Die Unfassbaren durchweg hoch. Gemeinsam mit der Menge an Stars und guten Schauspielern, die allerdings nicht gerade die innovativst angelegten Rollen ihrer Karrieren spielen, sondern mehr deren bisherige Prägnanzen einbringen. Jesse Eisenberg importiert direkt seine Mark Zuckerberg-Interpretation aus David Finchers The Social Network, lässt etwas die soziale Unbeholfenheit weg und gibt ansonsten das herablassende und alles kontrollierende Selbstgefälligkeitssynonym, Freeman und Caine hat man in den letzten paar Jahren dermaßen oft gesehen, dass ihre Charaktere eigentlich vollkommen irrelevant sind, das sind halt Morgan Freeman und Michael Caine. Woody Harrelson als schillernd-anzüglicher Unbehaglichkeitsverursacher? Blind auf irgendeinen Eintrag in seiner Filmographie getippt und sehr wahrcheinlich erwischt man etwas zumindest ähnliches. Schluffige drei-Tage-Bart-Ermittler und undurchsichtige Französinnen, wie Ruffalo und Laurent sie geben, sind ganz kleines Einmaleins, werden aber von der oben erwähnten Dynamik und der Chemie zwischen den beiden am Laufen gehalten. Isla Fisher und Dave Franco sind indes die Figuren in Die Unfassbaren, die zu kaum mehr da sind, als mit den buntesten Fake-Zaunpfählen zu winken: »hier, wir scheinen so unwichtig, dass beim entscheidenen Twist alles auf uns hinauslaufen könnte – wird es aber nicht, bätsch!«



Die Unfassbaren – Now You See Me ist im Grunde leichter als es ihm lieb sein kann durchschaut, wenn man nur zwei Dinge beachtet: absolut nichts als gegeben hinnehmen und ausnahmslos alles hinterfragen was da gesagt, ermittelt, angenommen oder auch nur angedeutet und vermutet wird. Leterriers Film ist ein fortwährendes Abbiegen auf alle nur erdenklichen falschen Fährten, die das riesige Ensemble so zulässt. Wenige Figur verharren unberührt, viele werden ständig in Bewegung versetzt, aufeinander zu, voneinander weg, um 180 Grad gedreht, ins Leere laufen gelassen und so weiter. Eine schwurbelige Angelegenheit, in der ständig jemand die Oberhand über den anderen zu gewinnen glaubt und doch jeder nur das zu wissen bekommt, was der Film gerade wissen lassen will. Was so auch für’s Publikum gilt, das manchmal und dann völlig wider Erwarten hinter den Vorhang gelassen wird, nur um nach kurzer klarer Sicht auf die Dinge vor’m nächsten geparkt zu werden. Die Auflösung schließlich – Geschmackssache. Irgendwie verdient, doch wenn man zwei, drei Filme mit Twist-Ende gesehen hat nach deren schematischen Ausschluss- und Wahrscheinlichkeitsverfahren irgendwie vorhersehbar, und irgendwie die Damon Lindelof-Experience: aufwändiger build-up, unterwältigender payoff. Die Unfassbaren – Now You See Me ist nicht dermaßen clever, wie er zu sein hofft und vorgibt und der wirklich alles umwuchtende und zufriedenstellende »Ahhhaaa!«-Moment fehlt da am Schluss. Die wirklich wichtigen Hinweise sind schnell erschnüffelt, vieles erklärt der Film halt gar nicht und was bleibt, ist ein Fun-Thriller, der sehr ordentlich unterhält, gesellschaftskritische Aspekte als genau die pure Fassade enttarnt, als die Blockbuster-Kino sie oft missbraucht, und der schließlich rückstandslos verpufft und verschwindet. Möglicherweise bis zu einem Sequel. In diesem Sinne: 3. (Is’n Insider. Film gucken, dann verstehen ;))

Wertung & Fazit

Action: 2/5
Nicht explosionslastig, aber schon ein paar nette Actioneinlagen.
Spannung: 3/5
Auf jeden Fall flott genug inszeniert, um nicht die Lust dran zu verlieren, wie früh man den Schlusstwist auch erahnen mag. Und das ist wirklich sehr früh möglich…
Anspruch: 1,5/5
Nicht so clever wie er tut, aber schon doppelbödig in manchen Aspekten.
Humor: 1/5
Ganz klar ein Fun-Thriller, keine verbissene und todernste Angelegenheit. Dennoch sitzt nicht mal ansatzweise jeder Spruch.
Darsteller: 3,5/5
Spielen mehr oder weniger alle gekonnt ihren Stiefel runter, aber ohne lustlos zu wirken. Insofern passt das schon, guten Schauspielern sieht man halt gerne beim guten Schauspielern zu.
Regie: 3,5/5
Stillstand und Verschnaufpausen wären nicht gerade der Freund seines Films, drum inszeniert Leterrier mit Tempo und Energie, quetscht sogar aus ruhigeren Szenen mit ständiger Bewegung noch Dynamik raus.
Fazit: 7/10
»Look closely, because the closer you think you are, the less you will actually see…« Die Tagline der Unfassbaren ist klassische Umkehrpsychologie. Natürlich ist es für den Film besser, nicht ganz so genau und bloß kein zweites Mal hinzuschauen, denn dann fällt sein Kartenhaus schnell in sich zusammen. Nimmt man’s aber nicht zu genau ist’s ein guter Unterhaltungsfilm, ein sättigender Fun-Thriller-Snack mit vielen tollen Darstellern.

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