Review: OPERATION: ENDGAME

Klingt eigentlich nach gelungenem Material: 2004 kam ein Drehbuch mit dem Titel The Rogues Gallery bei der Scriptapalooza Annual Screenwriting Competition ins Finale, zudem ergatterte die Geschichte um zwei rivalisierende Agenten-Teams den zweiten Platz beim 1st Screenplay Shootout und war gleichauf mit dem Gewinner im Bereich Best Comedy beim Screenwriting Expo 3 Screenwriting Contest. Und auch wenn man von diesen Wettbewerben möglicherweise noch nie etwas gehört hat: Autor Brian Watanabe dürfte sich gefreut haben und es sind ja beim besten Willen nicht immer nur Oscars und GoldenGlobes, bei denen Ehrungswürdiges geehrt wird. Wie dem auch sei, Watanabes Script ging recht zügig in die Hände von Darko Productions, musste jedoch mehrere Jahre darauf warten, produziert zu werden. Mit einigen von Watanabe selbst und anderen Autoren vorgenommen Änderungen kam aber schließlich unter Leitung des Regie-Debütanten Fouad Mikati ein recht beschaulicher Cast von Zweite-Reihe-Stars und Fan-Lieblingen zusammen, so sah Watanabe sein Projekt unter anderem mit Maggie Q (Mission: Impossible 3), Ving Rhames (Pulp Fiction), Emilie de Ravin (Lost) Zach Galifianakis (The Hangover) und Ellen Barkin (Ocean’s Thirteen) Gestalt annehmen. Eine beeindruckende Riege von Darstellern, die wohl alle in der Lage gewesen sein müssen, sich all das unter dem in Operation: Endgame umbenannten Film vorzustellen, was er nicht geworden ist…

Story

Es ist der Tag der Amtseinführung Barack Obamas und gleichzeitig der erste Arbeitstag eines unerfahrenen jungen Typen in einem ganz besonderen Büro: die sogenannte Firma ist eine streng geheime Truppe von Regierungs-Agenten, aufgeteilt in die Teams Alpha und Omega, die sich gegenseitig regulieren sollen. Während das Alpha-Team für Interventionen aller Art und mit allen Mitteln zuständig ist, hat Omega die Aufgabe, die Killerbande auf eher bürokratischem Wege einigermaßen im Zaum zu halten. Wie all seine Kollegen bekommt der Neue seinen Decknamen aus einem Tarot-Kartenset und ist fortan als The Fool bekannt. Doch schon am ersten Tag läuft alles schief: der Chef der Teams, The Devil, wird in seinem Büro ermordet, der gesamte unterirdische Komplex wird abgeriegelt und ein Countdown beginnt, nach dessen Ablauf ein paar Napalm-Sprengsätze die Teams zur Hölle schicken werden. Die haben indes nichts besseres zu tun, als sich auf der Suche nach einem Ausweg gegenseitig abzumeucheln…

Der Film



Nach seiner Premiere beim American Film Market im November 2009 reichte es für Operation: Endgame anschließend nur für einen Limited Release in den USA, dem nur elf Tage später die DVD-Premiere des Films folgte. Selbige folgt im April 2011 auch in Deutschland und die Tatsache, dass der tendenziell unbekannte Hauptdarsteller Joe Anderson nicht mal auf dem von Nebendarsteller Galifianakis dominierten Cover auftaucht und das Ganze auch noch als marketingförderlicher Extended Cut verkauft wird sagt so einiges über den Film aus. Der lässt zwar noch einiges von dem erkennen, was die Scriptapalooza- und Screenwriting Expo-Jurys darin erkannt haben mögen, aus den vorhandenen Möglichkeiten wird aber spätestens in letzter Konsequenz nichts mehr herausgeholt und Operation: Endgame scheitert in all seinen ordentlichen Ansätzen. Dabei ist die Szene, deren 138 Sekunden als einzige den Zusatz „Extended Cut“ rechtfertigen sollen, sogar noch mit die beste: die alternative Eröffnung des Films, in der Neu-Agent The Fool in einer Art Vorstellungsgespräch von einer Bürokralle mit allerlei merkwürdigen Fragen konfrontiert wird, ist schon ganz amüsant.

