Review: GREEN LANTERN

GREEN LANTERN Filmkritik
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Seit den 1930er Jahren pflegen und forcieren die Comic-Großverlage Marvel und DC ihre freundschaftliche Rivalität. In Sachen Fanschar und –treue nehmen sich beide nicht viel, die einen schätzen die Identifikationsflächen, die Helden wie Spider-Man oder die X-Men bieten, die anderen mögen die abgründigen und im Vergleich interessanteren Schurken, denen sich Superman, Batman und co. zu stellen haben. Triumpfe, Rückschläge, kreative Errungenschaften, Missgeschicke, fantastische Storylines – auch das bieten Marvel und DC in ihrer Geschichte in annähernd gleichem Maße. Nur in einer Sache gehen die Verlage weit auseinander, nämlich was die Verfilmungen ihrer Stoffe anbelangt. Richard Donners Superman (1978) und Richard Lesters Fortsetzung (1980), sowie Tim Burtons Batman (1989) und Batmans Rückkehr (1992) legten zwar ein ganz wichtiges Fundament für die Formel und den Erfolg späterer Comicverfilmungen, die jeweiligen dritten und vierten Teile rissen dies aber auch postwendend wieder ein, ehe die Marvel-Verfilmungen X-Men (2000) und Spider-Man (2002) die Superhelden aus ihren Nischen pushten und Comicverfilmungen zu DEN Events des Kinojahres wurden. DC indes verlor überdeutlich den Anschluss und kann nicht mal im Ansatz auf ein derart etabliertes Filmuniversum blicken, wie es Marvel mit den X– und Spider-Sequels oder auch mit Iron Man, Thor und demnächst Captain America und dem großen Avengers-Film anlegte. DC stellt zwar inszwischen mit Christopher Nolans Batman Begins und The Dark Knight die zwei vielleicht besten auf Comics basierenden Filme, aber ansonsten? Wo bleiben Flash, Aquaman, Green Arrow, Wonder Woman usw.? Immerhin ein Mitglied des Avengers-Pendant Justice League schafft 2011 seinen Weg auf die Leinwand, der Ringträger Green Lantern. Ein erster Schritt, um zur Marvel-Konkurrenz aufzuschließen? Nö. Eher ein Rückschritt mit Anlauf. Und zwar für das gesamte Genre.

Story

Vor Millionen von Jahren schlossen sich verschiedenste außerirdische Zivilisationen zusammen, um unter dem Vorstand der unsterblichen Weisen das intergalaktische Green Lantern Corps zu gründen. Ausgestattet mit der grünen Macht des Willens, die sie über ihre Ringe nach Belieben beherrschen, kämpfen die furchtlosen Wächter für Frieden und Harmonie in den 3600 Sektoren des Universums. Doch nun herrscht Aufruhr in den Reihen des mächtigen Corps: das von der gelben Kraft der Angst genährte Wesen Parallax ist seiner Gefangenschaft entkommen und sinnt auf Rache an den Lanterns und ihrem Planeten Oa. Als der stärkste Krieger des Corps, Abin Sur, durch einen Angriff Parallax‘ tödlich verletzt wird und auf der Erde notlanden muss, sucht sich sein Ring unter den Menschen einen geeigneten Nachfolger. Die Wahl fällt auf den Testpiloten Hal Jordan, der bei seinen wagehalsigen Flugmanövern zwar keine Furcht kennt – aber auch keinerlei Sinn für Verantwortung besitzt. Ausgerechnet er soll als erster Auserwählter der jungen Menschenrasse zum Green Lantern werden. Während sich Parallax unaufhaltsam nähert…

Der Film



Die grüne Latüchte, ersonnen von Batman-Erfinder Bill Finger und Zeichner Martin Nodell, erschien erstmals 1940 auf der Comicbildfläche. Siebzig Jahre später schusterten ganze vier Autoren die Story der Filmadaption zusammen. Und die müssen wohl Teilnehmer an einer Fördermaßnahme für Seh- und Hörgeschädigte Drehbuchschreiber gewesen sein, anders als aufgrund erschwerter oder untauglicher Kommunikationskanäle lässt sich kaum erklären, wie ahnungslos vom Rezept des anderen da jeder so sein Buchstabensüppchen für sich zusammengerührt hat, ohne dass auch nur zwei Absätze aneinander passen. Regisseur Martin Campbell hat erwiesenermaßen alle Sinne beisammen, der Neuseeländer hat überzeugende Rehamaßnahmen für ins Straucheln geratene Helden wie James Bond (GoldenEye, Casino Royale), Zorro (Die Maske des Zorro) und Mel Gibson (Edge of Darkness) geleitet – nur leider muss im Falle von Green Lantern halt nichts und niemand rehabilitiert werden, hier muss eine Mythologie, ein ganzes Universum in ein anderes Medium transplantiert und belebt werden. Und daran scheitern Campbell und sein Taub-Blinden-Quartett im großen, 200 Millionen teuren Stil.

