RUSH: Kritik zum Formel-1-Action-Drama mit Chris Hemsworth und Daniel Brühl

RUSH: Kritik zum Formel-1-Action-Drama mit Chris Hemsworth und Daniel Brühl
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Story

Der britische Rennfahrer James Hunt hat erste Achtungserfolge in der Formel-3 erzielt, als er Anfang der 1970er im Rahmen des Rennens auf dem Crystal Palace Circuit erstmals dem bislang völlig unbekannten Österreicher Niki Lauda begegnet. Ein waghalsiges Manöver auf der Strecke beschert Hunt einen Triumpf über den Konkurrenten. Während sich der lockere Playboy feiert und sein Leben in vollen Zügen genießt kauft sich Lauda auf eigene Kosten in den Traum aller Fahrer ein, die Formel-1. Getrieben von streng diszipliniertem Perfektionismus und technischer Akrebie optimiert Lauda seinen Wagen und bildet in seiner ganzen Herangehensweise an den Rennsport das krasse Gegenteil zu Hunt. Dem gelingt mit der Unterstützung des Rennstallbesitzers Lord Alexander Hesketh ebenfalls der Einstieg in die höchste und zugleich risikoreichste Motorsportklasse und in den folgenden Jahren entbrennt eine enorm medienwirksame, doch zunehmend vom gegenseitigen Respekt geprägte Rivalität zwischen dem analytischen Genie Laudas und Hunts Waghalsigkeit. Nachdem der Österreicher 1975 seinen ersten Weltmeistertitel erringen kann und auch die folgende Saison beherrscht kommt es am Nürburgring, der härtesten Strecke der Welt, zu einem alles verändernden Ereignis…

Der Film



Der perfekte Film für einen verhagelten Sonntag Nachmittag, an dem einen tags zuvor die Frau verlassen hat, weil man am Freitag mit einer fristlosen Kündigung nach Hause kam und sie dabei mit dem besten Freund in der Kiste erwischte? Ganz klar, Renny Harlins Rennsportheuler „Driven“! Ein stimmungsstiftenderes Fest an bescheuertster Lächerlichkeit lässt sich eigentlich kaum finden, allein die Namen der Hauptfiguren, Joe Tanto, Jimmy Bly und, jetzt kommt’s, Beau Brandenburg…! Hilarious. Dazu komplett irrsinnig-unrealistische Rennszenen, banalste Seifenoperndramaturgie, der summende und Münzen plattfahrende Sylvester Stallone und und und… Wer seinen Rennsportfilm hingegen authentisch statt überkandidelt mag und wirklich dem Faszinosum der schnell im Kreis fahrenden Männer nachspüren will, der musste bisher laaaaange zurückgehen, zu Klassikern wie „Grand Prix“ (1966) oder „Le Mans“ (1970) beispielsweise, oder lieber gleich auf hochwertige Dokumentationen wie „Senna“ (2010) vertrauen. 2013 war es nun aber mal wieder an der Zeit für einen richtig guten Spielfilm rund um den Zirkus der dröhnenden Motoren und durchdrehenden Reifen: mit „Rush“ entwickelt das „Frost/Nixon“-Team um Autor Peter Morgan und Regisseur Ron Howard aus einer der intensivsten sportlichen Rivalitäten der Formel-1-Geschichte ein starkes Charakter-Action-Drama, das auf sämtlichen Strecken Punkte holt, wo’s für den kreuzbekloppten „Driven“ oder auch das Tom Cruise-Vehikel „Days of Thunder“ nichts zu holen gab.

