Stars im Portrait: KEVIN PETER HALL

Portrait

Es gibt die Großen in Hollywood und es gibt die ganz Großen – und selbst denen hat einer noch auf den Kopf spucken können. Wahrscheinlich wäre Kevin Peter Hall sogar einfach mit der Bespeichelung von Schädeldecken davongekommen, schließlich hat der hochgewachsene Afroamerikaner die meiste Zeit seiner Karriere vor der Kamera hinter Masken und Prothesen verbracht. Zu Zeiten, in denen Monster und Kreaturen noch nicht hauptsächlich mit Hilfe von Computern, Programmierern und MotionCapture-Verfahren auf die Leinwand gebracht wurden, wurde Hall mit seiner Körpergröße von 2,20 Meter zum heimlichen Star des SciFi-/Horror-/Fantasy-Genres. Ähnlich wie heutzutage Doug Jones, der unter anderem gleich mehrere fantastische Wesen in Guillermo del Toros Hellboy-Filmen und den Silver Surfer im zweiten Fantatsic Four-Abenteuer spielte, legte Hall Wert auf Performance und bot stets viel mehr als nur den guy in a suit.

Als größter in einer Familie von Riesen wurde Kevin Peter Hall in Pittsburgh, Pennsylvania geboren und während seiner Jahre an der Penn Hills High School tat er das wohl naheliegendste: Hall spielte erfolgreich Basketball, erzielte im Schnitt achtzehn Punkte und pflückte zehn Rebounds pro Spiel. Anschließend bekam Hall ein Stipendium an der George Washington University, wo er Theatrical Arts studierte und die Bekannschaft von Jay Fenichel machte. Diesem begegnete Hall nach seinem Abschluss und einiger in Venezuela verbrachter Zeit (wo er weiterhin Basketball spielte) in Los Angeles wieder und die beiden entwickelten und führten zwei Nachtclubshows auf, In Five und The Worst of Friends, und boten sich außerdem für Produktwerbung an.
KEVIN PETER HALL Predator
1979 gab Kevin Peter Hall, noch ohne dafür mit einem Credit gewürdigt zu werden, sein Filmdebüt. In John Frankenheimers Horror Prophezeiung (1979) steckte er im Kostüm eines mutierten Killer-Bären, der in den Wäldern von Maine ein paar Holzfäller vom Holzfällen abhält. In Without Warning (1980), unter anderem mit Martin Landau, Jack Palance und David Caruso, machte das Make Up Department aus Hall ein gefährliches Alien mit Melonenkopf, das auf der Erde trophäensammelnde Jagd auf Menschen macht. Ein Motiv, mit dem Hall nicht zum letzten Mal konfrontiert sein sollte. Als Kreatur Gorvil wurde er 1982 im TV-Film Mazes and Monsters vom jungen Tom Hanks erlegt, im Telekinese-Horror One Dark Night (1983) mit Meg Tilly und Sixties-Batman Adam West, sowie dem von Cameron Crowe geschriebenen Comedy-Drama The Wild Life (1984) gab es weniger monströse und auffällige Rollen zu spielen, ehe Hall als Monster in the Closet (1986) unter anderem Black Eyed Peas-Sängerin Stacy Ferguson und Paul Walker erschreckte.

In den Sitcoms E/R (1984), in der sich auch ein gewisser George Clooney mal blicken ließ (trotzdem nicht zu verwechseln mit Emergency Room), und Night Court, sowie The Dukes of Hazzard (1985) absolvierte Kevin Peter Hall Episodenauftritte, ein etwas ausgedehnteres Engagement ergatterte er in Misfits of Science (1985-’86). In der Fantasy-Serie, auch bekannt als Die Spezialisten unterwegs, war Hall in natura sechzehn Episoden lang mit einem Team von Superkräftlern unterwegs, dem unter anderem auch die telekinetisch begabte Courtney Cox angehörte. Sein wohl größtes Jahr hatte der Hüne jedoch 1987 und das mit zwei völlig verschiedenen Auftritten. Zunächst gab Hall in Harry and the Hendersons den höchst liebenswürdigen Bigfoot, der bei einer Familie für ordentlich Wirbel sorgt. Der Film erhielt einen Oscar für seine MakeUp-Effekte, die Hall die volle Kontrolle über den Gesichtsausdruck der legendären Kreatur ermöglichten. Der beliebten Komödie folgte Anfang der ‘90er ein gleichnamiger Serienableger, in dem Hall in sechzehn von dreißig Episoden den Bigfoot spielte.