Detail- und Faktentreue gegenüber der Vorlage kann hier nicht geklärt werden (empfehlen kann ich dazu allerdings folgenden Artikel auf Screen Rant >Green Lantern: The Comic Books vs. The Movie), die Probleme des Films Green Lantern sind aber auch keine, die man seinem Quellmaterial zuschreiben muss. Das ist, ähnlich wie Marvels Thor in diesem Jahr, sicher nicht ganz einfach umzusetzen, ein Corps außerirdischer Wächter, die Macht des Willens in Grün, die gelbe Angst, sowas lässt sich nicht erden, wie Nolan es mit seinen Batman-Filmen vorgemacht hat. Da darf und muss ein Comicfilm dann wieder Comicfilm sein, das muss man ironisch brechen, ohne es lächerlich zu machen, da muss man noch so unwahrscheinliche Figuren jedoch schon ernst genug nehmen, um ihre Geschichte wenigstens in sich glaubhaft und zugänglich zu machen. Nichts von dem tut Green Lantern. Der patscht mal hierhin und mal dahin, mal in den grünen, mal in den gelben Farbtopf und alles, was auf der Leinwand kleben bleibt, soll die Story, sollen die Figuren, soll der Film sein. Interessant und aufregend ist nichts davon. Wenn Geoffrey Rush aus dem Off die einleitenden Worte spricht, dann öffnet sich keine bestaunenswerte Welt, da werden einfach nur die paar Variablen aufgesagt, die Green Lantern von anderen Comic- oder Fantasy-Streifen unterscheiden und die paar nötigen Behauptungen aufgestellt, um die Ereignisse um den Angst-absorbierenden Wolkenbösewicht Parallax in Gang zu bringen.



Nach der ersten kurzen Actionsequenz, die wie alle folgenden das »create whatever you can imagine«-Konzept der machtvollen Ringe kaum nutzt, geht’s statt in den Weiten des Universums auf der guten alten Erde weiter und der noch nicht wirklich heldentaugliche Hal Jordan wird vorgestellt. Wie des öfteren zuvor spielt Ryan Reynolds ein großes, durchtrainiertes Kind, hinter dessen vermeintlicher Verantwortungs-, Sorg- und Zwanglosigkeit natürlich ein unbewältigter Konflikt steckt, der für den Film überhaupt keine Bedeutung hat. Außerdem unterhält er eine gepflegte Hassliebe zur Pilotenkollegin Carol Ferris, was für den Film überhaupt keine Bedeutung hat und deren Vater will irgendein Geschäft mit voll automatisierten Kampfjets abwickeln, das durch Hals waghalsige Manöver zu kippen droht – und für den Film überhaupt keine Bedeutung hat. Ebensowenig wie Hals Familie, die er kurz darauf besucht und die man danach kein einziges weiteres Mal sieht, obwohl sie samt tränendrüsigem Neffen gleich gegenüber wohnt. All das rattert der Film nur so runter, das wenige an späterer Konsequenz zudem völlig vorhersehbar, so dass Green Lantern, wenn Hal wenig später in den Besitz von Abin Surs Ring kommt, die mit weitem Abstand uninteressanteste Heldenwerdung im gesamten Genre der Comicverfilmung bietet.

