Review: FÜR IMMER SHREK

FÜR IMMER SHREK Filmkritik

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Das 1994 gegründete Studio DreamWorks hatte vier Jahre später mit Antz und Der Prinz von Ägypten keinen unbedingt glorreichen Start ins von Disney und Pixar regierte Genre des Zeichentrick- und Animationsfilms hingelegt, als man 2001 schließlich mit einer gänzlich unwahrscheinlichen Hauptfigur und Konzeption um die Ecke bog und einen Welthit landete: der reichlich Seitenhiebe Richung Märchenkultur und Disney-Kitsch verteilende Shrek – Der tollkühne Held mauserte sich zum grünen Überraschungs(-Anti-)helden des Kinojahres und schaffte nebenbei die perfekte Symbiose aus knuffiger Unterhaltung mit Grummeloger und Plapperesel für die Kleinen und hintergründigen und –hältigen Spitzen zum Entdecken für die Großen. Jäh unterbrochene Gesangseinlagen, platzende Vögel, eine Tritte verteilende Prinzessin, aufgepustete Frösche und eben Shrek, der sich mit Märchenbüchern den Allerwertesten abwischt. Teil 2 knüpfte 2004 beinahe nahtlos an die Qualität an, bot noch mehr Gags, wenn auch etwas weniger Biss. Die Tendenz zur zahm- und harmlosen abgenutzen Austauschware war jedenfalls nicht so deutlich erkennbar, wie sie sich mit dem müden Trilogieabschluss offenbarte. Shrek der Dritte (2007) wurde zu dem, worüber sich die Vorgänger so köstlich amüsiert hatten, zum kalkulierten Establishment und einfallslosen Selbstzitat. Kein Grund also, einen vierten Teil hoffnungsvoll und erwartungsfroh herbei zu sehnen. Statt ursprünglich mal geplanter zwei Prequels gibt es nun mit Für immer Shrek nur einen großen Abschluss – und der gerät immerhin erfreulich angenehm.

Story



Oger Shrek hängt’s zu den schmalzigen Ohren raus: sein einstiges Sumpfidyll ist zur Touristenattraktion verkommen, auf die Mistgabeln, auf die man ihn einst aufspießen wollte, soll er nach seinen vielen meist unfreiwilligen Heldentaten nun Autogramme schreiben und nicht zuletzt seiner Familie und des ausgedehnten Freundeskreises wegen kann der einstige Einsiedler seine geliebte Ruhe vergessen. Nach einem Wutausbruch auf der Geburtstagsparty seiner Drillinge läuft Shrek nicht ganz zufällig das hinterhältige Rumpelstilzchen über den Weg und bietet ihm einen Vertrag an. Ein unbedeutender Tag aus Shreks frühester Kindheit, im Tausch mit vierundzwanzig Stunden, in denen er endlich einmal wieder ein richtiger Oger sein darf. Shrek willigt ein und zunächst scheint alles perfekt, er wird wieder vom Volk gefürchtet und kann in aller Ruhe ein gepflegtes Matschbad nehmen. Doch schon bald offenbaren sich Rumpelstilzchens raffgierige Pläne…

Der Film

Für immer Shrek schlägt mit seiner Anfangssequenz den Dreifachsalto rückwärts. Zwar besinnt sich der Film nicht unbedingt auf die Stärken des ersten Teils, verknüpft aber immerhin recht geschickt seine Story und vor allem seinen Schurken mit dem Premierenauftritt des großen Grünen. Prinzessin Fiona, so erzählt das franchiseetablierte Märchenbuchintro, auf das nur der dritte Teil verzichtete, sitzt in ihrem Turm fest und noch ist keine Rettung in Sicht, schon gar nicht in Gestalt eines knurrigen Ogers, der eigentlich nur seinen Sumpf wieder für sich alleine haben will, in dem sich plötzlich zwangsumgesiedelte Märchengestalten tummeln. In ihrer Verzweiflung wenden sich Harold und Lillian, König und Königin von Weit Weit Weg, an das gerissene Rumpelstilzchen, das für die Aufhebung von Fionas Fluch, der aus ihr des Nachts einen Oger macht, die Herrschaft über das Königreich überschrieben haben will. Gerade noch rechtzeitig trifft ein Bote ein und berichtet von der überraschenden Rettung der Prinzessin, das abgebrochene Männlein zieht mal wieder den Kürzeren und hat in Shrek einen Feind gefunden.



