TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES: Kritik zum Schildkröten-Reboot mit Megan Fox (Blu-ray)

Story

Eine kriminelle Organisation, bekannt als der Foot Clan, terrorisiert New York City mit Raubzügen und Gewaltakten, die Polizei scheint machtlos gegen die Ninjahorden des sagenumwoben-ruchlosen Anführers Shredder. Den Aktivitäten des Foot Clans auf der Spur ist indes die ambitionierte junge Reporterin April O’Neil, die von ihrem Sender Channel 6 bislang mit der Berichterstattung über Fitnesstrends und ähnliche Trivialitäten abgespeist wird. Doch mit der Story über einen Vigilanten, der es auf eigene Faust und äußerst durchsetzungskräftig mit dem Foot Clan aufnimmt, hofft April auf ihren journalistischen Durchbruch – allerdings ohne dessen Existenz stichhaltig nachweisen zu können. Als sie jedoch hautnah Zeugin eines brutalen Übergriffs der Terrorgruppe wird trifft April schließlich auf den vermeintlichen Rächer – und ihre Geschichte wird damit noch unglaublicher, denn tatsächlich sind es vier mannshohe, mutierte, kampfkundige Schildkrötenninjas, die da die Reihen des Foot Clans lichten. Und April an ein längst vergessenes Geheimnis aus ihrer Kindheit erinnern, das sie mit dem philanthropischen Multiindustriellen Eric Sacks zusammenführt, ein ehemaliger Forschungskollege ihres Vaters. Der eigene, finstere Pläne mit den Turtles verfolgt…

Der Film

Megan Fox in TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES

Beim Oscar wird immer viel diskutiert, vorher und nachher. Wurden die richtigen Filme nominiert, haben die Falschen gewonnen… Um das Qualitätspendant, die Goldene Himbeere, gibt’s weniger Aufregung. Da hat sich niemand über die ungerechtfertigte „Auszeichnung“ von Megan Fox als schlechteste Nebendarstellerin in „Teenage Mutant Ninja Turtles“ beschwert – obwohl sie doch eindeutig in die HAUPTdarstellerinnenkategorie gehört hätte! Mit insgesamt fünf Nominierungen erwies sich das im Vorfeld bereits mit Kritik bombardierte Reboot der jugendlich mutierten Kampfkunst-Schildkröten erwartungsgemäß als Teil des „Favoritenkreises“ der 2015er Golden Raspberry Awards-Zeremonie, gerechtfertigt ist das aber alles nicht. „Teenage Mutant Ninja Turtles“ ist in keiner Kategorie einer der schlechtesten Filme des vergangenen Jahres, sondern vielmehr der mediokerste Blockbuster der bisherigen Dekade, wäre also eher beim „hnnnnn, whatever…“-Award richtig gewesen.

Und Megan Fox ist hier auch nicht sooooo schlecht, egal in welche Kategorie man sie nun stecken mag. Worst unnachvollziehbare Dress Changes würde vielleicht passen. Ansonsten ist „Teenage Mutant Ninja Turtles“ fast mehr ihr Film als jener der vier eigentlichen Hauptdarsteller, „April O’Neil – The Movie“: die erste halbe Stunde geht komplett an die Story der aufstrebenden New Yorker Field Reporterin, die von Zufallshand geleitet in Schlagzeilen gerät und diese dann nicht verkaufen kann und für undicht im Oberhaus gehalten wird. Ihren wirren Präsentationen nach mit Recht. Dennoch: die Fox, ob’s nun an der letzten Beauty-OP, mehr Spaß am Projekt oder doch an verbesserten Acting Skills liegt, wirkt lebendiger als noch in den „Transformers“-Filmen und nicht bloß wie ’ne animierte, braungebrannt-ölige Ausgabe des Playboy oder anderer Lust- und Fetischheftchen. Boob shots und ass perspectives halten sich in Grenzen, einzig das ständige Rumgegeile an ihr und ihren Geschlechtsmerkmalen vom Journalistenkollegen Will Arnett und dem vor Geilheit aus seinem Panzer platzenden Michaelangelo nervt auf creepige Weise – der eine könnte fast Aprils Dad sein, der andere… ist halt eine Schildkröte.

