Review: WORLD WAR Z

Disaster Movie ist eine Spoof-Abscheulichkeit der Dilettanten-Autorenfilmer Aaron Seltzer und Jason Friedberg und auch wenn der Titel im Grunde auf deren gesammtem Schaffen wie der Eimer auf dem Hinterteil sitzt: sie müssten ihn eigentlich an World War Z abtreten, wenn man mal allein dessen Produktionshistorie betrachtet. Einem Bieterkrieg zwischen den Produktionsfirmen von Leonardo DiCaprio und Brad Pitt zum Erwerb der Rechte des zugrundeliegenden Max Brooks-Romans folgte im März 2008 zunächst die begeisterte Script-Kritik der Kollegen von Ain’t It Cool News, die J. Michael Straczynskis frühen Drehbuchentwurf in die Finger bekommen hatten: »This isn’t just a good adaptation of a difficult book… it’s a genre-defining piece of work that could well see us all arguing about whether or not a zombie movie qualifies as ‘Best Picture’ material.« Der erwartete Genredefinierer allerdings zog sich hin, die Produktion kam mehrere Jahre nicht in die Gänge, das Script wurde über- und umgearbeitet, Drehplan und Kosten explodierten, Damon Lindelof wurde zum Rewrite des hakenden dritten Akts engagiert, nach umfangreichen Reshoots wurden dem Film ganze Passagen entrissen und der Zombie-Apokalypsen-Horror strammer auf Rating getrimmt, um das Budget überhaupt noch in der Nähe der zu erwartenden Einnahmen zu halten. Und so kam der Troubleshooter mit einer von Horror- und Zombiefilmfans belächelten bis verteufelten PG13-Freigabe raus und eigentlich kann das doch alles so gar nichts geworden sein, am wenigsten ein sehenswerter Film. Oder?

Story

Rasend schnell und unerklärlichen Ursprungs verbreitet sich eine Infektion quer über alle Kontinente und Länder der Erde und verwandelt die Menschen in blutdürstige, instiktgetriebene Horden. Der ehemalige U.N.-Krisenexperte Gerry Lane ist mit seiner Familie in Philadelphia unterwegs, als die Pandemie auch den Osten der USA heimsucht. Die Fürsprache seines ehemaligen Kollegen Thierry Umutoni verschafft Gerry, seiner Frau Karin und den beiden Töchtern einen Platz auf einem Flugzeugträger der U.S. Navy – allerdings nicht ohne eine Bedingung: gemeinsam mit dem Virologen Fassbach und einem SEAL-Team soll Gerry seiner abgelegten Profession nachgehen und einem Hinweis aus Südkorea folgen, der auf den Ursprung der Infektion hindeutet. Widerwillig, jedoch im Wissen, das Schicksal seiner geliebten Familie gleich zweifach in der Hand zu haben, willigt Gerry ein. Seine Suche nach Hinweisen der Ursprünge und möglichen Heilung der Pandemie wird zu einer globalen Hetzjagd, in Gerrys Nacken die schnaubende und scheinbar unaufhaltsame Wut der Zombie-Apokalypse…

Der Film

Wie könnte es anders sein: Extreme sind mal wieder nicht angebracht. World War Z ist nichtmal annähernd das Award-Material, das AICN-Autor Drew McWeeny in dem frühen Script erkannte, noch ist der Film die bäuchlings bruchlandende Bradastrophe, die das Pitt-Spektakel vermuten ließ. Die ersten zwei Drittel haben ein paar große Bilder und obwohl der Storyaufbau nicht mehr als unbedingt nötig bietet kann man sich zumindest an ein paar Ankerpunkten festklammern. Einige kurze Basil Exposition-Momente und –Dialoge zwischen Brad Pitt und seiner Filmfamilie, die die ältere Tochter als Asthmatikerin, seine Frau Mireille Enos als Britin und ihn selbst als ehemaligen Workaholic und mittlerweile Vollzeitvater charakterisieren, leiten den Film ein, ohne dass mehr als der Pitt-Part eine Rolle spielen würde. Aber noch bevor einen die „absenter Daddy will für die Familie da sein“- und „Kind mit rezeptpflichtiger Krankheit“-Klischees zu stören beginnen legt World War Z mit seiner zombastischen Zombie-Apokalypse los.