Weniger knuffig und sehr viel furchteinflößender und brutaler ging es zu, als Kevin Peter Hall die Rolle des außerirdischen Trophäenjägers im SciFi-Horror-Klassiker Predator übernahm. War das Alien ursprünglich als Martial Arts-Krieger konzipiert und mit dem eher drahtigen Jean-Claude Van Damme besetzt, erschien dieser Ansatz Regisseur John McTiernan im Gegensatz zu der von Brocken wie Arnold Schwarzenegger und Jesse Ventura gespielten Beute des Predators reichlich lächerlich. Zudem beklagte der selbstverliebte Belgier fortwährend die Tatsache, dass er nicht ohne Maske und Kostüm vor der Kamera zu sehen sein würde und wurde somit logischerweise von Hall ersetzt, der körperlich selbst im Vergleich mit Bodybuildern und Wrestlern noch beeindruckte. Ironie: Hall bekam am Ende des Films einen prothesenbefreiten Auftritt als Hubschrauberpilot. Mit seiner ehrfurchtgebietenden Performance als Predator jedenfalls trug Hall neben dem brillianten creatur design von Stan Winston entscheidend zur anschließenden Popularität der Figur bei.
KEVIN PETER HALL Bigfoot
»When people want big and a performance along with that big, I’m the one they call«, sagte Kevin Peter Hall einmal in einem Interview und beschreibt sein Rollenprofil damit auf den Punkt. Tatsächlich beeindruckte er immer wieder nicht allein durch seine enormen Maße, sondern eben auch durch den mimischen und gestischen Ausdruck, den er seinen Kreaturen zu verleihen im Stande war und die damit eben nicht nur rein aus ihrer Physis bestanden, sondern die durch ihre Erscheinung einerseits heraus stachen, andererseits aber genauso in ihrer Anwesenheit innerhalb des jeweiligen Settings überzeugten und darin echt wirkten. Nach Rollen in Big Top Pee-wee (1988) und dem TV-Special Rodney Dangerfield: Opening Night at Rodney’s Place (1989) konnte er dies noch als Caldonier Leyor in einer Folge von Star Trek: The Next Generation und dem weniger gelungenen Sequel Predator 2 (1990) unter Beweis stellen. Außerdem spielte Hall von 1989 bis ’90 in der Sitcom 227, bei der er Alaina Reed kennenlernte und 1989 heiratete.

Kevin Peter Halls letzter, wenig bedeutender Auftritt sollte in der Horror-Komödie Highway to Hell (1991) sein. Bei einem heftigen Verkehrsunfall in Los Angeles im Herbst 1990 war Hall schwer verletzt worden, bei der anschließenden Behandlung wurde ihm eine mit HIV infizierte Blutkonserve verabreicht. Während der Dreharbeiten zu Harry and the Hendersons gab Hall dies öffentlich bekannt, im April 1991 starb er in Folge der Infektion im Alter von fünfunddreißig Jahren an einer Lungenentzündung. Bis heute kann und muss man Kevin Peter Hall als einen der (in vielerlei Hinsicht) Größten auf dem Gebiet des creature features bezeichnen, der es auf einmalige Weise vollbrachte, Monstern, Aliens und Kreaturen durch seine Bewegungen Persönlichkeit zu verleihen, der nicht einfach nur im Kostüm herumlief, sondern der Wesen und Charakter dessen portraitierte, was er sich da in oft stundenlangen Sitzungen am Körper befestigen ließ. Um nochmals Halls eigene Worte erklingen zu lassen: »I’m not just somebody shuffling around in a monster suit. I’m a kind of puppeteer from the inside who is attempting through arm and body movements to give the creatures I play a sense of personality.«

4 Kommentare

  1. Großartig geschrieben und verdient hat es dieser Mann allemal, gewürdigt zu werden. Schließlich sind es nicht immer nur die großen Stars, an denen ein Film hängt, sondern auch solche mimischen Größen wie Hall und Jones. Dass letzterer den Silver Surfer spielte, wusste ich noch gar nicht. Mir waren nur Hellyboy und Pan’s Labyrinth bekannt.

    1. Danke 😉
      Sehe ich genauso, gerade in CGI-Zeiten werden diese “echten” Leistungen allzu oft vergessen.
      Ja, Jones als Silver Surfer ist so ziemlich das einzig gute an dem Film…

    2. Ich hab sowieso nie verstanden, warum der keinen eigenen Film bekommen hat, wo doch jeder Comicheld inzwischen auf die Leinwand geklatscht wird. Aber das kann ja auch noch kommen. :O

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