Der widerum hat nach vielen Abenteuern und nach der Rückkehr in seinen geliebten Sumpf ganz andere Probleme. Shrek sehnt sich nach seinem alten Leben, als man ihn fürchtete, vor seinem gewaltigen Brüllen floh, statt ihn um eine Demonstration zu bitten. Statt Eyeball-tini und Schlambad wollen verstopfte Plumpsklos gereinigt und der Nachwuchs versorgt werden. Wer sich selbst jemals oder im Moment um ein Baby gekümmert und darüber seinen Humor nicht verloren hat, für den zündet Für immer Shrek hier ein ordentliches Gag-Feuerwerk mit dem rülpsenden und pupsenden Trio, seinem Drang bespaßt zu werden und überhaupt aus dem Gefühl heraus, dem auch Shrek sich ausgesetzt sieht: den bohrenden Zweifeln ob des scheinbaren Verlustes des eigenen Selbst im Angesicht der neuen Verantwortung. Wer würde sich da nicht nur einen einzigen Tag seines früheren Lebens zurückwünschen? Dass das natürlich auch nicht eben nach Wunsch verläuft ist klar, als Shrek auf Rumpelstilzchen trifft und einen Vertrag unterzeichnet, der ihn in eine Parallelwelt versetzt, in der er nie geboren wurde, in der Rumpelstilzchen Herrscher von Weit Weit Weg werden konnte und Shrek im Nichts verschwinden wird, wenn er nicht vor Ablauf des vereinbarten Tages einen Kuss der einzig wahren Liebe bekommt.

Dumm nur, dass seine Fiona und auch all die anderen Freunde und Wegbegleiter ihn in dieser Welt niemals kennengelernt haben. Esel zieht Lastkarren und hat wenig Interesse an der Freundschaft mit einem Oger, der Lebkuchenmann schlägt sich auf den Straßen des entgrünten Weit Weit Weg als lutscherschwingender Gladiator durch, die geliebte Fiona indes hat sich selbst aus dem Drachenturm befreit und führt nun die Widerstandsgruppe der von Rumpelstilzchens Hexen gejagten Oger an. Und nichts liegt der entschlossenen Kriegerbraut ferner, als ein Techtelmechtel mit Shrek, ihr einziges Zeil ist es, das Land von dem widerwärtigen Gnom auf dem Thron zu befreien. Der entscheidene Gegenschlag steht kurz bevor, Shrek bleibt entsprechend wenig Zeit, um Fiona vom Rebellieren abzulenken und ihre Liebe zu gewinnen. Klar abgesteckte, stichpunktartig eingebrachte Einsätze in üblichen „das und das muss bis dann und dann geschehen, um dieses und jenes zu bewirken/zu verhindern“-Mustern, eine jederzeit deutliche Moral von der Geschicht (»erkenne wer du bist und was du hast, denn du wirst es vermissen, wenn du es verlierst«), nichts Neues also in Für immer Shrek?



Nein, im Grunde nicht, aber durch das what if-Szenario das Bekannte eben in etwas anders. Das genügt natürlich längst nicht, um den Film so originell oder frisch zu machen, wie die Serie in ihren Anfängen war, aber damit war wohl am allerwenigsten zu rechnen. Für immer Shrek zwingt nicht Neues herbei, verlässt sich aber auch nicht so selbstverständlich und erlahmend auf die reine und vorausgesetzte Freude am Wiedersehen mit den bekannten und lieb gewonnenen Charakteren, wie Shrek der Dritte dies tat. Im entscheidenden Gegensatz zu dem geht die Story hier gut und ohne Längen voran, macht ihre weiterführenden Schritte vorwärts in den richtigen Abständen, um die Charaktere eben nicht nur ziellos um sich selbst kreisen zu lassen, sondern sie zumindest in stetige Aktion zu versetzen. Nur so kann man schließlich Spaß an den Figuren haben, wenn sie etwas zu tun bekommen, wenn sie sich in Sitautionen beweisen müssen, wenn sie unter gewissen Gegebenheiten handeln müssen. Das müssen sie in Für immer Shrek vor, wohlwollend ausgedrückt, zwar klassischen Hintergründen, aber auch solchen, die ein emotionales Band sowohl untereinander, als auch zwischen sich und dem Zuschauer knüpfen. Da ist, bei aller Kalkuliertheit, der Charme ins Shrek-Universum zurückgekehrt.

