THE EXPENDABLES 3: Kritik zum Altherren-Actioner mit Sylvester Stallone und Mel Gibson (Kino)

Story

Die Expendables sind zurück: nachdem sie einen alten Weggefährten aus einem schwer bewaffneten Gefangenentransportzug befreien konnten, geht es für die knallharte Söldnertruppe um Barney Ross und Lee Christmas sofort weiter nach Somalia. Dort sollen die erfahrenen Recken einen hochgefährlichen Waffenhändler ausschalten, der an seinen Geschäften mit War Lords in Afrika und dem mittleren Osten Milliarden verdient und der mit seiner persönlichen Armee für weitere Unruhen sorgt. Scheint für Barney und Co. trotzdem kaum mehr als ein Routineauftrag zu sein – bis sich ihnen die wahre Identität des Waffenhändlers offenbart: sie haben es mit Conrad Stonebanks zu tun, ein einstiges Gründungsmitglied der Verzichtbaren und von Barney jahrelang für tot und begraben gehalten. Stonebanks verwundet einen seiner Expendables schwer und die übrigen bleiben geschlagen zurück. Zum Schutz seiner Männer beschließt Barney schließlich, das Team endgültig aufzulösen und im Auftrag des CIA-Mannes Drummer auf eigene Verantwortung Jagd auf Stonebanks zu machen. Dafür rekrutiert er eine vielversprechende Nachwuchstruppe, an die ihn emotional nichts bindet, und begibt sich mit den Frischlingen auf ein Himmelfahrtskommando…

Der Film



Naserümpfende Fans ob eines verjüngten Rosters! PG-13! Ein Online-Leak in DVD-Qualität mehrere Wochen vor Kinostart! Schlagzeilen und Diskussionen, die sich die Beteiligten und Macher von „The Expendables 3“ natürlich zum Teil selber eingebrockt haben, die sie sich aber dennoch sicher gerne erspart hätten. Die dritte Runde der Opa-Action-Sause hat im Vorfeld ganz schön schwer was wegzustecken gehabt und obwohl ein übergeiler zweiter Teil den mauen Erstling ausgemerzt hatte schien die geleakte Version im Netz allen gerade recht zu kommen, um für die verhasste Zielgruppenerweiterung mit niedrigerer Altersfreigabe und Cast-Zugängen wie „Twilight“-Heini Kellan Lutz nicht auch noch Kohle rausfeuern zu müssen. Traurig ist: nach Ansicht des Films ist das ein leider ziemlich berechtigter Gedankengang. Klar, wenn die Action mal in Gang kommt gehört „The Expendables 3“ eigentlich auf eine Leinwand projiziert und nicht in einem Browserfenster gestreamt, aber zwischen Karacho zu Beginn und Bambule am Ende ist nicht viel. Und wenn Karacho und Bambule wie Currywurst und Pommes ohne scharfe Soße gereicht werden, bleibt nach dem Festmahlvorgänger nur ein pappiger Happen.

Wie die Vorgänger haut „The Expendables 3“ die alten Säcke direkt im Einsatz raus, nach egalen Geiseln im ersten und Arnold Schwarzenegger himself im zweiten Teil ist es diesmal Steuerbetrüger Wesley Snipes, der aus misslicher Lage befreit sein will. Vehikel kommen zum Einsatz, Scharen gesichtsloser Gegner, die auf Stallone, Statham, Lundgren und Couture runtergeschrumpfte Gruppe ballert wie gewohnt aus allen Rohren drauf los… Nur gestorben wird in „EX3“ ganz anders. Der Härtegrad ist weit nach unten geschraubt und bis kurz vor flache Linie stumpfwinklig. Ja, das Drosseln der Gewalt, um nach zwei R-Rated-Krachern eine niedrigere Altersfreigabe zu bekommen, macht sich negativ bemerkbar, nicht um der Geilheit auf Blutvergießen wegen, sondern weil’s künstlerisch (richtig gelesen, künstlerisch) total inkonsequent ist. Moralische Sittenwächterei mal weggeklammert: abseits der reaktionären Verherrlichung einer Vielzahl der regimegeprägten 1980er Actionkracher kann Gewaltdarstellung natürlich eine bildsprachliche Ästhetik bedienen und/oder in ihrer Übertreibung einen gröhlend konsumierten Fun Faktor ausmachen – einer bewussten Vermeidung von Gewalt innerhalb eines klar gewalttätig geprägten Rahmens hingegen wohnt so etwas nicht inne. Schnelle Umschnitte, Gegenlicht, Rauch, Hindernisse, Objekte zwischen Aktion und Kamera, Distanz und Perspektive, in „The Expendables 3“ wird jeder Trick bemüht, um die hoch brutal und rabiat veranlagten Fights und Shootouts sauber zu halten und diese Selbstbeschneidung wirkt nicht ästhetisch, sondern kümmerlich. Halbierte Körper, abgetrennte Gliedmaßen und Blutfontänen machen keinen schlechten Film besser, aber zu manchen gehört das in der substantiellen Ausrichtung eben dazu und ihr ersatzloser Verlust macht „The Expendables 3“ zahm, bieder, gewaltverharmlosend und künstlerisch der eigenen Identität beraubt.



