RUNNER RUNNER: Kritik zum Online-Zocker-Thriller mit Justin Timberlake & Ben Affleck

RUNNER RUNNER: Kritik zum Online-Zocker-Thriller mit Justin Timberlake & Ben Affleck
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Story

Richie Furst steckt in einer Zwickmühle: als hochbegabter, jedoch nur kurzzeitiger Wall Street-Karrierist scheidet er für ein Stipendium an der Princeton University aus. Doch sein Vermögen ist bald aufgebraucht und die Studiengebühren wollen bezahlt werden und so verdient Richie sich nebenher Provisionen, indem er Kommilitonen und auch den ein oder anderen Professor auf Online Poker-Seiten lockt. Der Dekan allerdings ist wenig erfreut über diese Machenschaften und droht Richie mit Ausschluss. Der setzt anschließend alles auf eine Karte – und verzockt sein gesamtes Restvermögen im Internet, kann aber anhand von statistischen Berechnungen nachweisen, seine Kohle an einen offensichtlichen Betrüger verloren zu haben. Statt sich nun in Foren und Chatrooms auszulassen jettet Richie nach Costa Rica, um sich direkt an Ivan Block zu wenden, den Seitenbetreiber und Fürsten unter den Online zocken-Anbietern. Und siehe da: der cheatende Programmierer und die unaufmerksame Qualitätssicherung werden von Block sogleich zum Teufel gejagt, Richie bekommt sein Geld wieder, einen Bonus obendrauf, und noch dazu einen Job als freier Marketingberater im Multimilliardendollar-Unternehmen Blocks. Nach einem rasanten Aufstieg offenbaren sich jedoch neben luxuriösen Partys und willigen Chicas bald die Schattenseiten des Geschäfts…

Der Film

Och, Leonardo DiCaprio, wieder nicht geklappt mit dem Oscar dies Jahr? Und das obwohl (hat das eigentlich jemand bemerkt?) die Chance gleich doppelt da gewesen wäre, denn nicht nur für seine Hauptrolle in Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“ war der Leo nominiert, sondern auch in seiner Funktion als Produzent. Doch auf diesem Weg erhamsterte sich der gleichfalls bereits vier Mal in den Schauspielkategorien übergangene Brad Pitt seinen ersten Goldmann als Producer des Sklaven-Dramas „12 Years a Slave“. Also Kopf hoch, DiCaprio, wird schon noch. Ach so, was der oscarlose Mime mit dem Zocker-Thriller „Runner Runner“ zu tun hat? Na der geht ebenfalls auf Leos Produzentenkappe, und obwohl es sich hier wie bei dem Scorsese-Werk um eine rise and fall-Story handelt, hat die abgenudelte Geschichte um die bösen Seiten des Online Pokers niemand mit Goldjungs oder sonst irgendwelchen Auszeichnungen in Verbindung gebracht.



Gute Thriller und deren Spielarten, wie eben rise and fall-Storys, stehen und fallen bereits mit dem Aufhänger. Und aktuell-moderne Themen scheinen da schon beim Oberbegriff zu scheitern, wie jüngst die uuuuuuuuunfassbar banale Smartphone-Zickerei „Paranoia“ bewies, oder jetzt halt auch „Runner Runner“. Der blendet gleich zu Beginn mal ein paar Nachrichtenschnipsel ein, um klar zu machen, wie hardcore und brandgefährlich die beliebte und boomende Online Pokerei ist. Die Versuchungen sind die selben (Reichtum, Luxus, Weiber und so…), doch die sprichwörtliche „schiefe Bahn“ führt heutzutage nicht mehr in die Kreise der Mafia, in Drogensümpfe und zu territorialer Gewaltverbrecherei, sie führt im zeitgemäßen Thriller der 2010er Epoche in virtuelle Schaltzentralen, vor Computermonitore, an Blickelichtchen, Retina-Scanner und Code Cards – ligitim in Zeiten, in denen Wirtschaftsbetrug und Firmenbosse als „das Böse“ gelten und die Cosa Nostra für die Abwehrformation der italienischen Nationalmannschaft gehalten wird. Aber: es verleiht dem Subgenre eine Asepsis, in die die obligatorischen Verschärfungen hineingezwungen und kaum glaubwürdig wirken und der Reiz, die Faszination der organisierten Gesetzesuntreue, im Überfluss ausgestrahlt von Meisterstücken wie „Casino“, „GoodFellas“ oder „Blow“, verloren geht.