Ein ganz und gar unantastbarer Start/Ziel-Sieg ist sicherlich auch „Rush“ nicht: einige der offenbar unvermeidlichen Sportfilmklischees und Pathetisierungen, Dramatisierungen und Zuspitzungen von Ereignissen sind seit ewig überrundet und nehmen halt trotzdem weiterhin am Genre teil. So heiratet der draufgängerische Brit-Racer James Hunt das Supermodel Suzy Miller, die beiden trennen sich auf halber Strecke im Streit und auf der Zielgeraden schneidet der Film öfters vom alles entscheidenden WM-Rennen 1976 weg und auf Frau Miller, die dann doch Milde walten lässt und mitfiebert. Eben der typische „cut to those left home“, wie er zum Climax dramatischer Auseinandersetzungen gehört. Hierbei und sowieso belegen die Frauenfiguren in „Rush“ keine der vorderen Startplätze, bei den wechselnden Liebschaften des womanizenden Hunt, der die Chicks schneller rum- und ins Bett kriegt als sein Landsmann und Vornamemnsvetter James Bond, fällt das weniger ins Gewicht, jedoch beim Portrait der Marlene Lauda. Das bleibt hinter dem zurück, was es für „Rush“ als zusätzliche Ebene leisten könnte; während im verführerischen Glamourzirkus die sexy Boxenluder und hysterischen Fan Girls für Hunt ein Ansporn zum Weitermachen sind, verleiht die Liebe der Laudas den Mut zum Aufhören im Moment des untragbaren Risikos. Der kühl kalkulierende Niki findet neben prozentualer Bezifferung seiner Todesquote etwas wirklich Lohnens- und Lebenswertes abseits der Rennstrecke, was Hunt hingegen in dieser Form verweht bleibt. Das lässt sich so aus dem Film herauslesen, dennoch kommt Marlene Laudas Rolle dabei ein bißchen zu kurz und auf rehäugige Blicke Alexandra Maria Laras reduziert rüber.



Aber „Rush“ ist eben ganz bei der Rivalität und dem Gegenschnitt seiner beiden Hauptdarsteller, vieles andere bleibt Nebenerscheinung am Streckenrand, schnell vorbeigehuscht, doch es hat seinen Platz im Gesamtgefüge. Peter Morgan und Ron Howard ziehen kein klar abgestecktes Prota-/Antagonisten-Schema auf, weder in Person des leichtlebigen Hunt noch des akribischen Lauda schaffen sie einen reinblütigen Sympathieträger, beide bekommen ihre abgründigen Seiten. Der kurzzeitig ohne Rennstall dastehende und ohnehin extravagante Hunt ergibt sich an Suff und Ungerechtigkeit, der höchste Perfektion nicht nur von sich, sondern auch von seinem Umfeld abverlangende Lauda stößt jeden vor den Kopf und wird von niemandem wirklich gemocht. Am Ende verdienen sich beide, was sie trotz aller Unterschiede auch einander entgegen bringen: Respekt. Morgan und Howard verwenden nicht unbedingt subtile, doch aussagevolle Komparationsbilder der beiden Kontrahenten, wie etwa die Hochzeiten der Rennstars, Hunts prunkvoll und von gewaltigem Medienrummel begleitet, Laudas schnöde vorm Standesbeamten. Allerdings: so richtig tief unter dem Oberflächenlack krazt „Rush“ nicht, die Rivalität der beiden Sportsmänner bleibt weitenteils so boulevardesk und plakativ, wie sie von der Berichterstattung jener Zeit stilisiert und dargestellt wurde. Zwei Männer, die sich bis ans Leistungslimit pushen, darin jedoch nicht viel weiter ergründet werden, als dass es am Ende der Saison um die Errungenschaft eines Weltmeistertitels geht.

Mehr aus „Rush“ als filmgewordenen Sensationsjournalismus mit ‘70s-Flair machen in der Beziehung des Gaspedalduos vornehmlich Chris Hemsworth und Daniel Brühl. Der Asen-Avenger kann die Zügel hier mal deutlich lockerer lassen, als es ihm die Marvel-Spektakel erlauben und Hemsworth spielt mit einem ungestümen Schalk auf, der an den Anfang von „Thor“ erinnert, gepaart mit extradraufgängerischer Ladykillerattitüde, kindlicher Begeisterung und einem Schwank von größenwahnsinniger Egomanie in Kenntnis um seine Fähigkeiten hinter dem Lenkrad. Der blonde Hüne Hemsworth ist dafür die perfekte Erscheinung und spielt Hunt überzeugend, auch in den Momenten, in denen die Fassade mal fällt. Auf dem Siegerpodest dieses Films steht aber eindeutig Daniel Brühl. „Rush“ gehört Brühl und zwar so sehr, dass er mühelos auch ein allein auf Lauda fixiertes BioPic gestemmt hätte, seine Performance ist die Traktion zwischen Zuschauer und Film. Nicht nur immitiert der gebürtige Spanier und Wahl-Berliner den Österreicher perfekt (würd’s nur darum gehen hätt’s ja auch Matze Knop getan…), Brühl IST mit jeder Silbe, jeder Geste und jedem Blick die Rennsportlegende und legt nichts geringeres als eine Monsterleistung hin, sobald er im Bild ist schnellt „Rush“ an die Spitze. Die mit Abstand dramatischsten Minuten des Films, Laudas verheerender Unfall auf dem Nürburgring und der anschließende Überlebens- und Rehabilitationskampf im Krankenhaus, gehören sicherlich zu den eindringlichsten und bewegendsten Sequenzen des Filmjahres 2013.



