Review: THE LADY (OT: Dans La Lumière)

THE LADY (OT: Dans La Lumière) Filmkritik
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Story

Burma, 1947: der Kampf um Freiheit und demokratische Wahlen kostet den Vater der zweijährigen Aung San Suu Kyi bei einem Anschlag eines militärischen Todeskommandos das Leben. Vierzig Jahre später lebt sie mit ihrem Mann Michael Aris und den beiden gemeinsamen Söhnen in England, hat das Schicksal ihres Landes aber nie aus den Augen verloren. Die schwere Krankheit ihrer Mutter führt Aung San Suu Kyi zurück nach Burma, wo sie die schrecklichen Greueltaten des Militärregimes hautnah miterleben muss: mit rücksichtsloser und unmenschlicher Gewalt werden Studentenproteste niedergeschlagen, friedliche Versammlungen mit Gewehrsalven aufgelöst, selbst helfende Ärzte niedergeschossen und Gefangene wie Tiere gehalten. Das Andenken ihres Vaters indes ist im Land ungebrochen und Aung San Suu Kyi erkennt, dass das Volk in ihr die Möglichkeit zu einem Wandel sieht, eine Abkehr von Diktatur und Unterdrückung. Mit aller Liebe und Hingabe ihres Mannes im Rücken wird Aung San Suu Kyi zum Gesicht und zur Stimme eines friedvollen Aufbegehrens – die unnachgiebige Regierung findet jedoch immer neue Wege, um ihren eisernen Willen zu brechen…

Der Film



Tragische Liebesgeschichten vor bestürzendem historischen Hintergrund sind eine filmische Leibesübung, deren Bewegungsablauf ins Stocken gerät, wenn das Verhältnis zwischen romantischem Gesäusel und einer ansprechenden Rekonstruktion der Zeitgeschichte nicht stimmt. Das persönliche Schicksal zweier liebender Menschen als kleinster gemeinsamer Nenner einer größeren und weltgeschichtlich/politisch bedeutsamen Episode kann natürlich allzu leicht in eine Instrumentalisierung ihres Hintergrundes abdriften, um effektiv, aber am Rande der Pietät eines der beliebtesten Genres und eines der klassischsten Gefühle des Kinos herauf zu beschwören: das herzhafte Schmachten. Ein Beispiel, wie man’s richtig macht: James Camerons Titanic. Ein Beispiel, wie man’s besser gar nicht macht: Michael Bays Pearl Harbor. Ein Beispiel, wie es in seiner Machart einen Zwiespalt auslöst: Luc Bessons The Lady. Der französische Hit-Regisseur und –Produzent hat gegenüber den genannten Kollegen einen Vorteil auf seiner Seite, nämlich den, dass er die Love Story nicht dazu dichten muss; die schwierige, aber unerschütterliche Liebe zwischen Aung San Suu Kyi und ihrem Mann Michael Aris ist schon Teil der bewegenden Geschichte der Friedensnobelpreisträgerin.

Dennoch gelangt Bessons BioPic nicht ins rechte Gleichgewicht: nachdem Aung San Suu Kyi sich in ihrem Land zu engagieren beginnt und sich für demokratische Wahlen und die Absetzung des Militärregimes stark macht ergreift dieses Maßnahmen, die neben ihrem öffentlichen vor allem in ihr Privatleben einschneiden. Michael und den gemeinsamen Söhnen Kim und Alex wird zunächst immer wieder die Einreise und damit das Besuchsrecht verweigert und schließlich wird die Widerständlerin unter einen insgesamt fünfzehnjährigen Hausarrest gestellt. Die geographisch und politisch voneinander getrennten Liebenden ins Zentrum des Films zu rücken ist nicht grundsätzlich verkehrt, Besson scheitert aber an der / oder erschwert sich zumindest die Umsetzung. The Lady setzt zu oft auf Theatralik und Pathos bis hin zum Kitsch, wo auch mal etwas gefragt wäre, dass der Film überhaupt nicht kennt: Zwischentöne. Wo ist die Szene, in der Aung San Suu Kyi ihrem Mann und ihren Söhnen erklärt, warum sie bei ihrem Land sein muss, warum sie für die Demokratie kämpfen muss, warum ihr persönliches Glück erst strahlen darf, wenn das ihres Volkes erblühlt, wo ist dieser intime Moment zwischen einer Frau und Mutter, ihrem Mann und ihren Söhnen, bevor sie all dies in einer großen Rede zehntausenden Birmesen mitteilt?



