RIDDICK: Kritik zum Extended Cut des berstigen SciFi-Actioners mit Vin Diesel

Story

Der nachtsichtige Furianer Riddick hat schon bessere Zeiten erlebt: nachdem er zum neuen Lord Marshal und Anführer der Necromonger-Sekte aufgestiegen ist lautet sein Ziel nicht glaubensgemäß Underverse, sondern Furya, Riddicks verlorene Heimatwelt. Doch verraten vom machthungrigen Vaako bleibt der gefürchtete und unbeugsame Krieger schließlich verletzt und allein auf einem unwirtlichen, sonnenverbrannten Planeten zurück, dessen gefährliche Tierwelt sich nur zu gerne an Riddicks Fleisch laben würde. Nach harten Überlebenskämpfen gegen gefrässige Dingo-Hyänen und giftabsondernde Riesenskorpionviecher, die Mud-Demons, erreicht Riddick schließlich eine recht fruchtbare Savanne und einen verlassenen Söldner-Stützpunkt. Von dem aus sendet der nach wie vor quer durch die Galaxis gesuchte Schwerverbrecher ein Notsignal ab, das seine Identität und seinen Standort preisgibt. Und die Mercs lassen nicht lange auf sich warten: gleich zwei Gruppen von Kopfgeldjägern landen auf dem Planeten, die eine ein skrupelloer Haufen unter Führung des hitzköpfigen Santana, die andere militärisch-organisierter und besser ausgerüstet. Doch selbst einem Dutzend an zudem uneinen Gegnern scheint Riddick immer noch einen entscheidenen Schritt voraus zu sein, alles scheint nach seinen Plänen arrangiert – zumal er weiß, was im Schlamm lauert, wenn auf dem Planeten die Regenzeit hereinbricht…

Die Filmkritik

Ein Rückblick: im Jahr 2000 überzeugte der Regisseur und Drehbuchautor David Twohy mit einem kleinen SciFi-Wadenbeißer namens „Pitch Black“, eine zusammengewürfelte Gruppe von Bruchgelandeten auf einem lebensfeindlichen Planeten, ein paar geschickte Farbfilterspielereien und ansonsten nackter Überlebenskampf gegen eine im Dunkeln in Scharen an die Oberfläche strömende Alienbrut. Die perfekt durchgestylte Genrekonkurrenz jener Zeit, „Star Wars Episode I“, „Matrix“,… ausgekontert mit einem dreckig umgesetzten Konzept alter Handlungswerte. Dem eine cross media-Kultfigur entwuchs, nämlich der zynische Sträfling Richard B.Riddick. Der animierte Brückenfilm „The Chronicles of Riddick: Dark Fury“, das hochgelobte Game „The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay“ und die Kinofortsetzung „The Chronicles of Riddick“ vertieften das ruchlose Universum rund um den resistenten Flüchtling, Kopfgeldjäger und allerlei »Wat? Hä? Wer?«-Begriffe wie Necromonger, Underverse und Lord Marshal. Für viel mehr Geld startete Twohys Spielfilm einen kreativen Amoklauf, um Riddicks Geschichte von SciFi-Rotz auf SciFi-Epos aufzupumpen, was insgesamt bei Fans, Kritikern und (verhältnismäßig) an der Kasse um einiges schlechter ankam.

Neun Jahre später besannen sich Twohy und sein Star Vin Diesel auf das Wesentliche: Riddick, Riddick und noch mehr Riddick. Heraus kommt „Riddick“, der Riddick-Film. Ok, der Punkt dürfte klar sein. Twohy ist der Popularität seiner Kreation selbst am meisten erlegen, Diesel neigt eh zur Rückkehr zu liegen gelassenen Franchises und ähnlich wie bei „The Fast and the Furious“ kommt der Höhepunkt mittendrin und nicht gleich zu Anfang: „Riddick“ ist der beste Film der Reihe, ein räudiger Köter, gekreuzt aus den prägenden Elementen des ersten Teils, Western-Motiven und ungehobelter R-Rated Action mit harten Kills und blanken Titten. Konzept und Figur des Riddick scheinen ausgereift, angekommen. „Riddick“ IST Riddick, mehr als es „Pitch Black“ war, mehr als es die „Chroniken eines Kriegers“ waren. Runterreduzierter auf den Reiz einer einzelnen Figur geht gar nicht, ein archaisches Solo für den Furianer. Weiterhin und diesmal mit aller Konsequenz durchgezogen erlaubt Twohy es seiner Welt, nur aus sich heraus und in sich zu existieren, keine Gegenwartsmetaphorik, keine Geschichte, die über ihre zwei Stunden hinaus nach einer größeren Bedeutung sucht, sondern ohne Kompromisse und Anbändelei ein weiteres Kapitel dieses aus Archetypen und zwielichtigen Strukturmustern bestehenden Universums, in dem sich jeder so gut es geht durchzuschlagen versucht.

