Review: SAFECRACKERS

SAFECRACKERS Filmkritik

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Der Film

Nach dem Drama Pieces (1997) und dem Kurzfilm The Kiss (2001) ist Safecrackers im Jahr 2002 die erste wirklich Beachtung weckende Regiearbeit der Brüder Anthony und Joe Russo. Zu verdanken haben sie dies besonders George Clooney und Steven Soderbergh, die soviel Gefallen am Drehbuch der Russos fanden, welches mehr oder weniger lose die Filme Soliti ignoti (Italien, 1958) und Crackers (USA, 1984) zitiert, dass sie es zum dritten Projekt ihrer gemeinsam gegründeten Produktionsfirma Section Eight erwählten. Heraus kam dabei eine Art Anti-Ocean’s Eleven (während dessen Entstehung Clooney und Soderbergh auch auf die Russos stießen), der den eleganten Glamour der Gentleman-Gauner aus Las Vegas gegen einen Haufen Loser im kleinen Kaff Collinwood tauscht. Weniger unterhaltsam als der große, wohlhabende Bruder ist der kleine, kellerbodenständige Safecrackers aber kaum.

Cosimo, gerade erst wegen Autodiebstahls im Knast gelandet, erfährt dort von einem todsicheren Coup zur Erbeutung eines Vermögens. Seine Freundin Rosalind soll einen ‚Molinski‘, einen Sündenbock, der Cosimos Schuld auf sich nimmt, beschaffen, wodurch nach kurzer Zeit aber versehentlich fünf bedürftige Kleinganoven von dem Plan wissen. Dank einer List des gerissenen Pero bleibt Cosimo im Gefängnis und so planen er und Riley, Leon, Toto und Basil mithilfe des altgedienten Safeknackers Jerzy Antwerp das Ding ihres Lebens. Nur leider hält sich dabei jeder der Gernegroßes für schlauer, als er ist…



Angesiedelt im heruntergekommendsten Arbeitermilieu eines ranzigen Clevelander Vorortes bietet Safecrackers ein Panoptikum der absurden Kuriositäten und Schicksale des ganz kleinen Mannes, dem einzig hochtrabende Ideen vom ganz großen Coup bleiben, um sich überhaupt am Laufen zu halten. Jeder hat hier seinen ‚Bellini‘, seinen Plan vom einfachen Geld, seinen Ausweg aus allen Sorgen der Unterschicht. Und mit einer ordentlichen Portion beißender Ironie und bitter-schwarzem Humor, die aber niemals auf Kosten der Symapatie für ihre Figuren gehen, lassen die Russos jeden an Dummheit, Ungeschick oder schlichtem Pech daran scheitern. Mit gerade einmal 82 Minuten Lauflänge ist Safecrackers ein kurzer, schnörkelloser und garantiert kein extravaganter Film. Mit gutem Tempo geht die Handlung voran und benötigt nicht viele Szenen der abgebrannten Helden, um ihre Dilemmata zu transportieren und ihre Motivation ersichtlich zu machen. Sehr zurückgehalten und mit genügend Distanz abgebildet, um nicht zur Sozialstudie zu werden oder gar in Rührseligkeit zu verfallen, steht bei Safecrackers der beinahe voyeuristische Spaß am Scheitern anderer im Vordergrund.

Das gut aufgelegte Ensemble von Verlierern, die sich von allen Rückschlägen nicht unterkriegen lassen wollen, driftet dabei nie so weit ins Bemitleidenswerte, dass das Amüsement abzubrechen droht, womit den Russos der schwierige Spagat zwischen Schadenfreude und Anteilnahme glückt. Dies gelingt allerdings auch durch eine teils gänzlich ausgesparte Charakterisierung der Protagonisten und einen leichten Hang zur beabsichtigt-unnatürlichen Skurrilität. Dass sich Safecrackers somit um eine ausgefeiltere Dramaturgie herummogelt und ein recht plakatives Vergnügen bleibt, dafür entschädigen die Schauspieler absolut. Der neurotisch-zaudernde William H. Macy, den halben Film mit Baby vor der Brust unterwegs, Sam Rockwell als verkappter Frauenheld mit Hang zur gepflegten Selbstüberschätzung, Isaiah Washington als snobistischer Anzugträger, oder eine der vielen feinen Ergänzungen wie Michael Jeter, Luiz Guzmán, Patricia Clarkson oder der rollstuhlfahrende Clooney – sie alle sorgen für Witz und ein wohliges Gefühl treuherziger Unbedarftheit, die in Collinwood ihren Platz in der Welt gefunden hat.



Die letzte Phase des Films, in der der ach so simple Einbruch über die Bühne gehen soll, fährt dann ein richtiggehendes Bombardement an Peinlichkeiten auf und zu beobachten, wie dem Quartett wirklich jeder Handgriff misslingt, ist erfüllt von geradezu drolliger Köstlichkeit. Hier schöpfen die Russos das Gagpotenzial aus und das Geschehen hält einen bei permanentem Schmunzeln. Dies mag Safecrackers nicht über die volle Distanz gelingen und letztlich bietet sich eigentlich kein Moment zum längeren Verweilen im Gedächtnis des Zuschauers an und wird die Gewichtung auf die einzelnen Handlungsstränge auch nicht ganz optimal verteilt. Ein für die Zeit, die er sich erbittet, höchst vergnüglicher und sehenswerter Film ist er dennoch und wenigstens das sei den armen Tröpfen, die sich am Ende ihren eigenen Unzulänglichkeiten geschlagen geben müssen, doch gegönnt.

Fazit: 7,5/10

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