Stars im Portrait: ROLAND EMMERICH

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Portrait

In einer frühen Folge der Kontroverssatire South Park, nämlich der Episode „An Elephant Makes Love To A Pig“, wütet ein außer Kontrolle geratener Klon des kleinen Stan March durch das beschauliche Bergdorf und nimmt es zu lauten Ausrufen wie »Öhhhhh….rumms bumms….rumsti dums….« völlig auseinander. Irgendwie stellt man sich so ähnlich auch Roland Emmerich vor, wenn er sich an das Ersinnen seines jeweils nächsten Films begibt. Viel Gerummse und Gebummse (nicht sexueller Art) finden sich zumindest spätestens in den meisten Endergebnissen dieser Entstehungsprozesse wieder, die bei kaum jemandem so wenig mit Kreativität und so viel mit der Formel »Das selbe, was schon mal erfolgreich war, nur in noch größer« zu tun haben, wie bei dem Schwabenländer aus Sindelfingen-Maichingen. Auch wenn dieser Vorgehensweise vor allem die Zahlen Recht geben, die mit einem weltweiten Einspiel von fast 2,5 Milliarden seiner letzten sechs Filme deutliche Argumente liefern, ist es doch ein gewisser naiver Charme, den man der Emmerich’schen Vernichtung-statt-Verstand-Finesse nicht absprechen kann.

Film war dabei ursprünglich gar nicht das Ziel des in Stuttgart-Obertürkheim geborenen Roland Emmerich, der sich nach abgeschlossenem Abitur eher anderen schaffenden Künsten zuzuwenden gedachte: Malerei und Bildhauerei. Zumindest letzterem hat er wohl nie ganz abgeschworen. Ein dreimonatiges Volontariat beim Süddeutschen Rundfunk führte Emmerich schließlich im Jahr 1978 zum Beginn eines Studiums an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen. Nachdem es dort zunächst der Produktionsdesigner sein sollte, wechselte Emmerich nach Sichtung von Star Wars ins Regiefach. Mit Franzmann, der Geschichte des Schulabgängers Paul, der sich im Sommer ’37 für eine Zukunft in Deutschland oder Frankreich entscheiden muss, entstand 1979 eine erste Filmarbeit, die er gemeinsam mit Oswald von Richthofen verwirklichte. Später ließ bereits sein Abschlussfilm Emmerichs Gigantomanie hervortreten. Während die Vorgabe „Kurzfilm“ lautete und seine Kommilitonen ihre Projekte in der Preiskategorie 20.000 DM an- und umsetzten, drehte Emmerich mit Das Arche Noah Prinzip nicht nur einen Langfilm, sondern sammelte sich für den verhältnismäßig exorbitant aufwendigen und tricktechnisch anspruchsvollen Science Fiction-Film das 60fache Budget zusammen. 1984 wurde Das Arche Noah Prinzip auf der Berlinale gezeigt, von Kritk und Publikum gelobt und in zwanzig Länder verkauft.

1985 gründeten Roland Emmerich und seine Schwester Ute die Produktionsfirma Centropolis Entertainment. Sein formelles Spielfilmdebüt gab er mit dem SciFi-Horror Joey (1985), in dem ein Junge telekinetischen Kontakt zu seinem toten Vater aufnimmt. Hiermit, sowie den Folgeprojekten Hollywood Monster (1987) und Moon 44 (1990) entfernte sich Emmerich weitestgehend optisch wie inhaltlich vom Stil des typisch deutschen Films, um sich Möglichkeiten auf den internationalen Märkten zu eröffnen. Wenngleich in englischer Sprache, teilweise in Amerika und mit international besetzter Crew gedreht, wurden Joey (unter dem Titel Making Contact) Hollywood Monster (unter dem Titel Ghost Chase) und Moon 44 in den USA nur auf Video veröffentlicht. Für den Schritt nach Hollywood sollte dies dennoch reichen.