„Riddick“ entzieht sich den Bildern und der Narration des Blockbusterkinos, im ersten Drittel ist das nichts als Diesel, ein gelb-orange-braun-roter Wüstenplanet und knurrendes, zischendes, beißendes Viechzeugs, dem er sich erwehrt. „Cast Away“ meets „Survival Camp“. Riddick versorgt seine Wunden, monologisiert eisschrankcool aus dem Off, immunisiert sich im Selbstversuch gegen das Gift der Mud-Demons, züchtet sich einen Dingo-Hyänen-Kumpel heran, schmeißt sich in bad ass-Posen und reanimiert nach Jahren des Darbens auf dem Thron der Necromonger die wilde Bestie in seinem Inneren. Eine entschleunigte, sehgewohnheitenfremde halbe Stunde lang huldigt der Film dem Kultfaktor seiner Titelfigur, folgt seinen eigenen Axiomen und Tempi (»There’s gonna be one speed… mine.«) und trotzt jedem Widerwort: das man einen Mainstreamfilm so nicht eröffnet, das man für Unkundige so keinen geeigneten Einstieg in die Reihe schafft, das man der Figur so keine neuen Facetten abgewinnt – das ist „Riddick“ alles kackegal und der zieht’s nach diesem knackbrettigen Auftakt sogar durch, dass der zynische Kampfklotz danach eine Zeit zu humpti-humpti-Musik mit seiner Dingo-Hyäne durch die Savanne streift und die beiden altehepaarisch um die Nahrungsvorräte streiten. Verdammt, „Riddick“ hat Eier.

Mit dem Auftauchen der beiden zunächst einander duellierenden Kopfgeldjäger-Mannschaften macht der fightende Furianer sich dann erstmal rar und Twohy beginnt einen langen Mexican standoff, in den Riddick mit gezielten Nadelstichen eingreift, die Teams verunsichert und zu dezimieren beginnt. Mit dem Wechsel von SciFi-Survival zu SciFi-Western wechselt auch die Perspektive, weg von Riddicks Sicht, hin zu seinen Häschern, womit der Film sich gleich auch noch gegen die ungebrochene Anwesenheitspflicht eines Sympathieträgers und gegen leicht verdauliche Gut/Böse-Schemata wendet. Wie gesagt: das Riddick-Universum ist eines, in dem sich jeder so gut es geht durchzuschlagen versucht und dementsprechend handeln hier die Interessenverbände. Ein paar nehmen die Jagd auf Riddick dabei ein bißchen persönlicher als andere, die einfach nur an das horrende Kopfgeld ran wollen. Von wenig gesprochenem Wort geht Twohy zu einer Fülle an machismostrotzenden, sexistischen oder belanglos-kryptisch-bibligen Doofsprüchen über – je ungewisser und angespannter die Lage, desto idiotischer werden die Dialoge, das ist SciFi-, vielleicht sogar Menschheitsgesetz. Zwei Haufen von Klischeeeumeln hauen sich ihren „praller Sack“-Jargon um die Ohren, was man ohne weiteres gnadenlos verteufeln kann – es ist aber schlicht passig für die Umwelt, in der Twohy das alles ansiedelt.

Apropos, passig: genau wie die Vorgänger, auch der über $100 Millionen teure „The Chronicles of Riddick“, wirkt „Riddick“ aufgeführt, alles ist Stage Design, Opernästethik verbindet sich mit Testosteronpose, karger Planetenlandschaft und schleimigem Aliengekröse. Kein Teil (wieder: auch nicht der über $100 Millionen teure „The Chronicles of Riddick“) konnte bisher vollständig verbergen, dass Twohy für seine Space-Outlaw-Saga nicht die aller cremigste Sahne der Hollywood-Tricktüftler zur Verfügung steht; Texturen, Shading und Compositing scheinen da eher mal Praktikantenjob zu sein, aber: suboptimaler Special Effect ist nicht gleich suboptimaler Special Effect, sofern nämlich aus den budget(und künstlerisch)bedingten Grenzsetzungen dennoch ein ganz eigener, passiger Look entsteht, den das „Riddick“-Franchise klar und unverwechselbar für sich beansprucht, dann passt das halt. Charme liegt nicht im (technisch) Perfekten, das weiß jeder „Star Wars“-Fan. Ein paar mehr Puppets und praktische Effekte hätten hier und da dennoch nicht geschadet. Aber der beste Effekt des Films bleibt sowieso Vin Diesel: zwar stellt „Riddick“, sobald selbiger wieder anwesender ist, im Grunde ziemlich exakt den finalen Akt von „Pitch Black“ nach, und dennoch reißt Mr. Mark Sinclair Vincent das Ding komplett an sich und Twohy inszeniert straffer als noch im ablaufgleichen Erstling.

