Review: G.I. JOE 2: DIE ABRECHNUNG (OT: G.I. Joe: Retaliation)

Für welche cinematic values stand im Jahr 2009 Stephen Sommers‘ SciFi-Actioner G.I. Joe: The Rise of Cobra? Ganz klar, ausgefeilte Charaktere, pointierte Dialoge, eine hintergründige Story – nicht. Nein, die Adaption des toy franchise aus dem Hause Hasbro und dessen Comic- und Zeichentrickablegern war ein berstend CGI-überladenes Popcornspektakel, die filmgewordene Interaktion einer Gruppe laut plärrender Kinder mit ihren Actionfiguren und –fahrzeugen, ein wild alle Schrauben der Gesetze von Logik und Physik losdrehendes BOOM BOOM POW!-Dauergeklotze mit tierisch hohem Spaßfaktor, weil die ganze Show sich ihrer Bescheuertheit vollkommen bewusst war und ein recht beeindruckendes Darstellerensemble ein hemmungsloses Bad im Overactingpool nehmen ließ. Quietschbunt, total verrückt – und doch nicht annähernd so erfolgreich, wie der Kickstarter unter den Spielzeugverfilmungen, Michael Bays Transformers und dessen einige Monate vor G.I. Joe: The Rise of Cobra gestartetes Sequel Revenge of the Fallen. Der Knackpunkt vielleicht Channing Tatum, der einfach einen saufaden Lead in diesem ansonsten durchgehend im Schleudergang abgefeuerten Frontalquatsch abgab. Dennoch bekommt G.I. Joe nun mit dem Beititel Retaliation bzw. hierzulande Die Abrechnung mit einem Jahr Verspätung ebenfalls seine Fortsetzung.

Story

Ein Blick zurück: Erzbösewicht Cobra Commander und sein Untergebener Destro konnten von der High-End-Spezialeinheit G.I. Joe gefasst werden, jedoch ahnt niemand, dass unterdessen der Verkleidungskünstler Zartan im Auftrag der Schurken den Platz des US-Präsidenten eingenommen hat. Einige Monate später werden die Joes nach Pakistan entsandt, um nukleare Waffenköpfe zu bergen. Aber das Team um Captain Duke Hauser und seine rechte Hand Roadblock wird in einen vernichtenden Hinterhalt gelockt. Nur ein kleiner Rest der Einheit bleibt mit einigem Glück am Leben, während die Joes vom falschen Präsidenten als Verräter gebrandmarkt, für aufgelöst und ausgelöscht erklärt werden. Eine derartige Ausbootung und den Tod ihrer Kameraden können Heavy Machine Gunner Roadblock, Warrant Officer Flint und Covert Operations-Spezialistin Lady Jaye natürlich nicht einfach geschehen lassen und der Rückschlag ist beschlossene Sache, noch bevor dem teuflischen Cobra Commander mit Hilfe seiner Gefolgsleute Firefly und Storm Shadow die Flucht gelingt. Letzterer wird indes oberstes Ziel des Ninja-Joe Snake Eyes und seiner Schülerin Jinx, die Storm Shadow schnappen wollen, um an die Pläne des Cobra Commanders zu gelangen. Unterdessen wenden sich Roadblock und Co. in ihrer nahezu aussichtslosen Lage an niemand geringeren, als DEN G.I. Joe höchstpersönlich…

Der Film



G.I. Joe 2 scharrte bereits mit den Hufen, ehe der ursprüngliche Starttermin im Juni 2012 nur wenige Wochen vorher auf den jetzigen März 2013 verschoben wurde, Warenhäuser voller Spielzeugfiguren mit der Retaliation-toy line mussten ihre Auslieferung stoppen, denn das Sequel brauchte nicht nur plötzlich eine zusätzliche Dimension, es brauchte noch plötzlicher auch mehr Channing Tatum, der nach den Erfolgen des Liebesdramas The Vow und der Komödie 21 Jump Street wieder ’ne hot property geworden war. Viel mehr als Tatum und sein minimalistisches Mienenspiel ist dem Sequel vom Original auch nicht geblieben. Zwar knüpft Retaliation an die losen Fäden von The Rise of Cobra an, wirft ansonsten aber eher einen verschämten Blick über die Schulter, wie auf den Kumpel, der einen hinter’m Rücken gerade mit irgendeiner geekig-freakigen Aktion lächerlich macht, während man versucht, die Schulschönheit mit Coolness zu beeindrucken. Locker geht’s in Retaliation nur in ein paar Extraszenen zwischen Tatum und Dwayne Johnson zu, die sie beim Shooterzocken und Zielschießen im und mit Privateinsatz zeigen. Die Regenbogenfarbbombe, die The Rise of Cobra auf der Leinwand explodieren ließ, wird ansonsten auf Erdfarben runtergegradet, die Aufträge der Joes werden von abgespacten futuristischen Gadgets nur noch peripher unterstützt, statt das Superduperbeschleunigungsanzüge und sonstige geht-nicht-gibt’s-nicht-Technik die Gefechte bestimmen.

