Review: YOUNG ADULT

YOUNG ADULT Filmkritik
KLICKEN ►mehr zum Film

Story

Die Mitdreißigerin Mavis Gary hat’s aus ihrem schnarchigen Heimatkaff Mercury heraus nach Minneapolis geschafft und ist Autorin einer Jugendbuchreihe – die irgendwann mal erfolgreich war, nun aber nach dem nächsten Band eingestellt wird. Während Mavis sich von Reality-TV Shows und Teeniegesprächen beim Einkaufen zum Schreiben inspirieren lässt erhält sie eine Mail ihres Highschoolschwarms Buddy Slade, der mittlerweile glücklich verheiratet und gerade Vater geworden ist. Diese unerwartete Nachricht stürzt Mavis in eine Lebenskrise, in der sie eigentlich steckt, seitdem sie ihre Schule damals verlassen hat. Kurzerhand beschließt sie, nach Mercury aufzubrechen und unter dem Vorwand eines Immobiliengeschäfts Buddy zurück zu erobern, der nach ihrem Verständnis unmöglich glücklich mit Frau und Balg sein kann. In der Kleinstadt trifft Mavis nicht nur Buddy wieder, sondern auch Matt Freehauf, der im letzten Schuljahr wegen seiner angeblichen Homosexualität zum Krüppel geprügelt worden war. Ihm vertraut Mavis als einzigem die wahre Absicht ihres Besuchs an…

Der Film

Jason Reitmans bisherige und ersten drei Filme hatten immer etwas von tagesaktueller Bedeutung und Größe in ihren Geschichten. Die Satire Thank You for Smoking, eine zynische Abrechnung mit Lobbyismus und der Tabakindustrie, die Dramödie Juno, neben der etwas aufgesetzten Coolness ein Film über das Für und Wider von Teenagerschwangerschaften und Abtreibung, und schließlich die Tragikkomödie Up in the Air als ein Statement zur Wirtschaftskrise und Arbeitsplatzwegrationalisierung. Bei Reitmans Nummer Vier ist das anders: die zweite Zusammenarbeit nach Juno mit der früher bloggenden Stripperin, heute-Oscar prämierten Drehbuchautorin Diablo Cody birgt keine Facette globaler Wichtigkeit in sich, am Ende noch nichtmal unbedingt die zu erwartende Moral. Codys somewhat selbstreflexives Script zu Young Adult gibt sich mit dem Schwank über eine Protagonstin zufrieden, die seit gut zwanzig Jahren im Kreisverkehr des Erwachsenwerdens festsitzt und die Ausfahrt nicht findet, die Trivialliteratur für Jugendliche verfasst und mental selbst in deren Problemwelten um den süßesten Boy, Schönheit=Sozialstatus, klassifizierende und herabwürdigende Zickereien und ein gewisses Schlampentum stecken geblieben ist.



Young Adult ist nicht für‘s Herz, auch wenn das gelegentlich in der Luft liegt, eine süßliche Parfümwolke von alles-wird-schon-irgendwie-gut-Wohlfühligkeit und leise Erlösungsversprechungen für die Hauptfigur Mavis – der Film rümpft dann doch immer wieder eher die Nase, statt das klebrige Zeug aufzutragen. Jene Mavis ist from start to finish eine verdrießliche Unsympathin, die ersten paar Szenen ein Querschnitt durch ihr Leben: abgeranzt liegt sie quer über ihr Bett verteilt, während dullige Reality-TV-Formate laufen, um den Kater wegzuspülen wird die Coke light aus der Flasche eingekippt, der Brüste vergrößernde Plastik-BH wird unter’m ranzigen Shirt weggezogen, ein bißchen Sport auf der Wii getrieben – und dann das Bild eines neugeborenen Mädchens in einer Mischung aus Unverständnis und Angewidertheit betrachtet, nachdem sie die Mail von ihrem Schwarm Buddy erhalten hat. Brook Busey-Hunt, b.k.a. Diablo Cody, sollte man beim Portrait dieser Lotterlotte, die später mit Maniküre/Pedikür und Hairextensions von der Schlotter- zur Prom Queen und wieder zurück wechselt, einfach vergessen. Denn gerade in dieser Eigendemontage wirkt Young Adult selbstverliebt, wenn man sich vorstellt, das Cody sich hier (inwieweit auch immer) selbst beschreibt.

Schwer fällt’s aber nicht, Cody dahinter zu vergessen, denn diese schlurfige Narzistin in Jogginghose und Hello Kitty-Shirt gehört ganz Charlize Theron. Die eigentlich unentstellbar schöne Südafrikanerin hat sich hier nach ihrer Oscar-gekrönten Leistung in Monster (2003) oder dem Irak-Drama In the Valley of Elah (2007) mal wieder eine Rolle jenseits jeden Bunnyfaktors heraus gepickt, wobei der wahre „Mut zur Hässlichkeit“ in Young Adult nicht mal optischer Natur ist: man lernt Mavis zwar abgewrackt kennen, mit reichlich MakeUp und aufreizend ausgeschnittenem Kleid schmeißt sie sich aber später in Schale und dann besteht akute Verwechslungsgefahr zwischen Theron und einem anderen Glamour Girl, nämlich Katherine Heigl. Wo die aber immer verkrampft auf Neurosen-niedlich und charmant tut, spielt Theron Mavis ohne jede Spur von Charme, ohne dieses ins rechte Licht der Imageeitelkeit gerückte, verführerisch zwar, aber herablassend und arrogant, sich ihrer Wirkung allzu gewiss, unreif und hässlich im Innern. Eine 37jährige Frau die sich gibt wie eines dieser Mädchen, die das Interesse an einem Jungen verlieren sobald sie wissen, dass sie ihn haben können oder eines dieser Art, wie es Echt in ihrem Du trägst keine Liebe in dir besangen. »Guys like me are born loving women like you.« So drückt es der verkrüppelte Matt, der jahrelang seinen Spint neben Mavis‘ hatte und der sie öfter in ihren Spiegel hat blicken sehen, als dass sie ihn angesehen hätte.



