Review: THE RESIDENT

THE RESIDENT Filmkritik

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Hilary Swank hat manchmal keine Lust. Zwischen Oscar-winnig or –worthy Performances wie in Boys Don’t Cry (1999), Clint Eastwoods Million Dollar Baby (2004) oder demnächst in Conviction braucht die Washingtonerin anscheinend Pausen von solch fordernden und aufreibenden Rollen. Die gönnt sie sich dann in Gurken wie der Backpfeife für Physiker The Core (2003) oder dem Plagen-Horror The Reaping (2007). Auch in solchen Machwerken macht die Swank zwar nicht die schlechteste Figur (FIGUR wohlgemerkt) und angesichts ihrer Vergangenheit mit so wertvollen Beiträgen wie Karate Kid IV (1994) und Manchmal kommen sie wieder 2 (1996) seien ihr heutige crap-over-qualitiy-Ausrutscher sogar noch verziehen, aber verstehen muss man sie nicht unbedingt. Wie auch immer, auch The Resident schien einer dieser Miss Swank takes a timeout-Filme zu werden. Ist er’s geworden? Jahaaa, und wie, ein Paradebeispiel gar!

Story

Die Notfallärztin Juliet Devereau braucht nach der Trennung von ihrem Freund Jack nicht nur einen Tapeten-, sondern einen kompletten Wohnungswechsel. Ein zwar renovierbedürftiges, aber wunderschönes, toll gelegenes und zu einem verlockenden Preis erhältliches Appartement in Brooklyn scheint da genau das richtige zu sein. Nicht zuletzt des überaus zuvorkommenden Vermieters Max wegen. Doch bereits kurze Zeit nach ihrem Einzug beginnt Juliet, sich in der vermeintlichen Traumwohnung beobachtet und verunsichert zu fühlen. Zudem entsteht ein romantisches Missverständnis mit Max, während Juliet immer noch an Jack denkt, obwohl der sie betrogen hat. Und welche Rolle spielt der sinistre August, Max‘ Großvater?

Der Film



…und warum bildet The Resident sich ein, dass man sich für das eine interessiert und das andere nicht bereits nach fünf Minuten vorhersagen kann? Nach dem netten Vorspann rauscht der Film des finnischen Musik Video-Experten Antti Jokinen direkt in den dunklen Keller der Möchtegern-Thriller. Da wird Hauptfigur Juliet erst verschwitzt joggend, dann whoshhh am offen Herzen operiernd eingeführt, als toughe Frau, die aber später am Abend mit angezogenen Beinen auf dem Bett hockt und halt doch dem Typen hinterhertrauert, der sie, wie man wenig später erfährt, im eigenen Bett betrogen hat. Also auf in’s neue Appartment, das alte Leben hinter sich lassen, ein Score, wie er plakativer nicht sein könnte, unterstreicht die emotionalen Zustände und der Max ist ja sooo nett, wie er da beim Möbelpacken hilft, aber sein Großvater August, der ist ja sooo creepy, wie er da im Türspalt steht…

SPOILERS ahead… – obwohl, eigentlich doch nicht…
NATÜRLICH ist in Wirklichkeit Max der sickhead, der des Nachts in Juliets Appartment herumschleicht, sie durch den Spiegel beobachtet, natürlich ist die falsche Fährte in Opa Augusts Richtung mit ganzen Brotlaiben statt –krumen gelegt – bis dem Film die Backwaren ausgehen und er das, was bis dahin nach nicht ganz einer halben Stunde an Story passiert ist, zurückspult und aus Max‘ Sicht nochmals zusammenfasst. Der hat, als er Juliet während der Herzoperation erblickte, eine krankhafte Zuneigung zu der Ärztin entwickelt und sie ist nicht ganz zufällig ausgerechnet in seinem Appartment gelandet. Das, was anderswo wohl ein End-Twist geworden wäre, ist in The Resident also ein 1/3-Twist, was der Film möglicherweise für was Besonderes hält und die Frage nach dem wer zu einer nach dem wann umformuliert: nicht wer ist der psychotische Voyeur, sondern wann wird er mit welchen Konsequenzen enttarnt?



