Stars im Portrait: DWAYNE JOHNSON

Portrait

Das es TV- und Theaterschaupieler früher oder später auf die Leinwand zieht ist ein völlig normaler und logischer Schritt. Aber natürlich versuchen sich auch gattungsfremde Promis gerne mal im Filmgeschäft und so beweisen Musiker, It-Girls und Models im Regelfall, dass Talente auf gewissen Gebieten nicht grundsätzlich auf jedes andere zu übertragen sind, bei dem Kameras im Spiel sind. Apropos Spiel: auch Sportler tauschen während oder nach der Profikarriere gerne mal das Stadion gegen das Studio. Kantige Typen wie Ex-Fußball-Raubein Vinnie Jones können sich durchaus behaupten (Bube, Dame, König, GrAs, Snatch), während Basketballriese Shaquille O’Neal Leistungen noch unterhalb seiner Freiwurfquote ablieferte (Kazaam, Steel). Während der Ballsport aber nur Einzelbeispiele bietet, drängen aus einer anderen Sparte des körperlichen Wettkampfs die Stars buchstäblich zu hunderten ins Kino: die Film(und Fernseh-)auftritte von fast 400 Damen und Herren, Aktiven und Offiziellen aus dem Bereich des Wrestlings listet die Seite Genickbruch.com, vom ab den 1930ern aktiven Sammy Stein, über mehrfache Champs und Publikumshelden wie Roddy Piper, Hulk Hogan, Steve Austin und John Cena. Und die Muskelbrocken tummeln sich dabei nicht nur im B-Trash-Bereich der Videotheken, sondern in BoxOffice-Krachern und anspruchsvollen Produktionen wie The Dark Knight, Indiana Jones oder Ed Wood, zwar ohne in diesen die ganz großen Rollen zu übernehmen, dennoch sind die oft überlebensgroßen Dreihundertpfünder seit jeher gefragt. Derjenige unter ihnen, der seine Ringidentität möglicherweise am eindrucksvollsten hat hinter sich lassen können, ist Dwayne “don’t call me The Rock The Rock” Johnson, siebenmaliger WWF/WWE-Champion, Augenbrauenakrobat, einst designierter Nachfolger von Bizepsikone Arnold Schwarzenegger – und mindestens über letzteres mittlerweile einen guten Schritt hinaus.



Als Sohn und Enkel professioneller Wrestler wurde Dwayne Douglas Johnson in Hayward, Kalifornien, geboren. Sein Großvater, „High Chief“ Peter Maivia, und Vater, „Soulman“ Rocky Johnson, waren mehrfach NWA-Champions und sind WWE-Hall of Famer, seine Großmutter, Lia Maivia, war außerdem eine der wenigen weiblichen Wrestling-Promoter. Johnson ist afrikanisch-kanadischer und samoanischer Abstammung und verbrachte Teile seiner Kindheit in Neuseeland und auf Hawaii. Nach der Rückkehr der Familie in die USA besuchte er die Freedom High School in Bethlehem, Pennsylvania, und begann dort mit Football. Seines Talents und Durchsetzungsvermögens wegen erhielt Johnson mehrere Angebote und entschied sich schließlich für ein Stipendium an der University of Miami. Als Defensive Tackle wurde er zum Star der Mannschaft und war 1991 Teil des Miami Hurricanes’ National Championship Team. Zwar kostete ihn eine Rückenverletzung einen Platz in der NFL, doch die Footballkarriere setzte Johnson nach seinem Bachelor of Science-Abschluss in Kriminologie und Psychologie in der kanadischen Liga bei den Calgary Stampeders fort, entschied sich allerdings nach nur einem Jahr für eine Karriere in den Fußstapfen seines Vaters und Großvaters.