Wie soll denn Neuzugang Snipes seine Tauglichkeit mit Shōtōkan- und Klingen-Skills überzeugend rüberbringen, wenn Knochenbrecheraktionen und Kehlenschlitzer von Dunst verschleiert oder von Schnitten abgewürgt werden, wie sollen Schusswechsel Intensität erreichen, wenn Großkaliberwummen, Shot- und Miniguns in Körper einschlagen wie mit Gummiband abgefeuerte Erbsen und was macht die Holzkiste da im Bild, wenn Statham einem Gegner sein Messer ins Gesicht rammt? „The Expendables 3“ ist weder Fisch noch Fleisch und noch nichtmal ein Veggieburger mit Tofubulette, das ist ein fades Ersatzprodukt eines Ersatzproduktes… Aber, bevor das hier zu sehr auf »dem Vogel ist’s nicht blutig genug« hinausläuft: die echten Probleme fangen bei „The Expendables 3“ erst an, wenn die Balleraction ruhig ist. Nachdem er die Regie des zweiten Teils an Simon West abgegeben hatte (der das Konzept „Expendables“ scheinbar als einziger komplett begriffen hat), nimmt der immer noch als Storylieferant und Co-Drehbuchator verantwortliche Sly Stallone die Zügel wieder merklich fester in die eigenen Hände und lässt seinem jüngsten Mucken über den vielleicht zu eigenparodistischen Ton des Mittelteils eine ungleich freudlosere Veranstaltung mit typisch Stallone’schem Schwermutpathos folgen. Und dann ist da auch wieder diese müde Altherrenmelancholie, die den ersten Teil so derbe runterhemmte, dieser falsche Anspruch Stallones, den Kriegern in die Seelen schauen zu wollen und so zu tun, als wäre ihr Herz das wichtigere Organ gegenüber dem Abzugsfinger.

Über Barney Ross‘ persönliche Tragik wird dem Team viel weniger Platz eingeräumt, der verschworene Haufen aus dem direkten Vorgänger ist wie im Auftakt der Reihe wieder nur noch eine Gruppe von Typen, Statham darf gerade noch im Flugzeug vorne neben Stallone sitzen, der Rest kauert hinten auf der Bank und wartet drauf, dass die Kamera auch mal in ihre Richtung zeigt, während neben ihnen symbolisch die Dogtags gefallener Expendables baumeln. Erneut zentriert Sly alles um sich und seinen Ross, der den kompletten Mittelteil des Films ohne die anderen Oldies im Rücken bestreitet, denn auf einmal muss auch alles jünger und hipper sein, der Soundtrack kräftig bouncen und statt geballert wird gehackt, nachdem Stallone gemeinsam mit Kelsey Grammer in einer unspektakulär-langweiligen Rekrutierungsmontage ein Junior Squad aus Tütengesichtern ausgesucht hat. Dann ist das nicht mehr der dritte „Expendables“, sondern ganz viel „Mission: Impossible III“ mit einem Technikgeek im Van und fast schon sneakiger Gefangennahme des Bösewichts. Komplett x-,y-,z-beliebig und mit dem erwähnten Lutz, UFC Women’s Bantamweight Championesse Ronda Rousey, Glen Powell und Boxer Victor Ortiz uneinprägsam besetzt. Wer zur Hölle sind die denn überhaupt?! Die profillosen Newbies haben keine Chemie untereinander und außer Platzhirschgebalze und Rumgockelei auch nicht zu den grunzenden Oldies. Die kommen aber pünktlich zum Showdown mit Stonebanks auf einem verlassen Fabrikgelände doch treu und brav wieder angedackelt und dürfen nochmal mitmachen.



