Review: THE DA VINCI CODE

THE DA VINCI CODE Filmkritik
KLICKEN ►mehr zum Film

Story

Der Harvard-Symbologe Robert Langdon wird nach einem Vortrag in Paris zum Tatort eines rätselhaften Verbrechens gerufen: der Chefkurator des Louvre, Jacques Saunière, wurde ermordet, konnte allerdings vor seinem Tod eine mysteriöse Botschaft auf dem Boden und am eigenen Körper hinterlassen. Schnell erkennt Langdon die Verweise Saunières auf den Künstler Leonardo Da Vinci, bis die Kryptologin Sophie Neveu eintrifft und ihn vor dem ermittelnden Kommissar Fache warnt, für den Langdon der Hauptverdächtige ist. Neveu stellt sich als Enkelin des Toten heraus und gemeinsam mit Langdon begibt sie sich auf die Flucht und gleichzeitig auf die Suche nach einem Jahrhunderte alten Geheimnis, das die Grundfesten des chrstlichen Glaubens erschüttern könnte und dessen Hüter Saunière gewesen zu sein scheint…

Der Film

Übersetzt in 44 Sprachen, über 80 Millionen verkaufte Exemplare, die Filmadaption allein in Deutschland mit über 5,6 Millionen Besuchern: The Da Vinci Code ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen, der protestierende Nonnen und aufbrausende Kirchenvorstände nichts entgegensetzen konnten. Dan Browns für erzkonservative Vertreter skandalöse Mischung aus Fakten und Fiktion rund um die Möglichkeit, das Jesus Christus Maria Magdalena nicht nur geehelicht, sondern zudem geschwängert haben könnte und damit ein Nachfahre des Gottessohnes unter uns wandelt, erhitzte die Gemüter, wurde schärfer für Browns Thesen, denn für seinen simplen Schreibstil kritisiert. Abseits aller Skandalträchtigkeit bleibt am Ende ein recht spannender Schmöker, der sich bei kaum sechs Seiten pro Kapitel flott runter lesen lässt, seine rätsellastige Schnitzeljagd zumindest geschickt und mit eingem Mitfieber-Potenzial erzählt. Ron Howards unvermeidliche filmische Adaption fällt in ihrer stoisch-uninspirierten Vorlagentreue dagegen ab, kann Kennern des Romans eigentlich gar nichts bieten, bleibt aber auch für Unkundige hinter der Spannung und Raffinesse zurück, die der Stoff beinhaltet. Was bleibt, ist flaches Unterhaltungskino, aber immerhin mit Starbesetzung und nicht zu verachtenden Schauwerten.



Ähnlich wie die ersten beiden Harry Potter-Adaptionen unter der Regie von Chris Columbus erweist sich auch Howards The Da Vinci Code als sich so eng an die Vorlage anschmiegend, dass sich die Frage der Notwendigkeit nach einer filmischen Umsetzung einer bei Lesern und Zuschauern derart präsenten Vorlage (Buch 2003 erschienen, Film von 2006) quasi unentwegt stellt. Beantworten lässt sie sich am Ende nur mit der kommerziellen Kalkulierbarkeit des Projektes, für das man locker 125 Millionen ausgeben kann, wenn mit über 750 Millionen an Einspiel zu rechnen ist. Mit der Einfallsarmut, die Akiva Goldsmans Buch und Howards Inszenierung für die Kundigen offenbaren, stößt die Trivialität der Umsetzung die Unkundigen vor den Kopf. Die Geschichte stellt ihren Protagonisten Robert Langdon wie Schulunterricht vor eine schwierige Aufgabe nach der anderen und während der gewissenhafte Buch-Langdon sich einige Flüchtigkeitsfehler erlaubt, am Ende aber saubere und nachvollziehbare Rechenwege und Lösungen präsentiert, liegt auf dem Schoß des Film-Langdon das Lösungsbuch und er kann rechthaberisch einfach die Ergebnisse in den Raum brüllen. Das wirkt im Handlungsverlauf mehr als einmal willkürlich und schlicht behauptet, es wird zwar viel drumherum erklärt, die entscheidenden Lösungen fallen Langdon aber viel zu simpel zu. Wenn er und seine Begleiterin Sophie zum Beispiel zum Öffnen eines Bankschließfaches einen zehnstelligen Zahlencode eingeben müssen und sich zwischen einer bewusst falsch geordneten und der richtigen Fibonacci-Folge entscheiden müssen geht dieses im Roman mit einem mehrseitigen Dialog einher, der verdeutlicht, warum nur eine der beiden Zahlenfolgen korrekt sein kann. Im Film ist sich Langdon sofort sicher, wodurch hier und an vielen weiteren Stellen die Dimension des Stoffes kaum wahrnehmbar ist und die Rätsel mit ein bißchen Kreuzworterfahrung lösbar scheinen. Damit erklärt der Film genug für die Durchschaubarkeit, aber zu wenig für Plausibilität und die Tricks eines Autoren, selbst die abstruseste Geschichte noch glaubhaft verkaufen zu können, gehen im Film überwiegend nicht auf.



