Review: STIRB LANGSAM – EIN GUTER TAG ZUM STERBEN (OT: A Good Day To Die Hard)

Story

Aufruhr in Moskau: dem politischen Gefangenen Yuri Komarov wird der Prozess gemacht, was den hochrangig korrupten Chagarin auf den Plan ruft, der in den Besitz einer denunzierenden Akte zu gelangen versucht, die Komarov an einem geheimen Ort versteckt hält. Ebenfalls angeklagt ist ein gewisser Jack McClane, der einen Untergeordneten Chagarins erschossen hat. Meanwhile in New York: Altcop John McClane erfährt von der Inhaftierung seines Sprösslings, zu dem ihm vor ewigen Zeiten Kontakt und Bindung verloren gingen. Um Jack irgendwie eine Hilfe oder zumindest ein Beistand zu sein reist McClane nach Moskau – und findet sich plötzlich, wie könnte es anders sein, im Explosions- und Kugelhagel wieder. Chagarins Schergen sprengen während des Prozesses das halbe Gerichtsgebäude, doch Jack kann mit Komarov im Schlepptau entkommen und stolpert über seinen Vater, der sich ihrer Flucht unfreiwillig anschließt. In einem Safe House angelangt offenbart sich Jack als CIA Operative und der Fall Komarov als höchste Priorität. Russland steht vor einem Machtwechsel und eine noch höhere Führungsposition für Chagarin würde Krieg und Terror Tür und Tor öffnen. Widerwillig müssen die beiden McClanes zusammenarbeiten, um Komarov zu schützen und an die omminöse Akte zu gelangen…

Der Film

Eine kleine Anekdote zum Einstieg: das Kino, in dem ich Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben sehen durfte, zeigte die ersten Minuten im falschen Format, so dass die Untertitelungen des zu Anfang häufig gesprochenen Russisch aus dem Bild rutschten und man zunächst mal, sofern sprachunkundig, nur erahnen konnte, was die bösen und zauseligen und sexy russichen Politiker, Generäle und Bikerbienen da eigentlich genau voneinander wollen. Wozu die Erwähnung dieses später korrigierten Fauxpas? Weil „falsches Format“ auch für einen Stirb langsam 5 im passenden Bildausschnitt weiterhin gilt. Ein neuer Genreklassiker war ja eh kaum zu erwarten, als sich Flight of the Phoenix– und The Omen-Remakeverwurster sowie Max Payne-Regisseur John Moore und, schlimmer noch, Drehbuchautor Skip Woods ans Werk machten, der Leinwandikone John McClane ihr 25jähriges Dienstjubiläum auszurichten. Woods‘ Kollege Steven E. de Souza schrieb in den 1980ern mit das beste Actionkino und arbeitete als Co-Autor an Stirb langsam und Stirb langsam 2, hochkonzentrierte Filme mit simpler Formel, aber einem nie durch blanke Willkür verknüpften Radau, mit spitzen Seitenhieben gewürzt und cleverer in Aufbau und Entfaltung, als es das Duo Woods/Moore verstanden zu haben scheint. Ihr Stirb langsam 5 ist der rasche Herzstillstand einer Reihe, die spätestens nach ihrem dritten Teil beendet gehört hätte.