Stonebanks indes, gespielt von Mel Gibson, der die Rolle des skrupellosen Waffenhändlers schon in „Machete Kills“ üben konnte, setzt die unliebsame Tradition der Reihe mit ihren relativ blassen und arm an Screentime abgespeisten Schurken fort. Warum hier nicht mal in die Vollen gehen und Stonebanks eine ganze Schar ehemaliger Expendables befehligen lassen, mindestens Danny Glover hätte doch bestimmt Zeit gehabt, oder was ist mit Michael Ironside („Total Recall“) oder Kurtwood Smith („RoboCop“), Robert Patrick („Terminator 2“), Hugh Keays-Byrne („Mad Max“), Clancy Brown („Highlander“) oder sogar „Hannibal“ Anthony Hopkins und Alan Rickman („Stirb langsam“)?! Gibson an sich macht seine Sache gut, bekommt aber trotz gesteigerter Laufzeit noch weniger zu tun, als Eric Roberts und Jean-Claude Van Damme vor ihm; was soll dieser Quatsch mit der Kunst-Antiliebhaberei und irgendwelchen biblischen Gleichnissen, lasst den Mann ran an die Butter, der war „Mad Max“ und Martin Riggs und hat Schottland befreit, for fuck sake! Die Nummer, das Stallones Ross mehrmals in Stonebanks Gegenwart seine stoische Selbstbeherrschung verliert ist kein geeignetes Sprungtuch für einen bedeutungslos-lahmen Zwist zwischen zwei ehemaligen Kriegsbrüdern und Stonebanks‘ Provokation mit dem »you got that pesky moral conscience and that makes you weak« braucht mehr Krückstöcke, als die Besetzung nach Abschluss der Dreharbeiten.

Einen schlagkräftigen right-hand Man wie Stone Cold Steve Austin oder Scott Adkins bringt Stonebanks ebenfalls nicht mit zur Fete, so dass neben Stallone kein Co-Expendable einen angemessenen Endboss wegmachen darf. Für Statham wird zwar noch kurz ein dicker Brawler in den Showdown geschickt, aber hier wie generell fehlt den einzelnen Gefechtsstationen inner- und außerhalb der Fabrikruine und den in Grüppchen versprengten Expendables ein gutes Actiontiming und ein gewisses Storytelling innerhalb der einzelnen Happen. Die einen ballern hier, die andern ballern da, die Rousey zeigt ein paar lasche Moves, da klettern mal zwei in einen Panzer und fangen fast nix damit an, hier mal ein verrückter Motorradstunt und ansonsten wird nur geballert, geballert und noch viel mehr geballert, ach und der und der Gaststar ist ja auch noch dabei und muss mal kurz ins Bild und ballern. Das ist schon geiler, als der schnarchige Rest vom Film bis dahin war, aber aus den genannten Gründen (reduzierter Härtegrad, lahme Nextpendables, unterpräsentierter Schurke, schlechtes Kampferzählen) kann das weder mit der Schlacht um Vilena, noch dem Flughafen-Massaker in den vorigen Teilen mithalten. Kein Auftritt wird dermaßen zelebriert, wie der von Big Arnie in Teil Eins oder gar der vom Chuckster Chuck Norris in Teil Zwei, abgesehen von Snipes‘ selbstreflexiven Witz über Steuerstrafen, einer Rezitation Schwarzeneggers eines seiner berühmtesten Oneliner (nein, nicht »I’ll be back«) und einem Seitenhieb auf den paycheckwilligen aber arbeitsfaulen Bruce Willis bleiben Imageverarsche und Meta-Gezwinker fast komplett draußen. Lieber wird Rumlamentiert und gequält aus der faltigen Wäsche gestarrt…



