IRON MAN 3: Kritik zu Shane Blacks MCU-Blockbuster mit Robert Downey Jr.

Dow dow dowdowDOW! Dadadada dadada DOW DOW DOW!♫ Der dicke-Hose-Riff aus Black Sabbath’ Song Iron Man dürfte seit ein paar Jahren der Kopfsoundtrack diverser Marvel-Verantwortlicher sein, ist’s doch die perfekte Vertonung zum arschtretenden Triumpf ihres Cinematic Universe und dessen Phase One. Mit dem ersten Iron Man und The Incredible Hulk ging’s 2008 bereits bombig los, dem Iron Sequel folgten Thor und Captain America, ehe die große Avengers-Zusammenkunft mit ihren anderthalb weltweit eingespielten Milliarden mal eben den kommerziellen Olymp der Comicverfilmungen stürmte. Allerdings: den dicksten Batzen an diesem Hypererfolg verdienen sich fraglos der Eisenmann und Robert Downey Jr. Der Donnergott aus Asgard, der schildschwingende Superpatriot und auch der grüne Wüterich rockten die Show in ihren bisherigen Solos nicht so übermäßig, weshalb nun auch die anstehende Phase Two bis hin zur Wiedervereinigung der Avengers im Mai 2015 ihr vermeintlich sicherstes Pferd in Gestalt des Marke Eigenbau-Helden aus dem Stall lässt: Iron Man 3 läutet den Auftakt der zweiten Phase ein, inszeniert von Lethal Weapon-Autor Shane Black, der Schraubenzieher und Lötkolben von Jon Favreau übernimmt – und eine ganz schwierige Kiste liefert…

Story

Rückblick: an der Seite weiterer Helden konnte Tony Stark alias Iron Man die außerirdische Streitmacht der Chitauri besiegen und den Halbgott Loki zurück schlagen. Doch die Ereignisse von New York haben das Leben des lockeren Lebemannes endgültig verändert. Schlaflosigkeit, Selbstzweifel und Panikattacken plagen Stark und er flüchtet sich in die Konstruktion und den Bau Dutzender neuer Iron Man-Anzüge. Gleichzeitig wird Amerika von einem Terror skrupellosesten Ausmaßes heimgesucht. Mit Anschlägen auf die Zivilbevölkerung lässt der geheimnisvolle Mandarin das Land erzittern, auf politischer Ebene scheint man diesen Gegner nicht bezwingen zu können. Schließlich richtet Stark seinen inneren Groll gegen den Mandarin – und bezahlt teuer dafür. Der terroristische Machthaber nimmt den tüftelnden Milliardär ins Visier und zerstört dessen gesamtes Leben und Schaffen. Erneut muss Stark sich die Frage stellen: wer ist er ohne seinen Anzug?…

Die Filmkritik


Das Gute zuerst: ein paar Farbwischer vom Nolan-Anstrich kleben an Iron Man 3, der Einfluss des Briten und seiner Dark Knight-Trilogie auf das Comicgenre hat halt tiefe Wurzeln geschlagen, ABER die Eisenmann-Serie bleibt dennoch zuvorderst ein Fun Blockbuster, ist bei aller aufkommenden Schwernis sogar der witzigste Film der Reihe. Wieder mal eine Robert Downey Jr.-Show, die noch längst keinen Rost angesetzt hat. Der reine Unterhaltungswert von Iron Man 3 tendiert in Sachen Wortwitz und der meistens herausragend gehaltenen Balance zwischen dem Ansatz einer Psychostudie des panischen Helden und auflockernden Lachern mühelos in die Wertungsregionen der Vorgänger oder des Megaspektakels The Avengers. Und trotzdem: da kriechen Metalwürmer durch das Gerüst von Shane Blacks Film, nagen an einzelnen Schrauben und Muttern herum und genau wie Starks Prototyp des Mark 42 fällt Iron Man 3 immer wieder auseinander, muss sich immer wieder neu zusammensetzen und erreicht nie seine volle Leistungskraft. Den plot points fehlt Schmiere, den Twists quietschen die Gelenke und dieser Auftakt zu Marvels Phase 2 hat ein paar hässliche Einzelbausteine in seiner Gesamtkonstruktion, denen auch mit Lack und Politur nicht geholfen wäre.