Stirb langsam – Jetzt erst recht zeigte 1995 bereits erste Mühen, das Konzept McClane und seinen Ursprung aufzufächern und zu erweitern, der einsam aber verbissen gegen eine Übermacht auf einem klar abgesteckten Territorium ins Feld ziehende Cop wurde quasi vom Schlauchshooter in ein Open World-Szenario entlassen, in dem Zeitdruck die Raumbegrenzung ersetzte, ehe in Stirb langsam 4.0 beides wegfiel und der Aufbruch des Konzeptes bei gleichzeitigem Versuch der groben Regeltreue zu einem unplausiblen und unaufregenden Standart-Cyberthriller führte, der mit seinen Ursprüngen nur noch den Namen, in Teilen nicht einmal mehr die Charakteristika seiner Hauptfigur gemein hatte. Stirb langsam 5 besinnt sich auf den ersten Blick seiner Wurzeln, McClane reist in für ihn fremdes Gebiet ein, um ein Familienmitglied zu treffen, in den ersten beiden Teilen noch seine (mittlerweile Ex-)Frau Holly, hier Sohnemann Jack. Dazu ein paar halbherzige Referenzen an 25 Jahre Actionfilmgeschichte, so erinnert ein singender russischer Taxifahrer an den quirligen Limousinenchauffeur Argyle und in einer Szene zögert McClane mit einem seiner irren Lachanfälle, in den die bady guys einstimmen, sein Ende entscheidend hinaus. Mehr Die Hard hat A Good Day to Die Hard aber nicht zu bieten.

Womit Stirb langsam 5 stattdessen kommt ist geradezu schockierend. Mit Ankunft in Russland wird die Straßenschläue McClanes, in ein unausgegorenes Spionagesetting versetzt, zu einer senilen Unbildung, sein unermüdlicher und willensgesteuerter Einsatz vergangener Tage zu einer stupiden »shoot first, ask later«-Mentalität verkleckert. McClane muss eine Unzahl dumpfsinniger »hö hö, du bist voll alt und so«-Witzchen über sich ergehen lassen und den Respekt, den er von seinem Sohn einfordert, hätte Bruce Willis besser lautstark für seine berühmteste Figur verlangt. John McClane wird zur Parodie seines eigenen Mythos, radikal um alles sterilisiert, was diesen Charakter ausgemacht hat, ein Zerrbildnis seiner Selbst, das scheinbar vollkommen wirrköpfig durch Moskau zu wüten beginnt. Die erste große Actionszene als Beispiel genommen: nach der Flucht aus dem Gerichtsgebäude entbrennt eine ellenlange Verfolgungsjagd zwischen Jack und Komarov, den Handlangern Chagarins und hintendran old McClane. Zu diesem Zeitpunkt hat der Film weder einen der Konflikte greifbar gemacht, weder den zentralen des Plots, noch jenen zwischen Vater und Sohn, keinerlei einnehmenden Grundaufbau für sein Szenario betrieben und schlicht nicht das notwendige getan, um nun in eine dermaßen ausgewalzte Actionorgie ausbrechen zu können und diese jenseits ihrer vorhandenen Schauwerte mitreißend zu gestalten. Obwohl hier ein alles platt walzendes Panzerfahrzeug einen ordinären Van durch dichten Verkehr hetzt wälzt sich diese Verfolgungsjagd gefühlt durch die halbe Stadt, zwar gibt’s da richtig ordentliche und wahrlich fett krachende Stuntarbeit und Crashs zu bewundern, nur ohne ein gebrauchsfertiges Maß an Kontext.



Old McClane schließlich kalauert und onelinert sich durch die verstopften Straßen, wobei die Kamera fast nie direkt bei ihm ist und seine Sprüche oft einfach drübergelegt werden wie ein Audiokommentar. Meckern und Maulen gehört zu McClane wie Feinripp und MG, wird in Stirb langsam 5 aber zum puren „muss halt rein“-Gimmick, wirkt wie die Spaßsynchronisationen alter Spencer/Hill-Streifen. Die gnadenlose Manipulation geht weiter, wenn McClane gleich zweimal in seinen wechselnden Vehikeln zum mehrfachen Überschlag samt unsanfter Landung gezwungen wird – und dem Chaos OHNE einen Kratzer entsteigt. Als hätte Skip Woods mit der Pussyfizierung Wolverines in X-Men Origins nicht genug angerichtet. Wenn nach der endlosen und wie gesagt in einigen Belangen durchaus beeindruckenden car chase’n’crash-Sequenz die eigentliche Handlung von Stirb langsam 5 so richtig einsetzt und Sohnemann Jack sich als CIA-Mann offenbart schüttelt’s Film und Franchise mit Szenen von dreister Dummheit endgültig das Dach vom Haus. Ohne einen Diskurs über die Notwendigkeit von Logik in Actionfilmen starten zu wollen: das ist schon von beleidigender Frechheit, was Woods und Moore sich hier aufzutischen wagen. Da versucht McClane jr. ein Auto zu knacken, plötzlich kommt McClane sen. mit dem Schlüssel an, wie auch immer vom Besitzer aus einem Nachtclub voller tschetschenischer Gangster entwendet, die passenderweise auch noch den ganzen Kofferraum voller Knarren haben. What. The. FUUUUUUCK!?!?!

