Stars im Portrait: SEAN PENN

Portrait

Als Sean Penn 1985 Madonna heiratete, einen Fotografen verprügelte und sogar im Gefängnis landete, hatte Hollywood in dem Sohn eines Regisseurs und einer Schauspielerin seinen neuen Bad Boy gefunden. Mit Shanghai Surprise an der Seite seiner damaligen Gattin leistete er sich 1986 außerdem seinen wohl größten filmischen Ausrutscher. Die aufstrebende Karriere Penns, der von seiner ersten Kinorolle in Die Kadetten von Bunker Hill (1981) an für seinen Drang nach Perfektion und seine Hingabe gelobt wurde, schien unter diesen Umständen zum Scheitern verdammt. Der heute 49jährige schien sich und sein Talent zu vergeuden.



Doch Sean Penn kam zur Ruhe (es sei einmal dahingestellt, ob die Scheidung von der ‘Queen of Pop’ ihren Anteil daran hatte) und besann sich auf seine Fähigkeiten. Seine oft an schieren Wahnsinn grenzende schauspielerische Leistungskraft brachte ihm ab 1995 drei Oscar-Nominierungen (Dead Man Walking, 1995; Sweet and Lowdown, 1999; Ich bin Sam, 2001) und den Gewinn der Trophäe als Bester Hauptdarsteller 2004 (Mystic River) und 2009 (Milk) ein. Doch so wenig sich der bekennende Hollywood-Kritiker selbst an solchen Auszeichnunen misst, so wenig werden sie seinem Werk gerecht. In keiner Rolle lässt sich Penn gängigen Maßstäben unterordnen, vielmehr definiert er diese mit den meisten seiner Darstellungen. Nie nutzt er gängige Schablonen, um seine Charaktere zu zeichnen, sondern verlässt sich auf seine Intuition. Die Akribie, die er in die Ausübung seines Berufes steckt ist höchstens mit den Größten seines Fachs zu vergleichen, zu denen er jeodch längst selbst zählt. Sean Penns Filme gehören nicht zu jenen, die bereits ein Jahr vor Kinostart mit gewaltigem Werbeaufwand als der kommende Mega-Blockbuster beworben werden. Sie sind Ereignisse, die beinahe im Stillen stattfinden und die, ersteinmal entdeckt, einen wesentlich bleibenderen Eindruck hinterlassen. Und das vor allem wegen Penns fast garantiert brillianten Performences, die oft das Ungewohnte, das Exreme, nie aber das Durchschnittliche oder bereits Dagewesene abbilden.



Penn ist außerdem ein Kunststück gelungen, an dem viele ähnlich ambitionierte Kollegen scheiterten: er ist ein großartiger Regisseur. Mit Indian Runner (1991), Crossing Guard (1995) und zuletzt Into the Wild (2007) bevorzugt er auch auf diesem Gebiet bevorzugt er die schweren, die auf den ersten Blick unzugänglichen Stoffe. Und liefert dabei Meisterstücke in Sachen Inszenierung und Charakterisierung. Sein bestes Werk vom Regiestuhl aus ist vielleicht die Dürrenmatt-Verfilmung Das Versprechen (2001) mit Jack Nicholson.

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