Review: SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN

Story

Mit einer List reißt die böse Zauberin Ravenna den Hof und das Königreich des Herrschers Magnus an sich und krönt sich selbst zur Königin. Unter ihrer Tyrannei zerfallen die einst fruchtbaren Lande zu einem düsteren, verdorrten Zerrbildnis ihrer selbst. Die Tochter von Magnus, die junge Snow White, sperrt Ravenna für Jahre in einen Turm ein und hält sich selbst mit schwarzer Magie und der Schönheit anderer Frauen jung – bis ihr magischer Spiegel ihr eines Tages offenbart, das nun Snow White und nicht mehr sie selbst die Schönste des ganzen Landes sei. Im Wissen, dass Snow Whites reines Blut sowohl ihr Weg zu ewiger Schönheit und Unsterblichkeit, aber auch ihr Verderben sein kann, will Ravenna ihr Herz vertilgen. Doch die Königstochter und rechtmäßige Thronerbin kann entkommen und flüchtet nach aufreibender Hatz in den Dunklen Wald, in dem Ravenna keine Macht besitzt. So sendet sie den Huntsman aus, einen nach dem Tod seiner Frau heruntergekommenen Trunkenbold, der als einer der wenigen aus dem Dunklen Wald zurück gekehrt ist. Schnell spürt er Snow White auf und durchschaut gerade rechtzeitig die falschen Versprechungen, mit denen Ravenna ihn auf sie angesetzt hat. Fortan beschützt der Huntsman Snow White – noch nicht ahnend, dass die Hoffnung auf Rettung für das gesamte Königreich nun an seiner Seite weilt…

Der Film

Eine hysterische böse Königin im Jugendwahn mit Männerkomplex und fies frisiertem Albinobruder gegen ein Schneewittchen mit Kieferfehlstellung, an deren Seite sich ein Donnergott die Freizeit vertreibt und das alles in einem wirr zusammengeklauten Potpourri aus Bildern, Ideen und ganzen Passagen aus so ziemlich jedem Fantasy- und Mittelalterstreifen der letzten 30 Jahre – heartly luckwish Snow White and the Huntsman, for your matchless lack of inspiration and for being this season’s most awkward movie experience. Das zartwangige Schneewittchen aus Grimms Märchen wird also zur Kriegerprinzessin im ew’gen Kampf des Guten gegen das Böse umgedeutet, optisch angesiedelt zwischen den Schlachtenpanoramen von Ridley Scotts Historien-Epen Gladiator und Robin Hood, sowie der Düsternis und Surrealität eines Tim Burton-Sets. Das alles mag bis hierhin schon manchem mehr als zu viel vom momentanen Märchenumdeutungszinnober sein, der sich nach Red Riding Hood und der vierfachen Blassbeauty (neben Snow White and the Huntsman gab’s 2012 noch Tarsem Singhs grellen Mirror Mirror, den unvermeidlichen Asylum-Mockbuster Grimm’s Snow White und den B-Horror Snow White: A Deadly Summer zu bewundern) im nächsten Jahr mit Hansel and Gretel: Witch Hunters und Jack the Giant Killer fortsetzt.



Grimm-Puristen können also gleich den Bogen vergrößern, den sie seit Terry Gilliams The Brothers Grimm um dererlei Filmgut schlagen, doch im Gegensatz zum „kann, aber muss nicht“-Fantasyfilm von 2005 sollten bei Snow White and the Huntsman auch alle die folgen, die nicht an Neuinterpretationsallergie leiden. Die Probleme des Spielfilmdebüts von Werbedreher Rupert Sanders reichen weit darüber hinaus, seine Vorlage bis auf einige wenige markante Punkte vollständig zu entstellen – die auf Epik und Action und Schlachten getrimmte Mär, die dabei herauskommt, ist einfach kein bißchen erlebenswert, sofern man auch nur EINEN der unzähligen Filme gesehen hat, die hier teils shot by shot nachgestellt werden. Snow White and the Huntsman wirkt wie eine auf zwei Stunden gestreckte sizzle reel, also wie ein Vorstellungsvideo von Regisseur Sanders, mit dem er sich bei Produktionsfirmen um einen Posten bei deren nächstem großen Fantasyprojekt bewirbt, indem er große Genremomente zitiert, aber beim besten Willen nicht wie ein homogener und auch nur halbwegs souverän zutatenvereinter Spielfilm.

In brüchiger „stretch it till it fits“-Manier wird das Märchen auf Größe gezogen, unterjochte Lande, geknechtetes Volk, Schwere und Düsternis allenortens und eine draufgepflanschte Erlösersymbolik mit Leiden linderndem Schneewittchen. Nun darf sich Interpretation gerne von ihrem Ursprung befreien, nur ist in Snow White and the Huntsman nichts auch nur einen Hauch von gefühlsecht. Sanders und sein Drehbuchtrio hetzen Kristen Stewart durch halluzinogene Wälder, ein Dorf entstellter Frauen und einen Feenwald, legen ihr kaum mehr als zehn Sätze austauschbaren Dialogs in den Mund und glauben dann, sie könnten so viel geballte Unscheinbarkeit als Retterin des ganzen Königreichs verkaufen. Und auch dieses Königreich an sich kommt bei weitem zu fragmentarisch daher, besteht scheinbar nur aus ein paar wenigen, unzusammenhängenden Orten, die man geographisch überhaupt nicht einordnen kann und die nur dadurch verbunden werden, dass die Darsteller irgendwann hindurch stolpern. Sanders kann zwar ganz toll so tun, als hätte sich sein Film zwischendurch in Mittelerde verlaufen, nur schafft er ihm überhaupt keine prägnante eigene Heimat, obwohl seinem Kameramann Greig Fraser da durchaus hin und wieder das ein oder andere schön anzuschauende Panorama vor die Linse huscht.



