Review: THE COLD LIGHT OF DAY

Story

Der Geschäftsmann Will Shaw besucht seine Eltern und seinen jüngeren Bruder in Spanien, um mit ihnen ein paar pflichtmäßige Tage gemeinsamen Urlaubs zu verbringen. Doch ein Telefonat am ersten Abend lässt Wills ohnehin angespannte Stimmung endgültig kippen: sein Geschäft ist bankrott gegangen und der Segeltörn am nächsten Tag wird vom ständigen Handygebimmel und schlechten Nachrichten vermiest. Bis plötzlich Unfassbares geschieht. Nachdem Will von einem Landgang aufs Schiff zurückkehrt ist seine Familie verschwunden, Kampfspuren deuten auf einen Gewaltakt hin. Die örtliche Polizei erweist sich als alles andere als ein willkommender Helfer und gerade rechtzeitig taucht Wills schwer verletzter Vater Martin auf und erklärt die Situation halbwegs. Martin hat seit Jahren ein Doppelleben geführt, ist in Wahrheit ein CIA-Agent und die Entführer auf der Jagd nach einem geheimnisvollen Aktenkoffer, den er ihnen entwendet hat. Als sein Vater einem rücksichtslosen Hinterhalt zum Opfer fällt ist es an Will, den Koffer zu beschaffen und seine Familie zu befreien. Aber was hat es mit all dem auf sich und inwieweit ist die Kollegin seines Vaters, Jean Carrick, in die Ereignisse verstrickt? Eine Hetzjagd durch Madrid beginnt. Will bleiben nur wenige Stunden…

Der Film

The Cold Light of Day ist nicht im positiven Sinne klassisch, der ist uninspiriert, im negativsten Sinne. Reeds The Third Man, Hitchcocks North by Northwest, Polanskis Frantic, vermengt mit dem von der Bourne-Trilogie etablierten Actionszenenzutatenwerk. Nach der vielgelobten Jean-Claude Van Damme-Selbstreflexion JCVD verschleiert der französische Regisseur Mabrouk El Mechri hier jedes Streben nach originärem Schaffen und malt lieber mit fettem Edding nach, was die Meister seines Fachs zuvor mit leichtem Pinselschwung uraufführten. Den einen Gnadenpunkt „verdient“ sich The Cold Light of Day eigentlich nur dadurch, dass es ab einer gewissen Zeit irgendwie perfide-amüsant zu beobachten ist, wie Henry Cavill, immerhin der neue Superman, beim verzweifelten Versuch, seine Familie zu befreien, eine nach der anderen auf’s Maul gezimmert kriegt und wie eine Valium-Flipperkugel durch die Szenerie wankt und geschubst wird. Als hätte Zack Snyder den Jungen gebeten, er solle die Erwartungen an ihn vor dem gemeinsamen Man of Steel bloß ganz weit durch den Boden drücken und erstmal voll im Clark Kent-Modus bleiben, um 2013 in blauen Strumbuchsen und rotem Cape alle zu überraschen.



Cavill ist somit zwar überzeugend überfordert, nur leider von allem. Storys wie jene von The Cold Light of Day, in denen ein unscheinbarer Normalo über sich hinauswachsen muss, leben natürlich von der Ausstrahlung ihres Hauptdarstellers, der Sorge bis hin zur blanken Panik, aber genauso wilde Entschlossenheit vermitteln muss. Wenn Cavill sein allgemeines Phlegma denn mal ablegt mündet das alles in nervende Hysterie. Ob er nun den Drahtziehern hinter der Ermordung seines Vaters oder beliebigen fremdpalierenden Spaniern gegenübersteht, Cavill zetert vor allen gleichermaßen herum. Wie wurscht er und seine Familie sind und bleiben bekommt der Brite damit nicht übertüncht. Das angespannte Verhältnis zum stets abwesenden Papa, der schwachbrüstig-nerdige kleine Bruder und die gutmütige Mama, immer zur rechten Zeit mit Schlichterspruch zur Stelle – boring. Und auch nicht vom im Verhältnis zu seiner minimalen Präsenz überproportional beworbenen Bruce Willis aufzuwerten. Der hätte seinen Kürzestauftritt auch via Videokonferenz runterreißen können, verklemmt gucken, einige Male »Will. Will!« rufen, brüllen, röcheln, ein paar Hiebe verteilen und Grünschnabel Cavill zeigen, wie man’s macht; und das war’s für die Action-Ikone. Paycheck, please.