Denn der Film befreit sich nicht aus diesem nur scheinbaren Oxymoron des raschen Trotts. Green Lantern rast einerseits durch Szenen, Emotionen, deren Aufkommen und Wechseln, und Ereignisse, präsentiert in diesem gehetzten Takt aber nichts, das auch nur geringst Interesse weckend wäre. Manches, das wegen der großen Worte zuvor wichtig erscheint, wird in unter einer Minute abgehandelt, wie der kläglich scheiternde Angriff ein paar weniger Lanterns auf Parallax, ganze Jahre an angeblichen Freundschaften werden in einem Nebensatz als solche deklariert, so dass man, hört oder sieht man nur ein einziges Mal weg, bereits keinerlei Bindung der Figuren mehr nachvollziehen kann. Das beste Beispiel dafür ist noch nichtmal die lahme und dialogdämliche Beziehung zwischen Hal und Carol (die bekommt nämlich unverdientermaßen viel zu viel miserabel genutzen Platz), sondern der zweite Bösewicht des Films: Peter Sarsgaard spielt den Wissenschaftler Hector Hammond, der zur Obduktion von Abin Surs Leichnam gerufen wird und dabei mit der verderblichen gelben Macht Parallax‘ infiziert wird und der daraufhin mit deformiertem Riesenschädel, gedankenlesend und mit telekinetischen Kräften ausgestattet Green Lantern das Leben schwer macht. Und der Hal und Carol seit ihrer Jugendzeit kennt, heimlich in Carol verliebt ist, aber Hal stand immer im Weg und einen Papakomplex hat der gehemmte Hammond außerdem noch im Gepäck. Und wie gesagt: an einer Stelle mal nicht hingehört und das alles kommt wie aus dem Nichts, wenn es auf einmal ganz bedeutend für die Handlung sein soll…



Green Lantern versagt aber längst nicht nur bei den Figuren und der Story, beziehungsweise deren Erzählweise, sondern in gleichem Maße bei den Dingen, die es wenigstens noch ein bißchen rausreißen könnten: an beeindruckenden Schauwerten mangelt’s, der ferne Planet Oa kommt trist daher und annähernd 3600 Green Lanterns stehen die ganze Zeit nur untätig darauf herum, während ein planetenverschlingendes Unheil auf dem Weg ist. Die Action ist kurz und lahm, wie erwähnt werden die Möglichkeiten, die sich durch den Einsatz des Gedanken manifestierenden Ringes böten nie genutzt, nicht in der popeligen Trainingssequenz auf Oa, noch in den Kämpfen gegen Hammond und zum Schluss Parallax. Die Effekte sind mau, einige der CGI-Kreaturen wirken wie vor fünfzehn Jahren erstellt und nicht mehr rechtzeitig zum Filmstart upgegradet, da setzt vor allem Transformers 3 in diesem Jahr andere Standarts. Das unmotivierte Ein- und Ausblenden von Musik zur Pointierung witzig gemeinter Szenen erinnert schmerzlich an die ganz ähnliche Anwendungsweise der Spoof-Dilettanten Friedberg/Seltzer. Das gewaltig breit klaffende Logikloch, dass tausende von Lanterns nichts gegen Parallax unternehmen, ein einziger unerfahrener Mensch die Pupswolke aber mit einem simplen Bauerntrick übertölpelt, den er aus Iron Man geklaut hat – damit zieht’s der ganzen Nummer hier sowieso die Hose runter…

Für Ryan Reynolds ist Green Lantern die dritte Comicverfilmung nach Blade: Trinity und X-Men Origins: Wolverine, in der Indie-Tragikkomödie Paper Man gab er zudem den imaginären Captain Excellent. Als Hal Jordan steht der Sexiest Man Alive 2010 zum ersten Mal an vorderster Superheldenfront und bekommt von seinem Film leider keinerlei Rückendeckung. Der Reifungsprozess, durch den das Script ihn treibt, wird dieser Bezeichnung gar nicht erst gerecht, das ist ein Standpunktgehoppe, bei dem Reynolds immer die Position einnimmt, in der die platte Dramaturgie ihn gerade sehen will, mit Charakterentwicklung hat das nichts zu tun. Blake Lively kann sich nach dieser Performance die Silbe „un“ vor den Nachnamen klatschen, die ist nämlich so wenig lebendig, dass es schwer fällt, sie überhaupt wiederzuerkennen, wenn sie mal eine Weile nicht zu sehen war. Für einige im Ton völlig fehlgegriffene, aber für sich genommen wenigstens bemerkenswerte Momente schräger Düsternis sorgt Peter Sarsgaard, als dick überschminkte Aliens dürften Mark Strong und Temuera Morrison froh sein, wenn man sie zumindest optisch nicht sofort mit diesem Flachwerk in Verbindung bringt. In einem Jahr der mäßigen bis schlechten Comicverfilmungen ist Green Lantern (hoffentlich!) der absolute Tiefpunkt.

