SCHLUSSMACHER: Kritik zur Beziehungskomödie von und mit Matthias Schweighöfer

Story

Zwanzigirgendwas Paul Voigt ist der aufstrebende Top-Mann einer professionellen Trennungsagentur. Seine Aufgabe: im Auftrag eines nicht mehr beziehungswilligen Partners galant, aber wirkungsvoll Schlussmachen, pragmatische Ratschläge und ein aufmunterndes Paketchen inklusive. Paul ist nur noch eine Woche und wenige Partnerschaftsbeendigungen von der 1.000 Trennung in gerade mal zwei Jahren entfernt, womit ihm ein Aufstieg zum Partner seiner Agentur winkt. Der Champus ist schon kalt gestellt und das neue Luxusloft erworben, als er im Auftrag der attraktiven Katharina Dreher (und mehr noch im Willen ihres Vaters) an den sensiblen Schrägling Thorsten „Toto“ Kuhlmann gerät. Der vermutet zunächst die versteckte Kamera, als der Trennungsagent ihm vom Ende seiner großen Liebe erzählt und ihn höflich, aber bestimmt der Wohnung verweist. Schließlich aber steht Toto mit seiner Anti-Allergie-Bettwäsche und Yucca-Palme doch vor der Tür – und zwei Selbstmordversuche später in Pauls Wohnung. Als der seinen Führerschein verliert bietet Toto sich als Fahrer an und die beiden ungleichen Typen, der nähescheue Schlussmacher und der träumerische Romantiker, begeben sich auf eine abenteuerliche Fahrt quer durch Deutschland, auf der bei Pauls Trennungsgesprächen dank Totos „Hilfe“ mehr schiefläuft, als ihm so kurz vorm Karrieresprung lieb sein kann…

Die Filmkritik

Mangels kreativerer Einfälle für eine Einleitung, was direkt am Einfluss des in der Folge zu besprechenden Objekts liegen mag, geht’s heute mal ganz nüchtern los: die deutsche Beziehungskomödie Schlussmacher ist die zweite Regiearbeit des eigentlich irgendwie irgendwann mal als ganz sympathisch wahrgenommenen Meck-Pommeraners Matthias Schweighöfer, nachdem er mit What a Man die zweiterfolgreichste deutsche Produktion 2011 vorgelegt hatte, nach Kokowääh von Kumpel Til Schweiger. Wahnsinnig viel mehr müsste man über Schlussmacher aber nun schon gar nicht mehr sagen, denn eigentlich steckt in dem vorangegangenen Satz schon alles an Schlagwörtern und Namen drin, was die Sache so käsig macht. „Deutsche Beziehungskomödie“ ist ein Pleonasmus, der Pfützen auf den Schultern bildet, so heftig quillt er einem zu den Ohren raus, der Schweighöfer lässt sein nachgewiesen vorhandenes Talent seit einiger Zeit Talent sein und dreht lieber entweder mit oder wie Schweiger und diktiert mit zielgruppentauglicher Meterware die Spitzenplätze des inländisch produzierten Kinoausschusses. Mit zweieinhalb Millionen Besuchern war der Schlussmacher nochmals erfolgreicher als What a Man und Schweighöfer kann sich in seinem generischen „Schaffen für die Massen“ bestätigt fühlen. Sollte aber, wie Kumpel Til, vielleicht lieber mal die ersten sieben Buchstaben seines Nachnamens beachten…

Wenn viele Menschen etwas gut und darin eine Gemeinsamkeit finden ist das ja per se nichts schlechtes [Pathosmodus an] denn in einer von Terror, Kriegen, Religionen und Voreingenommenheiten unein gemachten Welt haben der Film und das Kino die Kraft, Einheit zu schaffen [Pathosmodus aus]. »Viele finden’s gut, drum is’s scheiße« ist ’ne blöde Ansicht und wer sich von Filmen wie Keinohrhasen, Dreibeingrasen oder eben Schlussmacher den Unterhaltungsregler nach oben pegeln lässt, dem sei das gegönnt. Gutes Filmemachen geht trotzdem anders und sollte zumindest in einigen Facetten nicht ausschließlich auf einen von Reihe A bis Z ausverkauften Kinosaal, entleerte Soundtrackregale und Werbekoorperationen schielen. Schlussmacher ist ein vorbuchstabiertes Einschmeichelfilmchen, die Feder geführt von den Schweiger-Produkten und natürlich deren »ich war mal in Hollywood, ich weiß wie das geht«-Schablonenschnitten, die eigentlich doch nicht mal ihre Simpelschemavorbilder verstanden haben. Wenigstens diesmal nicht in Sepia getaucht. Laufend jodeln kuscheltaugliche fluffige Popsongs los und zementieren unausgegorene Stimmungsbilder komplett zu, auch eine ganz typische Masche, um neben den Kino- auch noch die Singlecharts zu stürmen und den Film medienübergreifend zu positionieren. Aber statt EINEM oder ZWEI wirklich eingängigen Songs müssen es SIEBZEHN sein?!