The Lady wirkt bühnenhaft, aufgeführt, bisweilen sogar aufgesagt, vernachlässigt es grob, den großen schweren Momenten durch kleinere leisere Tiefe und Bedeutung zu verleihen. Beispielsweise wirkt die Szene, in der Aung San Suu Kyi in einem Krankenhaus das Grauen der Militärregierung, gipfelnd in der Erschießung eines Arztes, miterleben muss, einfach ZU inszeniert, die Musik trägt zu dick auf, die Bildkomposition lässt ihren Schock plakativ wirken. Hier wie an vielen anderen Stellen, an denen er vom Grauen des Regimes handelt, will der Film eine Regung zu sehr erzwingen, während die Emotionen anderswo aber verrecken. Erst gegen Ende schafft es The Lady, den tiefe Wunden reißenden Konflikt Aung San Suu Kyis zwischen der Verpflichtung ihrem Volk gegenüber und der Trennung von ihrer Familie offen zu legen, ihre Selbstaufopferung für Land und Leute und Michaels bis zum Schluss hingebungsvolle Unterstützung so gefühlvoll zu gestalten, dass sich die Distanz der künstlerischen Gestaltung des Films zu seiner eigenen Geschichte endlich auflöst oder zumindest lockert. Trotzdem: The Lady bleibt es schuldig, ein berührender Film, mehr als nur die in satten Farben bebilderte light-Version seines Hintergrundes zu sein, er bleibt es schuldig, die politische Ebene differenzierter als mit diabolischer Schurkerei auf der einen und erhabener Güte auf der anderen Seite zu skizzieren, er bleibt es schuldig, seiner Hauptfigur das verdiente Portrait zu widmen.

Vorzuwerfen ist das allein Luc Besson und seinem Hofkomponisten Éric Serra. Letzterer liefert einen für sich ganz hörenswerten Score an, der sicher eine große Unterstützung für myanmarische Tourismusvideos wäre, den Film aber mit einer zu dicken Klangsoße übergießt, die Bessons nie am Konventionsbruch interessierte Regie nur bestärkt. Sobald die Klänge fröhlicher, freier, optimistischer werden, folgt ganz gewiss der nächste Rückschlag für Aung San Suu Kyi. Ausgelöst von einer Garde des Bösen, die es einem schwer macht, sie ernst zu nehmen. Kaum ein größeres Grauen geschah und geschieht auf der Welt, als unter dem Militärregime Burmas und The Lady scheut nicht vor drastischen Szenen zurück – Hinrichtungen, Blut, abgetrennte Gliedmaßen, Gefangene, die durch ein Minenfeld getrieben werden. Nicht so überbordend, wie es Sylvester Stallone im Sequel John Rambo zeigte, dennoch ist die 12er-Freigabe eine fragwürdige. Die Handlanger des Regimes zeigen also ihre brutale, erschütternde Fratze, ihr General Ne Win hingegen gerät zur Karikatur eines Schurken, der ganz klischeeverhaftet eigene Männer erschießt, sich nach den Ratschlägen einer kartenlegenden Wahrsagerin richtet und die Werte der Landeswährung, des Kyat, reformiert, damit sie durch seine Glückszahl 9 teilbar sind. Das ist historisch zwar korrekt, wird vom Film aber denkbar platt und mit »guckt euch den Spinner an!«-Zeigefinger formuliert, während politische Aspekte der Regierung blass am Rande bleiben.



Ohne solch gravierende Mängel hätt’s ohne Zweifel vom Material ausgehend zu einem mitreißenden, Augen und Ohren für die Geschichte der Aung San Suu Kyi und ihres Volkes öffnenden Film reichen können, so ist The Lady halt nur ein durchchnittliches BioPic. Toll, aber teilweise auch leer bebildert und erst zum Schluss emotional wirklich kraftvoll, auch wenn gerade die Triumpfe der gewaltlosen Demokratisierung und ihrer Führerin im Verhältnis zum sonstigen Pathos oft ein bißchen spröde und nebenher abgehandelt werden. Leider rücken die Schwächen des Films auch sein größtes Gewicht in den Hintergrund, nämlich die Leistung seiner Darsteller. Michelle Yeoh und besonders David Thewlis spielen phänomenal, mit der Hingabe an diese bewundernswerten Menschen, die ihrer Lebensleistung entspricht – abgesehen von den seltenen gemeinsamen Szenen. Da klingen die Dialoge plötzlich gestelzt und das ganze physische Miteinander der beiden wirkt irgendwie nicht richtig. Mag daran liegen, dass mit dem zersausten Thewlis kein Beau vom Schlage eines George Clooney die Rolle übernommen hat, so oder so herrscht nach Monaten und Jahren der gegenseitigen Entbehrung eine seltsame Leidenschaftslosigkeit zwischen der Widerstandskämpferin und ihrem Unterstützer, die eben zuerst Frau und Mann sein sollten. Ansonsten und getrennt voneinander ist es aber großes Schauspiel, dass die Malaiin und der Brite bieten. Groß genug, um dem übrigen Film wenigstens in einigen, herausragenden Augenblicken zu entwachsen.

Wertung & Fazit

Action: 0,5/5
Spannung: 2/5
Anspruch: 3/5
Humor: 0/5
Darsteller: 4,5/5
Regie: 2/5
Fazit: 5,5/10
Luc Besson hält zu selten das Gleichgewicht zwischen der tragisch-bewegenden Liebesgeschichte und dem erschütternden historischen Hintergrund, beide Aspekte greifen nicht tief und weit genug, um emotional zu fesseln.

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