Mario Kassar, in den 1980ern und ’90ern unter anderem Produzent von Knallern wie „Rambo“ (1982), Total Recall (1990) oder Terminator 2 (1991), lud Roland Emmerich in die Vereinigten Staaten ein, um für seine Firma Carolco den futuristischen Actionfilm Isobar zu inszenieren, für den Sylvester Stallone als Hauptdarsteller geplant war. Einer seiner Moon 44-Darsteller, Dean Devlin, überarbeitete das Script, welches jedoch von den Produzenten abgelehnt wurde, woraufhin auch Emmerich dem Projekt absagte, das in der Versenkung verschwand. Doch Solidarität sollte nicht zu Emmerichs Schaden sein und wiederum Kassar engagierte ihn als Ersatz für Andrew Davis für die Regie von Universal Soldier (1992). Besetzt mit den B-Actionhelden Jean-Claude van Damme und Dolph Lundgren als wieder zum Leben erweckte Soldaten, die sich gnadenlos die Klotzköpfe polieren, lieferte Emmerich ungewohnt harte Kost, die, und das nicht nur unter Fans des Brüssel-Brawlers und des Schweden-Schlägers, von einigen als seine bis heute beste Arbeit angesehen wird. Gemeinsam mit Devlin schrieb Emmerich anschließend das Script zu Stargate, der 1994 erschien und sowohl in den USA, als auch weltweit sehr solide Ergebnisse an den Kassen erzielte. Der Schwabe erwirtschaftete sich zudem den Ruf als Sparfuchs, da er aus den 55 Millionen, die ihm für die später anhand mehrerer Fernsehserien weitererzählten Sternentor-Saga bewilligt wurden, das Maximale an visuellem Ergebnis herausholte. Trotz eher plumper Story holte Stargate 1995 den Saturn Award als bester Science Fiction-Film.

Während man sich bei seinen vorherigen Filmen noch recht locker auf dem Hocker halten konnte, riss Independence Day 1996 die ganze Welt von selbigem. Mit einigen Anleihen am Genre des Katastrophenfilms und des klassischen Alien Invasions-Films, wurde der Kampf der Menschheit (bzw. der Amerikaner) gegen eine Übermacht from Outer Space zum Massenphänomen und DEM Spektakel des Jahres. Mit tollen und einmal mehr für vergleichsweise kleines Geld erstellten Special Effects wurden ganze Großstädte in Schutt und Asche gelegt. Zwar weltweit enorm erfolgreich, positionierte Emmerich Independence Day nicht nur hinsichtlch seines Titels am höchsten amerikanischen Feiertag und dessen Werten, der kalkulierten Portion Patriotismus verdankte der Film in der Hauptsache seinen kommerziellen Siegeszug. Das Image des Master of Disaster, welches Emmerich nun angeknüpft wurde, bestätigte er mit seiner Version der japanischen Kult-Echse Godzilla (1998). Begleitet vom großkotzigen Slogan Size does matter und einer ähnlich gigantischen Werbekampagne, wie sie Independence Day voraus gegangen war, wurde ein Hype erzwungen, dem der Film kommerziell wie künstlerisch nicht annähernd gerecht wurde. Das ordentliche, aber weit hinter den Erwartungen bleibende Ergebnis an den Kassen wurde von der höchst bescheidenen Qualität des Echsen-Terrors noch weit unterboten und nicht nur die Japaner wünschten Emmerichs CGI-Monster in die Fänge von Gigan, Destoroyah, King Ghidorah und Biollante. Doof bis um die Straßenecke und tricktechnisch durchwachsen, erntete Godzilla Hass und Spott von Fans und Kritikern.