DAS sind also die Tricks, um McClanes Bauernschläue nicht völlig abzugraben? Ein nie und nimmer möglicher Off Screen-Autoschlüsselklau? Über so viel kreuzbekloppte Konstruiertheit könnte man glatt die Absurdität vergessen, zu der sich der Plot bis dahin entwickelt hat, in dem auf einmal die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl auftaucht und dort, in den geisterhaften Gebäuderuinen, findet Stirb langsam 5 seinen Showdown. Wohlgemerkt erst, nachdem McClane erneut ein paar Bildungslücken aufdeckt, Tschernobyl und die Alpenhauptstadt Grenoble in einen Topf wirft und gutmütig meint, dass sich die Strahlung ja wohl mittlerweile verzogen hätte. Während die bad guys, bereits vor Ort und auf der Suche nach Komarovs brisanter Akte, jene radioaktive Strahlung mal eben mit einer Art technisierter Wünschelroute mit Raumsprayauslass wegwedeln. Sorry, aber so hirnzellenbetäubend kann nicht mal die lauteste und heftigste Daueraction sein, als dass man Stuss solchen Ausmaßes schluckt. Stirb langsam 5 bietet heftige Krawallmomente, diese Qualität sei ihm weder abgesprochen noch weggenommen, zumal immer wieder echte Autos in echte Autos geworfen werden und zumindest ein Möglichstmaß an CGI-Freiheit eingehalten wird. Was nichts daran ändert, dass die Einlagen das over the top-Gebirge mehrmals komplett übersteigen, besonders wenn schwerst aufgerüstete Helikopter zum Einsatz kommen. Aber egal, wie maßstabssprengend die Explosionen, Shootouts und sonstiges auch geraten, ihnen fehlt doch jederzeit der kleinste Funken Spannung und jeder emotionale Bezug zu den durch die Szenerie berserkernden McClanes, da werden nur jede Menge Löcher geschossen, nur sind keine Knöpfe da, um irgendwas zu verbinden.



Die Hard 6 dann bitte im Altersheim, McClane vs. Alzheimer und die Dekubitusvorsorge vernachlässigende Schwestern, (Treppen)Live(ter) Free or Die (Ret)Hard(ed). Stirb langsam 5 protzt mit Schauwerten, ist ansonsten aber eine banale bis überkonstruierte Hohlfrucht, komplett von den Werten ihrer Ursprünge entkernt und statt saftigem Fruchtfleisch gibt’s bloß geschmacksneutrale Pampe. Irgendeinen anderen Titel drauf, Bruce Willis streichen und Bulldoggenkopf Jai Courtney allein durch dieses Vehikel streifen lassen, ohne eine DER Actioninkonen im Vorbeigehen komplett lächerlich zu machen – dann wär’s bloß ein egaler 08/15-Actioner gewesen, um ein frisches Gesicht ein bißchen zu pushen. Aber das Ding ist Teil einer Reihe, einer Mythologie und scheißt als solcher auf alles, was diese im Schweiße und Blute ihres Angesichts geschaffen hat. Die Vater/Sohn-Kiste ist Scriptwriting aus der ersten Stunde des Grundkurses, die Action ist gut, aber der Streifen auch einzig darauf ausgelegt, die Plan- und Umsetzphasen der Stuntkoordinatoren und Visual Effects Supervisor haben unschwer erkennbar den meisten Platz im Drehplan eingenommen, doch das soll hier schließlich ein Film sein und keine Brachendemo. McClanes Sprüche fallen in Qualität und überstrapazierter Häufigkeit bis in den Niveaukeller durch, vor allem sein Beharren auf Urlaub und das eindimensionale Gezänke mit Courtney nerven. Zumal eh klar ist, bis wann die beiden sich versöhnt haben werden. Und bad guys gewinnen weder dann an Schneid, wenn ein blöder Twist sie erst kurz vor Ende enttarnt, noch wenn ihre Handlanger Tänzchen aufführen und ansonsten debiler tun, als man es sein müsste, um diesen Film zu ertragen. Dann bietet Stirb langsam 5 auch noch ein Schlussbild zum Leinwand einreißen, wo sich einst ein halbtoter McClane zum wohlverdienten Triumpf schleppte wird hier locker geschlendert und mit dem Sonnenaufgang im Rücken im Familienglück gebadet. Ach, und eins noch: die Szene, in der sich Model Yuliya Snigir aus ihrer Bikerkluft schält, war im Trailer länger. Und nackter. So wird nicht nur das Die Hard-Versprechen nicht eingelöst, sondern der Strip Slow-Moment genausowenig. Yippee-ki-fuck-yay, Motherfucker…