…aber auch das ist total egal und so vorhersehbar, wie auf Fensterscheiben geschossene Fußbälle und mit dem selben Ergebnis präsentiert: das scheppert ein paar Mal ordentlich und sorgt danach für viel Durchzug. Das Szenario wäre gar nicht mal so verkehrt, der durch Zwischenwände schleichende und durch allerlei Öffnungen beobachtende Max, sein Heimspiel der Besessenheit, könnte für reichlich Suspense und Nervenkitzel sorgen, aber bis auf ein paar nette Kamerawinkel fällt Jokinen nicht viel ein. The Resident dümpelt irgendwo zwischen dem Hitchcock-Klassiker Psycho (1960), dem französischen Perspektivwechsler À la folie … pas du tout! (2002) und dem Sharon Stone-Voyeurismus-Thriller Sliver (1993) dahin und kommt qualitativ nicht mal dem bestenfalls durchschnittlichen letztgenannten nahe.

Nicht nur, weil sich die (nicht sehr konsequente) Perspektivenverschiebung in Richtung Jeffrey Dean Morgan nicht auszahlt, da sein unterdrückt-obsessiver Max ganz und gar langweilig ist. Sondern auch, weil Hilary Swanks Juliet ebenso nichtssagend ist, auf ihr Wohlergehen gibt man überhaupt nichts. Das liegt nicht zuerst an Swanks Spiel (obwohl auch das bisweilen ins Teilnahmslose abdriftet) oder daran, dass man einer Figur in der geschaffenen Situation unbedingt irgendeine Tiefe mitgeben muss, um das Publikum zum mitfiebern zu animieren, sondern weil Swank mehr als Ausstellungsstück, denn als Hauptdarstellerin inszeniert wird. Da bleibt wenig verborgen, Swank joggt schwitzend in Zeitlupe, später gibt’s Brüste, Hintern, Schambehaarung, Masturbation in der Badewanne zu sehen und als von irgendwoher ein Stöhnen zu hören ist, während sie sich den Körper eincremt, fragt man sich, ob man das gerade selbst ausgestoßen hat, so sehr drängt einen der Film dazu, die Hilary anzugeifern. Wie soll man das dem Kerl hinter der Wand da noch krumm nehmen?!



Darüberhinaus bietet Swanks Rolle nicht viel; das sie sich scheinbar völlig motivationslos wieder auf den betrügerischen Jack einlässt ist höchstens unnachvollziehbar und außer sich ansonsten zunehmend unwohler in der neuen Behausung zu fühlen bringt sie gar nichts rüber. Max‘ Besessenheit indessen geht nach den nächtlichen und Badewannen-Beobachtungen einen Schritt weiter und der perverse Schlingel putzt sich doch glatt mit Juliets Zahnbürste die Zähne und langt sich in ihrer Wanne in die Buchse und schreckt, völlig logischer nächster Schritt, schließlich auch vor Mord nicht mehr zurück. Das ist lächerlich, aber verdammt, es ist nicht bedrohlich. Krönend wird das Geschehen von einem unspannenden und undynamischen Showdown abgeschlossen, der zu einer Hetze durch die verborgenen Eingeweide der Wohnung in Endlosschleife wird und wie JEDE plumpe Anspielung in ihre offensichtlichste Auflösung mündet, so bekommt natürlich auch noch die vorher öfters durch’s Bild geschwenkte Nagelpistole ihren zu erwartenden Auftritt. Weniger erwartet ist da, dass eine Notfallärztin anscheinend nicht weiß, wo sie die Nägel vorteilhaft zu platzieren hat, damit der Böse nicht noch mehrmals wieder aufersteht…

…das passt aber andererseits schon wieder dazu, dass sich Juliet während der müden Hatz eh öfters mal verhält wie in guten alten Stummfilm-Slapstick-Zeiten, ihre Birne nimmt mehr als ein plötzlich auftauchendes Hindernis mit. Genau wie Jokinen, der an jedem Genre-Klischee hängen bleibt und das teils dermaßen gehäuft, dass The Resident glatt als Reminiszenz, zumindest aber als Spoof Movie durchgehen könnte, wenn er nur ein bißchen raffinierter, versierter und gewitzer im Umgang mit sich selbst wäre. Nach beinahe drei Jahrzehnten, während derer die altehrwürdigen Hammer Film Productions bankrott still lagen, ist The Resident einer der Versuche, den großen Namen hinter Produktionen wie The Curse of Frankenstein (1957), Horror of Dracula (1958) und The Mummy (1959) wieder zu etablieren. Nicht nur hätte man Christopher Lee ein würdigeres Comeback an alter Wirkungsstätte gegönnt, auch muss man befürchten, das das Unternehmen mit dem Ausstoß solch uninspirierten Schrottes alsbald wieder zum Verlustgeschäft wird…

