Review: THE LAST STAND

THE LAST STAND Filmkritik
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Story

Ermüded vom Blutvergießen während seiner Arbeit bei der DEA in Los Angeles hat sich Sheriff Ray Owens vor Jahren von den großen Kämpfen gegen das Verbrechen zurückgezogen und fristet zufrieden seinen Dienst im verschlafenen Grenzkaff Sommerton Junction, Arizona. Mehr, als hin und wieder mal jemandem auf die Finger zu hauen, hat Owens hier nicht zu tun, hat in der Gemeinde aber ein Zuhause gefunden. Währenddessen in Las Vegas: unter Führung von FBI-Agent John Bannister soll der mächtige drug lord Gabriel Cortez auf einem streng geheimen Hochsicherheitstransport verlegt werden, doch dem ruchlosen Verbrecher gelingt überraschend die Flucht. Mit einer Geisel und einer auf Höchstgeschwindigkeit gepimpten Corvette rast Cortez in Richtung mexikanische Grenze und damit in die Freiheit. Straßensperren und S.W.A.T.-Teams entledigt er sich mit Hilfe seiner schwer bewaffneten Privatarmee, die ihm außerdem eine unerwartete Brücke über die Grenze schlägt – doch der Weg führt durch Sommerton Junction und obwohl es Sheriff Owens‘ freier Tag ist denkt der alte Recke überhaupt nicht daran, den brandgefährlichen Kriminellen ohne Gegenwehr durch seine Stadt ziehen zu lassen. Gemeinsam mit seinen Deputys bereitet er einen erbitterten letzten Widerstand vor…

Der Film

Da ist es also, das zelluloidgewordene eingelöste Versprechen des Terminators: »I’ll be back«, eines der berühmtesten Zitate der Filmgeschichte, nach erster Äußerung im Jahr 1984 jahrzehntelange catchphrase und 2013 umformuliert zum Leitsatz »I am back« für DEN Star des Actionkinos, Arnold Schwarzenegger. Nach seinen Ausflügen mit den Expendables, zunächst noch via Cameo, im zweiten Teil dann ausgedehnter, legt der Steirer nach seiner Polit-Intermission mit The Last Stand sein Hauptrollencomeback vor. Schwarzenegger, gealtert, überholt, vergessen? Was will der Mann noch auf der Leinwand, möchte man fragen, was gibt’s noch zu erreichen und in welche Richtung soll’s gehen mit The Last Stand? Die Synopsis und das erste Poster ließen etwas vermuten, dass wie Cop Land für Stallone oder Gran Torino für Eastwood hätte werden können, ein actionreicherer, aber wohlmöglich melancholischer Helden(ab)gesang, die Abrechnung mit dem eigenen Selbstbildnis, eine Rückkehr als gleichzeitiger Endpunkt und Neubeginn. Die Trailer allerdings sahen dann eher nach Funfest alter Schule aus, Action auf Anschlag und viele neue Einträge für das Poesiealbum der kernigen Arnie-Oneliner.



The Last Stand ist nach beschaulicher Einführung aber lange Zeit nichts von beidem, sondern stattdessen ein solide gefilmter bad-guy-on-the-run-Actioner, in Ausmaß und Art zum Beispiel mit dem 2003er S.W.A.T. vergleichbar. Der Krawall findet zunächst ohne Schwarzeneggers Zutun statt, er delegiert Aufgaben an seine Deputys und dient diesen als Leitfigur – was vor Big Arnies persönlichem demografischen Wandel auch sinnhaft erscheint: er und sein Sheriff Owens suchen die Schlachten und die Gewalt nicht (mehr), doch sie rasen ihnen unaufhaltsam entgegen. Das könnte man als Metapher auf Schwarzeneggers Karriere und sein Comeback zu diesem späten Lebenszeitpunkt lesen, Drogenboss Cortez in seiner aufgebretzelten Corvette als Sinnbild eines Actionkinos, das eigentlich viel zu schnell für den Mittsechziger geworden ist und dem er sich dennoch nicht vollends entziehen kann, es braucht, sich ihm nicht bloß entgegen zu stellen, sondern wieder ein Teil davon zu sein, es gar wieder an sich zu reißen versucht, wie in den glorreichen ‘80ern, den Tagen des Terminators, des John Matrix oder Dutch Schaefer. Ein Schwarzenegger und sein filmisches Eingeständnis, nicht ohne das Kino und nicht ohne das Genre zu können, das er einst beherrschte. Aber steckt soviel Meta in The Last Stand? Steht das US-Debüt Kim Jee-woons so sehr in Relation zu seinem Star?