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Würde einen glatten 5er verdienen, wenn sie nur nicht so handlungsirrelevant einfach drauflos chaoten würde.
Spannung: 1/5
Kruder Plot mit wirren Wendungen, meilenweit entfernt von der so simplen und doch beispiellos effektiven Grundmechanik der ersten Teile.
Anspruch: 0/5
Stirbt schnell oder war nie da.
Humor: 0,5/5
Halber Gnadenpunkt, weil hier und da mal ein Spruch McClanes sitzt. Da der Humor sonst weitenteils aus der kompletten Lächerlichmachung des Recken besteht ist mehr aber nicht drin.
Darsteller: 2/5
Bruce Willis muss nichts mehr beweisen, lässt seinen Ruf als Actionikone hier aber seltsam gleichmütig kaputt treten. Jai Courtney sieht man eher im Strampelanzug in einem Wrestlingring, denn als Actionstar, die bad guys und das eine girl sind Serientiefpunkt.
Regie: 1,5/5
John Moore liefert einen Film, einzig zugeschnitten auf die Taurus Awards, also den Stunt-Oscar. Da dürfte Stirb langsam 5 abräumen können, ansonsten reicht’s höchstens für Goldene Himbeeren.
Fazit: 2/10
Hat wohl irgendwann so weit kommen müssen und ist nun mit dem fünften Teil eingetreten: John McClane wird zu seinem eigenen Altherrenwitz, zu keinem besonders gut erzählten außerdem. Dumpfe Daueractionparade, Schandfleck einer ruhmreichen begonnenen Reihe.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

3 Kommentare

  1. Oh ja… bin da ähnlicher Meinung wie du. Es ist einfach kein richtiger “Die Hard” mehr. Wie du schon schreibst, wo bleiben die Kratzer, die wirklichen coolen One-Liner. Der Urlaubsspruch, der gefühlte tausend Mal wiederholt wird, ist scheiße. Willis ist absolut austauschbar und dieser ständige Reminder, er ist alt, kotzte mich irgendwann auch an. Die Action fand ich ja noch okay. Wenn man nicht zu viel drüber nach denkt 😉

    Ja, alles in allem ist dieses Stirb Langsam kein Stirb Langsam mehr.

    1. Ja, es ist ein Graus… Eine Reihe muss ja nicht sklavisch an all ihren Prinzipien kleben bleiben, aber sich komplett von allem entfernen, bis die Wurzeln überhaupt nicht mehr sichtbar sind, sollte sie sich auch nicht. The Fast and the Furious zeigt, wie man’s richtig macht. Kein Fokus mehr auf prollige 10-Sekunden-Rennen und Tuning-Gedöns, aber als Hintergrund der Figuren und der Fortentwicklung der Reihe ist das jederzeit präsent.

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