Splinter vs Shredder in TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES

Letztere sind natürlich die Attraktion und das größte Plus von „Teenage Mutant Ninja Turtles“. Tricktechnisch ist die Umwandlung der Motion Capture-Schauspieler Pete Ploszek, Alan Ritchson, Jeremy Howard und Noel Fisher hervorragend, gleiches gilt auch für das ebenfalls im Vorfeld heftig kritisierte Aussehen der Grünhäuter. Der hartgesottene Raphael, der unbekümmerte Michelangelo, der geekige Donatello und der besonnene Leonardo – mit vielen kleinen Gadgets und Winks und individueller Note sind die Persönlichkeiten der Turtles rein vom Designstandpunkt her perfekt getroffen. Generell bilden sie ein hervorragend funktionierendes Symbiose-Quartett bewährter Teenager-Konstellationen ab und die ausdifferenzierte Gestaltung der optisch vormals meist vollkommen identischen Brüder unterstützt das so gut, wie es noch keiner Designinkarnation der Halbschalenträger gelang. Sind die Jungs dabei unknuffig und sogar leicht verstörend hässlich geraten? Ja, sind sie, aber warum auch nicht? Schildkröten sind keine besonders schönen Tiere und die Turtles müssen keine grünen Models sein oder irgendwelche Weirdo-Sexphantasien bedienen, wie zum Beispiel die Na’vi in Camerons „Avatar“, die rein nach empirisch evaluierten Cutie-Faktoren und –Merkmalen gestaltet wurden.

So gelungen jedenfalls das Redesign der Turtles ist: im Plot steckt nichtmal im Ansatz diese Mühe und Detailversessenheit, gerade bei den Details festzustellen. Continuitybrüche am laufenden Band, Wetterbedingungen wechseln je nach dramaturgischer Stimmung im Viertelstundentakt, Zufallsumstand auf Zufallsumstand, der neugedichtete Background der Schildkröten, ihres Rattensensai Splinter und wie das alles mit April und William Fichtners „man riecht ihn eine Meile gegen den Wind“-Bösewicht Sacks und dem Shredder zusammenhängt und zustande kam, das hinkt und stolpert ebenso wie der Plan der Archnemesis über holpriges Geläuf. Darin wirkt der ganze „Teenage Mutant Ninja Turtles“ wie ein unter Zeitdruck zusammengestelltes Pilotkonzept, das man als Normalzuschauer so nie zu sehen kriegen würde und das nur fix von Actionsequenz zu Actionsequenz überleiten will, um mit seinen Stärken zu überwältigen und auf grünes Licht zur Inproduktionsnahme hofft. Oder wie ein fünfepisodiger Cartoon-Arc, der es einem kindlichen Publikum einfach machen will, den Ereignissen zu folgen und sich am Excitement zu laben.

TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES Leonardo Snow Chase

Klares Manko der „Teenage Mutant Ninja Turtles“: außerhalb von Actionsequenzen und anderen Hektikpassagen interagieren die gepanzerten Brüder nicht genügend miteinander. Der Film nimmt sich kaum die Zeit, mit den Persönlichkeiten der Jungs ein bisschen rumzuspielen, hier mal ein Furzwitz, da mal der altbekannte Anführerkonflikt zwischen Raphi und Leo, mehr kommt nicht. Schade. Und sonst? Über allem an „Teenage Mutant Ninja Turtles“ schwebt das große eeeeeeeeegaaaaaaal. Wenn man nicht Hardcorefan der Mythologie, ihrer Vorlagenvarianten und den Vorgängern ist bietet der Film keinen Grund für Aufreger. Es wird nicht so ideologisch fragwürdig und fremdschämig wie in den „Transformers“-Rummsnummern und der Film ist ausreichend brauchbare Unterhaltung für ein Publikum zwischen zwölf und fünfzehn. Und stupider und peinlicher als der Ninja Rap gemeinsam mit Vanilla Ice oder die Coming Out of Their Shells-Musiktour wird’s für die Jungs hier auch nicht. Die Runterrausch-Passage einen verschneiten Berg hinab ist eine coole Actionsequenz, die Fahrstuhlszene kurz vor dem Showdown mit dem Shredder ist die beste des Films. Der Schurke aus und in der Konservenbüchse selbst indes ist natürlich weder als zwielichtig-generischer Asiate im Halbschatten, noch in seiner Taschenmesserrüstung eine echte Bedrohung oder gestalterisch gelungen. In diesem Sinne: Booyakasha! Ähhhh… Cowabunga natürlich!

