Review: STATE OF PLAY

STATE OF PLAY Filmkritik

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Story

Zunächst scheint es sich für den gewieften Journalisten-Fuchs Cal McAffrey bloß um Routinerecherchen zu handeln, als ein Kleinkrimineller getötet und ein unbeteiligt scheinender Pizzabote lebensgefährlich verletzt wird. Seine Kollegin beim Washington Globe, die Online-Journalistin Della Frye, hat den wesentich dickeren Fisch an ihrer Blogger-Angel. Die Fachreferentin des Abgeordneten Stephen Collins, der mit harten Bandagen gegen das private Sicherheitsunternehmen PointCorp vorgeht, stürzt vor eine U-Bahn. Wohinter zunächst ein Unfall vermutet wird, entpuppt sich als möglicher Suizid, als die Affäre des Abgeordneten mit seiner Assistentin ans Licht kommt. McAffrey, ein alter Freund Collins‘ und absolut nicht an der Diskreditierung des Politikers interessiert, wird unerwartet in die Story verstrickt, als er eine Verbindung zwischem dem ermordeten Ganoven und dem Tod der Geliebten entdeckt. Gemeinsam mit Frye nimmt er die zunehmend gefährlicher und undurchsichtiger werdende Suche nach der Wahrheit auf…

Der Film

Von London nach Washington, von einem politischen Epizentrum ins nächste. Eine lange Reise hat State of Play von der BBC-Serie zum Hollywood-Streifen nicht nur geographisch hinter sich. Nach viel Gezerre erwarb Produzent Andrew Hauptman die Remake-Rechte bereits im Jahr 2004 vom Autoren Paul Abbott, der mit Mord auf Seite 1 (Titel der deutschen Fernsehausstrahlung) einen Volltreffer gelandet hatte und von einem Verkauf seines Stoffes anfänglich überhaupt nichts hielt. Ab Mai 2003 im englischen Fernsehen ausgestrahlt, erhielt der Sechsteiler bei insgesamt sieben Nominierungen drei BAFTA-Awards und diverses weiteres Schmuckzeug der TV-Industrie, wie etwa den RTS Television Award. Abbott fürchtete bei den notwendigen Kürzungen von knapp sechs auf gut zwei Stunden um einen zu hohen qualitativen Verlust der Story. So recht voran kam die Adaption tatsächlich nicht, wurde zudem vom Autorenstreik ’07/’08 und dem anschließenden Ausstieg der angedachten Hauptdarsteller Brad Pitt und Edward Norton zurückgeworfen. Vollends von der Qualität der Vorlage überzeugt blieben die Verantwortlichen jedoch am Ball und schließlich kam State of Play im Jahr 2009 in die Kinos. Frische, Brisanz, Spannung und Stärke sind dabei weder durch die neuen Hauptdarsteller Russell Crowe und Ben Affleck verloren gegangen, noch fehlen sie dem Film insgesamt auch nur ein bißchen.



Trotz rasanter und stimmungsvoll-packender Eröffnung ist State of Play nicht die Art von Thriller, die den Zuschauer permanent an die Wand zu drücken versucht. Vielmehr bemüht sich Regisseur Kevin Macdonald um die sorgfältige Skizzierung eines authentischen Milieus, durch das der straßenschlaue McAffrey in seiner alten Karosse und mit einer Portion Tütenfutter zockelt. Russell Crowe, der die zusätzlichen Pfunde seiner letzten beiden Filme American Gangster (2007) und Body of Lies (2008) draufbehalten hat, überzeugt ab seiner ersten Szene als schlitzohrig-kaltschnäuziger Journalist vom alten Schlag, der mit Begriffen wie „Facelifting“, „Online-Dienst“ und „Blogs“ so gar nichts anfangen kann und der jungen Tratsch-Kolumnistin Della mit ruppiger Ablehnung begegnet. Die Rolle reizt die Ausnahmeklasse des Neuseeländers sicher nicht vollends aus, dennoch gibt Crowe keinerlei Anlass, an den Kollegen Norton zu denken.

Vorwärtsgetrieben wird State of Play vor allem von Begegnungen und Dialogen, oft als Reflexion vorangehender Ereignisse. Der Tod der Fachreferentin Sonia Baker passiert etwa im Off und wird über Stephen Collins und seine Reaktion transportiert. Ben Affleck kann als Collins die ursprüngliche Castingidee Brad Pitt zwar weniger selbstverständlich vergessen machen, als dies Crowe gelingt, und wirkt sehr viel mühevoller im Handling seines Parts. Gerade in jenen Momenten, wenn Emotionen gefordert sind, bietet Affleck aber doch ein sehr ordentliches Spiel, weit entfernt von den hölzernen Auftritten, die man schon zur Genüge von ihm gesehen hat. Eines der zentralen Elemente der Story, das Auf und Ab der Freundschaft zwischen McAffrey und Collins und ihre Einflussname auf die Arbeit des Journalisten, wird durch Crowes und Afflecks gemeinsame Szenen glaubhaft formatiert. Der mehrmalige Wechsel der Stimmungen zwischen den beiden und die beeinflussenden Faktoren, zu denen zum Beispiel Collins’ Frau gehört, die mit McAffrey geschlafen hat und die ihn immer wieder zwischen liebenden Gefühlen, Schuld und Wiedergutmachung schwanken lässt, schaffen Dynamik und Tiefe.