Gar nicht unbedingt, auch wenn sich obiger Ansatz leicht hineindeuten lässt. Doch der Zuschnitt auf Arnies breite Schultern hätte genauso für beliebige andere Krachbummhelden auf Maß gebracht werden können, vergangene wie gegenwärtige. In seinen Grundmotiven ist The Last Stand nämlich ganz allgemein, etwas wohlwollender könnte man auch „klassisch“ sagen. Das fängt ja schon beim Titel an, dem man in goldenen Westernzeiten ein John Wayne’s… oder Clint Eastwood’s… vor- oder ein …of the Magnificent Seven hätte nachstellen können. Ein müder Mann mit Stern schlägt seine letzte Schlacht. The Last Stand ist außerdem ein absolut klarer Film, kaum von szenischem Ballast beschwert, alles vermittelt Information und etabliert das Nötigste an Background für Figuren und Situation. Gleich zu Anfang verabschiedet sich der Großteil der Bevölkerung von Summerton Junction, um das lokale Footballteam auf Auswärtstour zu begleiten, sprich die Stadt wird entvölkert und noch mehr zum staubigen Schauplatz eines brutalen Gefechts innitialisiert. Der Dorf-Jackass betreibt in seiner Scheune ein Waffenmuseum und der Ex-G.I. im Ortsgefängnis dürfte ebenfalls zu gegebener Stunde seine Bestimmung finden, genau wie der rote Sportwagen, rechtswidrig vor einer Feuerwehrzufahrt abgestellt.



Diese Einfachheit in der Anlegung, diese Klarheit der Narration und ihrer etablierenden Momente, die sich auch in der Figur des hispanischen Kartellbosses, der auf jede Aktion des FBI die passende Antwort hat, und dem FBI selbst finden, ist in Bezug auf den Schauspieler und die Heldenfigur Arnold Schwarzenegger vor allem eines: adäquat. Und erüllt damit den wichtigsten zu erfüllenden Begriff bezüglich des Comebacks der Muckibude aus Österreich. Mit dem überlebensgroßen Star lassen sich nach wie vor (und sofern er keinen Maschinenmenschen spielt oder zur bewussten Eigenparodie ansetzt) keine kontrastreichen Szenarien verwirklichen, Schwarzenegger bedingt und benötigt weiterhin stets ein Setting, das ihn in Relation setzt, ihn als Erscheinung begreifbar macht, und das gelingt The Last Stand auf seinem klar abgesteckten Territorium, seinen deutlich formulierten Begriffen von Ehre und Entschlossenheit, seinem archetypischen Schurken- und Heldenbild und seinem Einbezug der Tatsache, dass Schwarzenegger nicht mehr Anfang Dreißig ist. Eine Vater- wird zur Opafigur, statt Teens und Yuppies tauchen hier noch ältere Semester wie Harry Dean Stanton als Milchbauer und Lois Geary als aufgebrachte Omi in typischen Randfigurmomenten auf und insgesamt transportiert’s den unkaputtbaren Arnie von einst tatsächlich überzeugend ins Krückstockalter, ohne die Nummer totzureiten und sich vollends nur darauf zu spezialisieren.