Iron Man 2 litt ein bißchen darunter, viel Zuarbeit für die Avengers leisten zu müssen, und Iron Man 3 ist nun seinerseits die Nachbetrachtung und Ausarbeitung einer Frage Captain Americas aus Joss Whedons Milliardenhit: was ist Tony Stark, nimmt man die Rüstung weg? Genie, Millionär, Playboy, Philanthrop lautete dessen eitel-dreiste Antwort, das genügt mittlerweile aber nicht mehr: das Aufeinandertreffen mit Supersoldaten, Halbgöttern aus Asgard und einer zerstörerischen außerirdischen Macht hat Spuren hinterlassen und Starks zusammengeschrumpfte Selbstwahrnehmung als Mann in einer Blechdose und seine Abhängigkeit von dieser High Tech-Ummantelung wird in Iron Man 3 abgehandelt, wie ein brutaler, eiskalter Entzug. Tony Stark müsste der Film eigentlich heißen, das ist keine Superheldengeschichte über das Hineinwachsen in die Verantwortung der Maske, kein ihr gerecht werden or whatever – das ist ein Film über das Hervortreten, der Schritt aus dem Schatten der Maske. Gar nicht uninteressant, das. Nachteil jedoch: Iron Man 3 löst sein simples Titelversprechen nicht ein. Starks Technik ist mittlerweile so weit, dass er die Suits via Headset steuern kann oder sie sich gleich vollständig autark bewegen, vernetzt durch ein zentrales Gehirn, die Computerstimme Jarvis. Stark selbst IM Anzug in Action: weniger häufig als noch in den ersten beiden Filmen. Befremdlich, dieser hochezüchtete Technizismus, zu dem sein Schöpfer in Sucht wie Abnabelung zugleich agiert und der einem grundlegenden Merkmal der gesamten Superheldengeschichte das Fundament zerbröselt, wenn hinter dem Superhelden plötzlich der Mensch fehlt. Ein ständiges Element von Iron Man 3: leere Hüllen und der Zweck, zu dem sie taugen.

Wenig Iron Man in Iron Man 3 also, dafür viel Iron und viel Man getrennt voneinander. Einen ausgiebigen Teil der Handlung muss sich Stark ohne seinen schützenden Panzer durchschlagen und Downey Jr. sei Dank klappt das. Neben den Star stellt Buddy-Experte Shane Black mit Gwyneth Paltrow, Don Cheadle und dem zwölfjährigen Ty Simpkins gleich mehrere Partner auf den Rückweg zum Ich und dem »who am I?«. Die dauerkabbelnde Dynamik mit Paltrow sitzt seit jeher bombig, Cheadle bekommt weit mehr als bisher zu tun, die Überraschung aber ist der Handlungsteil mit Simpkins: der hadernde Heroe bekommt ein Kind an die Seite und die Unschuld der Jugend reinigt seine Seelenpein – in so eine banal-ausgelutschte Richtung zielt das manchmal, und dann hauen sich der Bursche und Downey Jr. plötzlich solch freche Wortgefechte um die Ohren, dass es immer im rechten Moment einen vitalisierenden Schub weg von Kitschgefasel und »ja nee, is klar…«-Konstruiertheiten bewirkt. Was Iron Man 3 in Form von Humor und natürlich den Actionszenen auch dringlichst nötig hat. Denn heiliges Blech, wie ungeschickt arrangiert sind denn bitte für sich betrachtet die Storydetails?! Ein Spannungsbogen fehlt dem Film komplett, mathematische Grundkenntnisse im einstelligen Additionsbereich genügen hier vollends, um aber wirklich alles, um was Iron Man 3 seine kleineren und größeren „Geheimnisse“ spinnt in einen Zusammenhang setzten zu können. Abgesehen von einer Sache. Und die ist die Rechtfertigung für die im Einleitungsabsatz gefällte Einstufung des Films als „schwierig“.

Iron Man 3 macht etwas mit seinem main villain. Und entweder ist das brilliant, gewagt und revolutionär – oder es ist die dümmste Idee, die jemals eine Comicverfilmung für ihren Schurken hatte. Ben Kingsleys Portrait des Mandarin, in der Comicvorlage einer DER Erzfeinde Starks, ist – ungewöhnlich. Der Schurke wird anfangs ausschließlich über extremistische Videobotschaften transportiert, wie man sie aus den Nachrichten rund um den realen Terror eines Osama bin Laden kennt, und was der 1,73 Meter kleine Kingsley hier mit seinen Drohungen, Hasstiraden und Lektionen allein mit seiner Stimme an einschüchternder Imposanz auffährt, lässt mindestens auf den bisher besten Bösewicht der Reihe hoffen. Bis, ja bis… alles weitere wäre schlimm gespoilert. Nur soviel: ab einem bestimmten Punkt in der Handlung, wie überraschend er auch kommen mag, tatsächlich ein richtiger »what the fuuuuuck?!?!«-Moment, fällt Iron Man 3 in ein extrem rudimentäres Schurkenbild, an das der Film zwar einen polit-aktuellen Bezug knüpft (den allerdings ein Arlington Road oder ein Wag the Dog bereits vor über zehn Jahren vorwegnahmen), das dem Ganzen aber ein vielfaches mehr an dem Potenzial kostet, das der Mandarin eigentlich mitbringt. Nichtmal jede seiner catchphrases aus den Trailern darf Kingsley im eigentlichen Film unterbringen (wo waren die gänsehauterregend artikulierten »Heroes… there is no such thing« und »Do you want an empty life… or a meanigful death?«), stattdessen wird sein Auftritt in völlig anderer Weise in die Annalen der Comicschurkerie eingehen. Und wie gesagt: das ist entweder brilliant – oder beleidigend und enttäuschend dumm. Keine Ahnung, ganz ehrlich.

