SPACED: Serienkritik zur britischen Sitcom mit Simon Pegg und Jessica Hynes

Nicht nur Extrem-Cineasten ist sie bekannt: die Cornetto-Trilogie, bestehend aus den Filmen „Shaun of the Dead“, „Hot Fuzz“ und „The Worlds End“, zusammenhängend durch ein kurz auftauchendes Cornetto-Eis – und das Filmteam! Die Stars der schrägen Genre-Komödien sind Simon Pegg und Nick Frost, ersterer verfasste zusammen mit Regisseur Edgar Wright außerdem die Drehbücher. Obgleich die Reihe auch in Deutschland mittlerweile Kultstatus erreicht hat, weiß hierzulande kaum jemand, dass die drei Comedy-Genies schon vor ihren Kino-Karrieren gezeigt haben, was sie drauf haben – und zwar in der Serie „Spaced“, die zur Jahrtausendwende entstand und humor- und filmtechnisch bereits vieles vorwegnimmt, was später auf der großen Leinwand perfektioniert werden sollte.

Tim Bisley und Daisy Steiner sind beide nicht gerade mit Glück gesegnet: er hat gerade eine schlimme Trennung hinter sich, sie ist eine unentschlossene „Autorin“ ohne Plan – und beide sind auf Wohnungssuche. Sie lernen sich in einem Café kennen und schließen schnell Freundschaft, finden aber jeweils keine Bleibe – bis sie auf ein Inserat stoßen, das eine gute Wohnung anbietet – allerdings nur, wenn die Mieter ein Paar sind. So beschließen die beiden, sich als ebensolches auszugeben, um die Vermieterin zu täuschen – was auch gelingt. Aber wie lange können sie diese Fassade aufrecht erhalten, bis ihnen Vermieterin Marsha, Untermieter Brian oder ihre Freunde Twist und Mike auf die Schliche kommen?
Jessica Hynes und Simon Pegg in SPACED
Was sich nach einem relativ simplen, vorhersehbaren Sitcom-Plot anhört, entpuppt sich vom Start weg als eine grandiose Sketch-Parade, die den Einfallsreichtum von Regisseur Wright und dem Autoren-/Hauptdarsteller-Duo Simon Pegg und Jessica Hynes wunderbar zelebriert. Wright ist einer der wenigen Regisseure, die das volle Potential von visueller Comedy vollständig zu nutzen wissen und das zeigt sich schon vor der Cornetto-Trilogie oder „Scott Pilgrim vs. the World“ in „Spaced“: die Art und Weise, wie hier mit innovativen Kamera-Fahrten, Einstellungen, Schnitt-Techniken, Musik-Schnipseln, Schauspieler-Positionen und Filmzitaten Komik erzeugt wird, ist schlichtweg atemberaubend, extrem temporeich und sehr originell. Wer bereits mit den Cornetto-Filmen vertraut ist, wird die Vorläufer von vielen dort auftauchenden Gags entdecken können.

Doch „Spaced“ ist nicht nur lustig, weil Kameraführung und Montage clever eingesetzt werden, ein Großteil der Komik kommt von Skript und Darstellern. Simon Pegg ist als comiczeichnender Nerd mit Attitüde die Idealbesetzung und Jessica Hynes als ziemlich gedankenlose und verplante Möchtegern-Journalistin eine schön untypische Protagonistin. Das Zusammenspiel der beiden Scheingeliebten funktioniert durchgehend großartig, man glaubt ihre Figuren und deren Beziehung jederzeit. Dabei sind diese beiden noch die „normalsten“ Charaktere, denn der Supporting Cast ist so herrlich schräg, wie man es sich von einer Brit-Com nur wünschen kann: bb nun Nick Frost als Waffen-Narr Mike Watt, der eine Partie Paintball stets etwas zu ernst nimmt, Julia Deakin als Marsha Klein, die kettenrauchende, stark akzentuierte Vermieterin mit Problem-Tochter und allerhand Komplexen, Katy Carmichael als Daisys beste und extrem einfältige Freundin Twist Morgan oder Michael Smiley als Tyres O´Flaherty, der selbst aus den alltäglichsten Umgebungs-Geräuschen einen flotten Beat herausfiltert, zu dem er tanzen kann. Doch allen die Show stiehlt Mark Heap als Brian Topp, der ebenfalls bei Marsha zur Miete wohnt und ein ziemlich exzentrischer Künstler ist („Anger… Pain… Fear… Aggression!“). Seine zu Anfang stark ausgeprägte Introvertiertheit, geparrt mit allerhand Ticks eines weltfremden Einsiedlers, halten für viele der besten Momente der Serie her. Hinzu kommen vergnügliche Gastauftritte anderer britischer Comedy-Größen, unter anderem Peter Serafinowicz als neuer Freund von Tims Ex, “Sherlock”-Autor Mark Gatiss als Agent und sogar “Litte Britain”-Star David Walliams als durchgeknallter Dadaist.
Nick Frost und Mark Heap in SPACED
Die Szenarien, in die diese Figuren geraten, sind ebenso unvorhersehbar wie pfiffig ausgedacht: zu der schon erwähnten Paintball-Episode gesellen sich zum Beispiel die dramatische Rettungsaktion eines Hundes aus einem Versuchslabor, der Einbruch in ein Comic-Verlags-Gebäude und eine peinlich-lahme Einweihungsparty, der nicht mal der “Time-Warp” helfen kann. Dabei wird auch fröhlich die Popkultur geplündert, “Star Wars” wird zum Thema philosophischer Diskussionen, Tim immitiert während einer Panik-Attacke ein “Evil Dead 2”-Poster, ein Kühlfach hat verblüffende Ähnlichkeit mit Hal 9000 und natürlich dürfen auch Anspielungen auf “The Shining” und die Filmografie George A. Romeros nicht fehlen. Doch nichts davon wirkt erzwungen, sondern herrlich frisch und unverbraucht, was eben an der kreativen Art liegt, mit welcher all dies in die Handlung eingebaut wird.

Bisher ist die Serie nicht auf dem deutschen Markt erschienen, doch man sollte die paar Extra-Euro zahlen, um sich alle 14 Folgen von der Insel rüberzuholen: “Spaced” darf in keinem DVD-Regal fehlen, wenn man den vielgelobten britischen Humor schätzt und Fans der Cornetto-Trilogie sollten sowieso schnellstmöglich ihren Amazon-Einkaufswagen mit einer Bestellung mehr füllen. “Spaced” ist ebenso lustig wie einfallsreich und herzlich, sobald man sich an einige der starken Akzente gewöhnt hat, was nicht lange dauert. Ein paar vergnügliche, skurrile und – schlicht gesagt – britische Stunden bester Unterhaltung sind jedenfalls garantiert.

2 Kommentare

  1. Oh ja, “Spaced” ist großartig! Ich habe die Serie bisher zweimal gesehen (das letzte Mal ist schon wieder viel zu lange her) und ich hatte großen Spaß damit. Schade, dass sie hierzulande relativ unbekannt ist – und umso schöner, dass du ihr Aufmerksamkeit schenkst… 🙂

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