Obwohl die Pläne seines Sohnes nicht unbedingt auf Rocky Johnsons Wohlwollen stießen, trainierte er ihn höchstpersönlich. Dwayne Johnson debütierte in der USWA unter dem Ringnamen Flex Kavanah und wurde gemeinsam mit Brett Sawyer Tag Team Champion. Nachdem er bereits zuvor einige Tryout Matches bestritten hatte, verpflichtete ihn 1996 die WWE, wo er zunächst unter dem Ringnamen Rocky Maivia auftrat. Johnson wurde trotz seiner fehlenden In-Ring-Erfahrung, aber aufgrund seines Ausnahmetalents und –charismas vom Start weg gepusht und als sogenannter Face, also Fan-Favorit, eingesetzt. Er debütierte bei der Großveranstalung Survivor Series im November 1996 und durfte bereits drei Monate später den Intercontinental Championship-Gürtel von Superstar Hunter Hearst Helmsley gewinnen. Johnson verteidigte den Titel prestigeträchtig gegen Bret Hart, den Fans allerdings gefiel sein eindimensionaler good guy-Charakter nicht für lange. Nach dem Verlust des Intercontinental Champion-Titels an Owen Hart und einer kurzen Verletzungspause kehrte Johnson im April 1997 als The Rock zurück und legte einen Heel-Turn hin, wurde also zum Böewicht, und trat dem Stable Nation of Domination bei. And the rest is history…



Im Gegensatz zu seinem vorigen Image wurde Dwayne Johnson nun als charismatischer Fiesling gezeigt, der in seinen Promos die Fans beleidigte, außerdem wurde das von sich selbst in der dritten Person reden (»The Rock says…«) zu einem Markenzeichen seines Charakters. Johnson galt schon bald als bester Mic-Worker der gesamten WWE und fehdete über die nächsten Jahre als Teil verschiedener Gruppierungen und solo gegen Superstars wie Stone Cold Steve Austin, Triple H, Mankind, den Undertaker und Shawn Michaels. Als The Rock erlangte Johnson enorme Popularität und Beliebtheit beim Publikum und legte mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten bei Promos, Interviews und natürlich auch der Ausführung seiner Moves im Ring eine Ausnahmekarriere hin, die im Juli 2002 im siebten Gewinn des WWE Championship-Gürtels gipfelte, ein Rekord, der nur noch von Triple H überboten wurde. Da Johnson während dieser Zeit bereits seine Schauspielkarriere voran zu treiben begann reduzierten sich in der Folge seine Auftritte, ehe er bei Wrestlemania XX gemeinsam mit Mick Foley sein letztes Match gegen Batista, Ric Flair und Randy Orton bestritt. Danach trat Johnson nur noch sporadisch innerhalb einige Segmente und besonderer Veranstaltungen der WWE auf, so wurden etwa sein Vater und Großvater im März 2008 von ihm in die Hall of Fame eingeführt. Im Februar 2011 kehrte Johnson zur wöchentlichen Show RAW zurück, fehdet seitdem gegen John Cena und wird Wrestlemania XXVII hosten.

Trotz dieses Engagements sieht sich Dwayne Johnson mittlerweile hauptsächlich als Schauspieler, »I no longer am a wrestler, I am now pursuing a future as an actor and someday as a director. I am not the Rock. I am Dwayne Johnson« sagte er 2006 in einem Interview mit dem Entertainment Magazine. Der Erfolg im Ring eröffnete ihm den Weg zu einer breiteren Popularität, so durfte Johnson im Jahr 2000 Saturday Night Live hosten und sagte später, dass er Angebote aus Hollywood vor allem dieser Show verdanke. Er absolvierte Gastauftritte in den Serien That ’70s Show (1999), wo er seinen Vater spielte, und in Star Trek: Voyager, wo er als Alien-Wrestler seine typischen Moves einbrachte. Einer Minirolle in Longshot folgte ein auch nicht wirklicher großer, aber Eindruck machender Auftritt in Die Mumie kehrt zurück (beide 2001). Darin gab Johnson den Scorpion King, der nach dem Erfolg des Sequels ein SpinOff spendiert bekam. Sein Part als Akkader Mathayus in The Scorpion King (2002) brachte ihm 2007 einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde als bestbezahlter Hauptrollendebütant der Filmgeschichte. Daneben sorgte aber auch das solide Einspielergebnis von weltweit über 165 Millionen für Freude in Hollywood, denn die Lösung für eines der derzeit größten Probleme schien ausgemacht: die Karriereflauten von Actiongrößen wie Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone und Bruce Wills hatten eine riesige Lücke gerissen, in die man nun Johnson zu stopfen versuchte.