Iron Man 3, der Auftakt der Blockbuster Season 2013, der Auftakt zu Marvels Phase 2 – schwieriges Ding. Die Action ist gut, aber oft dennoch „nur“ gewöhnlich (abgesehen von der Zerstörung der Stark-Villa, dat fetzt jut), der Showdown ein recht undramatischer Explosionsorkan mit schwachem Schurkenabgang, mündend in einen Epilog, der es gemessen an der Wichtigkeit seiner Ereignisse plötzlich viel zu eilig hat. Der Film hinterlässt ein Feld, von dem unklar ist, wie Marvel es künftig zu beackern gedenkt und so wirklich gut getan hat es der Iron Man-Reihe nicht, Teil dieses großen Kosmos zu sein. Die ersten beiden Teile waren High Tech-Science Fiction, aber in einer realen Welt zumindest vorstellbar, im Gegensatz zu dem, was der Rest des Heldenensembles für das Cinematic Universe etablierte und dessen aftermath Iron Man 3 nun irgendwie verarbeiten muss und über diese Verpflichtung hinaus keine uneingeschränkt gelungene eigene Geschichte erzählt bekommt. Als »technological crisis thriller, set in the world of international war, arms & terror« wurde der Film anfangs beschrieben, er ist aber mehr ein personal crisis thriller und dieser world of international war, arms & terror drumherum fehlen definiertere Bilder, eine klarere dramaturgische Linie. Den Rest schultert ein gewohnt grandioser Robert Downey Jr., der hier mehr gute Sprüche als Raketen oder Repulsorstöße abfeuert.

Wertung & Fazit

Action: 3.5/5

Dem Film fehlt DER ultimative Moment. Die Action ist reichlich, aber auch reichlich gewöhnlich. Die Extremis-Schurken sind fad, der Showdown nicht unbedingt enttäuschend, hätte mit Iron Man-Suits im Dutzend aber dennoch mehr bieten können.

Spannung: 1/5

Unterhält durchgehend, aber nicht aufgrund ausschlagender Spannungs-Messer. Der Extremis-Plot (in obiger Kritik bewusst ausgespart) ist kleinteilig, darin aber völlig durchsichtig.

Anspruch: 0.5/5

Tony Stark mit Psychoknacks, dazu ein paar Politbezüge, aber vorwiegend ein reiner Fun Blockbuster – okay so.

Humor: 3/5

Jawollo, hier punktet Iron Man 3, Starks Sprüche zünden fast alle, an die erinnert man sich nach dem Film eher, als an jedwede Krawallszene oder sonstwas.

Darsteller: 4.5/5

Robert Downey Jr.’s one man show bekommt diesmal mehr Unterstützung und die Buddy-Dynamik macht sich gut. Dennoch ist der Star schillernd und herausragend wie immer.

Regie: 3/5

Vom Ton her inszeniert Shane Black nicht groß anders, als Jon Favreau es bisher getan hat und wohl auch hier getan hätte. Die Buddy-Elemente sind ‘ne nette zusätzliche Würze, ansonsten ist das eine solide Comic-Blockbuster-Regie.

Film: 6.5/10

Von dritten Teilen ist man gerade im Bereich Comicverfilmungen schlimmes gewohnt. Doch siehe da: das Kino lacht, das Kino klatscht – also, alles richtig gemacht, Iron Man 3? Ja, auf der obersten Ebene der Unterhaltungspflicht schon ziemlich viel, darunter wird’s aber mindestens diskussionswürdig. Ein Superheldenfilm, der die Bilder von Helden und Schurken irgendwie fast schon konterkariert und exzessiv daran herum manipuliert, seiner Story dadurch aber keinen Gefallen tut.

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7 Kommentare

  1. Hui, da war ja jemand – ausnahmsweise mal – nicht sonderlich vom Action-Blockbuster angetan. Schade, für mich war das der bisher beste “Iron Man”- bzw. Marvel-Film (Singers “X-Men”, Raimis “Spider-Men” und Lees “Hulk” außen vor).

    1. Da verweise ich mal auf’s letzte Jahr: “The Amazing Spider-Man” 5,5/10, “TDKR” 7/10 (nach Zweitsichtung mit deutlicher Tendenz nach unten), “Skyfall” 6/10. Also so ganz neu ist das “nicht angetan sein” nicht im Action-Blockbuster-Bereich 😉

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