SUICIDE SQUAD: Kritik zum Extended Cut des DC-Schurkenauflaufs mit Margot Robbie & Will Smith

Die Story

Da nach dem Auftauchen von allerlei Superwesen und dem Tod Supermans anscheinend niemand mehr gerade von krumm und einen weitsichtigen Gedanken von einer Schnapsidee unterscheiden kann, kommt die verschlagene Regierungsbeamtin Amanda Waller mit der Idee durch, ein kräftemäßig höchst unausgeglichen besetztes Team aus eingekerkerten Superverbrechern zusammenzustellen. Dem gehört neben der antiken Hexe Enchantress mit ihren nahezu gottgleichen Fähigkeiten auch Captain Boomerang an, der Bumerangs werfen und wieder auffangen kann. Außerdem rekrutiert Waller den zielsicheren Deadshot, das psychotische Joker-Fangirl Harley Quinn, den kannibalischen Killer Croc, den feurigen El Diablo und den Kraxelhuber Slipknot. Als sogenannte Task Force X soll dieser entbehrliche Haufen aus Soziopathen, Psychopathen und Schwerverbrechern beim nächsten Hochrisikoeinsatz mit Superwesenbeteiligung eingreifen. Blöderweise und völlig unvorhergesehen ist es die magische Hobby-Hula-Tänzerin Enchantress, die auf Regierungskontrolle keinen Bock hat, ihren Bruder Incubus erweckt und in Midway City eine Armee aus Pustelsoldaten und eine Maschine mit Weltvernichtungszweck aufstellt. Zeit für die Task Force X, ihren kompletten Mangel an Qualifikation mit edgy Getue und in your face-Soundtrack wieder wett zu machen…

Die Filmkritik

Viola Davis als Amanda Waller in SUICIDE SQUAD
Wenn‘s DIE zwei Helden und Franchise-Zugpferde überhaupt nicht richten können, dann müssen eben Schurken aus der zweiten, dritten und vorletzten Reihe her, irgendwie so der Gedankengang hinter „Suicide Squad“. Die Comicvorlage erscheint nach ihrem Debüt im Jahr 1959 in einer modernen Inkarnation seit 1987 und sollte das schlingernde DC Extended Universe auf Kurs bringen. Und eine grell-düstere, von „I Started a Joke“ und „Bohemian Rhapsody“ getriebene Marketingkampagne später ruhten tatsächlich die Hoffnungen sämtlicher Fanboys auf dem Selbstmordkommando, auf das miese Rotten Tomatoes-Scores sie nach „Man of Steel“ und „Batman v Superman: Dawn of Justice“ nie wieder heimsuchen mögten. Doch ach, mit der Joker-verstärkten »we‘re the bad guys…«-Antwort auf Marvels bunch of a-holes „Guardians of the Galaxy“ entbrannte nur wieder die nächste Kontroverse zwischen dem blinden Abgehype der Vorlagenfans, die scheinbar einfach nur ihre Lieblingsfiguren einigermaßen adäquat auf der Leinwand abgebildet sehen wollen, und allen anderen, die da drumherrum gerne auch noch einen Film hätten. Also so richtig mit Plot und Struktur, Charakteren und Arcs, Tension und Stakes, nicht nur Bilder und Profi-Cosplay.

EIN Film oder ein FILM ist „Suicide Squad“ aber am allerwenigsten von all den Dingen, die man über David Ayers Schurkenauflauf sagen kann. Der geht fancy und flashy und vom Fleck weg falsch los, indem er nicht eine, nicht zwei, immerhin auch nicht fünf, aber verdammt nochmal ganze vier Character Introduction-Montagen aneinanderreiht. Alle unterschiedlich ausführlich, manche mit feschen Text-Grafiken, andere mit eher dramatischen Flashbacks, Ability Showcases oder motivatorischen Hintergründen, einige mit Exposition via Dialog und wo der nicht reicht hilft ein Bombardement an Pop-, Rock- und Hip Hop-Songs, die einem die Figuren vorsingen und -rappen. Regisseur und Autor Ayer, die Produzenten von Warner und DC, eventuell die Schauspieler und wahrscheinlich sogar der Typ, der den Bus bei der Warner Bros. Studio Tour fährt – jeder (und manch einer sehr strömungsbeeinflusst) schien so seine Idee (oder keine Idee) gehabt zu haben, wie man ein Figuren-Roster einführt, bei dem zum Teil sogar DC-Fans ihr Google für einen Background Check anschmeißen müssen.
Margot Robbie als Harleen Quinzel und Jared Leto als Joker in SUICIDE SQUAD
Von düster-gritty-flashbacky mit weinenden Kindern und Elektroschocktherapie nach Joker-Art über konventionell bis kinky-poppig-bunter Neonkontrast sind letztlich alle Ideen im Film gelandet und obwohl dieser Part gemeinhin als der unterhaltsamere von „Suicide Squad“ gegenüber der straighteren, actionlastigeren zweiten Hälfte angesehen wird: SO kannste doch keinen Film anfangen! Die Prämisse ist bescheuert, das Team ist unausgewogen zusammengesetzt, mit Enchantress bekommt es die Squad mit einer viel zu mächtigen Gegnerin zu tun und keine Figur wird gut genug aufgebaut, um ihr auf diesem Himmelfahrtskommando gegen die Hula-Hexe und ihren Videospiel-Zwischenboss-Bruder folgen zu wollen. Nichts in „Suicide Squad“ passt aneinander oder macht für mehr als fünf Minuten am Stück den Eindruck eines Projektes, das jemand von der ersten bis zur finalen Einstellung konsequent durchgedacht hat. Du kannst halt keinen Seidenschal mit einem Schlachtermesser an ein Stück Leder weben, Strasssteine dran pappen, deinen Best Of Querbeet-Mix aufdrehen und das einen Film nennen.