Die nach der Entführung der Shaws zunehmende Anwesenheitspflicht von Actionszenen behandelt Mabrouk El Mechri genau so: als Pflicht. Statt Kür und wenigstens für ein bißchen Aufregung gut zu sein ruckeln die Schießereien und Verfolgungsjagden so höllisch, als spiele man ein High End Video Game auf einem Steinzeit-PC. Die bad guys und girls setzen ihre Kugeln immer artig daneben, sobald sie auf Will schießen, eine close combat-Kloppeszene zwischen dem Helden wider Willen und einem »who was that again?«-Typen ist ein Witz ohne Pointe und führt nur wieder zu Cavills überstrapaziertem »I don’t speak spanish!«-Geshoute. Die Verfolgungsjagden, zu Fuß, auf den Dächern Madrids und mit Auto, sind hüftsteif und so aufregend wie Feierabendverkehr in einem Hartz IV-Dorf. Aus der Bourne-Trilogie oder den Craig-Bonds wird hier zu zitieren versucht, bis es ausschaut wie die The Asylum-Version der Action-Thriller-Messlattenleger. Und auch seinen Schauplatz versteht The Cold Light of Day nicht zu nutzen. Dass die Hauptfigur mal nicht durch New York, Washington oder ein ganzes Sammelsorium globaler Schauplätze rennt, sondern konkret durch die spanische Hauptstadt Madrid, bietet keinerlei Besonderheit. Schon gar nicht, wenn die Hälfte der Ansicht eines weitläufigen Platzes in der Innenstadt aus einem riesigen Werbeplakat für deutsches Automobilgut besteht. Da rückt der Kinofilm dann noch ein bißchen näher an die TV-Unterhaltung heran, wo es ja nicht unüblich ist, dass sich bildschirmfüllendes Anpreisungsmaterial auch mitten in der Sendung störend ins Bild quetscht.



Den an sich einfachen Entführungs-Plot wollen die Autoren Scott Wiper und John Petro nach und nach ganz unbedingt zum großen Verschwörungs-Thriller aufbocken, inklusive einer unerwarteten Feindbildverschiebung, die mit einem einzigen Satz abgehandelt wird. Die Story wird dadurch nicht eben logischer und ab einem gewissen Punkt kaum mehr nachvollziehbar, geschweige denn zufriedenstellend aufgelöst. The Cold Light of Day ist wie ein Zauberer, der einen miesen und durchschaubaren Trick aufführt, aber viel Heckmeck und Firlefanz drumherum veranstaltet und am Ende ganz ganz viel wirres Zeugs faselt und sein Publikum so doch noch verwirrt bekommt, nur um sich dann für die Erklärung zu wichtig zu sein, wie er’s denn nun gemacht hat. Handlungsstränge und –details werden nur temporär angerissen, wie etwa die Frage, ob Wills Vater Martin nun ein Verräter und Überläufer war, was dann letztlich anscheinend schlicht deswegen nicht sein kann, weil Bruce Willis ihn gespielt hat, mehr Erklärung gibt’s nicht. Stattdessen erdreistet sich The Cold Light of Day tatsächlich, so etwas wie Sequel- oder gar Franchise-Willen anzudeuten, woraus aber kaum was werden dürfte. Whiney little Will ist nun wahrlich kein Fortsetzungsmaterial.