Wertung & Fazit

Action: 2/5
»Create whatever you can imagine«, heißt es im Film. Joa, und dann kommt halt so gut wie nix. Die Action zieht schnell vorüber und ist jederzeit unspektakulär, BESONDERS der Endkampf ist LÄCHERLICH.
Spannung: 0/5
Laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangweilig.
Anspruch: 0/5
Keine Logik, kein Sinn, kein Verstand, gar nichts…
Humor: 0/5
Ein einziger ganz guter Gag.
Darsteller: 1,5/5
Die können ja eigentlich gar nichts dafür und bei den meisten stimmt zumindest der Einsatz.
Regie: 0,5/5
Fahrige Inszenierung, wie man sie von Campbell eigentlich nicht kennt. Natürlich kann auch ein Bond-Regisseur aus einem Script solcher Anti-Güte nicht mehr viel rausholen, aber derart lieblos muss man’s auch nicht runterfilmen.
Fazit: 0,5/10
Nicht ganz die Morastregion, in der Batman & Robin seinerzeit herummatschte, aber gleich um die Ecke angesiedelt: Green Lantern ist die schlechteste Comicverfilmung der letzten Jahre. Ein Schritt zurück für’s Genre in Zeiten, in denen man bunt kostümierte Superhelden höchstens herablassend belächelt hat.

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15 Kommentare

  1. Mhhh, gut wirklich was erwartet hab ich von dem Film auch nicht. Vielleicht schau ich ihn mir mal auf DVD an, wenn die Videothek überhaupt nix anderes zu bieten hat. 😀

    1. Kannst auch auf die TV-Ausstrahlung warten. Und dich über die Werbeunterbrechungen freuen 😉

    1. Reynolds ist für mich einer, zu dem ich irgendwie gar keine Meinung habe – was sich von Film zu Film auch nicht ändert und eigentlich noch weniger für ihn spricht, als wenn ich ihn nicht mögen würde. Just another random handsom guy 😉

    1. Jaaa… da sind wir popkulturell entsprechend geprägten Jungspunde halt unverbesserlich. Aber ich bin schon froh, wenn’s sich nach Cap Am dieses Jahr erst mal hat mit Comicverfilmungen. Und nächstes Jahr kommt TDKR und der reißt alles raus 🙂

  2. Ui, genau das habe ich mir irgendwie gedacht. Ich fand allein schon den Trailer sehr lachhaft. Hatte gestern aber tatsächlich auch überlegt, den zu gucken. Habe mich dann aber doch (wie man bei mir lesen kann 😉 ) für “Confessions” entschieden. Ein Film, den ich nur wärmstens empfehlen kann… ganz im Gegensatz zu der grünen Leuchte 😀

    1. Ja, und genau der lachhaft-miese Eindruck des Trailers wird durch den Film konsequent bestätigt. Hätte mir im Nachhinein verständlicherweise auch lieber was anderes gegönnt. Schlimmer hätt ich’s zumindest nicht erwischen können 😉

    1. Tja, so richtig wird das wohl für Warner und DC nix mehr. Wenn für Nolan mit Bats Schluss ist und falls Snyder den neuen Supes versemmelt… – dann sieht’s arg duster aus

    2. Gut ich bin eh mehr de Marvel Fan..ausser bei Batman, dass sind einfach die härteren Typen

  3. Der wird sowas von geschaut! Einfach für den Effekt des Fremdschämens und Bespassens. Ich erwarte schon erst gar nix von dem Film. 😉

    1. Anders als mit gaaaaanz weit herunter geschraubten Erwartungen lässt der sich auch nicht angehen. Obwohl mir das auch nicht geholfen hat… Betrachtet man aber mal unsere letzten Ungemeinsamkeiten dürfte der bei dir trotzdem noch auf 6, 7 Punkte kommen 😉

    2. Naja, X-Men:FC hast du ja auch keine 0,5 Punkte gegeben 😉 Der wird bei mir schon aus Prinzip wenig Punkte abräumen, und wenn, dann für Action, und lustige Nebendarsteller (Temuera Morrison, Taika Waititi und Geoffrey Rushs Stimme ;)).

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