Die Schauspielgarde in The Da Vinci Code profitiert indes in der Mehrheit von einfachen Tatsachen: ihren Namen und der augenscheinlichen Passgenauigkeit. Tom Hanks ist Tom Hanks, ein Grundsatzsympath, den man immer gerne sieht, der alles spielen kann und auch wenn Dan Brown im Zusammenhang mit Langdon von Harrison Ford spricht, ist er natürlich auch mit dem Symbologen alles andere als überfordert oder deplatziert. Zu den Glanzlichtern in Hanks’ Karriere zählt seine Performance trotzdem bei weitem nicht, dafür wird ihm viel zu wenig abverlangt und oft kommt hier auch ein Darsteller seine Güte nicht über die bloße Aufsagefunk tion der vom Buch vorgegebenen Dialog hnaus. Die schnuckelige Audrey Tautou und die Allzweckwaffe für die Besetzung eines grimmigen Frazosen Jean Reno, liegen als Besetzung von Sophie und Polizeijadghund Bézu Fache quasi auf der Hand und beide machen nichts grundlegend falsch, aber auch nichts bemerkenswert richtig. Von der Gleichberechtigung des Buches, in dem Sophies kryptologisches Wissen Langdons symbologisches ergänzt, größtenteils entbunden, fehlt es Tautou ein wenig an Zugriff auf ihre Rolle und meist stellt sie einfach nur mit großen Augen die typsichen Watson-Fragen, um Sherlock-Langdon seine schlauen Erklärungen zu ermöglichen. Jean Reno indes schaut grimmig drein und meistert diese Anforderung gewohnt routinert. Alfred Molina als Bischof Aringarosa bekommt nur wenige Szenen ohne bleibenden Eindruck, ebenso die deutsche Importware Jürgen Prochnow. Highlight in der Besetzung und auch schauspielerisch ist zweifelsfrei Sir Ian McKellen. Der Brite, der im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts beeindruckende BoxOffice-Zahlen vorweisen kann (vor allem dank der Der Herr der Ringe– und X-Men-Trilogien) legt als Gralsexperte Leigh Teabing einen energiegeladenen Auftritt hin und würzt das ansonsten sehr ernste Spektakel mit feinem Humor. Der bekennende Atheist Paul Bettany wäre für die Rolle des Opus Dei-Mönches Silas wohl nicht jedermans erste Wahl gewesen, verleiht dem bleichen Hünen (mit leichter optischer Abwandlung zum Buch) jedoch eine schön schaurige Aura und in den Szenen der rituellen Selbstgeiselung eine verstörende Faszination. Wie schon in der Vorlage ist Silas auch im Film einer der interessanteren Charaktere, wenn auch einiges an Hintegrund außen vor bleibt und der Killermönch im Zuge einer Storyschwäche in der zweiten Hälfte völlig verschenkt wird.