Auch bleibt die grundsätzliche Idee erstmal ganz nett, als The Fool zu den Agenten-Teams stößt, die sich, statt sich sinnvoll zu ergänzen und Hand in Hand zu arbeiten, im Prinzip nur gegenseitig im Weg stehen und höchst misstrauisch und abwertend begegnen. Wieso die sich nicht schon längst alle niedergemacht haben bleibt die Frage. Das typische Newbie-steigt-überfordert-irgendwo-ein-Szenario bringt wie üblich viel erklärenden Dialog mit sich, der aber zumindest durch Asia-Action-Beauty Maggie Qs pure (wenn auch erschreckend dürre) Anwesenheit und Rob Corddry als cholerisch-pöbelnden »I’m sick of ths shit«-Klischee-Charakter aufgelockert wird. Die Vorstellung der einzelnen Team-Mitglieder klatscht an jedes eine wenig wiedererkennungstaugliche Eigenschaft, die so schnell wieder vergessen ist, wie sie später sowieso keine Rolle mehr spielt. Die Ermordung des Chefs The Devil durch ein paar Bleistifte in der Brust bringt schließlich die „Story“ für die restliche Stunde des Films in Gang, die nur noch daraus besteht, dass sich die psychotischen Agenten gegenseitig wegmetzeln…



…was ja, als grotesk-überzeichnetes Blutbad, zu dem jeder Agent seine individuellen Kill-Moves einbringt, auch den Spaß hätte machen können, den es versprach. Aber genau hierin fällt Operation: Endgame am unbefriedigendsten aus. Zwar gehen sich die möchtegern-illustren Figuren wie Chariot, Empress, High Priestess und Magician mit allerlei zweckentfremdetem Bürobedarf wie Scheren und Stuhlbeinen an die Gurgeln, das aber trotz einiger heftiger (und nicht selten von miesen CGI-Tricks versauter) Gore-Einlagen total unspektakulär. In keiner Auseinandersetzung drückt sich irgendwie der Charakter der Figuren aus, von denen sie bestritten wird, keiner setzt hier zu einer besonders erinnerungswürdigen Tötungsmethodik an, die kurzen Fights sind undynamisch, schlecht choreographiert (besonders Ellen Barkin ist entweder zu ungelenk oder schlicht zu alt, um solche Aktionen ohne Stunt Double hinzulegen) und teils unharmonisch geschnitten, so dass einige Figuren immer mal wieder viel zu plötzlich verschwinden, nur um wieder um die Ecke zu kommen, wenn es dem Film gerade besser passt. Und obwohl mit dem von Zach Galifianakis‘ gespielten, super gefährlichen Diabetis-Attentäter Hermit sogar noch ein paar Slasher-Elemente im wirren Agenten-Dahinscheiden auftauchen mangelt es komplett an der Spannung zwischen den eingepferchten Alphas und Omegas, sowohl untereinander, als auch auf die Bedrohung durch die tickende Bombe oder die wahren Hintergründe bezogen.