G.I. Joe: Retaliation macht auf Kriegsactioner, wie ihn die Call of Dutys und Battlefields und Medal of Honors nowadays definieren, wirkt geradezu verlegen und in „hoffentlich geht das gut…“-Haltung zusammengekauert, wenn er Namen wie Snake Eyes, Storm Shadow, Hard Master oder Cobra Commander erstmals erwähnen und’s mit denen auch noch ernst meinen muss. Die Joes im ersten Teil waren dieser ultrakrasse und von allem abgesonderte Kampfhaufen, eine betont internationale und multikulturelle Eingreiftruppe im globalen Einsatz gegen das Böse, im Nachfolger nun weicht dieser etwas akzentuiertere Ansatz einem eher plumpen Soldatenstolz, einem strammstehenden und brav salutierenden Vaterlandsdienst mit stars’n’stripes-Patriotismus und auf den unterbetonten persönlichen Ebenen der Joes einer militärischen Komplexbewältigung, bis die Fronttauglichkeit mit zackigem Gruß anerkannt und geehrt wird. Wohl auch eine Reaktion der Macher, das uramerikanische Kulturgut des Spielzeuginfanteristen nach den vor allem national enttäuschenden Einspielzahlen des Vorgängers nun ordentlich und sachgemäß auf Publikumswirksamkeit zu trimmen. So richtig störend oder zu sehr ins politisch-konservative (Rechts)Extrem gedacht wird’s nicht in G.I. Joe: Retaliation, und doch stand es den Joes im Vorgänger besser, sich in dieser Hinsicht ein bißchen bedeckter und weniger mit in Wort und Tat mitwehender Flagge zu präsentieren.



Bis nach der Auslöschung der Joes ist der Film ein knackiger Modern Warfare-Actioner auf Identitätssuche, der sich weit mehr in einer realen Welt verortet sieht, als der überhaupt nicht auf Bodenhaftung bedachte Vorgänger, ist ein Film mit ordentlichen Ballerszenen, ohne besonders viel Eigenheit zu entwickeln. Nach dem Wendepunkt in der schnurgeraden Story wird selbige allerdings in ein paar Kurven gelegt, die für High- und Lowlights gleichenteils sorgen. Dem Plot um Roadblock wird bis zum Anschlag die Bremse durchgetreten, dafür schaltet G.I. Joe: Retaliation zur enorm langgezogenen Befreiung des Cobra Commanders und in Tokio zu einer bisweilen bizarren Substory um den schweigenden Snake Eyes, inklusive schrägem Sen-Auftritt von Rapper RZA als Blind Master. Dieser Asienabstecher findet seinen luftigen Höhepunkt im Hochgebirgssystem des Himalayas. Da dreht der Film dann doch mal mächtig die Gasflaschen auf, macht was Verrücktes, aus Zuschauersicht Unplanbares, halsbrecherisch Wahnsinniges, das halt nicht zur soldiers routine gehört. Die Ninja-Sequenz, die eine dialoglose Viertelstunde losgelöst von der Gesamtdramaturgie des Films komplett freidreht, ist unangefochten DER G.I. Joe: Retaliation-Moment, im Anschluss an dieses spektakuläre Seilgeschwinge und Martial Arts-Gefighte blendet der Film erstmal auf Schwarz und Applaus brandet auf, der zwar dem Präsidenten auf einer Veranstaltung gilt, eigentlich in dieser Sekunde aber dem Film selbst.

Danach passiert nichts annähernd so aufregendes und außergwöhnliches mehr in G.I. Joe: Retaliation, dem es gar nicht gut tut, dass er den Felsen nicht von der Kette lässt: Dwayne Johnson und sein kleiner Trupp B-Joes muss sich durch eine uninspirierte und in ihrer Zielführung total redundante, da dem Zuschauer in ihrer Lösung bekannte Mission: Impossible-Reminiszenz quälen, die einzig von Adrianne Palicki im roten Abendkleid ein bißchen aufgehübscht wird. Der komplett eigenschaftslose D.J. Cotrona als Flint und Johnson selbst bekommen bis zum Showdown nichts handfestes mehr zu tun und obwohl G.I. Joe: Retaliation im Finale mit seinem dicksten money shot protzt und beim Staatscheftreffen sogar einen Anflug von Politsatire betreibt kommt der Film nicht mehr richtig aus dem Entmüdungsbecken hoch, in das er seine Figuren zwischenzeitlich gelegt hat. Das Eingreifen einiger G.I. Joe-Oldies, allen voran natürlich Bruce Willis, ändert herzlich wenig daran, dass das Ganze neben aktuellen Actionreferenzen wenig frisch wirkt und die neue Ausrichtung ihn gegenüber Brachialbrechern wie The Expendables 2 oder The Raid umso austauschbarer dastehen lässt, statt eine Reiz-overpowernde Individualshow wie der Vorgänger zu bieten. So ist Retaliation vermutlich sogar der bessere G.I. Joe-Film, nicht aber zwangsläufig der bessere und schon gar nicht der unterhaltsamere Actioner.