Zum ersten Mal mit einem Megastar in der Hauptrolle, lenkte Roland Emmerich die Aufmerksamkeit bei Der Patriot auf das Zugpferd Mel Gibson. Das actionreiche Drama rund um den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg erhielt von Kritikerseiten den größten Zuspruch aller bisherigen Emmerich-Werke und tatsächlich gelang es ihm hier wenigstens halbwegs, eine sehenswerte Geschichte nicht nur über Krawall und Effekte zu verkaufen. Möglicherweise bezeichnend: wie zuvor bei Universal Soldier arbeitete Emmerich bei Der Patriot nicht am Drehbuch mit… Darüberhinaus kam es nebenbei zu einer netten Randnotiz: Emmerich traf erstmals im direkten BoxOffice-Duell auf den zweiten erfolgreichen deutschen Regisseur in Hollywood, Wolfgang Petersen. Dessen Der Sturm ließ den Patrioten mit 328 zu 215 weltweit eingespielten Millionen ziemlich im Regen stehen.

Nach einer Auszeit vom Regiestuhl, während der er unter anderem Ellory Elkayems Spinnen-Horror Eight Legged Freaks (2002) produzierte, kehrte Roland Emmerich im Jahr 2004 zum Disaster im ganz großen Ausmaß zurück. Die Klima-Katastrophe The Day After Tomorrow versprach mit spekataklären Bildern im Trailer einiges, legte in den USA den besten Start eines Emmerich-Films hin und lockte rund um den Globus wieder in alter Form die Leute vor die Leinwände. Trotz gut gemeinter Öko-Botschaft krankte der Film aber an den mittlerweile typischen Storydurchhängern und Klischeecharakteren, eben jenen Schwächen, die der Schwabe in seiner Schreibe einfach nicht ausmerzen kann oder will. Zudem stieß vielen die mangelnde wissenschftliche Fundiertheit des Streifens sauer auf, wobei Emmerich immer wieder betont, ein »filmmaker and not a scentist« zu sein, dem die Popcorn-Unterhaltung näher liegt, als die nüchterne Betrachtung. Und die zweite Runde im BoxOffice-Duell ging diesmal mit 544 zu 497 Millionen gegenüber Petersens Troja an ihn.



Die historischen Unsauberkeiten bei 10,000 B.C. (2008) wollte schließlich niemand mehr übersehen und mit seiner prähistorischen Abenteuergurke, die auf dem vorderen Platz einer von Yahoo! veröffentlichten Liste der 10 most historically inaccurate movies landete, ramponierte Roland Emmerich seinen Ruf ganz gehörig. Die Säbelzahntiger und Mammuts tappten zwar nicht in die völlige kommerzielle Flop-Falle, dennoch taugt 10,000 B.C. aufgrund lächerlicher Dramaturgie und vogelwilder Tatsachenverdreherei höchtens für ein Fest unter Trash-Fans. Emmerich, gegen negative Kritik resistent bis zur Uneinsichtigkeit, ließ diesmal nicht viel Zeit verstreichen und präsentierte bereits 2009 sein nächstes Weltuntergangsszenario, 2012. Damit kehrt Emmerich krachend an die Spitze der lärmenden Effekteschlachten zurück, versinkt auf der anderen Seite aber auch immer tiefer in seinen festgefahrenen Mechanismen, Standart-Charakteren und einer mehr als unausgewogenen Alibistory. Und die 225 Millionen, die 2012 am Startwochenende eingefahren hat, klopfen ihm dafür auch noch auf die Schulter…

Master of Disaster, King of Krawall, das Spielbergle aus Sindelfingen, the Godfather of immer das Gleiche. Welche Spitznamen man Roland Emmerich auch hinterherwirft und ob man sie anerkennend oder spottend meint, die Gewissheit, dass der Mann sich auf seine Art und mit der Power einer Naturgewalt zu einem der erfolgreichsten Regisseure überhaupt entwckelt hat, schwingt darin gezwungenermaßen stets mit. Für irgendeine Summe zwischen 30 und 35 Millionen wird er demnächst die Buchvorlage Soul of the Age adaptieren, ein Drama im 16. Jahrhundert um die Urheberschaft der Werke William Shakespeares. Vielleicht wird er damit alle überraschen, aber dass ihm auch danach wieder eine Art einfallen wird, donnernde Destruktion und zermürbende Zerstörung in tricktechnischer Perfektion auf die Leinwand zu hieven, daran muss man wohl nicht zweifeln. Er ist eben doch Bildhauer geworden.

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