Wenn Arnie pünktlich zum Showdown schließlich wieder zu Pumpgun, Maschinengewehr und übergroßem Revolver greift fetzt das fast wie zu besten Tagen, wenngleich er die Last nicht mehr allein schultert und schusskräftige Unterstützung erhält. The Last Stand zeigt harte Shootouts, die auch in der gekürzten 16er-Fassung noch reichlich gesprengte Körper, Köpfe und Melonen bieten, zelebriert Blutvergießen mit gesichtslosen Schurkenhorden, kleineren Handlungs- und Spannungsschüben (Held A muss Held B vor Schurke C retten usw.) und zwei nicht ultraspektakuläre, aber passende Schwarzenegger vs. the Hauptbösewichte-Konfrontationen. Als Lohn einiger ruhigerer Momente fährt der Film dabei den Umstand ein, dass man nicht bloß dem Äktschnheroen Big Arnie aus the-good-old-days-Solidarität den Triumpf gönnt, sondern durchaus der Figur Ray Owens. Der etwas lehrmeisterliche, leicht bittere Sheriff schlägt keine Wurzeln der Ikonographie nebst den richtig großen Nummern in Schwarzeneggers Vita, dennoch gehört er zu den wenigen Charakteren, hinter denen zumindest für einige Augenblicke der Status Schwarzenegger verschwindet. Immerhin!



Trotz brutaler BoxOffice-Bauchlandung ist Arnold Schwarzeneggers Comeback also vorerst ein gelungenes, eine endgültige Beurteilung wird natürlich erst möglich sein, wenn kommende Projekte wie der Thriller Ten nebst Terminator-Erbe Sam Worthington und Josh Holloway oder The Legend of Conan (eventuell inszeniert von Paul Verhoeven?!) ähnlich gut gelingen. „Ähnlich gut“ bedeutet für The Last Stand allerdings zunächst mal nur, dass der Film grundsolide Genrekost bietet, um die sich interessantere Theorien um Karrieremetaphern und Rollentypien spinnen lassen, als die extrem nach Schema ablaufende Story es praktisch zulässt. Red shirts wie der (über)ambitionierte Nachwuchsdeputy, der sich mehr Aufregung herbeisehnt und gleich bei der ersten Schießerei ins Präriegras beißt, wirken abgenutzter, als es Schwarzenegger in zehn Jahren tun wird, die klare Struktur der Handlung und ihrer Hinleitungen bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch eine millimetergenaue Vorhersagbarkeit von Ereignissen und dem Zeitpunkt ihres Eintreffens. Ohne sich neue Impulse für’s Genre abzuringen stimuliert The Last Stand die bekannten aber überaus gekonnt und zumindest hin und wieder mit einem gesteigerten Grad an Gewieftheit. Glad your’re back, Mr. Schwarzenegger.

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Hart bis lakonisch, mit einigen schönen Stunts. Allerdings in keinster Weise Standartsetzer oder „sowas hat man noch nicht gesehen“-Augenöffner. Solide eben.
Spannung: 1,5/5
Spielt viele bekannte Melodien auf dem Genreklavier.
Anspruch: 0,5/5
Schwarzeneggers Sehnsucht, im Actionfach noch Platz für sich zu finden, eröffnet dem Film immerhin die Möglichkeit einer Metaebene.
Humor: 1/5
Die Oneliner sitzen, einen leichten Touch ins Jackass-Absurde nimmt der Humor, wenn gegen Ende Johnny Knoxvilles Auftritt größer wird.
Darsteller: 3,5/5
Nicht das typische Arnie-Vehikel, da die Nebenfiguren durchaus handfestes zu tun bekommen und sich hier immerhin Namen wie Forest Whitaker und Peter Stormare finden.
Regie: 4/5
Ein bißchen viel „Genre 1+1“, das aber sehr ausgereift inszeniert.
Fazit: 7/10
Um Längen besser, als das meiste was Schwarzenegger seit Mitte der Neunziger bis zum political break gedreht hat, aber letztlich auch zu generisch, um an die ganz dicken Brocken anzuknüpfen. Dennoch: sehenswerte Revivalshow eines altgedienten Recken.

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