Stars im Portrait: STAN WINSTON

Portrait

Einige der größten Momente jüngerer Filmgeschichte: 1984 erhebt sich ein metallenes Skelett aus den Trümmern eines explodierten Lastwagens, eine Frau tritt 1986 zum Kampf gegen eine gigantische Alien-Königin an, 1987 macht ein Außerirdischer Jagd auf einen schlammverschmierten Söldner und 1993 donnert das gewaltige Gebrüll eines Tyrannosaurus Rex durch die Kinosäle. Verantwortlich für diese teils erschreckenden, teils faszinierenden und stets überwältigenden Gänsehautmomente? Sicher, Regisseure wie Steven Spielberg oder James Cameron. Ganz besonders und untrennbar damit verbunden ist aber vor allem ein Mann namens Stan Winston, gesegnet mit einer beinahe einmaligen Begabung im Erschaffen von Kreaturen, Effekten und deren Wirkung.

Schon früh von Science-Fiction- und Monsterfilmen angetan, studierte Winston neben dem Abschluss an der University of Southern California in Cinema Arts zunächst auch Jurismus, sah seine Zukunft jedoch nicht in Gerichtssälen, sondern vor Filmkameras. Nach Versuchen als Stand-Up-Comedian zog Winston im Alter von 23 Jahren in der Hoffnung nach Hollywood, dort als Schauspieler Fuß zu fassen. Um nun überhaupt erst einmal untergebracht zu sein entschloss er sich zu einer MakeUp-Ausbildung bei den Disney Studios. Als die Akteure unterstützendes Element maß Winston der Maske eine große Bedeutung zu und arbeitete mit entsprechender Hingabe und Kreativität, weshalb die anfängliche Alternative für ihn bald zum Standbein wurde. So gewann er 1972 für den Fernsehfilm Gargoyles seinen ersten Emmy und wurde innerhalb der nächsten sieben Jahre für fünf weitere nominiert, unter anderem für Die Geschichte der Jane (1974, gemeinsam mit einem weiteren Meister des Metiers, Rick Baker) und Roots – Wurzeln (1977).

Stan Winston offenbarte ein so außergewöhnliches Talent, dass der anfängliche Umweg schließlich zur Hauptstraße Richtung Kinofilm wurde. In seinem Debüt The Wiz (1978) entwarf er die berühmten Figuren aus dem Zauberland Oz. Für die MakeUp-Effekte der Sci-Fi-Komödie Herzquietschen mit Andy Kaufman und Bernadette Peters als verliebtes Roboter-Pärchen auf abenteuerlicher Reise erhielt Winston 1982 (die Kategorie Bestes MakeUp wurde in diesem Jahr eingeführt) seine erste Oscar-Nominierung. Bereits 1983 konnte er sich selbständig machen und gründete die Stan Winston Studios, die in den Bereichen Animatronik und Special FX/MakeUp herausragendes leisteten und alsbald eine Vormachtstellung in Hollywood inne hatten.

Gemeinsam mit Autor und Regisseur James Cameron, sowie Darsteller Arnold Schwarzenegger erschuf Winston 1984 eine der Ikonen schlechthin, den Terminator. Wenngleich auf B-Movie-Niveau gedreht, beeindruckten die MakeUp- und animatronischen Effekte des Films eine ganze Generation von Kinogängern und verhalfen der Reihe zu einer ungebrochenen Popularität. Mit Hilfe verschiedenster, perfekt in Balance gehaltener Techniken (Miniaturen, StopMotion, Maske, Skulpturen) machte Winston aus Schwarzenegger den berühmten Killercyborg; das geniale, furchteinflößende Design des schier unzerstörbaren Endoskelettes, das im Showdown auf Linda Hamilton und Michael Biehn losgeht, ging in die Geschichte ein.

Seine Zusammenarbeit mit Cameron setzte Stan Winston mit der Gründung der auf Computereffekte spezialisierten Firma Digital Domain, und auch mit dessen Aliens-Die Rückkehr, für den er die auf H.R. Gigers Konzepten basierenden Kreaturen sowie die monströse Alien-Queen entwarf, und dem in Sachen Visual Effects bahnbrechenden Terminator 2 fort. Die Animationen des aus flüssigem Metal bestehenden T1000 und das pure Ausmaß der Materialschlacht setzten Maßstäbe und brachten Winston nach Aliens die Oscars Nummer zwei und drei. Nominiert wurde er desweiteren für John McTiernans Nervenzerrer Predator (1987) und Tim Burtons fantastisch gestaltete Edward mit den Scherenhänden (1990) und Batmans Rückkehr(1992). Nach gelegentlichen Arbeiten als Regieassistent inszenierte Winston 1988 und ’92 außerdem selbst die Filme Das Halloween Monster (besser bekannt als Pumpkinhead) und Upworld – Mein Kumpel, der Kobold. Abgesehen vom Design zählen diese Werke jedoch nicht wirklich zu den Glanzpunkten in Winstons Vita und wurden auch nicht zu kommerziellen Erfolgen. Desweiteren führte er Regie beim aufwendigen Universal-Studios-Ride T2 3-D: Battle Across Time (1996), und dem Musikvideo/Kurzfilm Ghost (1997), in dem Michael Jackson performt. Viele verschiedene Figuren aus Werbeclips und Musikvideos stammen zudem aus Winstons Wirkungskreis.

Zu einem waren Monsterhit, wie man ihn bis dahin nicht gekannt hatte, wurde 1993 Steven Spielbergs Romanverfilmung Jurassic Park. Die Geschichte um einen Freizeitpark, in dem geklonte Dinosaurier als Attraktionen fungieren, löste eine weltweite Manie aus und spielte insgesamt 915 Millionen ein, womit er noch heute Platz elf der erfolgreichsten Filme aller Zeiten hält. Tricktechnik in solch plastischer Perfektion hatte man so noch nicht auf der Leinwand gesehen, doch neben den CGI-Aufnahmen beeindruckten insbesondere Winstons lebensgroße mechanische Modelle, die einen absolut einzigartigen Realismus erreichten und die Masse und Gewalt der Urviecher spürbar machten. Der nächste Oscar war garantiert. Mit den folgenden Produktionen, die von Winston technisch betreut wurden, darunter Interview mit einem Vampir (1994), Congo (1995), Vergessene Welt: Jurassic Park (1997), The Sixth Sense (1999), Jurassic Park III (2001) und Terminator 3 (2003), gelang zwar keine weitere Revolution dieser Großenordnung, wohl aber eine stetige Perfektionierung. Eben der Wille und das Streben, diese zu zu erreichen und die Hingabe, mit den gegebenen, sich über die Jahrzehnte evolutionierenden Methoden das Optimum zu erreichen und dazu einzusetzen, die Story zu erzählen, nicht sie zu überlagern, zeichneten Winston aus.

Tatsächlich kam Stan Winston nie zum Stillstand, verfeinerte seine eigene Arbeit und die seiner Produktionsteams immer weiter. Zu seinen letzten Projekten gehören Tim Burtons Märchen Big Fish (2003) und die Comicverfilmungen Constantine (2005) und Iron Man (2008). In der Funktion als Creature Effects Supervisor arbeitete Winstons zuletzt an Terminator Salvation, der 2009 in die Kinos kam. Die Rückkehr seiner wohl berühmtesten Kreation mitzuerleben war dem Magier der Masken und Monstren jedoch nicht vergönnt: im Juni 2008 erlag Stan Winston einem langjährigen Krebsleiden und als einer der bedeutendsten und besten Künstler seines Fachs wird er ewig unvergessen bleiben.

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