Review: TED

TED Filmkritik
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Story

Als Einzelkind und unscheinbarer kleiner Außenseiter ohne Freunde ist die Beziehung des jungen John Bennett zu seinem Teddybären eine ganz besondere. So besonders, das eines Nachts etwas magisches passiert: nachdem es sich John am Abend zuvor gewünscht hat wird Teddy Ted lebendig und ist fortan ein echter Freund für’s Leben und wird außerdem zur (Kurzzeit)Berühmtheit. 27 Jahre später hat die innige Freundschaft der beiden noch immer Bestand, sehr zum Missfallen von Johns fester Freundin Lori findet sie allerdings vorwiegend kiffend auf dem Sofa statt, während der Mittdreißiger nebenher ambitionslos in einem brotlosen Job herumgammelt. Und irgendwann hat Lori schließlich die Schnauze voll von Teds Drogen-, Alkohol- und Sexeskapaden und seinem miesen Einfluss, so dass John seinen Bärenkumpel zum Auszug bittet. Doch auch nachdem Ted sich Arbeit und ‘ne eigene Wohnung gesucht hat nimmt John sein Leben nicht wie gewünscht in die Hand – und so einige weitere Bedrohungen ziehen auf, unter anderem wittert Loris aufdringlicher Chef seine Chance bei ihr und ein Irrer und sein Sohn haben es auf Ted abgesehen…

Der Film

Seth MacFarlane ist der letzte aus dem großen (grob unter diesem Begriff zusammengefasst) Gesellschaftssatire-Quartett des aktuellen US-Zeichentrickfilms, zu dem neben Family Guy und American Dad natürlich noch Trey Parker/Matt Stones kompromissloses South Park und natürlich Matt Groenings unverzichtbare Simpsons gehören, den es nach den Mattscheibenerfolgen auf die große Leinwand zieht. Während seine Kollegen aber die bekannten Formate auf Filmlänge breit traten und sowohl der musicallastige South Park-, wie auch der zehn Jahre zu spät kommende Simpsons-Film enttäuschten, dachte sich MacFarlane für sein Kinodebüt etwas Neues aus – obwohl… eigentlich ist’s eher was Umgemünztes. Das R-rated Buddy Movie Ted gliedert sich überwiegend passgenau an MacFarlanes Humorcharakteristika an, gewohnte Family Guy/American Dad-Mechanismen übertragen auf die Story um den Vulgärbär und seinen Slackerkumpel. Ted wird also niemanden von den Qualitäten des zukünftigen Oscar Hosts überzeugen, wenn man diese bislang verschmäht hat. Freche bis offen huldigende Popkulturreferenzen, Obszönitäten und Gagstrecken ohne Bindung an Stimmung, Moment oder Story, sequentielle randomisation und die dominierende Nebenfigur, bei der der Freakpegel allein ihrer Anlage wegen heraussticht und von der MacFarlanes Cartoons gleich jeweils zwei haben – wer da im 20-Minuten-TV-Format nicht drüber lacht wird’s auch mit dem fünffach längeren Ted einigermaßen schwer haben.



Während der MacFarlane-Fan vielleicht eher enttäuscht wird. Überall da, wo sich das Serienformat nicht zum Spielfilm transformieren lässt, setzt Ted auf sehr generisches Plotwerk, vermischt die Geschichte des kiffenden, pöbelnden und rumhurenden Bären neben dem an sich ganz gut funktionerenden, märchenhaften beste Freunde-Part darüber hinaus mit Sonntag Nachmittags-Familienfilmattitüde und fühlt sich damit an wie in den 1990ern und an role models wie dem Macaulay Culkin-Vehikel Richie Rich, dem unterirdischen Baby Geniuses oder Ein Hund names Beethoven hängen geblieben. Was sogar MacFarlanes Absicht sein kann, den Film aber im letzten Viertel sein Zielpublikum aussperren lässt, so sehr schiebt’s Ted auf dramaturgisches Kiddie-Entertainment-Terrain. Konkret [kleiner SPOILER voraus]: das Storyfragment um Giovanni Ribisi und seinen Sohn, die als psychotisches Gespann Jagd auf den magischen Teddy machen, fängt schon verbraucht an zu muffeln, als es sich relativ früh im Film andeutet und stinkt übel, wenn es sich dann zum Showdown entfaltet und das Gespann Ted schließlich bärnappt. Zumal MacFarlane dieses seit 101 Dalamatiner abgestandene dramaturgische Konstrukt nicht parodiert oder sich sonstwie zu eigen macht, sondern es lediglich durchspielt.[SPOILER Ende]