Mit Will Smiths Deadpool…ähhh…Deathstroke, nee, Deadshot und der Fan-Phantasie Harley Quinn bemüht Ayer sich zwar, zwei seiner Anti-Helden klar vor die grau-braun-blaue Pampe zu stellen, inmitten derer sich der Rest der Schar bewegt, aber was bekommt man da schon? Will Smith spielt Will Smith, der Deadshot spielt; bei dem nicht mehr ganz so freshen Prince kriegste stets mit dazu, dass Star Persona und Trademarks die Figur überlagern. Er ist zwar ein killer for hire, der seine Tochter zurücklassen muss, aber ein flapsiger Spruch über die Motivationskünste von NBA Coach-Legende Phil Jackson rutscht ihm trotzdem durch. Dennoch ist Smith klar der MVP der „Suicide Squad“, sein Floyd Lawton/Deadshot noch der am ehesten funktionale Charakter und zur Not hat der Willi eben wenigstens das nötige Charisma. Margot Robbie und Harley Quinn dagegen… Da steht und fällt viel mit dem Umstand, dass die Story der durchgetüdelten Arkham-Psychiaterin an Jared Letos Joker hängt. Der bekommt im Extended Cut mehr Screentime, aber das hilft keineswegs, denn wenn man etwas Verdorbenes isst, muss man nicht weniger davon kotzen, wenn man noch einen Nachschlag bekommt.
Will Smith als Deadshot und Margot Robbie als Harley Quinn in SUICIDE SQUAD
Letos Joker ist eine bling-bling-behängte, schnurrende und in angestrengt irre tuendem Method Acting vorgetragene Katastrophe von einer Interpretation. Ein möglichst schriller Gegenentwurf zu Heath Ledgers »I‘m a guy of simple taste«-Chaosagenten aus „The Dark Knight“, der als Goldketten-Bonzo in Nachtclubs abhängt, eine megaauffällige Protzkarre durch Gotham quietschen lässt und mit seinem durchtrainierten Tattoo-Body und Modestil zur Fashionikone und zu ‘nem Sexsymbol für abgefreakte Goth-Kids fetischisiert wird. Das alles findet seine Entsprechung in einigen Comicvorlagen rund um den Clown Prince of Crime, das macht Letos affiges Spiel, seine kaum erinnerungswürdigen Phrasen und das miese Make Up-Design aber nicht besser. Letos Joker kommt als windig-spleeniger Lurch rüber, sicher aber nicht als fürchtenswerter Verbrecherlord. In verzichtenswerten Flashbacks und kaum relevanten Eingriffen in die akute Handlung des Films werden er und Robbies Harley verknüpft, der einseitigen und missbräuchlichen Beziehung der beiden kommt aber nicht annähernd genügend Raum zu, um Mr. J für seine Position im DCEU glaubwürdiger oder die Quinn tragischer zu machen. Vor dem Hintergrund der Enchantress-Bedrohung wirkt der Joker nur noch unbedeutender und wäre am besten gar nicht im Film aufgetaucht. Seine und Harleys Geschichte in einen Solofilm verschieben, „Puddin‘ and Me“ und gut.