Dies unter anderem auch deshalb, weil reichlich Bezüge zum ersten Teil hergestellt werden, alte Ideen sich überwiegend liebevoll und nicht aufgesetzt wiederfinden und den zwischendurch aus seiner vorgezeichneten Bahn geworfenen Kreis letztlich tatsächlich geschlossen bekommen. Dennoch ist Für immer Shrek alles andere als ohne Schönheitsfehler. Durch den stetigen Antrieb und die sympathischen Hauptfiguren wird die Story mit ihrer Innovationsallergie nicht zur Schwierigkeit des Films, in anderen Bereichen sieht das anders aus. So makellos sich die Technik standesgemäß präsentiert, so wenig toben die Macher diemal mit ihr herum. Mimik, Bewegungen, Fell etc., alles toll animiert, aber der Kampf der Oger gegen Rumpelstilzchen samt Hexenarmee ist einer im kleinen Format, es gibt kaum neue Schauplätze und wenn, dann sind diese so wenig spektakulär und detailarm wie die Höhle, in der sich die Oger versteckt halten. Ansonsten präsentieren sich die altbekannten Schauplätze, nur eben im durch Rumpelstilzchens Herrschaft heruntergekommenerem und farbärmerem Gewand. Fionas Truppe bleibt charakterlos, da gibt’s den harten Krieger Brogan und den tuckigen Koch Cookie mit seinem Buchitowagen und mehr ist nicht, keine erinnerungswürdige Nebenfigur, die wie der gestiefelte Kater in Shrek 2 die Show stiehlt. Neben Harry Gregson-Williams‘ schönem Score, der die bekannten Motive aufgreift und sich zudem von Conan bis Der Herr der Ringe durch’s Fantasy-Genre zitiert, nerven die diversen, glücklicherweise kurz gehaltenen Tanz- und Musicaleinlagen. Die wirken ähnlich unpassend und erzwungen, wie in den unsäglichen Möchtergern-Spoof Movies der Herren Friedberg und Seltzer (Fantastic Movie, Meet the Spartans). Entsprechend, weil mit dafür verantwortlich, enttäuscht als neuer Sekundärschurke der Rattenfänger von Hameln, der mit seiner Flötte Hexen breakdancen und die Oger detlevdsoosten lässt.



Auch das Rumpelstilzchen knüpft nicht ganz an den (ihm ähnlichen) Lord Farquaard, die Gute Fee und Prince Charming an, genügt aber als auslösendes schurkisches Element, zumal es eh mehr (auch filmübergreifend betrachtet) um die persönliche Reise Shreks und weniger sein Kräftemessen mit dem Bösen geht. Gestiefelter Kater, Esel und co. bleiben verlässliche Größen im Gag-Exportgeschäft. Wie immer hat der Faust auf’s Auge-, beziehungsweise Stimme in den Mund-Voice-Cast seinen Anteil daran, sowohl in der englischen Original-, als auch in der synchronisierten Fassung. Das ein begabter Figuren-Skipper wie Mike Myers neben kultigen Typen wie Wayne Campbell und Austin Powers auch einem Oger zur Einzigartigkeit verhelfen kann ist wenig verwunderlich, aber auch sein deutsches Pendant Sascha Hehn (Hausfrauen-Report 6, Die Schwarzwaldklinik) ist kaum genug dafür zu loben, wie er Shrek Eigenart verleiht. Den Vergleich mit ihren Vorgängern John Lithgow/Rufus Beck (Lord Farquaard), Jennifer Saunders/Angelika Milster (die Gute Fee) und Rupert Everett/Tom Vogt (Prince Charming) verliert auch in diesem Fall das Rumpelstilzchen mit Walt Dohrn/Bernhard Hoëcker.