Wertung & Fazit

Action: 3,5/5
Geht in Ordnung und ist für ein paar stylische Visuals gut. Irgendwas besonderes, wovon man noch Monate später schwärmt, hat „Teenage Mutant Ninja Turtles“ aber auch ncht zu bieten.
Spannung: 1/5
Nimmt nach einer halben Stunde an Tempo zu, spannend sind aber weder Aprils Journalistenkarriere, noch die Kämpfe der Turtles oder der Showdown. Dessen Bedrohung hat man schließlich schon in „The Amazing Spider-Man“ gesehen…
Anspruch: 0/5
Nope.
Humor: 1/5
Könnte gerne mehr Wert auf die Interaktion der Schildkrötenbrüder und damit auch mehr auf die Komik legen.
Darsteller: 2,5/5
Die Fox kommt hier engagierter und sympathischer rüber, als noch zu ihrer Zeit als dumpfes Lustobjekt in den „Transformers“-Filmen.
Regie: 2/5
Alles nix Dolles, halt eine Auftragsarbeit ohne herausstechende Merkmale einer Handschrift jenseits der Produktionsvorgaben.
Fazit: 4/10
„Teenage Mutant Ninja Turtles“ hätte besser werden dürfen, aber weit schlimmer sein können. So ist’s ein ziemlich egaler Blockbuster mit toller Technik und coolen, aber untereingesetzten Schildkrötenhelden.