Auf sich gestellt und ohne den lappsenden Leto macht Margot Robbie ihre Sache schon brauchbar, aber mehr als aufdringlich viele Shots auf die Rückansicht ihrer Hotpants und dumme, unlustige Sprüche mit peinlichen Pausen für den nicht einsetzenden laugh track fallen dem Film zu ihr auch nicht ein. Wie beim Joker ist das Irre nur Masche und die Macher nicht bereit, eine Figur in richtig tiefe Abgründe seelischer Zerstörtheit und psychischer Störung zu stürzen. „Suicide Squad“, die harmlosen Wackos aus Zellenblock Loco. Im Kriegsgebiet, zu dem die Wackelhüfte Enchantress und ihr Bruder die charakterlose Midway City-Kulisse machen, wirkt die Quinn auf ihren stöckeligen High Heel Boots und mit Baseballkeule noch verkehrter aufgehoben als der Rest ihrer Kollegen, dennoch spielt sich hier der bessere Teil des Films ab: ja, die Gegnerscharen sind generische PG-13-Wegmachware in komischem Brombeerdesign und werden im Cutscene-Fight-Cutscene-Rhythmus eines einfallsarmen Hack‘n‘Slay-Adventures zum Hindernis für die Squad, aber für ein paar Szenen tankt der Film ein bisschen das Antihero-on-a-mission-Flair von Carpenters „Escape from New York“. Dessen Plotgerüst klaut „Suicide Squad“ eh zu neunzig Prozent und hätte er es mit der Bedrohung angemessener gehalten, hätten die Anleihen sogar richtig gut funktionieren können.
Hula Hexe - Cara Delevingne als Enchantress in SUICIDE SQUAD
Marvel wird oft für seine blassen Schurken kritisiert, aber denen gelingt es meistens, ihre bad guys sehr passgenau an das Stadium und die Overcome-Bedürfnisse des jeweiligen Helden anzupassen. Ein Kniff, den „Suicide Squad“ überhaupt nicht hinkommt, weil die Enchantress eher ein Sparring Partner für die großen Jungs von der „Justice League“ gewesen wäre. Eine kleinere, nicht übernatürliche Bedrohung für den Auftakt und der Film hätte zumindest ein passenderes Fundament gehabt, um seine Prämisse halbwegs plausibel zu verkaufen. So gibt es den üblichen beam of light in the sky, ausufernde und nicht durchgehend gute CGI-Effekte in einem $175 Millionen-Getöse, in dem sich ein dreckiger kleiner $60 Millionen-Mistsack von Film versteckt, den Ayer nicht rauslassen durfte. Hätte der hier ein so berstiges Mistvieh wie seinen DEA-Actioner „Sabotage“ abliefern dürfen, mit richtigen Psychos und Sadisten und Arschlöchern, Gewalt und ohne Rücksicht auf Publikumserwartungen und DCs Markt- und Konkurrenzforschungsergebnisse – „Suicide Squad“ hätte der Kniff in die Eier der Comicverfilmungen werden können.
Die Task Force X im Einsatz in SUICIDE SQUAD
Das hätte sich auch besser mit der pottenhässlichen Farbpalette des Films vertragen und in der Bar-Szene und ein paar Momenten mehr deutet Ayer an, was hier ohne die Einflüsse des Marvel-Misfits „Guardians of the Galaxy“ wie etwa dem Captain Obvious-Soundtrack hätte drinstecken können. Die Songs in James Gunns Space-Oper haben für Star-Lord Chris Pratt emotionale Bedeutung, sind für ihn das letzte Überbleibsel seiner Heimat Erde und selige Erinnerung an seine Mutter. In „Suicide Squad“ laufen Lesley Gore, Queen, Eminem oder die White Stripes ohne Bindung zu irgendwas. Und während das MCU sprechende Waschbären und Bäume mit Leichtigkeit in den Kanon integriert bekommt und zu Publikumslieblingen macht, ist bei DC keiner einfallsreich und all out-anarchisch genug, um Mensch-Krokodil-Hybriden, Bumerangwerfer und seelenabsorbierende Katana-Kämpferinnen auch nur mit irgendeinem Handlungsnutzen zu versehen. Aus Richtung der pathosgetränkten Epik, rauen Ernsthaftigkeit und dem Düsterlook seiner Vorgänger im DCEU kommend und sich selbst trendhoppend halbgar umdenkend ist „Suicide Squad“ ein zerrissener Film und dabei uninteressanter, weil weit weniger ambitioniert, als Zack Snyders „Man of Steel“ und „Batman v Superman“.

Wertung & Fazit

Action: 2.5/5

Plattes Gehaue und Geschieße, dem dramaturgische Bedürftigkeit und echte WOW-Momente völlig fehlen.

Spannung: 1/5

Figuren egal, Story dünn.

Anspruch: 0/5

Dafür fehlen dem Film Zeit, Fokus und Erzählgeschick.

Humor: 0.5/5

Nach Harley Quinns „lustigen“ Sprüchen herrscht meist peinliches Schweigen. Zieht ansonsten bedenklich viele Gags aus dem Umstand oder der Idee, Frauen eins in die Fresse zu hauen…

Darsteller: 3/5

Will Smith, Margot Robbie und Jay Hernandez als zölibatärer Zündling überzeugen am ehesten, Letos Joker ist grausam, die anderen machen ihre Sache noch halbwegs ordentlich. Nichtmal die Gurke Jai Courtney fällt ab.

Regie: 1.5/5

Die schlechte Wertung geht nicht allein auf Ayers Konto, vielmehr schließt das alle Einflussnehmer mit ein, die aus „Suicide Squad“ diesen unrunden Mischmaschfilm gemacht haben.

Film: 2.5/10

„Suicide Squad“ ist nicht so spannendes, nicht so ambitioniertes Scheitern, wie es Zack Snyder mit den beiden Vorläufern im DCEU hinlegte. Über die längste Zeit ist das auf der rudimentärstes Basis ein einfach wahnsinnig schlecht gemachter und aus zu vielen Unschlüssigkeiten aneinander geschnippselter Film, der in wenigen Momenten offenbart, was für ein feiner kleiner Dreckssack er hätte werden können.

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