Ted mag aber auch in einigen Dingen nicht richtig hinhauen, die MacFarlane groß gemacht haben. Unabhängig von der tricktechnischen Güte integriert sich der Bär selbst nie so organisch in den Realfilm, wie Baby Stewie mit seinen Allmachtsphantasien und der menschengleiche Hund Brian in Family Guy oder Alien Roger und Klaus, der Goldfisch mit dem Gehirn eines ostdeutschen Olympioniken, in American Dad. Die Erklärung für Teds Lebendigkeit ist natürlich nicht wirklich wichtig, das es überhaupt eine gibt halt ein Zugeständnis an das fairy tale’ige der Geschichte, aber eben besonders daran, dass ein MacFarlane-unkundiges Publikum einen vollkommen erklärungslos anwesenden sprechenden Plüschbären wahrscheinlich überhaupt nicht geschluckt hätte. Dieses bewusst-anarchische, das in Family Guy neben Brian und Stewie außerdem noch Ernie den Riesenhahn, Bürgermeister Adam West und dererlei Quatsch unerklärt zulässt, fehlt Ted für seine Hauptfigur. Was alles nicht bedeuten soll, dass der gute Seth den Wechsel des Mediums überhaupt nicht hingekriegt hat. Die Anspielungen auf Indiana Jones, Airplane!, Cheers, Flash Gordon (samt des genialen Cameos von ♫FLASH! Ahaaa♫-Sam J. Jones persönlich) usw. sind zahlreich und manchmal brilliant, die Gastauftritte von Tom Skerritt (Alien), der „braven“ Norah Jones und von Green Lantern Ryan Reynolds amüsieren, genau wie diverse Spitzen in Promirichtung (John während eines Disco-Flashback zur Musik von Rihanna-Prügelbube Chris Brown im Jahr 2008: »Chris Brown can do no wrong!«).



Mit seiner Besetzung macht MacFarlane das meiste richtig: das der unterschätzte Mark Wahlberg Comedy kann hat er in den unterschätzten Date Night und The Other Guys bewiesen, seine Mischung aus stirnfaltiger Stoik und blanker, starrender Hohlbirnigkeit geht auch in Ted auf, dazu ein bißchen Romantik und Herzschmerz mit Mila Kunis, die als amtierende Sexiest Woman Alive hübsch aussieht, sich nur einen Nervaussetzer leistet und insgesamt angenehm die vernunftsbegabte, aber doch nicht verstockte Langzeitfreundin gibt. Dass sie sich mit Ted eigentlich nicht viel schlechter als John versteht und der Bär die Beziehung der beiden nicht aus bewusster Eifersucht torpediert, ist schön weit weg von einer häufigen Klischeefalle ähnlicher »do something with your life!«-Prämissen. Dann Community-Star Joel McHale, Patrick Warburton, Matt Walsh, Bill Smitrovich und Laura Vandervoort in kleineren Rollen, MacFarlane selbst als Ted und Sir Patrick Stewart als Narrator – passt.

Ted kackfratzt sich durch Popkulturverweise, Gaga-Gags und einige typische MacFarlane’sche Irrsinnseinlagen (wie die Hotelzimmerklopperei zwischen John und seinem Stoffgefährten) und hält dessen 50%-Quote aus ins Ziel gesetzter Comedy und solcher, die’s wegschießt. Der Vorteil liegt dabei im Kurzweil, der Film überstrapaziert seine Pointen nicht wie das Apatow-Genrekollegium (aktuell The Five-Year Engagement und Wanderlust) und krampft um seine Zotigkeit nicht so verklemmt herum wie die beiden Hangover-Trips, Ted ist schneller und direkter, dafür sind der emotionale Part und der Schlussakt eher hölzern, wiedergekäut, aus den falschen und zu vielen ähnlichen Filmen zusammengeklaubt. So ist Seth MacFarlanes Ted zwar mittlerweile die erfolgreichste Original-R-Rated-Comedy überhaupt und sicher eine, die Spaß macht, deren Schöpfer aber nur mit halbem Arsch in der Hose auf dem Regiestuhl Platz genommen hat und die eigene Konvention zu häufig der allgemeinen opfert.

Wertung & Fazit

Action: 0,5/5
Gegen Ende mit einer Verfolgungsjagd, ansonsten kein Kriterium.
Spannung: 0,5/5
Kurzweilig, allerdings mit lahmem Schlussakt, der Spannung versucht.
Anspruch: 0,5/5
Ted ist keine Moralfabel, die ganze »werd erwachsen!«-Kiste wird nicht überstrapaziert oder mit Spießigkeit synchronisiert.
Humor: 2,5/5
50/50. Mit einem Auge und Ohr für die zahlreichen Anspielungen oft wirklich witzig, die vulbären Missetaten der Hauptfigur sind’s hingegen nicht immer.
Darsteller: 3,5/5
Mark Wahlberg und Mila Kunis geben ein nachvollziehbares Paar ab, Nebenfiguren, Cameos und Gastauftritte treffen den Ton.
Regie: 2,5/5
MacFarlane macht, was MacFarlane kann, davon funktioniert nicht alles, dazu mengt er sehr viele sehr konventionelle Ansätze. Ordentliches, aber kompromissbelastetes Realfilmdebüt.
Fazit: 5/10
Das Ted-Sequel ist angesichts der Zahlen eigentlich nur eine Frage des Zeitpunkts. Und dann sollte sich Seth MacFarlane durchringen und ein bißchen mehr wagen und Plotinstrumente weglassen, die nur noch lahme Töne dudeln. Ted unterhält soweit dennoch, mit Family Guy und American Dad ist der MacFarlane-Fan aber weiterhin besser beraten.

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