Und wenn Operation: Endgame schon nicht genügend gute Action und keinerlei Spannung bietet, dann ist er sich auch gleich zu schade, um lustig zu sein. Rob Corddrys rotzige Sprüche bleiben schnell aus, die um politische Bezüge bemühten Gags, wie zum Beispiel der, dass The Fools scharfe Ex-Flamme Temperance sich mit und ohne beruflichen Grund sämtliche Löcher von Bill Clinton, Wladimir Putin und dem Dalai Lama hat stopfen lassen, sind genau das: bemüht. Einzig Michael Hitchcock und Tim Bagley als Überwachungsbeamte, die das Agentenmassaker über ihre Monitore verfolgen, bringen ein bißchen Ironie ein. Ansonsten herrscht Monotonie, die durch die Story limitierten Sets mit den spärlichen Bürokammern, Archiven und nackten Fluren wären sicher ganz atmosphärisch zu inszenieren gewesen, langweilen nach kurzer Zeit aber nur noch. Nach ebenso kurzer Zeit verabschieden sich die größten Namen der Besetzungsliste auch schon wieder, beziehungsweise tauchen nur so sporadisch bis kurz vor die völlige Überflüssigkeit ihrer Figur auf. Ving Rhames und Maggie Q, erfahren in Action-Krachern wie Mission: Impossible und Stirb langsam 4.0, werden sicher am deutlichsten verschenkt und auf Anwesenheit reduziert, während Emilie de Ravin als soziopathisch-kichernde Irre immerhin ein recht überzeugendes Bewerbungsvideo liefert, um irgendwann mal in einem Batman-Film Harley Quinn zu spielen. Hauptdarsteller Joe Anderson bleibt blass, Ellen Barkin ist immerhin überzeugend fies, Odette Yustman ist hübsch und zwischendurch halbnackt, ansonsten completely pointless, Galifianakis macht gewohnt in schräg.



Operation: Endgame versucht ganz viel, um ein knurrig-sarkastischer Comedy-Actioner mit scharfen politischen Spitzen Richtung Bush-Regierung (der beste Spruch, der dem Film dazu einfällt: »Can you believe this? 70 years of government fuckups all in one room. I bet you half of these are from the past eight years.«) und US-Geheimdienste zu sein, bei dem Wort „Versuch“ bleibt es dann aber auch. Das mag auf dem Papier noch ganz überzeugend gewesen sein, sowohl für Drehbuch-Prämierer, als auch die Darsteller, wird aber mit der kläglichen Inszenierung Fouad Mikatis nie mehr, als ein zwar noch halbwegs guckbarer, aber unrythmischer und kaum erwähnenswerter Un-Actioner mit Un-Comedy, bei dem niemand auf die Besetzung oder den lächerlichen Extended Cut-Stempel reinfallen sollte.

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Es wird zwar viel gekloppt, gestochen und auch (mit schlechten CGI-Effekten) explodiert, aber das Ganze in stümperhaft choreographiert und trotz gewisser Härte ohne jeden Reiz.
Spannung: 0,5/5
Es ist wirklich allerhöchstens ein gaaaaaaaaaanz klein bißchen spannend zu verfolgen, wie das bißchen an Story nun genau zusammenhängt.
Anspruch: 0/5
Fehlanzeige.
Humor: 0,5/5
Es ist wirklich allerhöchstens ein gaaaaaaaaaanz klein bißchen lustig zu verfolgen, wie sich die Teams gegenseitig auseinandernehmen.
Darsteller: 2,5/5
Nette Namen, aber entweder nicht die Fähigkeiten, oder die Möglichkeiten, etwas aus den platten, austauschbaren Figuren zu machen. Trotzdem mit der einzige Lichtblick des Films.
Regie: 1/5
Durchgehend schwach, ohne besondere Einfälle oder Kniffe. Nichtmal solide Routine, einfach schwach.
Fazit: 2,5/10
Keine der DVD-Premieren, der man einen Kinostart gegönnt hätte, sondern eine von der Sorte, die auch auf irgendeinem Nischensender im Spätprogramm ausreichend aufgehoben wäre.

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6 Kommentare

  1. dieser film klaut unbarmherzig den roman “last order” von duane lewis und ich kann noch nicht einmal erkennen, daß darauf verwiesen wird.

    und – er ist eine verdammt schlecht, sprich hollywoodisierte fassung, die von der stringenz seiner vorlage nichts mehr übrig läßt – nur noch der unfassbare speed von lewis ist erhalten.

    viel zu viele personen, sinnloses happy end, keine ahnung, warum da obama eingebaut ist.

    lieber mal das buch lesen oder das hörbuch hören!

  2. … und das Ganze NATÜRLICH (!) in CinemaScope… *GÄHN* Jeder Furz wird heute in Breitwand gedreht. Lächerlich! —> 😀

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