Mit seinen postkartentauglichen, von „Avatar“-Kameramann Mauro Fiore eingefangenen Ansichten vom exotischen Costa Rica (ähnlich verklärt präsentiert wie Kuba in der aktuellen DSDS-Staffel, aber whatever…) bietet „Runner Runner“ immerhin einen satten optischen Reiz, in seiner vollkommenen Variationslosigkeit generischer Thriller-Elemente aber null erzählerischen Wert. Der eifrig-naive Neuling trifft den charmanten, doch abgebrüht-abgründigen Alpha Dog, verguckt sich in die Vorzeigeschönheit von dessen Company, ein verbissener FBI-Mann mit rich man-Allergie mischt sich ein und der schmierig-einheimische Korruptling macht erst Trivialplauderei, ehe er zu Drohgebärden ansetzt. Kennt man alles, rasselt der Film nur so runter und besonders die love story zwischen Justin Timberlake und einer in Karottensaft getunkten Gemma Arterton ist steif und unsexy. Abseits vom vorgehäuchelten Interesse für die lady in orange schlägt sich Timberlake aber gewohnt passabel, während Ben Affleck als Ivan Block in ein paar Szenen einen Vorgeschmack auf seine Bruce Wayne-Tauglichkeit im kommenden „Batman vs. Superman“-Streifen liefert. Wenn’s ans Eingemachte geht, er zum Beispiel aufmüpfige Geschäftspartner mittels Krokodilen entsorgen lässt, bleibt Affleck aber blass und unbedrohlich.



Einen wirklichen Einblick ins schmutzige Geschäft mit Konten, Login-Daten und Akquirierung der Online Poker-Gemeinde liefert „Runner Runner“ auch nicht, das Setting bleibt reines Stichwort mit ein paar abgedroschenen Zocker-Weisheiten aus dem Off und ein bißchen Anlehnung an reale Begebenheiten und ansonsten jeder Menge austauschbarer Handlungselemente. Die Schlusswendung ist rasch absehbar, der gesamte Plot und seine Einzelteile sind so spontan, wie wenn der Uropa die Reiseroute mit Straßenkarten von 1946 plant, die Charakterentwicklung hingegen so sprunghaft und holprig wie ein Navigationsgerät ohne aktuelles Update inmitten eines Urwaldes aus Umgehungsstraßen: Gierlappen rennt in eine Sackgasse *Route wird neu berechnet* Gierlappen versucht sich aus dem Staub zu machen *Route wird neu berechnet* Gierlappen nimmt das Blatt in die eigene Hand *Sie haben ihr Ziel erreicht*. Einen guten Film allerdings noch lange nicht.

Wertung & Fazit

Action: 1/5
Hin und wieder mal eins auf die Fresse für Timberlake, sonst eher unspektakulär.
Spannung: 0,5/5
Bar jeder eigenen Handschrift ackert „Runner Runner“ die bekannten Genreklischees runter und erzählt eine rise and fall-Story nach klassischstem, zusammen gehamstertstem, langweiligstem Muster.
Anspruch: 0,5/5
Kaum überzeugende Milieuzeichnung, die auf Grund ihrer Klischeelastigkeit nie glaubhaft wirkt…
Humor: 0/5
…auf der anderen Seite aber auch überhaupt keinen Spaß macht oder sich bewusster Überzeichnung hingibt.
Darsteller: 2,5/5
Justin Timberlake ist ok, Ben Affleck unterstützt hier eher seine Zweifler denn seine Befürworter, Gemma Arterton steht Blässe besser und Anthony Mackie hat wenigstens ein bißchen Spaß.
Regie: 2/5
Ganz kompetent gefilmt, aber mehr auch nicht.
Fazit: 4/10
Schön anzusehen, aber nach generischsten Mustern zusammengehobelter Genrebeitrag, der weder Spannung noch Faszination entwickelt.

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