Ohne Anflug von Romantik jagt Mavis einem Trugbild der Jugend nach; dem Traumprinzen, dem einen, dem Mann für’s Leben. Unvorstellbar scheint es ihr, dass ihr Buddy mit einer so unscheinbaren Pomeranze wie Beth hat glücklich werden können, das der Job als Vater ihn ausfüllt. Ihre Anbiederungsversuche sind manchmal von einem peinlichen Amüsement (wenn sie Buddy daran erinnert, wie sie ihm zu dem Song einen geblasen hat, den seine Frau ihm gerade mit ihrer Band junger Mütter widmet), mitunter auch von einer tiefen Tragik und einer Armseeligkeit, die Mitleid erregen könnte, würde Mavis nur nicht so blind und selbstversessen übersehen, um wie vieles ihr die Liebe (oder was sie sich darunter vorgestellt hat) von einst entwachsen ist. Auch Young Adult umgeht den Punkt nicht, an dem die saufende, emotionsfehlgesteuerte Mavis erklärt und begründet wird, schreibt ihr das gewisse Ereignis in den Lebenslauf, das ihren Fortgang bestimmt hat und ganz ohne Läuterung wird Mavis nicht in ihr Appartment nach Minneapolis zurück reisen.

Young Adult hält es aber wie nicht viele overcome-your-past-Stories offen, wohin es diese Mavis verschlagen wird und der Film nimmt sich weder so wichtig, noch glaubt er eine Weisheit zu verkaufen, die dem Zuschauer am Ende die Antwort verbieten will, dass es einem möglicherweise völlig egal ist. Was heißt nun „erwachsen sein“ oder „nicht erwachsen sein“, das glaubt der Film nicht final beantworten zu müssen, auch wenn er diese beiden Zustände einigermaßen plakativ voneinander abspaltet: erwachsen ist Familie und so, Demut, ein Häuschen, Verantwortungsbewusstsein, irgendwie ist das auch langweilig und spießig und nicht erwachsen sein halt das Gegenteil. Dass Young Adult nicht zu „entweder oder“, „kann sein oder auch nicht“ wird, liegt an seinen Hauptdarstellern. Charlize Theron zeigt sich wieder als eine der besten Schauspielerinnen unter den überirdisch schönen Hollywood-Diven, im schwammigen King Of Queens-Sonderling Patton Oswalt findet sich ein idealer Gegenpart, die Chemie zwischen der Zicke und dem zynischen Actionfigurenzusammensetzer passt wie’s A auf’s O.

Wertung & Fazit

Action: 0/5
Kein Kriterium.
Spannung: 1/5
Kommt zwar öfters so, wie man denkt, löst gerade solche Situationen dann aber mit einem Augenzwinkern, einer tragischen Wendung oder sonstwie ungewöhnlich. Aber natürlich kein Hochspannungsreißer und Twistdauerschleife, ruhiges Tempo und langsames Erzählen, ohne ins Überausführliche abzudriften.
Anspruch: 3/5
Mut zur Unsympathin in der Hauptrolle und einer außerhalb ihrer eigenen Welt unbedeutenden Lebenstragik, die aber mit Feingefühl und ohne abgegriffene Emotionsklaviatur nahe gebracht wird.
Humor: 2/5
Von subtil bis direkt, immer fein und nie erzwungen oder zu gewollt.
Darsteller: 4,5/5
Charlize Theron mit einer ihrer besten Leistungen, auch Patton Oswalt spielt groß auf. Als Objekt der Begierde wirkt Patrick Wilson daneben facettenloser, ist aber wie der übrige Cast passendes Beiwerk.
Regie: 4/5
Nicht Jason Reitmans beste Leistung; das dabei aber am Ende immer noch eine Wertung von 7,5/10 herauskommt spricht für ihn.
Fazit: 7,5/10
Ivan Reitman hat seinem Sohn einige unvergessliche Klassiker aus den 1980ern voraus, Jason gehört aber die Gegenwart des leichtgängig inszenierten, aber nicht banalen kleinen Kinos, da reiht sich Young Adult nahtlos in die bisherige, sich bemerkswert entwickelnde Vita ein.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Liken/Teilen

2 Kommentare

  1. Nicht Jason Reitmans beste Leistung

    In meinen Augen schon. Weitaus erträglicherer Film als Juno oder Up in the Air und letztlich reifer als Thank You For Smoking. Vielleicht ist bei Reitman doch noch nicht Hopfen und Malz verloren…

    1. Ich fand mindestens “Up in the Air” besser. Aber zumindest liegen wir hier mal wieder ein bißchen näher beieinander, wenn auch in unterschiedlicher Relation. 😉

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code