An Riddick himself ändert sich nicht viel, der wird anzüglicher (»Love those toenails, by the way. Matches your nipples.«), aber ansonsten mit seinen bekannten Manierismen auf eine neue Ebene der bad assness katapultiert. David Twohys „Riddick“ ist eine zickige, verwegen-unergebene Kackbratze, eine ganz eigenwillige Hybridausgeburt, voll von Bangerang-Aktionen seines Titelhelden und beseelt vom unbedingtem Unwillen, mit dem üblichen Blockbustereinerlei konform zu gehen. »I bow to no man« ist eines von Riddicks Mottos und genau so ist sein dritter Film. Unbeugsam. Markante Nebenfiguren wie Jordi Molla, „Battlestar“-Amazone Katee Sackhoff und Ex-WWE-Champ Dave Bautista bleiben hinter Kraftstoff Diesel weit auf der Strecke zurück, einzig Matthew Nable bekommt als Boss der besser ausgestatteten Söldnertruppe einen halbwegs interessanten Arc. Klar denkt Twohy in Typen und Motiven, nicht in Charakteren. Das macht er aber mit fast so gekonnter Primitivisierung wie die Kollegen John Milius und George Miller einst mit „Conan“ und „Mad Max“. „Riddick“ ist ein ähnlicher Gewalthappen und so darf’s mit der Figur gerne noch weiter gehen…
[Der knapp acht Minuten längere und exklusiv auf Blu-ray erscheinende Extended Cut erweitert den Film übrigens um einiges mehr an Background rund um den Verrat der Necromonger an Riddick, damit verbunden um einige nackte Brüste mehr, und erweitert das Ende und gestaltet es offener für weitere Fortsetzungen…]

Wertung & Fazit

Action: 2.5/5

Keine fetten Weltraumschlachten und High Tech-Scharmützel, stattdessen kernige und teils brutale Vor- und Endzeitaction.

Spannung: 2/5

Der Dreiakter zieht vor allem in den ersten beiden Drittel nie zur Höchstgeschwindigkeit an.

Anspruch: 0.5/5

Riddicks zynisch-finstre Kalendersprüche und die hohlen Sprüche der Mercs sind nichts für’s Nobelpreiskomitee, andererseits ist der Film aber auch sperrig und nicht wirklich oft als reine Partyunterhaltung tauglich.

Humor: 1/5

Riddicks zynisch-finstre Kalendersprüche und die hohlen Sprüche der Mercs sind hier richtig aufgehoben, denn hin und wieder sorgen die schon für einen Grinser.

Darsteller: 3.5/5

Vin Diesel perfektioniert und definiert den Riddick als seine Paraderolle. Das übrige Personal kann gegen so viel Eigenkult und Bösarschigkeit natürlich nicht ankommen.

Regie: 4/5

Twohy beweist entweder viel Chuzpe, oder enttarnt sich als ins eigene Material total verschossener Narr. Vermutlich beides ein bißchen, aber die Mischung geht auf.

Film: 8/10

Ein Film wie seine Titelfigur: rücksichtslos die eigenen Interessen durchsetzend. Nerv getroffen, Film gefällt.

Ein Kommentar

  1. Ich weiß nicht, ob ich ihn als den besten Riddick-Film bezeichnen würde, aber er hat schon Spaß gemacht. Ich fand’s halt nur schade, dass die Geschichte sich einfach nicht weiter entwickelt hat. Die Geschehnisse aus dem zweiten Teil haben ja so einiges versprochen und dann wird das alles in fünf Minuten abgefrühstückt und so eine Art Quasi-Remake des ersten Teils gemacht.

    Aber was soll’s… Vin Diesel IST Riddick und das allein reicht dann auch schon irgendwie aus 😉

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