Ausgezeichnet funktionieren in The Da Vinci Code Ausstattung und Sets. Die Originalschauplätze, wie der Louvre, beziehungsweise nachgestellte und -gebildete Drehorte, die etwa als Ersatz für Westminster Abbey oder Saint-Sulpice dienen, werden durchweg schön und touristentauglich in Szene gesetzt und werden für einige sehr atmosphärische Momente passend eingesetzt. Dadurch ist dem Film ein gewisser Unterhaltungswert nicht abzusprechen, der mehr räumliche Tiefe, als der Zelluloidstreifen, auf den er gebannt ist, eben nicht hergibt. Ohne wirklich Spannung aufzubauen geht das Geschehen doch mit Zug voran, der Erklärungsmarathon, den Langdon und später Teabing abspulen, wird mit netten, gut umgesetzten und einigermaßen abwechslungsrechen Passagen visuell aufgelockert, woran der Kostenaufwand der Produktion ersichtlich wird. Aufglimmende Buchstaben und Symbole beim Enträtseln der Hinweise entsprechen der in Howards A Beautiful Mind eingeführten und viel zitierten und parodierten Codeknackerverdeutlichungsroutine und wie Zitat und teils (unfreiwillige) Parodie wirken sie dann auch hier. Eben wie Howards gesamte Regie irgendwie funktionabel, aber trotzdem austauschbar und einfallslos. Wie sehr seine Qualitäten, um voll zur Geltung zu kommen, von einem außergewöhnlich guten Drebuch abhängen (wie aktuell im Falle des erstklassigen Frost/Nixon) macht The Da Vinci Code überdeutlich klar.



In seiner Mischung aus tumber Vorlagentreue, fehlender Tiefe und des unspektakulären Fehlens jeglicher Dimension auf der einen, aber auch seiner optischen Werte, dem wohligen Gefühl, das einem die vielen bekannten Gesichter in ihren Rollen bereiten und einem gelungenen, weil zurückhaltenden, gut temperierten Score von Hans Zimmer auf der anderen Seite ist The Da Vinci Code letztlich ein höchst durchschnitlicher Film. Gegen Ende, da der Hauptantagonist reichlich früh entlarvt und weitere Gegner und Verfolger Langdons und Sophies selbst zu Betrugsopfern degradiert werden, geht zudem viel an Zug verloren und das große Geheimnis, dessen Ausmaß kaum Bedeutung zukommt, aber immerhin ein theoretisch interessantes Gedankenspiel ist, plätschert seiner Auflösung entgegen. Ohne die immense Popularität der Vorlage wäre die brisante Story so, wie sie hier umgesetzt wurde, sicher als Thriller von der Stange in der Versenkung verschwunden, denn abseits der sichtlich kostspieligen und aufwendigen Produktionswerte bliebe rein dramaturgisch kaum mehr, als ordentliches TV-Niveau. In einer ganz simplen Wertigkeitsformel zusammengefasst ist der Film zu gut, um schlecht zu sein, aber Mittelmaß ist manchmal eben noch unnötiger.

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
Gegenüber dem Buch um einige Elemente aufgepeppt, insgesamt aber nicht sonderlich actionorientiert.
Spannung: 3/5
Die Geschichte besitzt durchaus eine grundsätzliche Spannung (die für Kenner des Romans natürlich ziemlich wegfällt), die aber vom Film überhaupt nicht optimal transportiert wird.
Anspruch: 1,5/5
Hält sich zwar mit einiger Erklärungswut auf, bleibt aber sehr viel oberflächlicher als die Vorlage. Da fehlt natürlich schlicht die Leinwandzeit, um alles in vollem Umfang begreiflich und sinnhaft zu machen.
Humor: 0,5/5
Das Geschehen wird sehr ernst abgehandelt, nur Ian McKellens lebendige Performance steuert ein wenig dagegen.
Darsteller: 3/5
Passen zwar wie die sprichwörtliche Faust auf’s Auge, sind aber allesamt völlig unterfordert. Zudem einer der seltenen Fälle, in denen Tom Hanks und seine Rolle nicht optimal zusammenpassen.
Regie: 2,5/5
Einfallslos aber technisch solide. Ron Howard von seiner eher wenig berauschenden Seite…
Fazit: 5,5/10
Schafft es mit visueller Gefälligkeit nur gaaaanz knapp über’s bedeutungslose Mittelmaß hinaus. Überraschungsarm und stoisch penibel abgefilmt, ohne jeden eigenständigen Impuls. Abgesehen vielleicht von Tom Hanks’ Frisur….

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Liken/Teilen

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code