Bis zu jenem schicksalhaften Rennen auf dem Nürburgring 1976 spielt eine Sache in „Rush“ eine unerwartet geringe Rolle: die Rennen. Schlaglichtartig ist Howards Film bis dahin durch die Vor- und die laufende Saison und ihre Stationen gehastet, aufflashende Eindrucksschnipsel von den Läufen in Monaco, auf dem Circuito del Jarama bei San Sebastián de los Reyes in Spanien oder in Interlagos, Brasilien, und Texttafeln statt spektakulärer Zieleinläufe blenden den Sieger ein. Wie nebenbei feiert Lauda seinen ersten Weltmeistertitel, ehe erst mit dem Großen Preis von Deutschland die eigentlichen Rennszenen ausdauernder und gewichtiger für die Handlung werden. Der Lauda-Crash scheint ihnen überhaupt erst Relevanz zuzuführen und angesichts dessen, wie spektakulär „Rush“ die Rennen mit fiebrigen Kameraperspektiven prässentiert, ist diese Herangehensweise ungewöhnlich, doch für das Erlebnis letztlich ausgezeichnet arrangiert. Die Fahrer, die Menschen Hunt und Lauda sind Herz und Mittelpunkt, nicht die Rennstreckenaction, die erst überwiegt, wenn sie für die beiden von wahrlich existenzieller Bedeutung ist, wenn sich die Seelen der Männer auf dem Asphalt zerkörnen. Ganz großartig und jede Selbstzweckhaftigkeit der phantastisch eingefangenen Rennaction geschickt umkurvend.

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Tolle Rennsequenzen, die jedoch nie die Oberhand über das Charakter-Drama erringen, sondern mit diesem in Einklang stehen.
Spannung: 2/5
Für Formel-1-Cracks, die von damals bis heute sämtliche Rennergebnisse auswendig kennen, sicher nicht umwerfend spannend. Aber allein der Unterschied im Risikobereich zwischen der modernen und damaligen Eliterennklasse bietet natürlich dramatisches Potenzial ohne Ende.
Anspruch: 3/5
Authentisch, wenn auch nicht sklavisch detailkorrekt. Dennoch sowohl als Abbild der 1970er Rennszene, wie auch als Charakter-Drama zweier Extremsportler gut gelungen. Könnte gleichwohl noch etwas tiefgehender sein.
Humor: 1/5
Laudas unverblümt-direkte Art und Hunts Attitüde sorgen schon mal für ein paar Schmunzler.
Darsteller: 5/5
Hemsworth spielt gut, aber über allem steht ein herausragender Daniel Brühl, der „Rush“ an sich reißt und eine ganz tolle Leistung liefert.
Regie: 4/5
Ron Howard ist alles andere als unumstritten, zwischen seicher Hochglanzblockbusterware wie den beiden Dan Brown-Adaptionen kommt aber immer wieder durch, was der eigentlich draufhat. So auch bei „Rush“.
Fazit: 8/10
Starkes Rennsportdrama, das um einige der typischen Sportfilmklischees nicht rumkommt, aber klasse inszenierte Rennaction und einen unbeding erlebenswerten Daniel Brühl mit einer Karrierebestleistung bietet.

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3 Kommentare

  1. Der Film hat mich persönlich echt aus den Socken gehauen. Die Rennen waren wirklich der absolute Hammer und Hemsworth und Brühl sehr stark. Echt sehr, sehr schade, dass der Film bei der Academy so komplett leer ausgegangen ist.

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