Die Megacitys Berlin und Frankfurt werden davor zur leeren Edelkulisse, auf Hochglanz, Glanzglasfassaden und architektonischen Hip reduziert werden die Bundeshauptstadt und die Mainmetropole zum High Society-Tourismusvideo stilisiert und ganz besonders haben sich Schweighöfer und Kameramann Bernhard Jasper in einen aufsteigenden Panorama Shot verliebt, der die verkehrs- und bevölkerungsarmen Stadtbilder auch nicht aus ihrer fokussierten Werbeclipästethik reißt, in deren Mittelpunkt ein Produkt wahrgenommen werden will. Und überhaupt, Schlussmacher: Product Placement. So unfassbar ungeschickt und im Vordergrund inszeniert hat man das auch noch nicht gesehen. So geht nicht Film. So geht Reklame. Mengenmäßiger Populärmusikmissbrauch und Konsumgüterverherrlichung sind aber lediglich die audio-visuelle Oberfläche, auch darunter lässt Schlussmacher nicht viel gutes Wort zu. Der Anti-Hitch-Prämisse fehlen Pfiff und ein konsequenterer Ansatz: Komödie? Satire? Ein Kommentar zu menschlicher Entfremdung im Dienstleistungszeitalter, in dem emotionaler Wandel von einem kommerzfixierten Zwischenleiter herbeigeführt wird? Von allem ein bißchen, letzteres wohl eher durch Zufall, denn Intention.

Für Komödie und Satire fehlt Schlussmacher aber meist das nötigste: Tempo, Timing, ein Auge für’s Maß. Die Auftragstrennungen werden episodisch angeordnet und bedienen sich reichhaltig dem Mittel der Übertreibung, allerdings auch dumpfster Klischees von zürnenden Wuchtbrummen und patriarchalischen Russen. Zwei platzfressende Teile des Films, die an Plumpheit, draufgedübelter Hysterie und lärmender Fremdschämkomik kaum noch zu unterbieten sind. Schweighöfer entgleitet hier völlig die Kontrolle über das erzählerische Element und die ohnehin spärliche Dichte seiner Geschichte vom professionellen Liebestöter verpufft vollends in infantiler Affigkeit und ätzenden Ressentiments und Anekdoten über Fettleibigkeit und Homosexualität. Dazu ein paar Furz- und nackter Arsch-Gags, viel Geschreie und Gekeife, Schweighöfers »Fuck« und »Scheiße« in jedem zweiten Satz und das alles innerhalb vorhersagbarster Gag-Strukturen. Einzig das Gegeneinanderspiel von Schweighöfer und dem glotzäugigen Knautschgesicht Milan Peschel sorgt sporadisch für Heiterkeit, wenn es sich eben mal nicht in die oben genannten Zoten ergeht. Peschel überzeugt als Spinner mit Herz sowieso am meisten, auch wenn die „gegensätzliches Paar“-Mechanik plakativ vor sich hin ächzt und der Gedanke an einen DER Publikumshits der letzten Jahre nicht fern bleibt, Ziemlich beste Freunde, anyone…?

Klingt bislang nach einem der unguckbarsten Filme des Jahres, ganz so verheerend ist es aber auch wieder nicht. Streckenweise geht in viel zu langen und gestreckten 110 Minuten die Einschmeicheltaktik von Schlussmacher auf, der Film tut in den oben erwähnten Passagen regelrecht beim Zusehen weh, ist in anderen allerdings augen- und magenschonend verträglich. Schweighöfer, der Schauspieler, macht sich getrennt von seiner Regisseur- und Produzenten-Persona schon ganz passabel und (obwohl das Wort in diesem Zusammenhang langsam unbuchstabierbar wird) sympathisch. Der Anfang ist noch ganz nett, wenn er auch nie mehr verspricht, als der Film zum Schluss einlöst, aber die sauber geleckten Bilder und die ganze Undramatik und Ferne echter Problemwelten ist immerhin noch zur bloßen Berieselung geeignet. Milan Peschel schafft es, seine Nervtöterfigur nicht nervtötend für den Zuschauer zu gestalten, muss sich mit seinem Toto allerdings trotzdem zu oft aus der untersten Witz-Schublade bedienen. Die wenigen weiteren etwas ausgebauteren Figuren wie Catherine de Léan als Pauls Freundin Natalie, Nadja Uhl als Totos entschlussunsichere Trennungswünscherin Kati oder Anna Bederke und Genija Rykova als lesbisches Pärchen Schrägstrich Pauls Schwester und Ex-Freundin fallen in keine Richtung besonders auf.

Wertung & Fazit

Action: 0/5

Kein Kriterium.

Spannung: 0/5

So spannend, wie ein gelackter Dauerwerbespot mit Rudimentärromantikhandlung eben sein kann. Also gar nicht.

Anspruch: 0/5

Fängt noch ganz passabel an, ergeht sich dann aber in so übertrieben aufgesetzte Abgedrehtheiten, dass jedes bißchen Plakatbotschaft nur noch unehrlicher wirkt.

Humor: 0.5/5

Ich kann mich einen Tag nach Sichtung zwar an keinen mehr erinnern – aber zumindest ein Häufchen Gags hat mal die Wangenmuskeln zum Zucken gebracht.

Darsteller: 3/5

Das geht schlechter, das geht unsympathischer und drum ist das zumindest halbwegs zufriedenstellend, was die Truppe um Zugpferd Schweighöfer hier liefert.

Regie: 1/5

Schweighöfer buchstabiert das neue Alphabet des deutschen Beziehungsfilms im Möchtegernhollywoodlook von A bis Z nach…

Film: 3.5/10

Phasenweise guckbar, phasenweise zum Davonlaufen: Schlussmacher ist eine Mischung aus Seicht-Pop-Compilation, „Deutschlands schönste Panoramen und Städte“-Reisedoku und vor allem aus Werbeclips für allerlei Gebräuchlichkeiten des transportiven und kommunikativen Geschäfts. Ach und Keeekse!

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