Neben Crowe und Affleck wird auch das Damentrio Rachel McAdams, Helen Mirren und Robin Wright Penn fein gezeichnet in die Handlung eingebracht. McAdams gibt nach der anfänglichen Geringsschätzung McAffreys sehr angenehm, da nicht aufs lapidare Stichwortgeben oder nerviges Zetern beschränkt, dessen Sidekick und gefällt dabei mit einer gut ausbalancierten Performance, wodurch sogar der etwas aufgesetzte „klassischer investigativer Journalismus vs. moderner Schnellschussklatsch“-Tenor zwischen McAffrey und Frye nicht störend ausfällt. Als Chefredakteurin Cameron lässt sich Mirren am besten mit einem ihrer Sprüche aus dem Film zusammenfassen: »I know you got shot at last night, and I know I should be making you a nice cup of cocoa, but I’m just so bloody angry!« Hart, aber fair, die Dame. Der Subplot um Anne Collins kommt angesichts dessen etwas zu kurz, dass Wright Penn neben Crowe die wohl stärkste Leistung in State of Play bietet und ihr Charakter ein paar Minuten mehr Film verdient gehabt hätte, um ihrer Darstellung gerecht zu werden. So bleibt Anne in ihrer Rolle zwischen McAffrey und Collins ein Stück zu vage und die Charakterkonstellation wird nicht voll ausgereizt. Allerdings mussten die Kompromisse ja irgendwo gemacht werden.

Nach der Herstellung des Zusammenhanges zwischen dem getöteten drogensüchtigen Kleinkrimnellen und der ermordeten Fachreferentin erreicht der langsam aufgebaute Spannungsbogen von State of Play nach der ersten halben Stunde eine niveauvolle Höhe, die bis zum Schluss und ohne Durchhänger gehalten wird. Spektakel und Action ist dazu kaum nötig und bleibt bis auf eine schweißtreibende Sequenz, in der sich McAffrey mit dem Mörder konfrontiert sieht, auch klar hinter dem Anspruch und dem Gelingen Macdonalds zurück, den Film über die sich immer weiter verzweigende und an poltischer und wirtschaftlicher Brisanz zulegende Geschichte zu erzählen. Die Charaktere bleiben stets im Vordergrund, wie weit sie sich auch im Geflecht aus Intrigen, Schein und Trug verlieren, emotionaler Ballast und nicht selten fragwürdige Motivation treiben sie an, wodurch interessante Konflikte entstehen und auch die kleineren Nebenrollen, in denen zum Beispiel Jeff Daniels, Jason Bateman, Barry Shabaka Henley und Michael Berresse zu sehen sind, an Profil gewinnen und ihren nicht zu unterschätzenden Teil zur Auslotung der diversen Abgründe leisten.



State of Play reiht sich nicht unbedingt auf ganzer Höhe neben den absoluten Genre-Klassikern ein, wie Die drei Tage des Condors (1975), All the President’s Men (1976) oder The Inisder (1999), gehört aber fraglos in die Oberklasse der Polit-Thriller. Die Inszenierung des ehemaligen Dokumentarfilmers Kevin Macdonald bleibt annähernd makellos und hat sich in ihrem um Authentizität bemühten Ansatz im Vergleich zum vielfach preisgekrönten Vorgänger und Spielfilmdebüt des Schotten, Der letzte König von Schottland (2006), noch einmal merklich weiterentwickelt und ausgeprägt. Auf Seiten der Schauspieler gibt es ebenso nichts auszusetzen, allein Crowes Präsenz genügt wieder einmal völlig, um den Film zu tragen. In den vielen Auge-in-Auge-Gesprächen kommt eine weitere Fähigkeit Crowes voll zum Tragen, denn kaum ein Schauspieler liefert ein solch unterstützendes Spiel und lässt durch seine Klasse den jeweiligen Co-Star so gut aussehen. Alex Heffes’ spannungsfördernder Score wölbt sich manches Mal ein wenig zu weit in den Vordergrund, ist dafür aber durchweg hörenswert und sitzt nie zu aufdringlich auf der Schulter, um einem »Jetzt, Spannung!« ins Ohr zu schreien. In seinen ruhigsten und besten Momenten genügt State of Play ohnehin schon ein Flüstern, um seine intensive Wirkung spürbar zu machen.

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
Explosionsfanatikern bietet State of Play wohl kaum das gewünschte Programm, die Story hat Geballer und Verfolgungsjagden als Antrieb aber auch nicht nötig.
Spannung: 4/5
Die Spannung wird sehr konstant aufgebaut und über die volle Länge hochgehalten, ohne dass dafür auf vorhersehbare Wendungen oder abgeschmackten Thrill vertraut würde.
Anspruch: 4/5
Die Bezüge zum aktuellen politischen Tagesgeschehen und die Fragen, die sich daraus ableiten, werden ebenso überzeugend behandelt, wie die Konflikte der Charaktere.
Humor: 0,5/5
Besonders das Zusammenspiel zwischen Helen Mirren und Russell Crowe sorgt hier und da für Schmunzler.
Darsteller: 4,5/5
Können allesamt ihrem guten Namen entsprechend überzeugen, wenn auch nicht jeder Figur der Platz gewährt wird, den das Schauspiel verdient hätte.
Regie: 4,5/5
Nach Der letzte König von Schottland erweist sich Kevin Macdonald erneut als sehr gute Wahl für den Umgang mit politisch und emotional gewichtigen Stoffen.
Fazit: 8/10
Sehr stimmungsbewusst inszenierter und gespielter Thriller. Nicht in allen Bereichen voll ausgereizt, aber fesselnd.

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2 Kommentare

  1. Russell mal in einer schönen Flodderrolle, was das Aussehen angeht. Der Film war ganz nett, hat mich aber jetzt nicht so unbedingt vom Hocker gerissen.

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