Review: TAFFE MÄDELS (OT: The Heat)

Story

FBI Special Agent Sarah Ashburn ist eine penible Ermittlerin, Vollprofi und ihrer arroganten Ader und sozial völlig unkompatiblen Art wegen nicht gerade die angesagteste Kollegin. So wird ihr auch die für sie selbstverständliche Beförderung zunächst mal verweigert und Ashburn nach Boston geschickt, um einen Drug Lord zur Strecke zu bringen und ihre Teamfähigkeit zu beweisen. Doch leichter gesagt als getan, denn im Zuge ihrer Nachforschungen stößt sie rasch auf Detective Shannon Mullins – eine laute, dauerpöbelnde und vorschriftenresistente Katastrophenpolizistin, die die Straßen von Boston allerdings wie ihre Westentasche kennt. Unfreiwilligst, aber auf Drängen ihres Vorgesetzten lässt Ashburn sich auf eine Zusammenarbeit mit der abrissbirnigen Mullins ein…

Der Film

Hach, die 80er. Hach, die Buddy Movies. Hach, die ungleichen Cop-Duos. Hach, Lethal Weapon, Riggs und Murtaugh, we’ll never be too old for this shit… Solcherlei Sentimentalitäten und Nostalgieflashs kommen einem ja meistens, wenn einen die Gegenwärtigkeit daran erinnert, dass die goldigen Zeiten gewisser Genreströmungen einfach vorbei sind. Und schmerzlicher als das Wecken dieser Erinnerung durch Paul Feigs Taffe Mädels kann eigentlich nur noch ein eingesprungener Tritt in den Schritt sein. Nach dem überraschend großartigen und fälschlicherweise als Östrogen-Hangover vorverurteiltem Bridesmaids rutscht Feig diesmal krachend und rumpelnd bis ins Kellergeschoss der heutigen US-(Action)Komödie durch und setzt mit seinen Darstellerinnen Sandra Bullock und Melissa McCarthy einen Haken hinter alles, was daran so ätzend und nervig und stinkend ist: mit fast zwei Stunden rücksichtslos überlang, aufgebläht von läppischem Moralgesülze, endlose Gag-Stafetten, die im Überstrapazieren ihrer (sofern überhaupt vorhanden) Pointen eigentlich nicht mal für die Outtake-Sektion im Bonusbereich der DVD taugen…



Ungeachtet der Geschmacksfrage betreffs des Humors, denn irgendwer mag es ja wirklich lustig finden, wie der Bullock bei versuchter Erster Hilfe via Luftröhrenschnitt ein armer Typ fast verblutet (mal ehrlich, Paul Feig: was sollte diese Szene? Woher kam die, wohin wollte sie?), strukturell und in seinen dreisten Anbiederungsversuchen ist Taffe Mädels totaler Mist. Gegensatzpaare gehören zum Buddy-Movie wie das Tötungswerkzeug zum Slasherkiller und obwohl das noch halbwegs brauchbar arrangiert scheint mit der überpenibel-professionellen Bullock und der penetrant-unorthodoxen McCarthy verkackt’s der Film bereits bei dieser Grundmechanik: die richtig guten Kumpel-Nummern nutzen die Gegensätze des Protagonisten-Duos als durchgehenden Reibepunkt, das Extrem des einen nähert sich nur minimal dem des anderen an, Bullocks anfangs so eisschrankkühle und oberarrogante Ashburn hingegen wird so schnell als leidendes Opferlämmchen ihrer eigenen Arschpersönlichkeit gezeigt (Einsamkeitsseufzer, Gekuschel mit der Nachbarskatze…), dass Taffe Mädels seine Plotnotwenidgkeit nicht im Reiz des Gegensatzes, sondern in einer verhaltensmusterlichen Anpassung sucht. Die Bullock peinlicht sich zum lebenshilfebedürftigen Klammeräffchen an McCarthys Seite runter, lässt sich ihre spießigen Klamotten zum Nuttenfummel zerreißen und sich abfüllen und wechselt von staksig zu kieksig, womit der Film sich jede Gag-Varianz amputiert.