Ordnung und Alltag zerschellen binnen weniger Filmminuten an Ausbruch und Verbreitung der unerklärlichen Infektion, ein blindes Chaos entsteht, durch das die Infizierten die Nichtinfizierten wie Vieh vor sich her hetzen, um sich pulsierendes Blut und rohes Fleisch einzuverleiben. Was martialisch klingt, früh aber das Dilemma von World War Z offenbart. Der Film bietet ein Zombiemassaker in der light-Version. Die unkontrollierte Kostenexplosion hat die Produktion zu Einnahmen verdammt, die vermutlich überhaupt nicht, aber schon gar nicht mit einem saftig ausgereizten R-Rating zu erreichen wären, wie es dem Setting eigentlich entspräche. An ein paar Stellen fallen Schnitte derart heftig auf, als wäre der Hackebeilfleischer von RTLII am Werk gewesen, der da 16er-Fassungen für’s Nachmittagsprogramm runterkürzt. »Mehr Blut bitte!« ist nicht unbedingt das, was dem nicht-Gorehound als erstes durch den Kopf schießt, erst Recht nicht in Torture Porn-Zeiten, wo es expliziter bald gar nicht mehr geht – aber World War Z bestiehlt sich dramatisch seines Stimmungs- und Spannungsaufbaus, wenn denn nicht wenigstens ein bißchen Grauen, ein Schuss mehr visuelle Grausamkeit das Schreckensszenario würzt.

Zumal es World War Z am Händchen für Suspense fehlt, um seine wortwörtliche Blutarmut zu kaschieren. Ein, zwei Jumpscares und ansonsten zwar teils beeindruckende und originelle Bilder einer im Infektwahn durchdrehenden Menschheit, ein zu Beginn straffes Tempo mit vielen Schauplatzwechseln und somit immerhin dem Ansatz eines Gefühls für eine globale Apokalypse – aber der echte Thrill fehlt dem Ganzen. Die (irgendwie ja, aber doch nicht wirklich-)Zombies fallen wie ein stetig wachsender Heuschreckenschwarm über das Weideland aus Menschenfleisch her und obwohl der CGI-Einsatz nicht vollends überzeugt ist das als Verhaltensvorstellung schon recht drastisch und in dramatische Sequenzen gegipfelt, die mit den schlurfenden »Braaaains…«-Untoten aus den Klassikern George A. Romeros lediglich ihre in World War Z umdruckste Beschreibung gemein haben. Wenn diese sich übereinander türmenden, sich aufstapelnden und alles unter sich zermalmenden Massen dann aber ihre raubtierhaften Übergriffe starten, klein- und großkalibrig beschossen und in die Luft gesprengt werden und dabei kaum mal EIN Tropfen Blut fließt, dann ist das lediglich veganer Horror. Spaghetti ohne Bolognese Sauce, Chili ohne Schärfe.



Auch die sozio-politische Ebene wird nur kurz betreten: eine utilitaristisch geprägte Zwischenregierung aus Abgeordneten und Militärs (oder so…) übernimmt in den Wirren des Untotenhorrors das Kommando und bestimmt nach eigenen Ertragsschemen, wer in die Sicherheit an Bord der Meeresflotte aufgenommen wird und wer nicht. Mit ein bißchen Betroffenheitsmusik drunter werden da „unnütze“ Passagiere des Schiffes verwiesen und auf gut Glück zurück auf’s Festland geflogen, doch auf wirklich kritisches Gebiet traut der Film sich auch hier nicht vor. Dazu trägt Brad Pitts Gerry Lane ebensowenig bei, obwohl mal im Nebensatz erwähnt wird, dass er nicht nur aus Familienliebe bei der U.N. ausgestiegen ist, sondern sich außerdem via literarischer Fußnote über deren Methoden quasi aus dem Dienst geschrieben hat, das „warum, was, wer, wieso“ bleibt aber unbeleuchtet. Pitt spielt nicht mehr als eine typische „einzige-Hoffnung“-Figur, die in Situation XYZ(ombie) ausgesandt wird, um im Alleingang ein Kriegstrauma zu bewältigen (siehe Rambo II), oder eben wie in World War Z der Seuchenquelle nachzuspüren. Vollends überzeugend ist diese Prämisse nicht, aber Brad Pitt besitzt natürlich sowohl Star Appeal als auch Schauspielqualität genug, um das durchzuwuppen.