Wertung & Fazit

Action: 0,5/5
Gegen Ende wird ein wenig gekeilt.
Spannung: 0,5/5
Das Todesurteil für einen Thriller, wenn hier nicht mindestens drei Punkte vergeben werden. Aber The Resident ist dramaturgisch viel zu platt und abgekupfert, langweilig und vorhersehbar.
Anspruch: 0/5
Ach was…
Humor: 0/5
Für ein paar unfreiwillige Lacher gut, reicht aber nicht für Gnadenpunkte.
Darsteller: 2/5
Hilary Swank, Jeffrey Dean Morgan und Sir Christopher Lee in seinen wenigen Szenen besitzen natürlich eine gewisse Präsenz und man sieht alle drei gerne. Nur viel lieber in besseren und engagierter ausgefüllten Rollen.
Regie: 1/5
Als (Mit-)Autor und Regisseur empfiehlt sich Antti Jokinen nicht gerade für höhere oder überhaupt irgendwelche Aufgaben. Dann lieber wieder Clips für KoЯn, Nightwish und Shania Twain drehen, bitte.
Fazit: 1,5/10
Dracula, die Mumie, Frankenstein – The Resident? Nee, nee, mit so faden Filmchen wird das für die Hammer Film Productions nix mit dem Anknüpfen an glorreiche alte Zeiten…

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8 Kommentare

  1. Kann mich der Kritik nur anschliessen.
    Vor 25-30 Jahren hätte man mit dem Film sicher noch punkten können, aber heutzutage langweilt man sich, ob der einfallslosen Machart.

    Hatte übrigens denselben Gedanken: Ne Notfallchirurgin, die weder mit nem ordentlichen Küchenmesser noch der Nagelpistole jemanden dauerhaft “außer Gefecht” setzen kann… tztz ^^

    1. Das ist tatsächlich das größte Rätsel dieses schrecklich durchschaubaren Films: wie ist die mit solch mangelhaften Fähigkeiten an ihren Job gekommen?!?

  2. Gute geschrieben, wie immer. Aber ich hab ein Problem mit diesem Satz:

    Darüberhinaus bietet Swanks Rolle nicht viel; das sie sich scheinbar völlig motivationslos wieder auf den betrügerischen Jack einlässt ist höchstens unnachvollziehbar und außer sich ansonsten zunehmend unwohler in der neuen Behausung zu fühlen bringt sie gar nichts rüber.

    Heißt es nicht anscheinend statt scheinbar? Täuscht sie die Motivationslosigkeit vor oder ist sie echt (mal abgesehen davon, dass sie Schauspielerin ist)? Denn dann müßte es anscheinend heißen. *klugscheißt*

    Auch wenn dieser Film so’n Langweiler ist, habe ich jetzt wieder ein wenig Hoffnung, dass “Let Me In” nun doch noch in Deutschland veröffentlicht wird. 😉 Wird dann wohl auch nur ‘ne DVD-Premiere…

    1. Scheinbar, anscheinend… möglicherweise beides nicht die ganz treffenden Wörter, der Film macht auf jeden Fall keine Motivation für erneute Kopulation ersichtlich – außer dass er Swank erzählen lässt, dass sie nicht von dem Typen loskommt. Fand ich sehr mager. Whatever.

  3. Ich hatte mich erst noch gewundert warum es nirgends nen Termin für den Kinostart zu finden gibt. Und dann hab ich die DVD gesehen und verstanden.

    Aber du hast ja selbst in der Einleitung schon geschrieben: bald gibts Conviction, da geht die Leistungskurve von Swank wieder steil nach oben. Auch wenn sie dort nicht verschwitzt durchs Bild joggt.

  4. Ja, Hillary mag auch gern mal Scheiße bauen. Aber hey, im Gegensatz zu vielen anderen Oscar-Kollegen (man denke da nur an Cuba Godding Jr.) kommt sie nach solch kolossalen Fehltritten immer wieder nach oben mit guten Rollen. Wahrscheinlich macht sie das wirklich nur, um mal ne Pause zu machen. 😉

    1. Richtig, und wie gesagt: irgendwie verzeiht man’s ihr ja auch. Gooding jr. ist wahrlich eines DER Negativ-Beispiele, von solchen Regionen ist Swank ganz klar ganz weit entfernt. Macht The Resident aber auch nicht besser 😉

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