…und ausgiebigst die Garderobe aufgesucht. Ganz ehrlich: wer mal ein garantiert katerversprechendes Trinkspiel braucht, der sollte bei „The Expendables 3“ nicht die Leichen und nicht die dummen Sprüche zählen, sondern Stallones Outfitwechsel. Slys Expenda-Fashion ist aber nur eine kleine Randnotiz, die zum Verkacken des Films nichts beiträgt. Das verantworten andere. Regie-Aushilfe Patrick Hughes bringt der Reihe ebenso wenig, wie auch die Cast-Erweiterungen nicht flutschen. Snipes und Antonio Banderas als schwatz- und divenhafter Spanier und ein grantelnder Harrison Ford, der Stathams Brit-Akzent-Gemumble nicht versteht, denen fehlt allen der Event-Faktor. Snipes und Banderas spielen nicht cool und feurig im „Blade“- oder „Desperado“-Modus, sondern schrullig und spleenig und off the mark, zumal mehr oder weniger alle Co-Expendables irgendwie quirky angelegt sind kann da von starken Ergänzungen keine Rede sein. Couture, Lundgren und Terry Crews (letzterer einer der wenigen, der Charisma und nicht nur Erscheinung mitbringt) werden dafür geopfert und in ihrer Screentime und ihrem Actionradius deutlich gedrosselt, auch Ford und Schwarzenegger dürften den Dreh in unter drei Tagen abgeschlossen haben. Es mag ein ganz schöner Akt sein, die Besetzung termin- und drehplangerecht vor die Kamera zu kriegen, auch wenn viele (noch) nicht (mehr) so dick im Geschäft sind, aber selbst für einen „Expendables“-Film, wo die Stars entsprechend überinszeniert einfach mal sinn- und zusammenhanglos auftauchen dürfen, ist das schon sehr lieblos, wie das Ballerensemble hier verheizt wird (man achte auf Jet Lis Einsatz…). Ist die Luft raus, sind die Knochen zu müde, weicht der Spaß an der Sache dem Stress der Umsetzung, wenn sich Blessuren und Gebrechen häufen? Jungs, dann lasst’s doch, keiner würd’s euch übel nehmen, zumindest nicht so übel, wie diesen abgeschmackten Versuch, mit degressiven Mitteln Progression für die Reihe zu schaffen…

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Wumms am Anfang, Wumms am Ende, im Mittelteil ist gar nichts los. Der Action fehlt davon ab Inszenierungsgeschick und ihr fehlt Härte. Der Endfight zwischen Sly und Mad Mel ist ein ganz mieser Witz. Ergo: als erstem Film der Reihe wird hier in der Königkategorie die Höchstpunktzahl verweigert.
Spannung: 1/5
Dümpelt mit exakt gleichem Storyablauf wie der erste Teil vor sich hin und lässt besonders im zweiten Akt jeglichen straffen Zug vermissen. Deutlich der längste Teil der Reihe und das ist auch spürbar.
Anspruch: 0/5
Nix da. Die Versuche, wieder mehr Drama und Pein beizumengen, sind dicker Holzklotz am Bein des Films.
Humor: 1/5
Selbstironie to the edge, herrliches Spiel mit Images und Klischees und in all seiner testosterongetränkten Übertreibung ein Funactioner alter Schule – so war’s beim zweiten Teil. Davon ist hier wenig bis nichts übrig.
Darsteller: 2,5/5
Die Megabesetzung der Oldies wird von den facetten- und reputationslosen Newbies aufgeweicht, doch auch den Alten geht sowas wie Profil hier völlig ab und Stallone schiebt sich wieder in den Vordergrund.
Regie: 2/5
Neuling Patrick Hughes darf als nächstes das an Unnütz nicht zu überbietende US-Remake von „The Raid“ drehen. Die Jobs werden also nicht dankbarer, denn hier ist er nur Platzhalter für Drahtzieher Sly Stallone, der überdeutlich seine fehlambitionierte Vision von den „Expendables“ durchdrückt.
Fazit: 3,5/10
Drei glatte Durchschüsse: der abgesenkte Härtegrad, die Integration der Nachwunchs-Expendables, Stallones Melancho-Pathos. Haut alles nicht hin. Von ausgelutschter Story und flachen Charakteren muss man natürlich nicht anfangen, aber hier wird einem fast jede Möglichkeit genommen, damit wenigstens guten alten old school-Spaß zu haben.

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