Der bestätigte sein Potenzial im Actionabenteuer Welcome to the Jungle (2003), in dem ein Cameo Schwarzeneggers die Wachablösung bestätigte. Dabei bewies Dwayne Johnson als cooler Schuldeneintreiber vor allem jene Selbstironie, zu der der Österreicher erst spät in seiner Karriere fand. Nach einer weiteren Action-Hauptrolle im durchschnittlichen Walking Tall (2004) versuchte sich Johnson jedoch auch in anderen Bereichen und legte Wert auf eine vielfältige Rollenauswahl. Im stargespickten Get Shorty-Sequel Be Cool mit John Travolta und Uma Thurman parodierte er als schwuler Bodyguard sein Image, die Videospieladaption Doom (beide 2005) geriet indes auch laut Johnson selbst zum Reinfall und brachte ihm eine Nominierung für den Filmpreis, den keiner haben will: die Goldene Himbeere. Bei dem höchst zwiespältig aufgenommenen SciFi-Apokalypse-Drama Southland Tales arbeitete Johnson mit Donnie Darko-Regisseur Richard Kelly, danach spielte er die Hauptrolle eines Bewährungshelfers und Football-Trainers in Spiel auf Bewährung (beide 2006). In der Sportkomödie Daddy ohne Plan (2006) von Andy Fickman gab es die alt bewährte „Egomane muss sich um Kind kümmern“-Routine, wie immer bewies Johnson aber auch neben Kyra Sedgwick sein Charisma.

Um die Bürde, DER neue Actionstar zu werden, hatte sich Dwayne Johnson indes sehr bewusst und erfolgreich herum geschlängelt. Ohne den ganz großen Überhit dabei zu haben liefen seine Filme an den Kinokassen soldie bis gut, der 1m96-Hüne wurde stets für seine Ausstrahlung gelobt, aber doch in eine unpassende und wieder einmal Schwarzenegger-konforme Schublade gesteckt: kann nix, besitzt aber Präsenz. Zweiteres trifft zu, ersteres ist allerdings ziemlich grundlegend falsch und zeugt irgendwie nur von einer gewissen Grundvoreingenommenheit gegenüber solchen Stars, die erst im zweiten Leben Schauspieler sind. Im Vergleich zu seinen schauspielernden WWE-Kollegen, aber auch statusähnlichen Akteuren wie Vin Diesel oder eben früher Schwarzenegger besitzt Johnson das ungleich größere Talent, wirklich zu spielen (wenn auch natürlich im Rahmen eingeschränkterer Möglichkeiten, als sie den den Großen und Größten des Fachs zur Verfügung stehen). Das bewies Johnson zum Beispiel ein weiteres Mal in der Serienadaption Get Smart (2008), in der er neben Komödieass Steve Carell und Anne Hathaway den bösen Agenten 23 gibt. Seine Familientauglichkeit unterstrich der Riese indes mit Auftritten in Hannah Montana, Cory in the House und Wizards of Waverly Place.



Mit den Fantasy-Komödien Die Jagd zum magischen Berg (2009) und Zahnfee auf Bewährung ging es fimisch zugegebenermaßen eher seicht weiter, dafür rockte Dwayne Johnson bei seinem kurzen Auftritt als Super-Bulle in Die etwas anderen Cops und im Actioner(-Comeback) Faster (alle 2010), in dem er wortkarg den Tod seines Bruders rächt und dabei durchaus auch ernste und dramatische Momente gestemmt bekommt. Und Johnsons Wille, sich eine abwechslungsreiche Filmographie zu zimmern, in allen Ehre, aber: der Mann gehört ins Actionfach, aber nicht als neuer Schwarzenegger oder Stallone, sondern als er selbst. Johnson ist in der Lage, seinen Charakteren etwas ganz eigenes zu geben, das er sich nirgends hat abschauen müssen und von niemandem kopieren muss und das eben nicht nur Dank Charisma und weil der Typ einfach symtpathisch ist. Sondern auch, weil er eine funktionierende Gesichtsmuskulatur besitzt. Die darf er demächst im fünften Teil der The Fast and the Furious-Reihe, Fast Five, Vin Diesel vorführen, ehe es zur Wiedervereinigung mit The Scorpion King-Regisseur Chuck Russell kommt, in dessen Actionabenteuer Arabian Nights (beide 2011) Johnson neben Anthony Hopkins und Liam Hemsworth Sinbad spielt. Also dann, Dwayne „don’t call me The Rock The Rock“ Johnson: keep on rockin‘!

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