Kurz vorm Showdown lässt The Cold Light of Day eine flashlightende Discoszene loswummsen, um sicherzustellen, dass zum anti-furiosen Finale auch alle wach sind. Eine „zwei schwarze Autos tuckeln durch’s nächtliche und noch zusätzlich runtergedunkelte Madrid und zwischendurch steht Terrassengestühl im Weg“-Szene ist nach einer bereits armseeligen Parkhausschießerei dann der endgültige Tiefpunkt des Films. Mabrouk El Mechri poppt das mit ein paar netten Kameraspielereien auf, die angesichts des vorangehenden »alles auf Standart«-Gefilmes gänzlich fehlplatziert wirken. Beinahe Leid tun kann’s einem um Sigourney Weaver, die genau wie Cavill und seine Begleiterin Verónica Echegui mit gegrunzten ein- bis zwei-Wort-Sätzen überbrücken, dass auf den letzten zwanzig Drehbuchseiten wahrscheinlich keine richtigen Dialoge mehr standen. Und wenn schon die Macher kein Interesse an The Cold Light of Day hatten, muss man’s als Zuschauer schon gar nicht haben. Selbst der Kasper aus der letzten Reihe, der sich während der Vorstellung mit allem, dem Handy, seinen Uschis, mit Klatsch und Tratsch beschäftigt hat, nur dem Film keine Aufmerksamkeit gönnte, wenn selbst der die Storytwists lauthals im Vorraus anzukündigen im Stande ist – dann ist aber etwas ordentlich falsch gelaufen.

Wertung & Fazit

Action: 2/5
Menge und Einsatzzeitpunkte sind noch ok, nur das was geboten wird ist samt und sonders nicht der Rede wert und weit unter den Genre-Standarts.
Spannung: 1/5
Für aufrichtiges Mitfiebern bleiben die Figuren zu egal, der Plot zu austauschbar und die Actionszenen mit ihrem Jammerlappenhelden zu unaufregend.
Anspruch: 0/5
Fehlanzeige.
Humor: 0,5/5
Einige wenige Gags von der Stange, hin und wieder für einen Höflichkeitslächler gut.
Darsteller: 1/5
Das war noch nicht super, Mann: Henry Cavill gibt einen denkbar blassen Helden wider Willen, Willis und Weaver spielen für die Rentenkasse mit, ansonsten macht sich niemand durch irgendwas Besonderes bemerkbar.
Regie: 1/5
Mabrouk El Mechri verhebt sich an seiner ersten größeren Produktion, die er ohne bemerkenswerte eigene Handschrift runterschaukelt.
Fazit: 1/10
So gar nicht überzeugender Action-Thriller mit dauerüberfordertem Hauptdarsteller, unterforderten Gaststars, schlapper Action und viel Langeweile. Komplett unerlebens- und vergessenswert.

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4 Kommentare

  1. Dieser Kritik hier ist nichts mehr hinzuzufügen, wobei ich gestern das Kino nach einer halben Stunde verlassen habe (zum Schlafen war es zu laut) und mich vorher nicht über den Film informiert hatte. Schweres Versäumnis!

    1. Ja, hin und wieder können Filmkritiken eben auch zu was nütze sein 😉
      Aber wenigstens hast du dir die letzte Stunde erspart, schließlich wird’s im Laufe des Films das Gegenteilvon besser…

  2. Autsch, das hört sich ja fast so an, als hätte mein kleiner Bruder das besser hinbekommen 😉 Aber du bist nicht der erste, von dem ich höre, dass dieser Film zum Weglaufen ist. Liest Bruce Willis jetzt mittlerweile auch keine Drehbücher mehr???

    Und der gute Henry Cavill macht sich sein Leben auch nicht leichter. Erst das “Immortals”-Fiasko, jetzt das. Nachher läuft kein Mensch mehr in seinen “Man of Steel” 😉

    (Da kann ich ja fast froh sein, dass Mr. Patterson in “Bel Ami” wenigstens noch halbwegs erträglich war.)

    1. Willis hat das Script wahrscheinlich eher als einziger gelesen und sich über die schnell verdiente Kohle für gerade mal ein, zwei Arbeitstage im sonnigen Spanien gefreut 😉

      Und Cavill, tja… Der wird hier, wenn überhaupt, höchstens Supermans schlechtem Ruf als langweiligster aller Superhelden gerecht.

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