Einen richtigen Schub nach hinten versetzt dem bis dahin trotz aller Zugeständnisproblematiken soliden World War Z sein letztes Drittel. Hier wurde am heftigsten am ursprünglichen Material herumge„bessert“ und eine in unbekanntem Umfang bereits gedrehte Massenschlacht in Moskau mit einem zombieschnetzelnden Brad Pitt entfernt, hier wäre der wirkliche WWZ ausgebrochen, Apokalypse Undead mit einem komplett anderen Ausgang und einer sehr viel düstereren Note. Sein ins mehrere hundert Millionen gesteigerte Produktionsvolumen sieht man dem fertigen Film und seinem Platzhalterende jedenfalls nichtmal mehr von weitem an, wenn er seine globale Apokalypse auf einen WHO-Laoborkomplex in Wales einschränkt und mehr an den ersten Resident Evil erinnert, als es ein Zombiefilm anstreben sollte. Rewriter Damon Lindelof fallen lediglich vorgerechnete Lösungen ein, um den Film abzuschließen, alles kommt wie erwartet, sobald gewisse Stichworte gefallen sind. Erst ganz zum Schluss zieht World War Z nochmal fett auf mit einer Montage von erbitterten Widerstandskämpfen gegen die Zombieherden und deutet an, wohin die Schnitzeljagd des Gerry Lane hätte führen können. So ist die weltweite Ausrottungsbedrohung zwar nicht in zwei Stunden komplett getilgt, aber: wer noch immer dem familienfreundlichen Ende von Spielbergs War of the Worlds grollt sollte besser nicht bei World War Z nach Linderung oder Erlösung suchen.



World War Z reckt sich mit einigen bemerkenswerten Ausblicken auf die Zombie-Pandemie aus den Trümmern seiner Entstehung, ist aber doch selten mehr, als seine eigene B-Lösung. Nervenzerkauende Spannung entsteht selten bis gar nicht, irgendwer macht immer was blödes und immer genau dann, wenn sich der wahre Thrill einer Szene gerade erst zu entwickeln beginnt. Ein paar Logikklopper entreißen einen bisweilen der Handlung, zum Beispiel wenn Brad Pitt mit ein paar anderen »wer war das noch gleich?«-Charakteren ein Labor durchschleicht, ohne die lärmempfindlichen Infizierten aufzuschrecken und anzulocken, sich dabei um Arme und Beine dickes Bindenmaterial gewickelt hat – nicht aber um die Schuhe. Der runter gebremste Schlussakt ist schwach, hätte ein geschickter Kommentar zu Seuchenpanik und –panikmache sein können, vergibt dies aber ohne Ambition. Die extrem gedrosselte Gewaltdarstellung, die später die Heimkinofassung ausbügeln soll, erweist sich als Stimmungskiller, da geht jede Folge The Walking Dead mit der Untotenthematik weniger zimperlich um. Am Ende muss der gebeutelte World War Z sich mit einem faden Urteil abfinden: hätte alles noch viel schlimmer kommen können…

Wertung & Fazit

Action: 2,5/5
Die Massen- und Verfolgungsszenen sind nicht am Optimum getrickst, aber dennoch das Highlight des Films.
Spannung: 1,5/5
Eine Bedrohung wie ein gerupftes Huhn dastehen zu lassen wirkt natürlich nicht gerade förderlich für die Spannungskurven.
Anspruch: 1/5
Nicht komplett blöd, das da zumindest ein mehrschichtiges und cleveres Quellmaterial zugrunde liegt scheint bisweilen durch.
Humor: 0/5
No.
Darsteller: 3/5
Brad Pitt schafft hier keine neue Kultfigur, der Megastar führt aber souverän durch den Film. Ansonsten viele unbekannte Gesichter und die bekannteren (James Badge Dale, Matthew Fox, Moritz Bleibtreu) kann man ganz leicht komplett übersehen.
Regie: 2,5/5
Armer Marc Forster. Soviel Gewirre um einen Film gönnt man keinem Regisseur, schon gar nicht einem, der mehrmals sein Talent bewiesen hat, zuletzt aber nicht gerade glücklich lag mit seinen Projekten…
Fazit: 4/10
Eine Zombie-Apokalypse in gut verdaulich: World War Z ist mehr Action-Blockbuster-Magerquark denn saftiger Infizierten-Horror und verliert sich nach ordentlichem Auftakt mit einigen starken Bildern letztlich doch in den tosenden Wirren seines komplikationsreichen Werdegangs.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Liken/Teilen

6 Kommentare

  1. Sieht mal wieder, wie ich es schon vorher erwartet habe, nach so einem vollkommen auf Blockbuster getrimmten Sommerfilm im Kino aus, der deutlich mehr falsch als richtig oder gar innovativ macht. Auch wenn ich Brad Pitt sehr schätze, so kommt seine Anziehungskraft für mich nicht gegen meine ohnehin eher als Abneigung zu beschreibende Beziehung zu Zombie-Filmen und dem elendigen 200+ Millionen Dollar Produktionen an.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code