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2 Kommentare

  1. Danke, für deine Kritik. Es verwundert aber sehr, dass manche Comic-Verfilmungen (Thor, Captain America, Man of steel) von Dir regelrecht in der Luft zerfetzt werden und dann im Nachgang noch mit einem Flammenwerfer komplett vernichtet werden, doch dein Text zu diesem “Fäkalfest aus der Kanalisation” ziemlich seicht daher kommt. Bei diesem Schildkrötenschiss von einem Film ist meiner Meinung nach jeder Punkt verschenkt, egal ob einer, zwei oder gar drei, geschweige denn vier. Die Turtles sind, genau betrachtet, totaler Humbug, aber was Eastman & Laird sich vor mehr als dreißig Jahren ausdachten ist verdammt noch Eins abgefahren geiler Humbug. Zu bedenken ist, dass das nichts für Kinder ist, schließlich ist der erste Comic eine brutale Rache-Geschichte. Splinter bildet seine vier “Söhne” aus, um den Tod seines Meisters Hamato Yoshi zu rächen und den Mörder namens Oroku Saki a.k.a. Shredder zu töten. Ergebnis: Shredder tot, die Turtles verschwinden in der Nacht und Comic zuende. Bis es dann doch mehr Leser und Fans gab als erwartet, somit musste aus dem toten Shredder ein toter Klon-Shredder werden. Der Hype wurde größer und es mussten Merchandise und Action-Figuren her, also musste eine jüngere Generation angesprochen werden und so kam es, dass die Turtles Trickfilm-Helden wurden, April keine Wissenschaftsazubine sondern Reporterin wurde und Shredder der völligen Verdummung erlag. Eine Mischung aus Original und Trickfilm funktionierte anfang der 90er als Film, aber heute nicht mehr! …Der ein oder andere merkt schon, da schreibt ein Fanboy. Richtig! Aber weiter… Es gibt zu viel, was an diesem 2014er Film nicht funktioniert oder stimmt. Es geht bei der Entstehungsgeschichte los. Das Wort “Ninja” ist völlig fehl am Platz. Wenn japanische Einwanderer einfach mal so ein Buch der geheimsten Kampfkünste (mit Kalligraphie und billigen Silhouetten-Übungsbildchen) das Klo runterspülen, dann komm’ ich mir sowas von verarscht vor. Woher kann eine Laborratte, welche in diesem Film nichts mit Japan am Rattenschwanz hat, das Buch samt japanischer Kalligraphie lesen und verstehen? Später kann Splinter sogar noch Shredders Lebensgeschichte erzählen, ohne überhaupt eine Verbindung zu Ihm zu haben. Fast drei Meter hohe Steroidkröten, welche mit Panzer bestimmt maximal 500kg wiegen, dass wenn sie irgendwo runter springen, es nur so donnert und bröckelt, haben mit Ninja nichts zu tun. Das Hauptquartier der Turtles ist mit mehr Flatscreens ausgestattet als der hiesige Elektronikfachmarkt oder Batmans Batcave und Donnies Spielzeug könnte ebenso dem dunklen Ritter gehören oder, aufgrund des Entwicklungsstands, aus der Zukunft stammen. Die Turtles sind optisch so hässlich (Shrek, ohne Ohren und Maske) und infantil überzeichnet dargestellt, dass es wirklich in den Augen und im Hirn schmerzt. Für die ganz Blöden unter euch, der schlaue Technik-Nerd ist der mit der Brille, aber das reicht nicht… gebt ihm in Nachtsichtgerät und so technischen Firlefanz (Ist das ein Photonenstrahler aus Ghostbusters?) auf den Panzer. Raphael ist raue Typ, der pumpt richtig auf Stoff, weshalb er auch so aggressiv ist… aber da fehlt noch was, jaa, die kleine Biker-Sonnenbrille in seinem Hulk-Hogan-Kopftuch. Richtig BadAss!!! Das zehnseitige Drehbuch kann wahrscheinlich die Charaktere der vier und ihren Bezug zu sich und der Außenwelt nicht transportieren. Da müssen Schauwerte her! Vier Seiten sind ja auch aus dem “The Amazing Spider-Man”-Drehbuch. Soll ich noch etwas über David Fichtner sagen, außer dass ich mir wünschte, die Granate vom Joker hätte in seinem Mund exportieren sollen? Megan Fucks läuft schwerr und schnell atmend durch die U-Bahn-Station als würde etwas in ihrer Unterhose vibrieren oder sollte vielleicht doch lieber zum Asthma-Spray greifen. Da hat sie wenigstens etwas im Mund und muss nich den ganzen Film über mit offenem Mund rumlaufen. Jedes denk ich: Steck da was rein! Das sieht sowas von debil aus.Das ist nicht lasziv oder sexy, Megan! April soll das auch nicht sein. Außer, wenn man in einem Film >der sich an das junge Publikum richtet< einen vor Sexismus strotzende Kameramann einbauen muss. Na, herzlichen Glückwunsch! Auf das davon noch mehr produziert wird. Da ist ist nichtmal ein Nostalgie-Punkt drin. Es kommen bei dem Film keine nostalgischen Momente auf.
    0 von 10

  2. Bin so ziemlich deiner Meinung, außer, dass mich das CGI nicht so sehr überzeugt hat wie dich (es gab nur ein bis zwei Momente, in denen es so aussah, als seien die Turtles wirklich da). Splinter ist allerdings nicht nur extrem schlecht animiert, sondern auch sehr hässlich designed, viele der Fights sehen aus wie aus einem Videospiel und so einiges ergibt keinen Sinn. Aber die Turtles als Charaktere haben Spaß gemacht, niemand war nervig, die Stimmen waren gut, ihre Persönlichkeiten wurden nicht versaut, aber niemand hat vom Skript genug Zeit bekommen, um wirklich mit anderen zu interagieren. Die Truck-Rutschpartie war gelungen, es gab ein paar gute humorvolle Momente und Fox, Arnett und Co. haben sich wacker geschlagen. Mir hat gefallen, dass April nicht so oft gerettet werden musste, sie war sehr aktiv und hat geholfen, wo sie konnte. Aber ja: Nicht wirklich gut, aber längst nicht so schlecht, wie er hätte sein können mit dem Regisseur. Ein Sequel wäre nicht zu verachten, aber dann bitte mit einem anderen am Ruder. Was könnte wohl ein Guillermo del Toro mit dieser Vorlage machen?

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