So wenig sinnhaft, wie Schauplätze durchlaufen werden, geht Snow White and the Huntsman auch mit einigen seiner Figuren um. Schneewittchens Kindheitsfreund und beschützender Bogenschütze William wäre eigentlich der logische Lover – wenn da nicht der Huntsman wäre, der in Schneewittchen irgendwann etwas von seiner toten Frau wiederzuerkennen behauptet. Das sich ausgerechnet beim kernigen Chris Hemsworth irgendwas in Richtung der Teenieschnute regt, die bei ihrem Lippenspiel ständig lasziv mit lethargisch verwechselt, ist schon fatal fehlkonstruiert (gar nicht auszudenken, wenn einer der zunächst gehandelten und nochmal zwanzig Jahre älteren Johnny Depp, Viggo Mortensen oder Hugh Jackman den Part angenommen hätte…) und es hinterlässt außerdem die Fadheit, dass der völlig profillose Sam Claflin nur im Film ist, um KStew den Übergang von der Twilight-Saga zu erleichtern – schließlich wird auch da zwischen apathy girl, sparkle boy und abs guy nur im Dreieck geschmachtet. Wat nette Geste vom verheirateten Sanders, bitchy Kristie via Affäre auch nach Drehschluss alle Unterstützung zukommen zu lassen. Poor old RPattz…

Doch genug des Gossips. Sieben (beziehungsweise zunächst acht) Zwerge, unter deren geschrumpften Gestalten sich Schauspieler wie Ian McShane, Toby Jones, Ray Winstone und nach Parkinson-Erkrankung in seiner wohl letzten Rolle Bob Hoskins verbergen, tauchen dann auch mal in Snow White and the Huntsman auf, um was von Stolz und Ehre zu erzählen, Schneewittchen per blindem Prophezeiungszwerg auf ihr Schicksal einzuschwören und während des ungeheuer laschen Showdowns zweckzudienen. Die finale „Schlacht“ (höchstens gerechtfertigt so zu bezeichnen, wenn sie von Kleinkindern mit einem LEGO-Ritterset vorgetragen wäre) deklariert den Film endgültig als charme- und magiefreie Moderbrühe in Braun, Grau und Grün. Und mit einem güldenen T-1000 als magischem Spiegel, der Beauty- und sonstige Tipps an eine wild an den Overactingschrauben kurbelnde Charlize Theron verteilt, die auch mit ihrer zweiten cold-hearted witch im Jahr 2012 (neben ihrer Vickers in Prometheus) weit daneben greift, aber wenigstens Spaß dabei hat. Den merkt man Avenger Chris Hemsworth nicht unbedingt an, einen immerhin sympathischen Auftritt legt der Australier trotzdem hin. Von Kristen Stewart kann man weder das eine noch das andere behaupten, die strahlt hier nicht mehr Spaß oder wenigstens nur Engagement als beim Zähne ziehen aus, zeigt dafür aber ständig Gebiss: was ist das für ’ne Masche, dass dem Mädchen bei jedem Schnitt auf sie der Mund entweder schon offen steht oder sie ihn dann öffnet?!?! Doesn’t matter. Auch ein Schneewittchen mit mehrdimensionalerer Mundmotorik hätte aus Snow White and the Huntsman keinen besseren Film gemacht…

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
Ein paar Standart Action Pieces vom Wühltisch gepflückt, mit einem beleidigend unspektakulären Finale oben drauf.
Spannung: 0,5/5
Spannung wirft höchstens die Frage auf, aus welchem Film wohl die nächste Szene „zitiert” wird: Lord of the Rings, Die unendliche Geschichte, Robin Hood, wieder Lord of the Rings usw…
Anspruch: 0/5
Könnte anfangs, wenn das Storygewicht auf Therons böser Königin liegt, glatt eine Allegorie auf den Hollywood’schen Jugend- und Schönheitswahn sein. Ist dann aber doch nur ziemlich lau.
Humor: 0/5
Nee, aufgesetzte Düsternis rules!
Darsteller: 2/5
Chris Hemsworth macht einen okay’en Job, Charlize Theron dreht genüsslich am Rad, Kristen Stewart ist dabei und unter den Zwergen stecken tolle Schauspieler.
Regie: 1/5
Einige Male beweist Sanders werbecliperprobtes Auge, den ganzen Film hindurch aber auch keinerlei Gefühl für alles andere, was die Arbeit an einem Zweistünder von einem Dreißigsekünder unterscheidet.
Fazit: 2,5/10
Schneeflittchen und der Jägersmann leistet nicht mehr, als alles nochmal in schlechter und unpassender zu zeigen, was unzählige andere Fantasy- und Abenteuerfilme in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten besser gemacht haben. Und bekommt dafür sogar noch ein Sequel…

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