Taffe Mädels verkommt nach zumindest noch annehmbarem Auftakt spätestens ab dem zweiten Drittel zur austauschbaren Revuenummer, durch die McCarthy in mittlerweile schmerzhaft-gewohnter „die obszöne Dicke“-Manier walzt, mit ihren unablässigen Schimpftiraden und verblödeten »es ist witzig weil die fett ist, muahahah!«-Slapstick-Jokes alles umreißt. Umso schändlicher, dass sich da zwischendurch so ein paar halbgare feministische Töne zu erheben wagen, wo der Film seine beiden Damen doch kaum noch klischeebeladener und zum Teil ausstellerischer hätte anlegen können. Und dann hat Taffe Mädels auch nicht die Eier(stöcke), bei aller Gewichtung auf die Komik einen wenigstens halbwegs ernstzunehmenden Plot aufzubauen. Statt dem gibt es eine hanebüchene Drug Lord-whatever-Story, lediglich verbunden durch vage wie-auf’s-Stichwort-Ermittlungsabeit und abrupte Schauplatzwechsel. Schlampig geht es dabei schon lange vor dem Team Up der beiden Grazien zu: Ashburn und Mullins haben eine Sitzung beim Captain; Sekunden nachdem Mullins rausgestürmt ist stellt Ashburn fest, dass sie ihre Autoschlüssel geklaut hat. Nochmal: SEKUNDEN danach! Frage an den Captain, wo Mullins sich aufhalte, dessen Antwort: es gibt da so eine Bar in der Nähe. Eine Bar in der Nähe?!? Die ist vor SEKUNDEN erst aus dem Raum gewatschelt, lauf hinterher und du erwischst sie noch im Vorraum oder spätestens auf dem Hof vorm Revier! Aber nein, es geht in einer Bar weiter.



Hinter sowas steckt null Bemühen, null Anstrengung, null Ambition dem Buddy Movie mehr als zwei paar Titten hinzuzufügen. Der bad guy-Twist wird nach dem Unwahrscheinlichkeitsprinzip ausgewürfelt (immer die unauffälligste Figur, immer die unauffälligste…), die gelungenen Gags sind nach dem wortwörtlich allerersten aufgebraucht (Ashburn signalisiert einem Cop Einsatzbefehle per Handzeichen und der versteht gar nix). Der Versuch, das Verhalten der Figuren dramatisch-tragisch zu verhintergründlichen, könnte überflüssiger und platter nicht sein und… Ach, weisste was, Taffe Mädels, lass es dir doch einfach in deinem eigenen Ton gesagt sein: [Melissa McCarthy-Modus AN] du bist ein verschissener Kackwurstmistbratzenfilm, ein miefiges Stück dreckigen Hinterauswurfs, ein verfickt-kotzblödes Rotzteil und du kannst mich mal von hinten bis vorne [Melissa McCarthy-Modus AUS]. So. Und jetzt schnell zur Lethal Weapon-Komplettbox im DVD-Regal gegriffen. Hach…

Wertung & Fazit

Action: 1/5
Nicht der Rede wert.
Spannung:0,5/5
Total egal.
Anspruch: 0/5
Fehlanzeige.
Humor: 0,5/5
Ein einziger wirklich gelungener Gag und das ist gleich der erste. Danach ist’s noch zwei, drei Mal einfach lächerlich, meist aber plump, doof, überstrapaziert…
Darsteller: 2/5
Mag sein, dass Bullock und McCarthy Chemie haben oder Physik oder Mathe oder sonstwas, den Film retten sie damit jedenfalls nicht.
Regie: 1/5
Boah, Paul Feig, was ‘ne Bruchlandung nach dem Höhenflug mit Bridesmaids… Klar, das Script ist auch total kacke, aber Alter…
Fazit: 2,5/10
Schlaffe Mädels. Da geht gar nix. Ganz schwaches Ding. Nur minimal besser als Melissa McCarthys anderer 2013er-Totalausfall, Identity Thief.

Mehr zum Film

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