Ziemlich weit weg von den beiden Vorgängern, mittlerweile weit weit weg von der Pixar-Konkurrenz, aber immerhin wieder deutlich besser als der direkte Vorgänger, hat Für immer Shrek sein einstmals starkes Zentrum zurück gen Mittelpunkt gerückt, mit weiterhin schwächelndem Drumherum. Die Mehrzahl der Gags sitzt, auch wenn die sarkastischen Spitzen zu rundgeschliffen, die popkulturellen Verweise scheinbar ausgegangen sind und sich der Humoranteil sowieso etwas im action- und moralhaltigen Showdown verliert. Am Schluss, wenn der Abspann die Reise des Ogers nochmals in ein paar prägnanten Einstellungen aus den vorigen Filmen zusammenfasst, hat Für immer Shrek indes noch eine Gefühlsregung parat, deren Auslösen man dem Film kaum zugetraut hätte: ein bißchen Wehmut kommt da doch tatsächlich auf und der Gedanke »ach Gottchen ja, wenn so nett unterhaltend dürft’s ja doch noch einer sein…«.

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Zum Ende hin mit zuviel Übergewicht gegenüber den anderen Zutaten und dabei nichts Unbedingtes zu bieten. Insgesamt in Dosierung und Machart aber ok.
Spannung: 2,5/5
Das zum Schluss alles im grünen Bereich sein wird ist klar, drum ist Spannung eigentlich eine verkehrte Kategorie: Interesse wäre passender, und selbiges kommt einem während der flotten 90 Minuten nicht abhanden.
Anspruch: 1,5/5
Shrek ist anno 2010 sehr viel näher an der rührseeligen Moralfabel als es Shrek 2001 war, die Botschaften des Films drängen sich allerdings nicht auf und sind, bei aller Durchschaubarkeit, auch thematisch anspechend.
Humor: 3/5
Die stetig gestiegene Popularität hat Oger und Konsorten zweifellos einen ganzen Mund voll bissiger Zähne gezogen, dennoch liegt die Trefferquote der Gags diesmal wieder erfreulich hoch.
Animation: 4/5
Wie vom modernen Animationsfilm allgemein und der Reihe zu erwarten technisch top, aber auch etwas unspektakulär und mit wenigen wirklich frischen Einfällen, geschweige denn Innovationen.
Regie: 3/5
Timing und die Gewichtung von Humor, emotionalen und ernsten Szenen sowie actionreichen Momenten stimmt und verrutscht erst Richtung Showdown, insgesamt alles auf solidem Niveau.
Fazit: 7/10
Nicht so gut wie die ersten beiden Teile, weit besser als Teil drei und damit ein löblicher und weitestgehend auch gelungener Abschluss (?) der Oger-Saga. Etwas arm an wirklichen Höhepunkten, aber schöne Unterhaltung.

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6 Kommentare

    1. Da haste recht, zählt zumindest zu den besten Momenten. Arm an Höhepunkten bedeutet ja auch nicht, dass es gar keine gibt, nur solche Szenen wie z.B. das Essen bei Fionas Eltern am Anfang von Teil 2, oder den Vogelplatzer aus Teil 1, sowas gibt’s hier nicht (wenn, dann nur in aufgewärmter Form)

  1. Eigentlich wollte ich, nachdem ich den dritten Teil ausschnittsweise im Fernsehen gesehen hatte, mir Teil 4 gar nicht mehr antun. Insofern bin ich nun überrascht, dass er so gut abschneidet. Naja, wenn er im FreeTV kommt, wird vielleicht mal reingeschnuppert.

    1. Ich hab den als Rezensionsexemplar bekommen, drum hätt’s mich auch nicht weiter gestört, wenn ‘a ähnlich schlecht wie Teil 3 gewesen wäre. So ist’s natürlich doppelt erfreulich, einfach weil mir die Reihe zu Anfang so sympathisch war, das ich ihr einen wenigstens sehenswerten Abgang gönne

  2. Das “besser als Teil 3” wundert mich nicht besonders, der verdient auf keinen Fall mehr als einen von zehn Punkten. Eine ausreichende Steigerung, dass ich mir den vierten noch antun würde, erwarte ich trotz deines Reviews ehrlich gesagt nicht.

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