The Heavys ♫How You Like Me Now♫ dröhnt über den Abspann von G.I. Joe: Retaliation und diese Songauswahl kann eigentlich kein Zufall sein: Jon M. Chus Sequel ist im Grunde die ständige Frage und verzweifelte Antwortsuche, ob er’s denn nun besser macht als Teil Eins, ob man ihn so präsentiert denn nun lieber mag, diesen irrsinnigen Kosmos aus Supersoldaten, Ninjas, Cobra Commandern und nuklearer Megabedrohung. Eine recht missliche Lage, aus der sich der Film nie befreien kann, denn natürlich ist man geneigt zu sagen, dass mehr handgemachte Action gegenüber dem CGI-Overkill von The Rise of Cobra ein deutlicher Pluspunkt ist – aber es passte da halt, dass die Joes ihre Basis unter dem Wüstensand verbargen, die Schurken ihr Hauptquartier unter’m Nordpol, es schuf überhaupt erst einen eigenen Kosmos, wie konsequent Stephen Sommers sein Material hochpushte und ohne Rücksicht immer noch beklopptere Szenen aneinander klatschte. Retaliation ist viel gebremster, eigenschaftsloser, das Soap-mäßige Figurenkonstrukt der ersten Runde weicht in dieser Zweiten ein paar Blassnasen, zwischen denen man sogar Channing Tatum vermisst, aber im allgemeinen die Kernigkeit des Erstlings fehlt, der auf Helden- und Schurkenseite mit Marlon Wayans, Sienna Miller, Christopher Eccleston, Dennis Quaid, Adewale Akinnuoye-Agbaje und Joseph Gordon-Levitt auftrumpfte, und der bei allem Kinderquatsch mehr Härte und Konsequenz in den Actionszenen bot, egal um wie vieles echter die nun in Retaliation sind. Der bleibt am Ende ein solider Krachbummfilm mit Figuren, die wie zufällig komische Namen tragen und teils ein bißchen schräg ausschauen.

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Näher an Cut Scenes und Gameplay-Szenen aus einem Call of Duty, als an der abgedrehten CGI-Vogeligkeit des Vorgängers. Dreckigere, handgemachtere und trotzdem unbrutalere Action als im ersten Teil, die deftig rummst, aber selten wirklich Außergewöhnliches bietet.
Spannung: 1/5
Besonders im Mittelteil hängt der Spannungsbogen durch wie ‘ne ausgeleierte Hängematte, ein Nervenzerrer ist G.I. Joe: Retaliation aber eh nie.
Anspruch: 0/5
Geerdeterer Ansatz, aber deshalb nicht schlauer, in der Charakterzeichnung sogar eher noch platter und langweiliger, als der Vorgänger.
Humor: 0,5/5
Zu Anfang necken sich noch der Fels und das Felsgesicht, also Johnson und Tatum. Danach sorgt allenfalls Bruce Willis (vor allem, weil er eben Bruce Willis ist) für einen Hauch von Heiterkeit in einem ansonsten bitterernsten Spektakel.
Darsteller: 2,5/5
Vom low-charmer Tatum zur Charismagranate Dwayne Johnson, das ist auf den ersten Blick natürlich ein Fortschritt. Nur bleibt „the artist also known as The Rock“ hinter seinen Möglichkeiten, während der Rest der Besetzung nicht mal halb das Format des Vorgängers erreicht.
Regie: 2/5
Nach diversen Tanz- und Konzertfilmen tut sich Jon M. Chu sichtlich schwer mit seiner ersten Action-Regie. Story und Dramaturgie ächzen bisweilen unter Plotlücken und Rhythmusproblemen.
Fazit: 5/10
G.I. Joe: Retaliation ist ein sehr viel straighterer Actionfilm, als es die Funbombe G.I. Joe: The Rise of Cobra vor vier Jahren war. Dessen BOOM BOOM POW!-Feuerwerk mit durchaus ironischer Selbsteinschätzung weicht einer raueren, aber auch einfach weniger spaßigen Gangart. Wer’s lieber gritty und dirty mag: bitte. Den besseren Film bekommt man hier deswegen dennoch nicht automatisch.

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5 Kommentare

  1. Der größte Scheißfilm den ich seit langen gesehen hab, wenn man für das Geld in den Puff geht braucht man sich für den abend weniger zu schämen, als in diesen Witz von Film gegangen zu sein…

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